Dienstag, 19. August 2025

Gera 2

Am Entenfang waren sie nicht so pingelig: Man konnte ruhig noch eine Weile stehen und in aller Ruhe abbauen bis in den Nachmittag. Da fuhr ich dann aber, weil was soll ich noch da?

Da kam ich dann so ganz gut durch bis ein Stück nach Leipzig, da war ein fetter Stau. Nach Nürnberg staute es sich geradeaus weiter, nach Gera ging's rechts weg. Da wollte wohl keiner hin?

Entspannt kam ich am Parkplatz Gera Hauptbahnhof an und löste dort gleich ein Ticket für die nächsten 3 Tage.

Montagmorgens in der Arbeit inspizierte ich dann gleich den Kühlschrank: Meine Vespertüte von letzter Woche war noch da ! Die Bratwürste waren zwar weg, die hatte wohl eine Kollegin gegessen, aber Eiersalat und russische Eier lagen noch ungeöffnet drin, waren noch haltbar und ich fiel gleich drüber her *mampf*.

Als ich dann am Montag nach Feierabend zum Naglfar kam, da hing an meinem Fahrrad ein Strafzettel! Ein paar Meter neben dem Naglfar hatte ich es an den Zaun gesperrt. Naja, was heißt "Strafzettel", zahlen musste ich ja nix, aber den Wink mit dem Zaunpfahl hatte ich durchaus verstanden : Jetzt stehe ich hier zum 3. Mal in diesem Jahr. Da stehe ich jedesmal 3 bis 4 Nächte und dann verschwinde ich wieder. Selbstverständlich löse ich einen Parkschein und bezahle für den Tag 5 €. Das Naglfar zählt als PKW und ich kann es überall hinstellen, wo PKWs parken dürfen.
Nur drin übernachten darf ich nicht .
In seinem geparkten PKW darf man nur dann übernachten, wenn die Weiterfahrt an diesem Tag nicht mehr möglich ist. Naja, dieser Zustand ist ja mit 2 Bier sofort hergestellt , kein Thema!
Nur ... 3 Tage hintereinander geht das nicht, am nächsten Tag muss man dann verschwinden.
Tue ich natürlich nicht, nä . Ich war zwar dann Mittwoch letzte Woche verschwunden, aber jetzt stand ich schon wieder da . Das schien aufgefallen zu sein !

Nun schlich ich ja am Abend immer in mein Auto, machte kaum Licht, versteckte mich drin regelrecht und krabbelte gegen 10 Uhr abends in mein Bett. Früh um 7:30 war ich dann ja schon wieder weg. Bis jetzt konnte noch keiner nachweisen, dass ich da drin auch wirklich übernachte, niemand hatte mich bisher erwischt. Aber der aufmerksame DDR-Blockwart konnte sich das ja wohl denken. Er wusste wohl auch, dass dieses Fahrrad zu diesem Auto gehörte, denn warum sonst stand das da hinten so deppert an diesem Zaun? Gegen das Auto konnte er nix sagen, da lag ein gültiger Parkschein hinter der Scheibe und millimetergenau hatte ich es in nur 1 markierten Parkplatz gequetscht, es stand nicht über die Markierung hinaus. Nur das Fahrrad...

Mir war klar, dass heute abends ein Wachtel vor der Tür stehen wird und klopft, ob wer daheim wär. Nun hatte ich zwar Tag und Nacht die Rollos runtergezogen, dass man nicht sieht, ob jemand im Auto bzw. in der Schlafkabine ist, aber da find ich ja echt keine Ruhe mehr, da kann ich nicht schlafen, das stresst mich zu arg.

Ich musste umparken!

Ich hatte nun zwar schon bis Mittwoch bezahlt, aber was solls. Mit dem Fahrrad radelte ich am Nachmittag herum, um einen geeigneten Parkplatz zu finden, und da kam ich auch über die Hofwiese. Da hinten stand ein Van! ...und noch ein Stück weiter ein WoMo ! Als ich näher kam, sah ich ein wunderschönes Schild: 6 x Parkplatz für Wohnmobile mit Parkschein ! Ja, wundervoll! Wie traumhaft! Da holte ich gleich das Naglfar vom Bahnhof und fuhr es hierher auf die Hofwiese. Der Tag kostete hier nur 3 €. Da löhnte ich halt nochmal, aber über 3 € will ich doch wirklich nicht reden.

Da stand ich nun neben diesem Wohnmobil aus Frankreich - ganz legal, konnte Licht an machen, meinen Campingstuhl rausstellen, mein Fahrrad irgendwohin schmeißen und in aller Seelenruhe im Auto schlafen.

Erst mal radelte ich mit meinem Gespann vorn ums Eck, da ist nämlich gleich das Elsterufer. Mensch, ist das nicht herrlich, dort? Das war doch wie Urlaub! Wunderschön!

