Freitag, 7. August 2026

Party San am Donnerstag

Gemütlich krabbelte ich gegen zehn mal aus dem Bett. Die Sonne schien, wenn auch nicht mehr ganz so heiß wie gestern, und durch die Dachluke meiner Badkabine flatterte Torstens Frankenflagge im Wind.

Die Crew saß schon wieder am Biertisch.

Max I hatten sie jetzt umbenannt in "Bauch". Bauch schnarchte so laut, dass sein Zelt ganz rechts außen stehen musste, hinter dem Naglfar, das für die anderen als Schalldämpfer diente. Und ich? Ich hab den heute früh bis hier rein schnarchen hören !

Da kam ein Mädel an unseren Tisch. Torsten baggerte sich gleich voran: "Ich bin der Torsten ohne H."
"Aha" sagte das Mädel, "Tamara, auch ohne H ."
"Und ich bin der Max" sagte Max II, "Max ohne X".
Wie: ohne X?
"Na, mit KS" sagte MaxKS .

Dann hatten wir hier noch den City-Hai, den Lord of Hellfire, und unseren Wolfgang, dessen Luftbett ein Loch hatte, so dass in der Nacht die Luft davon sickerte - abends prall voll und am nächsten Früh liegt man dann mit dem Arsch auf dem Boden, und außenrum schwabbelt noch genug Luft in der Matratze um einen rum als wollte sie sagen: ätsch. Wolfgang wollte dann gegen Abend das Luftbett neu aufpumpen, die Pumpe hatte aber keinen Akku, nur einen Autostecker, und keiner wollte seine Batterie opfern. Da pumpte er dann bei mir, denn ich hab drei Batterien.

Ein fetter Knall riss uns weg: Kanonenschlag, das Konzert ging los! Sie schießen hier jeden Tag zu Beginn die beiden alten Bundeswehrkanonen neben der Bühne ab, mich reißt's jedesmal .

Also machten sich die Jungs mal vor aufs Infield, das war ja gleich ein paar Meter hinter unserem Camp. Einen so tollen Platz hatten wir noch nie gehabt. Zu manchen Sachen - z.B. zum Reservieren - konnte man Torsten echt brauchen, auch wenn er jetzt am frühen Nachmittag schon wieder rumgrölte: "Metal ist ein geiler Scheiß!". Das ist sein typischer Spruch, wenn er damit anfängt, hat er seinen Zacken in der Krone - was, jetzt schon oder noch von gestern?

Ich ließ mir noch ein wenig Zeit, zog mich erst mal um, kämmte meine vermoshten Haare und kam dann nach. Am Eingang traf ich schon die Sandra aus Hersbruck, die mir gleich ihre neueste Shopping-Beute zeigte: eine Leggings von Cannibal Corpse mit viel Splatter und Blut drauf (intelligenterweise aber nicht am Zwickel ). Sie kostete nur 20 €, gab es da gleich an dem Stand da vorn. Da lief ich doch auch gleich hin: tatsächlich! Bunt bedruckte Leggings von allerlei geilen Bands hingen da. Ich kaufte mir auch eine, eine von Slayer. Das ist bestimmt so osteuropäische "Markenware", und wahrscheinlich ist sie nach dem ersten Waschen grau , aber momentan sah sie noch richtig hübsch aus.

Erst mal guckte ich mir Rats of Gomorrha an, die gerade im Zelt spielten. Die gefielen mir recht gut.

Dann ging ich aber doch mal rüber an die Main Stage, die anderen suchen. Iiih, da lag schon ein Kotzflatsch, ich lief außen rum. Ja, da standen ja die anderen, nur Bauch-Max stand etwas abseits. "Es ist ihm nicht gut, er hat gerade gekotzt, da hinten" erklärte mir Hai. Oh ja, das hatte ich gesehen .

Ich halte es ja immer kaum mehr als 10 Minuten an einem Fleck aus, dann muss ich wieder weiter, und so spazierte ich durch die Leute. Da traf ich die Karin, die erst heute angekommen war, und auch den Pierre, den ich das ganze Jahr schon verpasst hatte.

