Dienstag, 19. Mai 2026

Arche Nebra

Gestern begann meine Reisegeschichte mit folgender Ansage: "Fahren Sie links."
Jo, mach ich ...aber halt, stopp, Moment! Liebes Navi, ich bin ein Schiff, ich bin zu dick, ich bin zu schwer und zwar um fast 2 Tonnen ! Mit dem "10" wär ich ja noch einverstanden, doch überhaupt: 10 was? Bratwürste? Goldstücke? Stundenkilometer? Aber das Naglfar ist ein 3,5-Tonner, auf diese Brücke kann ich nicht fahren .

Links davor ging es auf eine Wendeschleife mit einer Bushaltestelle und dort stand ein großer Linienbus. Der Fahrer stand in der Tür und dattelte auf seinem Handy rum. "Wie komm ich über den Fluss?" fragte ich, aber er verstand nur Englisch. "How do I come to the other side?" On the other side bin ich nämlich ganz schnell, wenn ich auf die Brücke drauf fahr. Der Fahrer erklärte mir aber dann, dass man da bedenkenlos drüber fahren kann und vorhin schon der Bauer mit seinem Fendt samt Hänger drüber gerumpelt sei. In dem Moment kam von der anderen Seite ein Van und fuhr einfach schnurstracks über die Brücke. Na, das kann ich dann auch . Also fuhr ich drauf. Recht breit war die Brücke nicht, ich hing fast am Geländer, aber ich kam durch und drüber.

Ich landete auf dem Parkplatz der Arche Nebra. Ja, wer stand denn da schon, dieses andere WoMo kannte ich doch! Es war der Nachbar vom Kyffhäuser-Denkmal, der mir heute morgen noch sein restliches Parkticket geschenkt hatte. Die Tagesgebühr auf diesem Parkplatz lag bei 3 €. Dazu gabs ein sauberes, öffentliches Klo nebenan, also da kannste mal echt nicht meckern.

Ich machte nicht mehr viel, denn es war schon spät, und hockte mich am Abend nur noch hinter den Laptop, Bilder sortieren, Blogbericht schreiben.
Für die Himmelsscheiben-Ausstellung sollte man ca. 4 Stunden einplanen, hatte ich gelesen, also war das mein Plan für den nächsten Tag.

Zur Arche Nebra fuhr ein Shuttle-Bus für 2 €, aber die Nachbarn erklärten mir, das sei gleich dieses große Haus dort, dessen Dach man am Hügel schon sah. Na, da muss ich nicht mit einem Bus fahren, das lauf ich doch! Also ließ ich mir am Morgen erst mal ein neues Parkticket für den Tag raus, frühstückte in aller Ruhe und lief gegen Mittag hinauf auf den Hügel. Die Sonne schien und es war warm, aber sicherheitshalber hatte ich mir mein Hoodie im Turnbeutel mitgenommen und eine Flasche Limo.

An der Kasse löhnte ich 9,80 € und stieg die Treppe hoch zur Ausstellung.

Zuerst mal wurde dort die Sonderausstellung "Frauen im geteilten Deutschland" gezeigt. Auf Plakaten sah man Szenen aus der DDR und Bilder zur Wende, u.a. das Titanic-Titelbild der "Zonen-Gaby im Glück (BRD)" - was hab ich mich damals g'scheggert gelacht, weil der Witz war echt gut, die typische DDR-Maus mit Minipli-Dauerwelle und der flotten Jeansjacke vom Kaufhaus des Westens , so geil, der Joke, dass er es sogar heute noch hier in die Ausstellung geschafft hat.
...und darunter: die Rallye-Heidi in ihrem kleinen BMW 1802 - genau denselben hab ich damals gehabt, kotzgrün, ultraleicht, 90 PS, abgegangen wie eine Rakete, was bin ich damit vor dem Sugar rauf und runter gefahren .

Was mich natürlich an all dem wieder am meisten berührt: über fünfunddreißig Jahre ist das schon wieder her!

