Dienstag, 14. Juli 2026

In Flammen am Samstag

Ich saß grad so beim Frühstück, da sah ich: Da vorne stand die Feuerwehr und spritzte rum! Schnell alles hingeschmissen und vorgerannt! Wenn ich schon nicht in den Teich hupf, dann stell ich mich wenigstens hier unter die Dusche . Ich ließ mich voll gießen und war patschnass, herrlich.

Aber als ich zurück zum Naglfar gelaufen war, war schon fast wieder alles trocken. Zählt das jetzt als "geduscht"?

Blitzblank sauber war zumindest mein Bierbecher. Die Ameisen hatte ganze Arbeit geleistet, das kriegt man mit Abspülen gar nicht hin .

Da kam der Eiswagen daher gefahren und hielt direkt vor meinem Home. Ha, jetzt kriegte ich das Eis schon nach Hause geliefert .

Langsam ging ich dann mal vor zur Bühne. Dabei kam ich ja immer an Harry's Camp vorbei und sagte dort "guten Morgen". "Geiles Augen Make up hast du!" sagte Sandra. Ich glaub, die meinte das ernst ? Ich hab mich nur einfach seit Tagen weder abgeschminkt noch gewaschen und immer nur Kajal nachgezogen. Harry lachte amüsiert. Mein Make up erreichte nun langsam schon Corpse-Paint-Qualität , ja, durchaus.

Vorne vor dem großen Zelt stand jetzt so ein Kran und zog eine Kabine hoch. Da konnte man von oben den ganzen Campground überblicken. Das war letztes Jahr noch nicht da. Sehr schön, dass sie ab und zu ein neues Highlight daher bringen.
Aber ich ließ mich nicht hochziehen. Ja, ich weiß, ein Stahlseil, und es hält bestimmt mindestens 3 Tonnen, aber es sieht so dünn aus, da hab ich kein Vertrauen .

Ich ging lieber mal ins Zelt und guckte, was da spielt: Sintage. Heute hatte ich ganz entspannt angefangen mit den drei Dosen alkoholfreiem Bier aus dem Kaufland, aber die waren nun schon weg. Ich ging über zu den zwei Dosen Radler. Den Campingstuhl hatte ich mitgenommen, stellte ihn an ein schattiges Plätzchen, flatschte mich rein und lauschte der Vorstellung.

Nach dem Gig im Zelt zog ich mit meinem Stuhl um, vor an die Hauptbühne. Auch da hatten sie was Neues aufgebaut, nämlich so einen düsteren Verkaufsstand. Es wurden dort bedruckte Kerzen verkauft und kleine Stückchen schwarze Seife für 5 €. Es war wahrscheinlich Band-Merch, so genau habe ich nicht geguckt.

Auf der Bühne spielten nun Beheaded.

Anschließend verzog ich mich wieder zum Zelt, da traten Moor auf. Das war eine richtig geile Band, gefielen mir echt gut, aber leider war das ganze Zelt gestopft voll und man sah von hinten so gut wie nichts, schon gar nicht auf einem Stuhl. Für ein Foto drängte ich mich nach vorne, aber dann ging ich gleich wieder hinter und ließ mich in meinen Stuhl fallen. Ja, ich glaub, so langsam war ich durch .

Auch nach dem Gig blieb ich noch eine Weile hocken und beobachtete die Leute. Da stand Karin!

Manche Leute halten Metal und Trash ja einfach nur für Krach, aber wir Metaler kriegen dabei oft richtig romantische Gefühle! "Ach, weißt du noch" sagte Karin melancholisch, "vor 25 Jahren als ich noch so 40 war und auf ein Konzert ging... da kamen dann oft so Youngsters daher und sagten 'wie toll, dass du in deinem Alter noch so fort gehst' und 'wenn ich mal so alt bin wie du, möchte ich auch noch so gut drauf sein'." "Ja, das ging mir auch so", lachte ich .
Das ist ja durchaus witzig und auch wahr, und ja, es ist eigentlich toll, was ich alles so treibe, wenn ich da an meine Eltern und Großeltern denke, was die in dem Alter so machten? Gut, meine Mutter war in dem Alter schon tot, und meine Oma? Die saß nur jeden zweiten Tag mit dem Opa im Tiergarten, dafür hatte sie eine Jahreskarte, und fütterte am Kamelgehege auf einer Bank die Vögel. Echt, jetzt...?