Maria und ihr Freund waren da, die traf ich dann bei Sadistic Intent vor der Hauptbühne.

Nun hatte ich zwar fürs nächste Bier zum Umtauschen meinen Party-San-Becher wieder mit aufs Infield genommen, aber da wir ja echt so nah vor dem Eingang parkten, ging ich lieber jedes Mal zum Auto und trank dort mein eigenes Bier. Gestern hatte ich mir noch einen Eimer Wasser von der Sanistation geholt, meine Bierdosen da rein gestellt, und jetzt war auch mein Bier halbwegs kühl .
Zudem war's heut auch gar nicht so heiß, es war bewölkt und hatte nur noch so 25 Grad, ein ziemlicher Wind ging dazu andauernd. Mich fror's fast ein wenig, und später holte ich dann auch ein Hoodie aus dem Auto, weil so ne Kälte war ich jetzt ja gar nicht mehr gewöhnt. Soll man das jetzt als drohende Eiszeit deuten, oder als wüstenartige Gluthitze, auf jeden Fall: fürchterliche Klimakatastrophe, wir werden alle sterben!

Als ich raus kam, beobachtete ich diese Sitzreihe älterer Herren mit dem absoluten Logenplatz, die sich grad über die desolaten Einparkkünste des grauen PKW amüsierten. Torsten sagt ja auch immer, er parkt nur so weit vorn, weil hier alle schicken Mädels vorbei laufen und es gut was zu glotzen gibt. Dann glotzt mal schön weiter !

Frisch gestärkt kam ich wieder zurück ins Zelt und glotzte mir Todomal an. Die hatte ich dann auf meiner Running Order markiert, wahrscheinlich hatten sie mir gefallen, aber so recht erinnere ich mich grad gar nicht mehr. Ich muss zuhause dann auf YT einfach nochmal reinhören.

Was mir erstaunlich gut ins Ohr ging, waren dann Schirinc (plays Pungent Stench). Die hatte ich doch schon auf dem In Flammen gesehen, da waren sie mir gar nicht aufgefallen. Es ist wohl immer so eine Komposition aus Wetter, Stimmung, Bierlevel und gute Laune, ob mir ein Gig gefällt oder nicht.

Da wartete wohl einer auf Gutalax? Der war 2 Jahre zu spät dran, die spielten vorletztes Jahr. Er hatte wohl die Orientierung verloren, denn alsbald lief er schnell aus der Menge, stellte sich an den Zaun, reiherte ordentlich dort hin und kam gleich wieder zurück, weitersaufen.

Desaster standen noch auf der Running Order, hatten aber kurzfristig wegen Krankheit abgesagt. Nicht so schlimm, sie waren ja auch fürs Wolfszeit gebucht, aber auch dafür hätten sie schon abgesagt, wurde mir dann erklärt. Oh, scheint einer schlimmere Krankheit zu sein .

Stattdessen sprangen diese da ein, Lamb of Murmuur. Karin stand neben mir: "Der sieht ja aus wie der Nergal!" Ja, absolut! Der Sänger hatte auch so ein langes Gesicht, die Frisur, die Schminke, voll das Nergal-Double. "A Tribut to Behemoth" sagten sie an, aha. Das kam gut !

Der Auftritt war nicht schlecht, gefiel mir, aber Behemoth bleibt Behemoth. Mein Lieblingsdämon, der Orion fehlte natürlich, und Nergal ist halt auch..., ja, ich weiß nicht, einfach Nergal, dem ich eine besondere Ausstrahlung andichte.

Ich ging mal ins Zelt. Da war gerade Umbau, aber am Tresen fand ich meinen Privatkellner vom Dark Troll: hallo!

Ich guckte mir noch ein Stückchen von Evoken an, die im Zelt spielten und ging schließlich wieder zur Hauptbühne. Da kamen dann Moonspell. Aber Moonspell sind doch eine Gothic-Band…? Mich störte schon das verkehrt rumme Kreuz. Da kann ich ja gar nicht drauf. Sind das Christen?

