Vor zwei Tagen meldete mir der Ralf, dass er krank werden würde und nicht mit nach Feuchtwangen käme. Oh, da tat er mir aber Leid, weil er freute sich doch schon seit Wochen drauf . Naja, also fuhr ich halt ohne ihn.
Mit dem Wetter hatte ich am Freitag Glück, denn die Sonne schien und es war auch gar noch nicht kalt. Ich zockelte mit meinem Schiff im dichten Verkehrsgewühl durch ganz Nürnberg mit all seinen Baustellen und segelte dann hinter GoHo auf die A73. Da durfte man auch streckenweise nur 40 (!) fahren, weil gebaut wurde und die Fahrbahn auf nur eine Spur verengt war. Ich kam endlich auf die A6 und fuhr ein Weilchen, aber dann war auf der Gegenspur ein übler Unfall, die Sankas standen quer auf der Autobahn, hinter ihnen hatten sich ein paar Autos verkeilt, danach stand die Feuerwehr, ein Stau zog sich kilometerweit. Dann bei Ansbach staute es sich auch in meiner Richtung. Ich fuhr grad so ins Stauende rein, aber da, eine Ausfahrt - irgendwohin, egal - und *schwupps* war ich draußen . Bis Feuchtwangen waren es nur noch 20 km, die fuhr ich gar auf der Landstraße. Ich kam bald unter einer Brücke durch, über die die A6 führte und da standen sie noch immer und stauten sich.
Dann war ich endlich beim Schwimmbad !
Am ersten Parkplatz hatten sie jetzt eine Höhenbegrenzung auf 2,20 m baumeln. Nein, da pass ich nicht drunter .
Der zweite Parkplatz war noch relativ frei. Von den 20 Parkplätzen haben sie jetzt auf dreien Rollstühle drauf gemalt. Eh, ich krieg bei diesen Gutmenschlichkeiten immer mehr den dicken Hals : als wenn fast ein Sechstel der Bevölkerung behindert wäre? Und die Gesunden und Normalen werden dabei immer mehr begrenzt und müssen sich um die Reste schon bald schlagen. Aber weil der Sommer vorbei war und eh keiner mehr ins Schwimmbad ging, war wie gesagt noch relativ viel frei und ich parkte ganz rechts außen im ersten Parkplatz, damit mich nur keiner zu-parkte. Es war nämlich für den Samstag Regen gemeldet, und ich wollte das erst mal abwarten, weil wenn das Wetter nicht passte, würde ich dann wieder heim fahren.
Ich gewandete mich und lief runter auf die Mooswiese. Dort standen aber bloß die großen Autos der Händler und parkten, denn dieses Jahr war der Markt wieder im Stadtpark, also lief ich weiter. Ich hatte ein paar Dosen Bier dabei, versteckt in schwarze Hundetüten, die wollte ich außen im Gebüsch deponieren, aber als ich an den Eingang kam, wurden dort gar keine Taschen kontrolliert, also nahm ich die Dosen mit rein und deponierte sie drinnen irgendwo ins Gebüsch.
Dann lief ich über den Markt und guckte mich um. Da traf ich mal gleich am Met-Stand Robert und Chrisi und den kleinen Österreicher, den ich jetzt bestimmt schon 10 Jahre lang kenne und immer noch nicht weiß, wie er heißt.
Ich lief hinter ins Lager. Da stand das Zelt der Piraten und ich hockte mich gleich mal mit rein.
Ich kam langsam wieder zurück zu den Buden. Da war sogar eine Tattoo-Bude, aber natürlich waren die schon wieder ausgebucht und hatte nur noch ganz spätnachts einen Termin frei oder dann morgen früh, gleich um 9 Uhr. Nein, also weder noch, das lass ich dann. Ich muss mich echt mal zuhause drum kümmern, weil ich wollte doch schon seit Jahren noch ein paar Tattoos, kam bloß bisher nie dazu. Es wär ja nun mal echt an der Zeit, sich wenigstens ein schönes Motiv auszusuchen?
Wieder ein Drache?
Oder noch eine Schlange?
Oder vielleicht mal eine Eidechse, eine Fledermaus oder ein Wikingermotiv?
Am Markt war heftig für Halloween dekoriert. Da hatte einer seinem Skelett tatsächlich sogar New-Rock-Boots angezogen . Ja, wirklich edel!