Boah, man darf gar nicht so genau drüber nachdenken, wie die Lebenszeit verrinnt und in welcher Phase ich schon bin , also packte ich schnell meinen Stuhl und zog vor an die Hauptbühne. Da spielten jetzt diese da mit einem ewig langen Namen.... wie? Schirenc. Schirenc spielten Pungent Stench. Drum hieß der Auftritt: Schirenc Plays Pungent Stench. Hmpf.

Eigentlich hatte ich ja vor, ein wenig was zu spenden für das In Flammen, weil man muss das unterstützen, find ich. Ich könnt aber auch die 50 €, die ich spenden wollte, verjubeln ? Also ging ich an die Bar und kaufte mir einen "Mexikaner from hell", na, so einen scharfen Tomatensaft. War da überhaupt Alkohol drin? Ja, Wodka soll drin sein, sagte der Barmensch. Schmeckte prima, viel besser als die Froschkotze, und ich kaufte mir gleich noch einen. Am Merch kaufte ich mir dann auch noch ein Shirt. Wenn ich schon nur mein selber mitgebrachtes Bier trank, dann machte ich wenigstens auf die Weise ein wenig Umsatz.

Ich setzte mich wieder hin und gab mir den Gig von the Crown.

Der Boden war runter getrampelt, es war heiß und eine Staubwolke lag in der Luft. Im Zelt ging's noch, denn dort hatte das Gras bisher noch stand gehalten. Alle waren dreckig und staubig. Na, das einzige, was ich regelmäßig und ordentlich reinigte, war meine Wunde am Schienbein, die sah auch mittlerweile besser aus, heilte schon und hatte sich nicht entzündet. Aber der Rest von mir war einfach nur dreckig. Das passte schon, denn alle waren dreckig, und das gehörte sich hier so.
Nur am Montag konnte das heikel werden, da musste ich "zurück in die Zivilisation". Ich musste mich dann abschminken, irgendwie waschen (wie? wo?), mich anständig anziehen, mich vom Dixi entwöhnen und aufpassen, nach dem Kacken am Klo auch zu spülen .
Aber noch war nicht Montag !

Im Zelt hätten nun Drudensang auftreten sollen, eine Band aus Nürnberg. Doch sie hatten bei der Anfahrt auf der Autobahn einen schweren Unfall gebaut, in Facebook war ein Bild des Unfallautos , und die Musiker lagen irgendwo auf der Strecke in einem Krankenhaus . Na, toll .

Asphyx spielten nun schon, der Co-Headliner. Langsam ging es doch dem Ende zu.

Dann kamen Satyricon, alle Leute standen vor der Bühne.

Manche brauchten dazu ihr Camp gar nicht verlassen, denn hinter der Wiese standen schon die Wohnmobile. Das hatte jetzt wirklich was von ner Gartenparty, richtig schön .

Ach, letzte Tage sind traurig, und noch trauriger sind die Abreisetage, wenn sich der Campground langsam leert und einer nach dem anderen davon fährt. Doch, ich war nun endlich auch mal "satt" von Musik und Konzerten. Es war ganz gut, dass der letzte Tag war, denn es reichte mir jetzt, und es war auch ganz gut, dass jetzt nicht gleich am kommenden Wochenende schon wieder das nächste Festival lief, weil... äh, Moment ...ja, was kam denn jetzt als Nächstes, ich schlug meinen Terminkalender auf: Montag und Dienstag Business-Event mit Präsenz-Teammeeting in Gera, am Donnerstag Overkill im Z-Bau Nürnberg und am Samstag Krach-Open-Air in Fürth ! Was hatte ich denn da geplant, ich muss mich doch irgendwann auch mal baden und Haare waschen?!

In Flammen am Freitag

Heute gings schon ab 12:40 Uhr los auf der Hauptbühne, aber da war ich noch beim Kaffee trinken. Aber immerhin bis 13:20 schaffte ich es ins Zelt, da spielten gerade Significance. Nach dem Gig lief ich dann endlich vor zur Hauptbühne, aber da war grad Umbau.

Der Eiswagen stand da, und ich kaufte mir ein Eis.