Man kann jetzt nicht sagen, dass sie schlecht spielten, nein, aber melodisches Gothic-Zeug entsprach grad gar nicht meiner Stimmung. Ich spazierte ein bisschen hoch zu den Verkaufsständen und sah mir dort das teure Zeug an. Zum Glück hab ich schon alles . Nach den Merch-Ständen kamen dann rechts die Fressbuden, aber Hunger hatte ich auch nicht. Musste ich unbedingt auf Testament warten, die heute als Headliner kommen sollten? Ich beschloss, dass ich lieber heim geh.

Donnerstag, 6. August 2026

Party San, Anfahrt

Früh um 3 (in der Nacht) fuhr er los. Um 6 Uhr war er schon da. Um 11 Uhr erhielt ich dann auf WhatsApp ein Bild von den Schnapsleichen, die schon ziemlich k.o. über der Bierbank hingen. Torsten & Co. vertragen einfach die Hitze nicht, das ist es ! Ich antwortete mit einem Bild von mir in meinem schönen, kühlen Büro... Ich musste noch 2 Stunden arbeiten. Aber wartet nur, nächstes Jahr, da fahre ich auch schon 5 Tage vorher los!

Nach der Arbeit fuhr ich heim, holte meinen Krempel, goss meine Blumen, räumte leicht verderbliche Lebensmittel aus dem Kühlschrank in die Kühltasche zum Mitnehmen und leerte die verschiedenen Mülleimer in die Tonne - besonders den Biomüll. Was brauch ich noch alles, heißes Wasser, sind alle Fenster zu? ...bis ich immer aus der Bude komm! Auf halber Treppe fiel mir auf: Mütze vergessen! Nein, ohne Käppi geh ich nicht aus dem Haus, also wieder rauf, Käppi geholt. Wieder raus, Türe nochmal ganz sorgfältig abgesperrt. Oh Mist, ich hab die falschen Schuhe an! Also nochmal rein … Irgendwann hab ich mich dann einfach ins Röhrle gesetzt und bin gefahren.

Ich fuhr noch erst zum Einkaufen, frische Hühnerinnereien für die Katzen besorgen, danach auf die Ranch, Raubtierfütterung, und die restlichen Innereien stopfte ich in den Kühlschrank für morgen, da würde meine Schwester kommen und die 5 miezligen Ungeheuer füttern. Ein paar Mal lief ich durch die Ranch, Blümchen und Gemüse ordentlich gießen, dann machte ich den Abflug und fuhr zum Naglfar, 3 Straßen weiter.
Ich lud vom Röhrle den ganzen Krempel ins Naglfar um, zog mich um, setzte mich hinters Steuer und warf den Motor an. Oh, mit dem Tank käm ich nicht mehr an, also fuhr ich noch auf Tanken, aber dann ging es endlich los. Es war also schon 16 Uhr durch als ich dann überhaupt mal startete.

Ich fuhr die A73 und dann die A71 entlang und zog dann runter auf die Landstraße. Bald bemerkte ich einen Follower, ein schwarzer PKW, der mich nicht überholte, obwohl ich nur gemütlich mit 60 herum zockelte. Der wollte bestimmt auch zum Party San .
Es war letztes Jahr schon so: Über eine Kreuzung sollte ich gerade aus drüber, aber auf der anderen Seite stand ein Einfahrt-verboten-Schild und dass es baustellenbedingt nur bis xxx befahrbar wäre. Wie hatte ich das letztes Jahr gemacht? War ich da durch gefahren? Ich wusste es nicht mehr, aber fuhr halt einfach mal weiter, der schwarze PKW nach einigem Zögern hinter mir her. Bald kam ich an ein Sackgassen-Schild, aber auch da fuhr ich einfach weiter, gefolgt vom schwarzen PKW. Für nächstes Jahr muss ich mir merken: Ja, es geht hier einwandfrei durch! In einem Kaff gesellte sich noch ein silberner PKW hinter mich, und einen weiteren Follower gewann ich dann kurz vor Schlotheim. Unser kleines Auto-Grüppchen kam schließlich erfolgreich am Party-San-Gelände an. Es war nun schon halbacht abends, die letzte Strecke hatte ich schon das Licht eingeschaltet, denn langsam sank die Sonne.

