Sonntag, 4. Oktober 2026

Monster-Festival am Samstag

Ich schlief bis nach 11. Gechillt lag ich noch ein Weilchen im Bett und hing meinen Träumen nach, dann stand ich auf und machte mir einen Kaffee. Es war gar nicht kalt, mein Thermometer zeigte im Naglfar noch 15 Grad. Zusehends wurde es wärmer als die Sonne auf den Platz schien. Zu bald wollte ich nicht am Infield aufploppen, also holte ich den Campingstuhl aus dem Laderaum, setzte mich vor das Naglfar und häkelte.

Hinter dem nächsten Zelt war bereits großes Gejohle und Gejuxe, die Jungs hatten schon (oder noch von gestern) den guten Zacken in der Krone. Dabei kamen sie auf die glorreiche Idee, zwei Kerle Rücken an Rücken mit Tape zusammen zu kleben. Ich stand auf und guckte vor: Die beiden standen lachend dort und ein Dritter ratschte das Klebeband von der Rolle und fesselte ihre Füße und Hände aneinander. Eine Frau hupfte um sie herum und machte Bilder und ein großer, fetter Kerl von der Marke "haarloser Silberrücken" amüsierte sich drüber.

Ich ging wieder an meinen Platz in meinen Campingstuhl. Was dann passieren hätte sollen, weiß ich nicht, mutmaßlich hätten die Zusammengeklebten laufen sollen, aber es tat nur einen Dumpfen und dann hörte man nichts mehr. Jetzt hörte es sich nach Problem an, denn der eine fluchte, der andere schimpfte und die Frau verzog sich drüben auf den Sandhaufen und schaute verärgert. Ich wagte nicht vor zu gucken, denn es sah schon von weitem nicht gut aus . Ich hörte, wie das Klebeband ratschte, also einer schnitt sie voneinander los und immer wieder hörte ich sie fluchen: "Scheiße!".

Da kamen die Sankas mit dem Notarzt.

Gaffen war gestern: Eine Drohne flog über die Szene . Der Silberrücken schimpfte rauf und die Drohne zog sofort wieder ab. Jetzt kam die Frau wieder dazu und schimpfte den Kerl an. Der Notarzt sagte: "Das macht ihr mal unter euch aus.", nahm seine Sankas und den einen Verletzten mit zum Krankenwagen und fuhr ab. Oh, das war bestimmt eine lädierte Rotatorenmanschette. Die Unfallbeschreibung hätte ich gerne gelesen .

Die Frau schimpfte heftiger, der Silberrücken wurde jetzt richtig aggro, sein Bierbecher flog im hohen Bogen über das Gelände. Ein paar Sekunden war es still, dann weinte die Frau laut los. "Tussi!" schimpfte der Kerl immer grober und brüllte herum. Es war ein Zelt dazwischen, drum sah ich nicht, ob er bereits handgreiflich wurde. Jedenfalls kam dann ein Security und versuchte zu schlichten. Die Frau ging schließlich weinend fort, der Kerl wurde leiser, seine drei Kumpel verließen griesgrämig das Camp. Einer hatte ein großes, weißes Pflaster um die Kinnlade. Der Silberrücken blieb. Bestimmt schenkte er sich gleich nochmal ein Bier ein. Er war ja jetzt, nachmittags um drei, schon gut besoffen, aber bis abends war er dann wohl vollends hinüber. Dann würde ihm einfallen, seine Beziehung wieder kitten zu wollen, indem er seine Alte beglückte (wie denn schon sonst: Männer!). Dass er dann mit seinem besoffenen Halbständer dazu nicht mehr in der Lage sein würde, schob er sicherlich dann ihr zu, und so würde es gleich wieder weitergehen mit dem Zoff...

Da sah ich nur mal wieder, was ich mir in diesem Leben Schönes erspart hab, indem ich einfach Single blieb .

Es war nun schon späterer Nachmittag und an der Zeit, mal ins Infield zu gehen. Ah, sieh an: Am Merchstand hatten sie noch gute, alte Preise, Patches für 3 €. Die Patches waren natürlich nicht so hochwertig, wahrscheinlich importiert aus dem fernen Osten zum Kilopreis, aber was solls: Ich schlug zu und suchte mir 8 Stück raus für meine 80er Kutte, also so Iron Maiden, Whitesnake, Ramones, usw., was heutzutage keiner mehr will .