Die DDR-Frauen-Ausstellung war ganz witzig, aber eigentlich wollte ich ja die Himmelsscheibe sehen. Dabei ist die Himmelsscheibe überhaupt nicht hier, sondern im Museum für Frühgeschichte in Halle/Saale. Das hab ich gestern noch in der Hotelbettenallergiker-Gruppe erfahren und drum spontan beschlossen: Ich fahr morgen nach Halle! Genau so stell ich mir eine gute Tour vor: An diesem Ort entdecke ich, wo ich morgen hin fahr und dort entdecke ich, dass ich übermorgen da&da hin fahr... . Ursprünglich wollte ich ja nur das Kyffhäuser-Denkmal angucken, alles andere hat sich dann daraus ergeben. Das gefällt mir sehr gut .

Zur Himmelsscheibe gab es erst mal im Planetarium einen Film. Der war recht nett und anschaulich gemacht, aber der Posten am Eingang zeichnete mein Ticket ab und sagte gleich dazu: Es darf nicht fotografiert werden . Die in der Reihe vor mir fotografierten trotzdem, aber ich hielt mich halt mal an das Verbot.

Nachdem der Film aus war, guckte ich mir im anderen Gebäudeteil die Himmelsscheiben-Ausstellung an. Jetzt war ich ja mittels des Films voll informiert: Die Plejaden sind da drauf, Sonne, Mond und Sterne zeichnen 35 Mondzyklen/Monate, und alle drei Jahre war ein Schaltmonat, so der vorzeitliche Kalender.

Am Ende der Bronzezeit, als es nach einer Kaltphase zur Klimaerwärmung kam - ja, hätten die Neandertaler nur mal ihre CO²-Steuer bezahlt, gell?! - kam es zu einer Umbruchphase und die bis dort hin so wichtige Himmelsscheibe wurde der Erde überlassen, zusammen mit einigen Werkzeugen und Waffen.

Es erschließt sich mir nicht, warum diese Scheibe so wichtig gewesen sein soll - und doch nicht heilig genug, sodass man sie nachträglich noch korrigierte um die Sonnenzyklen, die mittels der beiden Randbögen nachträglich darauf angebracht worden sind, und dass man sogar noch eine Barke dazu setzte. Also ich weiß nicht: Wenn ich irgendein altes Trumm hab und meine, ich müsste da Wesentliches ergänzen, dann mach ich halt ein Neues? Mir würde das voll widerstreben, ein altes Erbstück von meinem Vater, dessen Vater, des Vatervaters, dessen Herkunft sich in all den Generationen gar nicht mehr nachvollziehen lässt, einfach abzuändern . Aber die Vormenschen waren da wohl nicht so zimperlich.

Es ist eine schmucke Scheibe, mit deren Hilfe man die Jahreszeiten ersehen konnte, die Zeiten der Aussaat und der Ernte, aber es will mir doch keiner erzählen, dass die archaischen Bauern das nicht auch ganz von sich aus wussten?! Die brauchten doch keine Scheibe, kein Stonehenge oder keinen Sonnenstrahl durch Ringbauten, um zu wissen wann die rechte Zeit zur Aussaat gekommen war?!

Eine böse Sache ist allerdings diese da: Sie heißen darin "Raubgräber", die Typen, die die Scheibe fanden. 1999, naja gut, ich stell mir ein paar Kerle mit einem Metalldetektor vor, die durch den Wald spazieren, vielleicht noch Jugendliche, finden dort eine Münze aus dem Mittelalter, hier eine Patrone aus dem WK II, bessern sich ihr Taschengeld damit auf, und stoßen schließlich auf die Scheibe und die vorzeitlichen Waffen. Weil sie keinen Plan haben, um was es sich handelt, laufen sie damit zu einem Spezi und lassen es schätzen. Der bietet ihnen 31.000 DM! Hmm, was hätt denn ich gemacht? "Nein" gesagt?

Tja, danach eskalieren die Preise, der Big Deal beginnt, bis die Sache auffliegt. Jetzt hagelt es mit ganzer Schärfe der Justiz, Hausdurchsuchung, Festnahme, sogar Gefängnisstrafen, wenn auch zur Bewährung. Das ist genau das, wovor ich mich immer fürchte: Da machste irgendwas, denkst dir nix, oder zumindest nicht viel, bestenfalls als kleine Schelmerei gedacht ...und dann kracht's sowas von .
Naja, ich drehe mir die Geschichte so zurecht, dass es die "Raubgräber" waren, die "nur" die Sozialstunden einkassiert haben, sonst fänd ich es echt zu traurig .