Torsten hatte in der 2. Reihe ein kleines fränkisches Fähnchen gehisst, ich fand das Camp auf Anhieb. Sie hatten einen Parkplatz für mich reserviert und ich rangierte ein. Das war ja hier echt voll das fränkische Viertel, hier standen lauter Nürnberger und Fürther!

Gegenüber wehte eine Flagge mit dem Drachenlord!


Die Jungs waren schon schwer angeschlagen, konnten sich aber noch auf den Beinen halten. Mein Bier war brodelwarm, nicht mal das Erste schmeckte . Torsten hatte eine dicke Kühlbox dabei, da nahm ich mir ein kühles Bier von ihm. Erst mal saß ich am Tisch, futterte und trank. Zwei Zelte weiter stand Pappa Dieter mit seinem Kombi, der Benni campte auch gleich hier drüben, und alle Leute kamen bei uns vorbei, denn unser Camp war fast direkt vor dem Eingang. Da trafen sich bald die Quatroset-Veteranen.

Ich ging mal gleich vor und holte mir ein Bändchen. Dieses Jahr war es gelb, passte schön zu allen anderen Bändchen an meinem Arm. Ein wunderschöner Sonnenuntergang präsentierte sich da hinter dem Campground, wie romantisch!

Jetzt gingen wir los zur Metal-Disco ins Zelt.

Da ploppten nacheinander sämtliche Besoffenen mit unterschiedlichem Alkoholpegel auf. Es gab Leute, die können das mit dem Saufen, welche, die es erst noch lernen müssen und andere, die gar nicht saufen brauchen, um völlig durchgeknallt zu sein.

Wolfgang (links) ist sogar noch ein bisschen älter als Telepappa Dieter (rechts).
Torsten stand natürlich gleich an der Bar, denn der Schnaps im Camp war ausgegangen und mit Bier gibt er sich gar nicht ab. Dort quatschte er relativ erfolglos einige Mädels voll, aber morgen würde er sich eh nicht mehr an sie erinnern, so what .
Hai stand vor der Bühne mit dem DJ. Ich musste ihn in den Circlepit schubsen, damit er sich mal gescheit bewegte, hier, Mann! Alsbald fand ich mich selber im Kreis mit rumstolpern, sagt mal, war ich besoffen? Dann spielten sie sogar noch Dimmu Borgir, da musste ich auch noch moshen und tanzen . Zwischendrin hab ich auch einige Fotos gemacht, aber sie sind leider total verwackelt und stellenweise erkennt man gar nicht mehr, was da drauf ist, nur ein paar verwischte Gestalten.

So wie das Bild hier: Gegen halbzwölf lief ich heim, setzte mich ins Naglfar, da kamen Max und Wolfi daher und klopften verzweifelt an mein Fenster, denn Torstens Auto war abgesperrt und sie kamen nicht an das Bier, ob ich nicht eins für sie hätte. Natürlich, hatte ich eins, aber leider war es total warm, das Bier.
Ich trau mir den Kühlschrank nicht einschalten, weil ich weiß nicht, wieviel Gas noch in der Flasche ist, nicht dass ich in der Früh keinen Kaffee mehr kochen kann, weil das Gas alle ist. Es befindet sich hinten im linken Schrank eine Anzeige von der Gasflaschen-Waage, und ich könnte dort nachschaun, wie schwer diese noch ist und folglich, wieviel da noch drin ist, aber dazu müsste ich erst die Kiste wegräumen, die vor dem Schrank steht und die ganzen Schuhe in dem Schrank erst mal rausräumen, um die Anzeige zu sehen (das ist hier aber auch dämlich verbaut in so einem Auto, pft). Das ist alles so kompliziert, und ich habe nie Zeit und Sinn, mich damit zu beschäftigen, weil ich rausch ja nur durch meinen Tag und werd mit meinem Zeug eh nicht fertig. Aber nächstes Jahr, da habe ich dann täglich 6 Stunden mehr Zeit, weil die Arbeit wegfällt, und dann kann ich endlich mal alles aufräumen und ordentlich abchecken und mir auch einen vernünftigen Plan für meine Touren machen .