Nun war ein guter Zeitpunkt, und ich wollte mal vor radeln ins Kaufland, einkaufen.

Schon nach kurzer Strecke war vom Festival gar nichts mehr zu hören. Die Vögelchen pfiffen, Bienchen summten, chillige Natur. Ich kam an den Kleingärten vorbei und staunte: Da hatte einer die AfD-Flagge gehisst . Na, der traute sich was! Er stand auch grad in seinem Garten und goss sein Gemüse - ein stämmiger Kerl, so der Typ "Wirtshausschläger". Ja gut, der konnte es sich trauen, er war sichtlich gegen Zecken geimpft .

Beim Kaufland ums Eck fand ich eine Apotheke und kaufte Octenisept und Bepanthen für meine Schürfwunde am Schienbein. Ich trug das gleich auf. Die Wunde war überhitzt, tat auch weh, sah aber nicht infiziert aus.

Im Kaufland nahm ich Zigaretten mit für den Harry. 24 € kostete das Päckchen! Also das ist ja echt unverschämt teuer . Hee, das sind 50 Mark! Als ich noch geraucht hab (vor 35 Jahren), da hat man dafür ne ganze Stange gekriegt. Nein, früher war nicht alles besser, aber doch so manches .

Bepackt mit Radler und alkoholfreiem Bier (ich sollte mal wieder etwas langsamer feiern ) radelte ich wieder zurück am Teich-Ufer entlang.

...und dann biegt man um die Kurve, und da ist auf einmal voll die Hölle los, naja eben: hellish garden party .

Ich stand im Zelt und guckte mir Phantom an. So eine schöne Band, ich war begeistert! Die standen da wie die jungen Tom Arrayas, spielten Mukke wie die jungen Slayer, eine wundervolle Band! Auferstanden aus dem Kommerz-Ruin: Endlich was Neues von den alten Slayer , auch wenn es gar nicht Slayer war!

Nach dem Gig lief ich an den Merch und kaufte mir eine CD von denen. Ich hab mir jetzt schon lang keine CDs mehr gekauft, aber hier war's echt fällig *freu*.

Wenn ich schon bei den Verkaufsständen war, guckte ich auch ganz halbherzig darin ein bisschen rum. Ich wollte wirklich nichts kaufen, zumal das ja alles voll überteuert ist, aber dann sah ich eine Box voller Mini-Patches ! Mini-Patches! Ich hatte schon nach ihnen gegoogelt und auf Amazon und eBay danach gesucht, aber ich fand nirgendwo Mini-Patches. Da war ne ganze Box voll , das Stück für 2 €, aber egal, ich kaufte welche. Die Teile eignen sich für jede Kutte, sogar noch für meine, denn sie sind Mini und passen in kleinste Lücken zwischen Knöpfe, Nieten oder andere Patches. Ich kaufte gleich eine Hand voll mehr, denn sie eignen sich auch ideal als Pins auf Geburtstagsgeschenken.

Zurück vor der Zeltbühne stellte ich fest, dass hier eindeutig die besseren Bands spielten, Wandar hieß diese. Leider war das große Zelt aber schon bis hinten voll, und auch an der Seite außen standen Zuschauer dort, so weit man von außen noch etwas sehen konnte. Ich guckte also nur ein Weilchen von dort zu.

Dann trollte ich mich wieder rüber zur Hauptbühne. Da spielte nun Frank Blackfire.

Ich ging mal ins Camp fürs Abendessen und gab mir dort den frischen Salat vom Kaufland mit Thunfisch. Im Campingstuhl steckte mein Becher von gestern. Marmelade, Honig, süßes Obst, Wurst? Nein! Ameisen stehen auf Bier ! Hoffentlich verteidigten meine 6 Bord-Ameisen aus Nebra ihr Revier gegen diese Horden, weil die muss ich jetzt echt nicht im Auto haben, sonst gibt's Gift! Ich ließ den Becher außen liegen und trank lieber aus der Dose .

Die Zeltbühne war nun geschlossen, das weitere Programm lief nur noch vorne auf der Hauptbühne. Hier kamen jetzt Hate, die mir recht gut gefielen.