Dagegen haben wir hier ganz was Legales und zwar im Foyer schöne Halsketten für 180 €, Ohrringe für 195 €, aber ich geh mal davon aus, da ist auch echtes Gold verarbeitet - wie auch immer, ist da ja nun wirklich wieder gar nix dabei, was ich mir gerne kaufen wollte .

Ich verließ das Arche-Gebäude und machte mich auf den Weg in den Wald zum Fundort. Der Weg führte durch ein Naturschutzgebiet, und große Käfer krabbelten über die Straße. Im Hain wuchsen Farne und Pflanzen, die wohl geschützt waren; ich wagte es nicht, auch nur ein Butzelkü mitzunehmen . Ja, so ein Farn wächst auch bei mir auf der Ranch, aber ich habe mir den Kassenbon aufgehoben und kann nachweisen, dass ich es im Gartenmarkt gekauft habe , man weiß ja nie.

Noch schien die Sonne, und ich lief durch den Wald, der Shuttle-Bus kam mir entgegen. Oben auf dem Berg bog ich rechts ab, lief weiter, wie der Wegweiser es zeigte, und fand diesen Aufbau, ein deklariertes "Kunstwerk". Ich wollte gar nicht wissen, was sich der "Künstler" dabei gedacht hat . Warum bastelt man nicht einfach eine Stiege rein und nennt es "Aussichtsturm"? Nö, also, ich bin einfach zu pragmatisch.

Endlich war ich oben, am Ziel. Hier auf der Kuppe des Berges war in der Vorzeit die Himmelsscheibe vergraben worden. Da stand nun auch ein Aufbau, der kein Kunstwerk war, sondern tatsächlich einfach nur ein Aussichtsturm .

Innen war eine Stiege und man hätte raufkraxeln können. Ich war zu faul und zu müde. Ich setzte mich auf einen Stein, packte meine Limo aus und schnaufte durch nach rund 3 km Weg hinauf auf den Berg.

Oh.
Da kam ja eine Wetterfront!
Die hatte ich bisher nicht bemerkt, im Wald war sie mir gar nicht aufgefallen.

Zum Glück war ich eh grad nicht drauf erpicht, den Aussichtsturm zu besteigen, also machte ich nur noch ein paar flüchtige Fotos und sah zu, dass ich davon kam. Zwei Frauen waren noch auf Wandern hier oben und traten nun auch schleunigst den Heimweg an. Zum Parkplatz ginge es hier lang, dreieinhalb Kilometer durch den Wald, sagten sie. Das war kürzer als der Weg, den ich hinaufgekommen war und so lief ich lieber den Frauen hinterher.

Es ging bergab, und ich verfiel ins Joggen (völlig untrainiert, wie ich war), überholte die beiden Frauen und schnürte den Berg hinunter. Naja, bergab lief sich leichter, aber ich war erstaunt über meine Kondition, ich lief und lief im Dauerlauf, kam nicht mal groß außer Atem. Das liegt bestimmt an dem Proteinpulver, mit dem ich mir täglich mein Diätshake mixe; ich bin jetzt schon auf 66 kg (ganz stolz).

Als ich aus dem Wald kam an diesen Wegweiser, spürte ich den ein oder anderen ersten Tropfen. Oh weh, es regnet, schnell laufen laufen laufen *weiter schnür*.

So? Was nicht alles verboten ist? Wisster was: Ich scheiß drauf! Ich hatte nur nicht genug Zeit, denn es tröpfelte. Ich lief.

Als ich in die Ebene kam, fiel das Laufen schwerer und ich verfiel in (nur noch) schnellen Gang, das musste reichen. Doch..., jetzt merkte ich, ich war außer Atem. Vor mir liefen ein paar Wanderer, die hatten wenigstens Regencapes, bereits drüber gezogen, und liefen auch, was sie konnten.

Da schimmerte irgendwas durch die Bäume und Büsche, es sah aus wie Autos, ja, es war der Parkplatz, juhuu ! Es nieselte schon ordentlich, aber ich schaffte es noch trockenen Fußes ins Naglfar, Tür zu, gerettet!

Trockenen Fußes!
...aber völlig durchgeschwitzt, patschnass, das T-Shirt zum Auswringen !

Da saß ich im Naglfar, zog mir erst mal was Trockenes an und chillte den Rest des Abends noch so vor mich hin.