Sonntag, 2. August 2026

Sticky Fingers am Samstag

Als ich aufwachte, regnete es. Dazu war es ganz schön kalt geworden. Außen hatte es nur noch 19 Grad. Ich guckte auf die Wetter-App: Bis 17 Uhr sollte es regnen. Das passte ganz gut zum Line Up, denn bis auf Tankard am Abend kannte ich keine der Bands und brauchte die also nicht unbedingt sehen. Da setzte ich mich erst mal in aller Ruhe ins Naglfar, guckte meine Pics von gestern und schrieb meinen Blogbericht. Der Regen wurde dann langsam seichter, manchmal hörte es kurz auf, aber dann regnete es wieder weiter. Tatsächlich hörte es gegen 17 Uhr dann ganz auf. So Wetter-Apps sind schon echt praktisch. Früher hat man das erraten müssen, ob es heute noch zu regnen aufhört und das Wetter an lauter komischen Vorzeichen ablesen müssen, z.B. ob die Schwalben tief fliegen, dann fliegen nämlich die Mücken tief und das tun sie, weil die Luft zu feucht und schwer ist und dann könnte es regnen. Oder auch nicht .

Als es zu regnen aufgehört hatte, zog ich mich auch mal an und radelte vor aufs Infield. Dort hatten gerade Deez Nuts zu spielen angefangen. Für mich ist das ja irgendwie Poppermusik, Menschen mit kurzen Haaren und Baseballkäppis auf, die so doom-doom-doom-Zeug spielen. "Wollt ihr Old Stuff oder was Neueres?" fragten sie. Keine Ahnung, ich kenne weder noch. Eine Weile hörte ich zu. Was man sich alles für einen Schmonz anhört nur für Tankard .

Es war klar: Der Regen hatte den Boden aufgeweicht, und vor der Bühne war eine große Schlammpfütze. Das störte aber keinen und so hupften sie trotzdem rum und moshpitteten sich, spritzten sich gegenseitig voll Schlamm und sahen dementsprechend aus. Duschen hatte ich hier keine gesehen, wie machen die denn das? Krabbeln die abends in voller Siffe in ihre Schlafsäcke?

Ich holte mir mal an den Ständen was zu essen. Hinter den Fressbuden war ja ein Teich, und was für ein schöner, voller Schilf und Seerosen!

Ich spazierte so rum und guckte mir die Leute an. Boah, da waren echt Panzer dabei , Männlein wie Weiblein ... und natürlich auch Diverslein. Es waren solche Gestalten, wo der Bauch so kugelig vor stand, dass er kippte; also irgendwann wird die Fettmasse so schlimm, dass sie vorne über walzt. Die Personen stehen dann stets mit so einer Haltung leicht nach hinten, damit sie von dem schweren Gewicht nicht nach vorne umfallen. Ein Hosenbund gab sich noch kläglich Mühe, das Ganze zu spannen, schnitt hart in die Wülste, aber die Wampe war schon deutlich am Hängen. Also ich meine jetzt nicht einfach nur Haut, die über den Hosenbund schwabbelt, sondern so richtige, pralle Kugelgestalten auf dicken, sich konisch nach unten verjüngenden Beinen. Teilweise waren welche so fett, sie konnten kaum mehr laufen und mussten beim Gehen die Beine etwas spreizen, dass sie überhaupt noch einen Fuß vor den anderen kriegten. Dazu natürlich knallenge Leggings (kurz vor dem Zerreißen) und Spaghettiträger-Shirts. Ich habe davon Fotos gemacht, aber die poste ich lieber nicht, sonst fühlt sich noch einer "fat-gebashed" .