Dann ging ich in die Halle. Dort spielten gerade Kremer. Man konnte die ganz gut hören und ich lauschte dem Gig bis zum Ende. Da schmissen die Kremer Schwimmbälle ins Publikum und ich erwischte einen. Stolz trug ich meinen Ball aus dem Publikum. Ja, aber was mach ich jetzt mit dem Ball? Ins Auto bringen? Und dann? Wozu sollte ich den Ball brauchen? Wieder nur ein Trumm, was nur sinnlos herum liegt. Also schenkte ich den Ball einem kleinen Jungen, der da mit seiner Mutter in der Menge stand. Der freute sich.


9mm Headshot Assi Rock'n Roll sind hier doch auch jedes Jahr dabei, oder? Aber ich finde die ganz nett und so guckte ich mir den Auftritt an. Die Buben haben wenigstens lange Haare und sind metalig gestylt, auch vom Sound her find ich sie metaliger und damit besser.

Die Band danach hießen Artefuckt und gefielen mir wiederum gar nicht. Ich mag so die Mitsinger-Gigs nicht, wo das Publikum andauernd aufgefordert wird mit: "Oooo o ooh!" Ja, na gut: ooo o oo. "Uuuuuh huhu!" Oh Mann... Dann kamen wieder ein paar Takte Musik, danach eine Ansage und schließlich dankten sie dem Veranstalter, der da oben stand *klatsch klatsch* und den Securities *klatsch klatsch klatsch* und den Helfern und dem Putztrupp und denen am Ausschank und... meine Güte, macht Musik! Aber da kam schon wieder irgendeine Ansage.

Sie hatten wohl auch technische Probleme, und letztendlich erzählte der Sänger, dass jetzt an beiden Gitarren ne Saite gerissen war. Naja, ja gut..., aber das macht natürlich wenig Stimmung.

Dann kam eine Band, auf die ich mich freute: Primal Fear! Wer die hierher eingeladen hatte? Sie passten ja jetzt gar nicht in dieses Line Up von Hooligan Rock und Onkelz-Verschnitten, aber das fand ich grad geil. Ich stand recht weit vorn, denn das Publikum war jetzt ziemlich lüftig geworden, viele waren raus gegangen.

Angesagt wurden sie betont als deutsche Powermetal-Band: Es war die einzige Band im Programm mit englischen Texten.

Ich machte meinen Zopf auf, schüttelte die Haare locker und fing an zu moshen. Bis jetzt moshte hier keiner. Man mosht einfach nicht in der Hooligan-Szene. Womit auch? Viele hatten Glatzen und nur weniger Kerle überhaupt längere Haare. Auch die Mädels hatten vielfach Kurzhaarfrisuren. Ich fiel auf, aber das war mir wurscht. Vielleicht waren wir ja am falschen Platz, Primal Fear und ich, aber das war mir egal und ich hüpfte und moshte den ganzen Gig durch, der mir recht gut gefiel.

Es steckte an und bald standen zwei drei Leute neben mir und moshten auch. Ich bekam auch von ein paar Kerlen deutliche Likes, also thumb ups und zustimmende Gesten.

Am Ende des Gigs ploppte ich rechts an der Theke auf und holte mir ein Bier, und da schenkte mir einer eine Komplimente-Ente , ein anderer eine kleine Schildkröte, dann noch eine Ente, und Feenstaub bekam ich auch von einem Mädel, den ich mir übers Gesicht schmierte. Also durchwegs waren die Reaktionen eigentlich doch gut, den Mosh hatte ich einfach gebraucht. Ja, der Primal-Fear-Gig war mein Highlight auf diesem Festival .

Ich flocht mir die Haare wieder zum Zopf und setzte mein Käppi wieder auf. Als Nächstes kamen Kärbholz, und ich erlebte das noch, war heute tatsächlich noch gar nicht müde geworden . Aber danach - F.U.C.K. um 00:40 Uhr - die erlebte ich nimmer. Schad, weil die hätten mich auch interessiert, aber von vorn herein war mir klar, dass sie einfach zu spät auf der Running Order standen.

Hier sind nun meine ganzen Trophäen und Komplimente-Enten, die ich gesammelt hab . Die Gläsernen behalte ich, die aus Plastik werde ich auf dem nächsten Konzi weiter verschenken.