Die beiden Omas (Karin und ich) saßen dann bald auf ner Bank und hörten aufmerksam aus den hinteren Reihen zu wie die beiden Opas aus der Muppet Show. Irgendwie ging's mir nicht so fit, ein bisschen meldete sich der Kreislauf, es war sehr schwül, die Luft war staubig, zudem flog irgendwas rum (Pollen?), von dem ich andauernd niesen musste, ich feierte nun schon seit über einer Woche im Stück, hatte fast jeden Tag was gesoffen, und so kam es, dass ich schlapp rumhing und gar nicht moshte. Jetzt werde ich langsam alt, doch, ich muss es mir eingestehen .

Ein Kerl kam daher und begrüßte mich, halli-hallo. Ich kannte den nicht und guckte unbeholfen. Da zog er die Mütze mit einem fragenden Blick, quasi: kennst du mich jetzt? Ich kannte ihn immer noch nicht, traute mir das aber kaum noch sagen und tat nur so als ginge mir ein Licht auf. Das Thema des Smalltalks war das Break-Out-Festival, längst hatte ich dafür mein Ticket, also irgendwie könnte es schon sein, dass ich den kennen sollte . Ob ich Dings und Bums schon gesehen hätte, die seien auch hier. Hä...? Die kannte ich auch nicht, wer sollte das sein, und so verneinte ich: hatte ich noch nicht gesehen, nö, hihi. Na, irgendwann ging der Mann dann auch wieder weiter, und auch Karin und ich standen auf und gingen in die andere Richtung. "Ich habe keine Ahnung, wer das jetzt war!" sagte ich zu Karin ratlos, und die lachte grad raus. Das war also gar nicht aufgefallen? "Vielleicht hat er mich mit jemandem verwechselt?"
Mensch, das ist mir immer so peinlich, wenn ich die Leute nicht kenn... und leider kommt es sehr oft vor .

Jetzt speicher ich mir schon vom Publikum und irgendwelchen Leuten Fotos ab, die ich heimlich mach, schreib dazu, von wem ich den Namen (jetzt grad noch) weiß, bei wem ich gestanden war und mit wem ich gelabert hab, aber die Fotos liegen dann in einem Ordner und heißen Martin, Wolfgang vom Nachbar-Camp, Marion aus Leipzig, Kati, Sabine und Andi vom Ragnarök - und da liegen sie gut, also das hilft mir auch nix .

Primordial kamen nun, aber von denen hatte ich mir mehr versprochen. Ich fand sie grad ziemlich langweilig, auch weil ich keinen Bock hatte, mich bis ganz vor zu wühlen, und weiter hinten ist eh immer die Luft raus.

Den kleinen Malte aus der Party-San-Crew um den Torsten traf ich. Seinen Namen wusste ich auch nur deswegen noch, weil die ganzen Jungs Malte hieß. Einer hieß Finn, die anderen drei Malte .

"Sandra aus Hersbruck" (die hab ich mir jetzt auch endlich gemerkt ) kam mir mit ner Freundin entgegen. Die Freundin stellte sich mir vor, sie nannte zweimal ihren Namen und wir schüttelten uns die Hände, aber alles, was ich mir noch von ihr merken konnte und jetzt noch weiß: Sie hatte ein blaues Kleid an .

Sandras Mann war schon im Camp geblieben und schlief. Ja, also wenn ich jetzt ins Auto ginge, käme ich auch nicht nochmal hoch. Drum blieb ich vorne, denn ich wollte doch noch Grave sehen, wenigstens die ersten paar Songs.

Tatsächlich hielt ich durch bis Grave endlich auftraten. Rechts stand ich ganz weit hinten, da lief ich zur Mitte, da war's noch luftiger, aber hier sah man nix, weil lauter Bäume im Weg standen. Links waren dann schon wieder x Leute, aber einiges kriegte ich dann doch noch von Grave mit.

Bis zum Ende hielt ich nicht durch, aber doch wenigstens bis halbzwölf.

Im Naglfar versuchte ich die lange Hose auszuziehen, ohne mir meine Wunde am Bein wieder aufzureißen. Da saß ich und verarztete mich mit Bepanthen. "Nicht über 24 Grad lagern" stand auf der Packung. Aha. Na, die sind lustig, ich werf doch jetzt nicht extra deswegen den Kühlschrank an?