Da habe ich mal eine mittelalterlich-katholische Abhandlung über Keuschheit gelesen und dass nur die Missionarsstellung erlaubt sei, ausgenommen jene Leute, die aufgrund ihrer Fülle dazu nicht mehr imstande seien. Wie geht denn das weiter? Ich meine, was ist, wenn aufgrund der Fülle nicht mal mehr Doggiestyle klappt? Au weia, diese Bilder in meinem Kopf!

So guckte ich ein bisschen rum und verpasste glatt die nächste Band, Parasite Inc., die waren mir gar nicht aufgefallen. Danach kamen aber die da, und die fielen mir auf, weil die fand ich voll grottig. Die spielten so..., ja, ich weiß gar nicht, mit Klavier irgendwie, ein bisschen wie in einem Western-Saloon, und dann quatschte der Sänger immer ein Haufen Zeug mitten rein und laberte und laberte. Vielleicht hätte ich den Sprüchen mal zuhören sollen, weil Susi sagte später, die seien ganz lustig gewesen. Ich konnte damit allerdings gar nix anfangen und saß bloß rum und wartete auf Tankard. Praktisch war es, dass die schon für 21:30 Uhr auf dem Line Up standen, denn da war ich wenigstens noch munter und fit, auch wenn mir die Klavier-und-Laber-Band jetzt ganz schön die Stimmung rauszogen hatte.

Tankard passten da jetzt ja irgendwie so gar nicht zum vorigen Programm. Ich stand allenfalls schon ganz vorne am Gatter als sie noch aufbauten. Viele Leute standen noch nicht dort. Dann kam so ein junges Pärchen, sie mit herauswachsendem Problempony, und fragten mich: "Wer kommt denn jetzt da?" Das Tankard-Banner war bereits hinter dem Schlagzeug hochgezogen worden. "Die da, Tankard." deutete ich auf das Banner mit dem leuchtenden Schriftzug noch aus einer Zeit, als man Bandnamen noch lesen konnte. "Und was spielen die so?" fragte der Jüngling. "Äh, ...oldschool-Trash." Wollen die mich verarschen? Nein, ich glaube, die wussten das wirklich nicht . An der Jugend von heutzutage geht nochmal die Welt zugrunde .

So richtig das gute Tankard-Publikum war da jetzt nicht. Ein paar ältere Herrschaften standen zwar schon dort, z.B. ich mit meinem Tankard-Shirt , aber das Gros vom Publikum waren jetzt doch eher so Woke, Punks, Alternatives. Tankard spielten unbeirrt ihre schönen alten Songs und ich moshte und hüpfte und grölte. Da hielt nun zwar ein Fotograf seine Kamera in meine Richtung, aber ich glaubte dann doch, der filmte die drei Emo-Youngsters neben mir, die auch ganz gut ab gingen.
Schade, weil ich denk mir immer, ich muss das zuhause dann suchen, die ganzen Bilder anschauen und die Berichte in den Magazinen, aber meistens komm ich gar nicht dazu, am Wochenende kommt schon wieder das nächste Event und bis zum Herbst und Winter, wo ich dann Zeit hätte, hab ich's vergessen .

Tankard haben mir super gefallen, hatte ich ja doch den ganzen Abend schon auf sie gewartet, ja, ich war ja eigentlich nur wegen ihnen her gefahren. Die Band, die danach kam, Stick to your Guns, kannte ich nicht und interessierte mich nun auch nicht. Also machte ich mich auf den Heimweg.

Den Berg hoch zum WoMo-Platz schob ich das Fahrrad dann lieber, denn es war finster und ich hatte kein Licht, und schlapp und erledigt war ich jetzt auch ganz schön vom ganzen Gehupfe und Gemoshe. Der Mond war nicht mehr ganz voll, aber noch schön rund und leuchtete durch den Dunst.

Am nächsten Tag schien natürlich wieder wunderbar die Sonne. Bevor ich nächstes Jahr wieder her fahre, gucke ich erst den Wetterbericht an - und das Line Up, denn hier kamen nun teils wirklich seltsame Sachen und die meisten anderen Leute waren jetzt auch nicht "meine" Szene, naja, mal gucken.