Samstag, 3. Oktober 2026

Monster-Festival am Freitag

Nachdem das Naglfar in der Werkstatt war und jetzt ja wieder top hergerichtet ist - samt Heizung - segelte ich am Freitag nach der Arbeit gleich los nach Geiselwind auf das Monster-Festival. Das Wetter war bestens für die Jahreszeit, recht mild, tagsüber fast schon wieder zu warm - na, die typische Jahreszeit, in der manche noch in kurzen Hosen, barfuß und mit Flip Flops rumlaufen, während ich mal lieber schon meine Motörhead-Winterjacke mitgenommen hatte, weil man weiß ja nie .

Die Bäume färbten sich schon langsam ein und hatten ein paar gelbe Ecken. Man sollt' eigentlich echt mal in die Natur fahren, so richtig auf einen Campingplatz in der Heide und einfach mal wandern oder so, aber dafür hab ich ja nie Zeit . Aber nächstes Jahr, ich sag's euch...!

Die A3 ist jetzt nach Jahren endlich fertig . Schön ist sie geworden, und es fährt sich absolut entspannt. Wenn ich da an die ersten Naglfar-Fahrten vor 4 Jahren nach Geiselwind denk und an diese schwer kriminelle Holperstrecke durch verengte Fahrbahnen, rechts und links Brückenpfosten, Holzpalisaden, Baustelle, maximal 80, da wird's mir ja heut noch anders! Dass da nicht mehr passiert ist...?

Ganz gechillt kam ich an. Vorher war ich an der Tankstelle noch schnell raus gefahren und hatte meine Sirup-Flasche im Korb versteckt (die ist aus Glas), aber niemand an der Pforte wollte wissen, was ich dabei hab, und ins Auto guckte schon gar keiner.

Da haben wir nun die Preise: Normales Auto 20 €, Naglfars 40 € . Hee, ich nehm doch nicht gleich doppelt so viel Fläche weg wie ein normales Auto, bin doch bloß 6 m lang , das iss gemein. Personen kamen noch extra dazu, aber ich bin ja bloß 1 Person. Unter dem Dach konnte man auch stehen, das kostete gleich 60 €. Da standen tatsächlich auch welche, kaum mehr ein Platz war dort noch frei. Naja, wenn sie zu viel Geld haben?

Ich cruiste erst mal um den ganzen Campingplatz. Am Ende kam ich wieder vorne an und quetschte mich dann mal zwischen zwei Camps so durch, da passte ich noch hin. Es war mir klar, dass sich da später garantiert noch einer hinter mich stellte und mich zu-parkte, aber ich wollt ja so schnell eh nicht raus. Da stand ich gut, nicht allzu weit vom Eingang weg .

Die Vorstellung begann erst um 18 Uhr, ich hatte noch viel Zeit und so dekorierte ich mal das Naglfar für Halloween. So schöne Kürbisse hatte ich gehäkelt . Da standen meine Kürbissle, die Herbstwolken zogen vorbei und spiegelten sich in der Frontscheibe, wie romantisch!

Kleine Amigurumi-Skelette habe ich auch gehäkelt, die hing ich ins Fenster. Aber mit der schönen Gardine sieht man sie gar nicht . Suchbild: finde die vier Skelette!

Auf der Innenseite sah man sie dann besser.

Ein kleines Teufelchen hängte ich an die Sonnenblende.

Ich hab noch andere Amigurumi-Figuren gehäkelt: Chtulhu, eine Hexe, einen Vampir und einen Sensenmann, aber die muss ich erst noch auf eine Unterlage pappen, sonst fallen die ja alle um. Halloween ist ja noch nicht, ich hab ja noch Zeit.


Weil ich also noch Zeit hatte, spazierte ich mal über den Campground. Es war eine herrlich "unbunte" Zone, nicht eine von den dämlichen Regenbogenflaggen war gehisst (dieser ganze Kindergartenkitsch nervt mich mittlerweile sowas von an, hab davon jetzt echt die Overdose). Garantiert gab's hier genauso Schwule und Lesben, aber die machten halt keinen narzisstischen Aufriss um ihre Bettgeschichten. Naja, vielleicht ist es eine Alterserscheinung meinerseits, dass mich das jugendlichen Geschrei und Getue so anstinkt?

Ein lustig beklebtes WoMo stand hier rum. Was: Full Metal Cruise? Na, dort war der bestimmt nicht mit seinem Schiff !