Am Kinderkarussell standen die Skulls zum Skelett. Da hat doch der Karussellschieber bei T€di den halben Lagerbestand aufgekauft ? Er hat sie aber gut aufgepeppt und ich fand die Deko ganz witzig.
Als ich beim Herrn der Zwiebelringe vorbei kam, winkte mich die Schokohexe gleich her. Sie hatte endlich neue Chilisoße gekocht, na, da ist es ja Zeit geworden! Ich hab meine Vorräte davon nämlich schon längst aufgebraucht und suchte krampfhaft nach Alternativen. Bei Rewe hatte ich ein Öl entdeckt, darauf stand "extrem scharf". Das war zwar nicht ganz so scharf wie die Zwiebelring'sche Chilisoße, aber zur Not ging es schon auch. Leider hinterlässt es auf dem Kaffee allerdings Fettaugen. Naja, das ist ja nicht so schlimm, also damit kann ich leben. Ich disponierte bereits um und überlegte, in Zukunft halt dann dieses Öl zu benutzen, aber als ich es vor ein paar Tagen nach-kaufte, kostete das kleine Fläschchen ganze 6,78 € . Na, dann kann ich auch die Soße von der Schokohexe kaufen, das Döschen dort kostet 5 € und ist mind. dreimal so scharf. Also kaufte ich 5 Döschen.
Wenn ich nur das Rezept wüsste?
Leo und Gabi saßen am Markt auf einer Bank, und ich setzte mich dazu und unterhielt mich eine Weile über Weltpolitik, Jhwh und Satan-Ahriman, Elon Musk und Netanjahu... längst hatte ich die zweite und dritte Hundetüte aus dem Gebüsch geangelt .
Dabei hatte ich nun das Problem, dass ich langsam echt arg pinkeln musste. Es waren auch jede Menge Klos vorhanden, ein Klowagen, genügend Dixis, nur... ich komm mit meiner ganzen Gewandung kaum in eine Klozelle rein, schon gar nicht kann ich mich auf die Schüssel setzen . Ich hatte eine Strumpfhose an, drüber meinen Mittelalterrock, Gürtel drum mit lauter Zeug dran, also Täschchen, Leder-Halterungen für Schwerter oder Becher, Schnallen, Schlaufen und Trinkhorn, dann einen Pulli, drüber die Mittelalterbluse, da drüber meinen handbestickten Wildsau-Poncho und um alles noch den schweren, bodenlangen, weiten Mantel aus dicker Wolle. Es half nur die Mittelaltermethode: sich einfach auf einen Gulli hocken, die Klamotten weit um sich rum ausbreiten, unter all der Gewandung die Hose runter ziehen und dann strullern, in der Hoffnung, nicht noch irgendeinen Rockfetzen versehentlich dazwischen zu haben
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Ich lief wieder vor an die Bühne. Da spielten nun Deus Vult und ich guckte zu. Als ich mich durchs Publikum langsam bis ganz vorn gewühlt hatte, stand dort ein Rollstuhl - und drinnen saß die Regina! Sie hatte sich vor wenigen Tagen einen Meniskusriss zugezogen und konnte nun erst mal nicht mehr laufen. Au weia!
Dann traf ich auch endlich den Charly, den ich schon den ganzen Abend gesucht hatte, aber die Leute meinten, er sei eben da gewesen und schon wieder fort, er stünde da drüben, er sei ins Lager gegangen, hier und da. Da war er nun endlich an der Bühne und wir unterhielten uns ein Weilchen. Den Rest wollten wir uns morgen erzählen, aber ich wusste nicht, ob ich morgen nochmal da bin, denn es soll regnen und ich hatte keinen Bock auf Matschparty bei so einer Süffe.
Ich wollte den Samstag mal abwarten. Der ist jetzt, ich hock im Naglfar und tippe, und außen regnet es. Es ist kein Wolkenbruch, sondern nur so ein stetiges Geniesel, es tickt hörbar aufs Dach, an den Scheiben fließen kleine Strömchen runter, es ist so finster, dass ich jetzt mittags bald schon das Licht einschalten wollte, und ich hab beschlossen: ich geh noch schnell rüber ins Kaufland zum Einkaufen und dann fahr ich heim.






