10.611 Schritte! Top-Ziel erreicht, Weltmeister!

Montag, 18. Mai 2026

Barbarossa-Höhle

In der Nacht hab ich wunderbar geschlafen. Einen Ort, wo es so ruhig war wie hier, hab ich schon lang nimmer erlebt. Trotz des Gedankens, der Berg könnte auseinander brechen oder aus dem nahen Wald könnte eine Horde Zombies kriechen, fühlte ich mich hier unheimlich wohl . Bloß Internetempfang gabs keinen. Weder mit dem Handy noch mit dem WLAN bekam ich irgendwas rein oder raus, Sendepause . Am Morgen frühstückte ich und wollte dann gleich weiter.

Ich fuhr vom Parkplatz ab und stand gleich drauf vor einer Ampel, weil Bauarbeiten an der Strecke stattfanden. Ein Bagger kam mir entgegen, der Baggerfahrer auf selber Höhe wie ich, unsere Blicke trafen sich, er guckte mumpflig und böse - naja, Montagmorgen - während ich ein breites Grinsen im Gesicht hatte. Die glücklichen Menschen in ihren großen, weißen Autos . Der wär bestimmt auch lieber Wohnmobil gefahren statt seinen Bagger .

Die Strecke ist wirklich ein Traum für Motorradfahrer, was für tolle Kurven! Notwendigerweise sind aber überall Geschwindigkeitsbegrenzungen und Stolperstreifen auf der Straße, dass man schon gar nicht schnell fahren mag.

Es waren nur rund 10 km, dann kam ich an der Barbarossahöhle an.

Was: 1122 bis 2022? Der ist aber alt geworden !

Was ist das in dieser Gegend eigentlich für ein Hype um den Barbarossa?
Das Kyffhäuserland war eine Pfalz des Kaisers, so wurde mir erklärt, und darum spukt er hier herum. Aber warum ausgerechnet hier? Es war doch nicht die einzige Pfalz? Warum spukt er denn hier und nicht in irgendeiner anderen seiner Pfalzen? Vermutlich ist es ähnlich wie mit dem Jakobsweg, also irgendwas ist irgendwo mal passiert ... halt, Moment noch: vielleicht passiert, und deswegen geht jetzt hier der Punk ab .

Also wie war das? Auf dem Kreuzzug ist er in Italien in einem kalten Fluss ertrunken? Dessen ist man sich jedoch nicht ganz sicher, er könnte auch einen Herzinfarkt erlitten haben. Auch ein Meuchelmord ist denkbar, denn niemand weiß wirklich, wie er zu Tode kam, Zeugen gab es keine, und auch die Leiche blieb verschwunden . Genaugenommen weiß man gar nicht, dass er überhaupt gestorben war. Deswegen wohnt er jetzt hier in diesem Kyffhäuser-Berg in dieser Höhle, schläft dort einen tiefen Schlaf und sein roter Bart sei längst durch den Tisch gewachsen, auf den er sich stützt.

Pah, was für eine erfundene Story, das kann ja gar nicht sein, denn jeder weiß doch, dass der Barbarossa im Nürnberger Burgberg schläft . Tatsächlich: selbe Story, nur andere Location. Die Sage kursiert in Nürnberg ganz genauso - mit Bart, mit Tisch und mit irgendwelchen treuen Berggeistern um ihn herum, die gelegentlich im Burgberg singen, und wenn man das Ohr unterhalb der Burg ganz fest an den Felsen presst, kann man sie manchmal singen hören.

Die Führung ging jetzt los, 7 Touris und der Fremdenführer stiegen durch einen engen Gang hinein in den Berg. Der Gang war künstlich angelegt, denn zu der Höhle existierten keinerlei natürliche Eingänge, sie lag gänzlich im Inneren des Berges. Als man im 19. Jahrhundert dort nach Kupfer grub, stieß man auf die Hohlräume und entdeckte die Höhle.

Die Höhle ist entstanden, weil sich die Gesteinsschichten darüber trafen und sich mit massivem Druck gegeneinander pressten bis sie sich wölbten. Kalk-, Gipsschichten und andere Mineralien sogen sich voll Wasser und quollen im Inneren der Erde auf, so dass dieser Druck entstand und die Gesteins- und Erdmassen in alle Richtungen drängten wie so ein aufgehender Hefeteig. Die Erde ist hier also massiv in Bewegung, was zu ernsthaften Problemen an der Oberfläche führt, nämlich zu Rissen in Häusern und Straßen.