Gegen 18 Uhr radelte ich ins Kaufland, kaufte Fisch und Semmeln und radelte heim auf die Hofwiese zum Naglfar. Da stellte ich meinen Campingstuhl hin, flatschte mich rein und begann zu futtern, als plötzlich ein Bullerei-Auto nach dem anderen daher fuhr. Als es so viele Bullerei-Autos waren, dass sie bereits in zweiter Reihe parkten, erschien mir das dann doch etwas bedrohlich: welchen Krawall erwarten die hier denn? Ich lief mal hin und fragte lieber: "Empfiehlt es sich, den Platz hier zu räumen?" "Aber nein" sagte der Polizist "alles gut." Na, da war ich aber gespannt.

Es kamen nun einige Leute mit Deutschland-Fahnen und "Heimat"-Flaggen und schnell wurde klar: Es war nur die Montagsdemo . Ein Einheimischer klärte mich auf: Die Bullerei ist nur wegen der Antifa da, die standen drüben beim Theater und 3 Omas gegen Rechts waren dort auch dabei. Na, da stand ich ja hier dann auf der richtigen Seite .

So ein Mist! Erst gestern mittags hatte ich meinen Gülletank in ein Dixi entleert, ich war also nicht einmal mehr bewaffnet . Eine Spritzpistole hätt ich auch dabei gehabt, aber nun leider keine Munition mehr . Naja, da machte ich mir mal ein Bierchen auf und bezog meinen Logenplatz. Hier wurde ja echt was geboten!

Ich stand - wie gesagt - auf der harmlosen und unspektakulären, rechten Seite jenseits des Theaters, nur links der Straße ging der Punk ab. Naja, das musste ich echt nicht haben, wenn die Leute ja wissen, wo mein Haus parkt .

Passiert war dann letztendlich nix, nach der Veranstaltung stiegen die Geraner in ihre Autos und fuhren davon.

Naja, recht spießig sind sie hier schon, muss ich zugeben. Ich hab hier - außer mir - noch keinen Metaler gesehen, und ich hab auch das Gefühl, dass mich manche/r Passant/in verstohlen skeptisch anschaut. Man kommt sich vor wie in den 80ern, als die Omas im Vorbeigehen noch "ts ts ts" meckerten, wenn ihnen das Outfit nicht passte.

Am Dienstagmorgen klingelte kurz nach sechs mein Wecker. Ich stand auf, zog mich an und kochte Kaffee. Die Franzosen im Nachbarwohnmobil waren auch schon wach. Gerade als ich dann aus dem Auto kam und das Fahrrad klar machte, um in die Arbeit zu radeln, starteten die Franzosen ihr Wohnmobil. Vorne an der Ampel standen sie dann, wollten rechts abbiegen und weiter auf Tour, und ich radelte grad aus in die Bahnhofsunterführung zur Arbeit. Naja, das mit den Renten und der Arbeit ist in der EU irgendwie recht unausgewogen .

In der Arbeit war's ganz chillig und nach Feierabend radelte ich gleich wieder in meinen Wiesengrund am Elsterufer. Da saß ich dann und häkelte und genoss das schöne Wetter.

Ich saß dann später so in der Dämmerung im Naglfar, da war gegenüber ein Auto hergefahren und aus stieg ein Kerl mit einem Summer-Breeze-Shirt : ein Metaler! Da fiel mein Blick auf das Kennzeichen des Autos: Es war aus Neumarkt, nein ! "Der erste Metaler, den ich hier in Gera sehe - und dann ist er aus Neumarkt!" rief ich in gutem Nürnbergerisch zum Fenster raus. Der Kerl lachte und antwortete in leichtem Oberpfälzerisch, ha, welch schöne heimatliche Klänge!

Ich wollte mich dann abends soeben ablegen, da hörte ich laute Musik und Geschrei: Was ist denn da los? Ich lauschte. Ja, das wollte ich jetzt schon wissen, also zog ich nochmal meine Schuhe an und lief in Richtung Orangerie, wo die Musik her kam.

Da standen schon mal diese beiden seltsamen Fahrzeuge.

Die Musik kam aus dem Park, also lief ich rein - und staunte nicht schlecht: Sie hatte im Hof der Orangerie eine Kulisse mit übergroßen Armen und Händen aufgebaut und eine Menge Leute waren am Werk. Manche waren zufällige Passanten wie ich, standen nur dort und guckten zu, andere bedienten Scheinwerfer oder Kulisse und wieder andere tanzten und sangen. Der Hauptdarsteller unterhielt sich gerade mit dem großen Kopf, der oben am Fenster hing. Es war ein Theaterstück, sie spielten Orpheus! Da die Darsteller aber alle zivile Klamotten an hatten und keine Kostüme, nahm ich an, es war "nur" die Generalprobe. Da stellte ich mich auch hin und guckte zu.

Mensch, da parkte ich ja direkt auf einem Logenplatz !

Die Aufführung ging recht lange. Es war bereits deutlich nach zehn und noch immer spielte laut die klassische Musik. Was ist mit Nachtruhe? Wohnt denn da keiner? Zumindest ich wohnte hier gerade, aber ich schlief dann tatsächlich trotz Musik ein.

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