Die ersten Flüchtlinge aus Berlin sind schon eingetroffen. Schnell, Freunde, bevor dort auch noch die Autos enteignet werden!

Da hört man immer: "Ihr habt das so gewählt, beschwert euch nicht, ihr wolltet das so!", aber, Leuz, nehmt doch auch mal Rücksicht auf die paar Vernünftigen, die diesen Rotz eben nicht gewählt haben und das jetzt ertragen müssen! Das ist doch mindestens ein paar tröstende Worte wert.

Um 18 Uhr gings dann los mit der ersten Band. Viele Leute hörten sich das noch nicht an, die waren alle noch am Platz und feierten dort. Ich ging dann auch nochmal raus, genehmigte mir eine Portion Pommes, setzte mich in den Biergarten und guckte mir so die Leute an. Das ist wieder so eine Veranstaltung, wo keiner von meinen Freunden kam, das heißt: Ich kannte echt keinen, hier. Die meisten Besucher waren Ossis, auch die Bands kamen ja fast alle aus dem Osten.

Die Ossis haben so das Familiäre, also die haben Camps und Cliquen voller Leute, aber in sich sind sie geschlossen. Andere Leute gehören da halt einfach nicht dazu. Mir ist das nur recht, weil ich kann eh nicht so mit Leuten. Ich steh ja sonst immer nur dort und weiß nicht, was ich sagen soll, trink ein Bier und schau blöd. Allein komm ich fast besser klar.

Von der zweiten Band, die auftrat (die Bonkers), hab ich gar keine Bilder gemacht?

Die dritte Band, Wilde Jungs, fand ich dann überaus ... interessant . Sie hatten einen Cowboy als Sänger, und der stolperte schon beim Reinkommen unbeholfen herum. Ich kannte die Band ja nicht, aber ich hatte den Eindruck, dass der mehr ins Mikro lallte als sang. Der war doch total besoffen?! Die Band spielte auch einige Fehler, aber das lag wohl daran, dass sie von ihren Vocals recht irritiert waren. Der Sänger stützte sich einige Mal auf das Mikro, man meinte, er fiele gleich um. Zwischen zwei Songs schüttete er aus Versehen seine Bierflasche um, die neben ihm am Boden stand. Erschrocken griff er danach und hielt dabei seinen Mikrofonständer schief, sodass das Mikro aus der Halterung fiel. Das Mikro rollte über die Bühne, der nächste Song hatte schon angefangen, eigentlich war bereits sein Einsatz. Der Gitarrist nebendran steppte ihm mit dem Fuß das kullernde Mikro wieder zu, das der Sänger dann grad noch erwischte und gleich schief rein sang. Also das war echt ein interessanter Auftritt .

Ich glaub, die wilden Jungs waren froh, als ihr Gig fertig war. Ich hörte dann aber von einigen Fans in der Menge, dass er ja wengstens noch seine Texte konnte und sie mit dem Auftritt zufrieden waren. Bescheidene Menschen, diese Ossis .

(Zwischenrein: Es ist gerade Samstagmittags, ich hock im Naglfar und tippe, und hör jetzt glaub ich heute schon zum fünften Mal "Warriors of the world" aus diesem Camp da drüben. Haben die andere Songs auch noch?)

Dann kam die Ostalgie-Band Goitzsche Front, die erste heute, die ich kannte. Ja, ich glaub, ich kannte die von hier, denn die sind hier doch jedes Jahr, oder? Sie waren aber nicht schlecht, sind halt die originalen Ossis live, Hooligan-Rock, mit Texten zur DDR, gerichtet an ihre Landsleute. Warum ist dieses Festival eigentlich immer in Geiselwind und nicht im Osten?

Tja, und dann hatte ich schon wieder das Problem, dass ich müd wurde. Ich hatte heute früh schon verschlafen, kam erst kurz nach acht zur Arbeit. Ich komm zur Zeit nicht aus dem Bett, kann abends nicht einschlafen, schlaf auch schlecht durch, irgendwas wühlt in mir. Wie dem auch sei, wurde ich müd. Eigentlich wollte ich schon noch die Willkuer auch sehen, aber die sollten erst um 23:20 Uhr auftreten, das schaffte ich nicht. Also ging ich ins Naglfar und legte mich ab. Im Naglfar schlief ich aber ganz arg gut trotz des Lärms auf dem Campground.