So entstehen auch in dem engen Gang schon Wölbungen von der Seite her und werden diesen in angemessener Zeit einfach zu-zerquetscht haben. Wände, Decke und Boden standen ständig unter Spannung. Daher blätterten die einzelnen Schichten an der Wand ab, sie platzen einfach weg, und dies führt zu solchen einzigartigen Formationen als würde der Verputz einfach von der Decke hängen.

Das Wasser sickert von oben durch die Erde und die Gesteinsschichten und wäscht die Mineralien aus. So entstehen diese ganzen Höhlenseen, so klar und "sauber", dass man das Wasser kaum erkennt.

Weil das Wasser so extrem mineralhaltig ist, hat es eine besonders starke Brechung: Der eingetauchte Stab macht tatsächlich einen ganz deutlichen Knick. Das zeigt auch die Tiefe, denn so flach, wie das Wasser aussieht, ist es keineswegs, stellenweise erreicht es eine Tiefe von 2,5 Metern, sieht aber nur knietief aus.

Hier ist keine Brücke, sondern die beleuchtete Höhlendecke spiegelt sich in dem klaren Wasser so scharf, dass man es nicht mehr als Spiegelbild erkennen kann.

Bestes Mineralwasser, aber trinken kann man es nicht, weil es so stark von Mineralien durchsetzt ist, dass es giftig ist. Insbesondere im Frühjahr, wenn die Bauern Dünger ausfahren, ist es durchsetzt mit krasser Chemie.

In der Höhle lebt auch nichts - kein Fisch, kein Grottenolm, keine Fledermaus, kein Moos, einfach nichts. Im Wasser ist kein Sauerstoff! Das muss ja die volle Ätz-Brühe sein!
In der Höhle ist es absolut dunkel. Zur Demonstration schaltete der Führer nun das Licht aus: Man sah wirklich gar nichts mehr, nicht mal irgendeinen Schatten.
Ebenso ist es mit dem Schall: In der Höhle herrscht eine absolute Stille. Darum wird sie als Tonstudio genutzt und für akustische Experimente.

Ein Phänomen gibt es auch noch: In der Höhle verliert man komplett die Orientierung. Das stimmte, denn obwohl wir wirklich nicht weit gelaufen waren, wusste ich nicht mehr, woher wir gekommen waren und wie es wieder zurück ging.

Dann waren wir an Barbarossas Thron angelangt. Sieh an, da stand die Krone aus den Reichskleinodien. Ist die nicht bei uns in Nürnberg im Germanischen Museum?

Der Thron mittelalterlicher Könige und Kaiser soll tatsächlich aus Stein gewesen sein, doch im Sitz unten drin war ein Fach, dort schob man glühende Kohlen hinein, und wenn der Steinthron erst mal warm war, wurde er auch so schnell nicht wieder kalt. Sonst hätten die feinen Ärsche ja ihre Sitzungen gar nicht überstehen können .

Wir liefen weiter durch die kalte Höhle. Konstant hat es hier Sommer wie Winter immer 9 Grad. Ich hatte extra meine Motörhead-Jacke angezogen .

Aber nun kamen wir dem Ausgang entgegen (darum war ich jetzt ganz froh). In der letzten Höhlenhalle fanden sich wieder diese Anker, die auch hier in den Fels getrieben worden waren, damit er nicht auseinander bricht. Das ist wie bei einem gebrochenen Knochen, dessen Frakturteile aneinander geschraubt werden. Nur: Der Knochen lebt und wächst wieder zusammen, der Fels konsolidiert nicht, im Gegenteil, er treibt auseinander. Noch dazu dringt durch die Bohrlöcher Feuchtigkeit ein und wenn das Wasser gefriert, treibt es die Spalten im Gestein nur noch weiter auseinander; dazu noch der permanente Druck von allen Seiten... eines Tages gibt es einen großen Knall.

Da fragte ich gleich, ob es denn am Denkmal wesentlich anders sei und bekam meine Vermutung bestätigt: Der Fels treibt auseinander, er bricht und bröckelt und eines Tages haut es alles runter mitsamt dem Kaiser Wilhelm und dem Barbarossa.