Sonntag, 10. Mai 2026

zwei Steuerflüchtlinge an der Tankstelle

Am Sonntag schlief ich wieder bis in die Puppen. Die meisten anderen waren schon abgefahren, als ich erst mal aus dem Bett krabbelte. Auch mein Nachbar in seinem VW-Bus war schon weg. Der kleine Bus hatte ganz schön tiefe Kuhlen in den Boden gedrückt. Der Strohboden war richtig heimtückisch! Untendrunter waren tiefe Spurrillen und so schön glatt und easy wie das Feld aussah, war es gar nicht. Es röhrten einige Motoren komisch rum, aber offenbar waren sie alle rausgekommen. Dann würde ich wohl auch mit dem Naglfar raus kommen, denn ein bisschen Bedenken hatte ich schon. Zum Glück hatte es nicht geregnet, weil wenn es hier auch noch Matsch gegeben hätte, hätten sie mich wieder rausziehen müssen.

Ich kochte mir einen Kaffee und setzte mich zum Frühstück hin, wollte dabei eigentlich meine Fotos angucken und meinen Blogbericht schreiben, aber irgendwie finde ich am Sonntag immer keine Ruhe mehr. Ich ließ das mit dem Bericht, mach ich dann zuhause.

Ja gut, so fing ich halt auch mit Zusammenpacken an. Ich leerte meine Gutalax-Box in das nächste Dixi, drehte die Gasflasche ab, räumte alles ordentlich weg, damit es bei der Fahrt nicht rumflog und wollte starten. "Hee ihr zwei! Ihr seid doch hoffentlich nicht innen?!" Da vögelten zwei dicke Brummsummseln auf meinem Seitenfenster, aber als ich hinlangte, flogen sie nicht weg, sie saßen außen.

Ich startete und kam noch einwandfrei vom Parkplatz. Mein Tank hatte nur noch nen knappen Strich kurz vor der Reserve, das Lämpchen leuchtete noch nicht. Das war ideal, denn da ich nur noch 10 km von der tschechischen Grenze weg war, fuhr ich kurzerhand dort rüber. Warum ist eigentlich bei uns in D das Benzin so schweineteuer geworden und im EU-Ausland nicht? Müssen die alle nicht "Putin sanktionieren", oder was? Oder kommt deren Benzin nicht aus der Straße von Hormuz? Oh Mann, wir werden von unserer Regierung sowas von verarscht und abgezockt!

Wie dem auch sei segelte ich also nach Tschechien. An der ersten Tanke nach der Grenze kostete das Diesel 1,89 €. Ich fuhr weiter, denn da kann ich ja auch gleich zuhause in D tanken, da wollten sie an der letzten Tanke auch "nur" 1,94 €.

Ich fuhr weiter bis in die nächste größere Ortschaft, Halze. "Tankstelle" zeigte da ein Schild auf Deutsch nach links. Eine Menge deutscher Autos fuhren hier rum . Da fuhr vor mir auch grad ein Deutscher an die Zapfsäule. Sieh an, der kam sogar aus Bayreuth!

Jetzt stieg er aus zum Tanken.... Nein, gibt's das?! Es waren der Greimi und sein Kumpel! Da haben wir uns alle sehr gefreut über diesen unverhofften Metal-Treff in Tschechien .

Ich tankte voll. Tatsächlich war ich ziemlich leer gefahren, denn fast 75 Liter haben rein gepasst.

Leider muss ich ja morgen wieder in die Arbeit. Gerne wäre ich noch ein paar Tage hier geblieben, wenn ich denn eh schon hier war, denn die Landschaft ist wunderschön. Ich hätt mir so gern noch ein paar Sachen hier angeschaut oder auch dann ein Stück später, wieder zurück in Deutschland die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg besucht, die dort fast direkt an der Straße lag. Aber nächstes Jahr! Nächstes Jahr um diese Zeit bin ich schon in Rente, und dann fahre ich nicht so schnell wieder heim!

Helles & Hellfire am Samstag

Eigentlich wollt ich ja schon Thorondir sehen, aber die standen bereits um 16:15 auf dem Programm und das schaffte ich nicht. Naja, ich schlief bis 12, dann stand ich auf, kultivierte mich ein bisschen, kochte einen Kaffee, setzte mich an den Tisch, frühstückte, lud meine Bilder vom Handy auf den Laptop und schrieb meinen Blogbericht. Nun wär eigentlich noch Zeit gewesen, aber ich wollte erst noch die Bilder von den SD-Karten aus den Wildkameras von der Ranch runterziehen. Die hab ich dann auch alle durchgeschaut.

Dann wär immer noch genug Zeit gewesen, aber ich fing zu häkeln an. Ich häkle gerade einen Überzug für meine Kopfrolle im Naglfar-Bett, und ich dachte, wenn ich schon hier drin sitz, dann könnt ich die wenigstens so weit fertig machen, dass die Maße stimmen und ich den Rest dann zuhause fertig machen kann. Also häkelte ich mein Teil fertig. Dann häkelte ich an dem anderen Teil weiter, aber da wollte ich dann nicht aufhören. Thorondir spielten schon, aber dann verpasste ich halt den Anfang, ja mei, und häkelte die Reihe noch fertig ... und die nächste Reihe, geh, die schaffte ich auch noch ... und jetzt konnte ich eigentlich auch alles noch schnell fertig machen. Also war ich dann mit meinen Häkel-Teilen so weit fertig, und Thorondir waren auch fertig . So ein Pech.

Ich zog mich dann wenigstens mal ordentlich an und schaffte es endlich aus dem Auto. Da spielte nun in der Halle gerade eine Band namens Kolossos. Nach drei Songs stellte ich fest: "Die gefallen mir nicht."

Also ging ich wieder zum Naglfar und schenkte mir ein Bier ein. Ich war ja noch vollkommen nüchtern, kein Wunder, dass mir nix gefiel.

In der Halle sollten nun Winterstorm kommen, aber die waren noch beim Aufbau. Ja, der da hatte zwar Winterstorm auf der Kutte stehen, aber was stand sonst noch drauf? Brokkoli? Wo kriegen die Leute nur diese Backpatches her?

Das Wetter war herrlich, die Sonne schien wunderschön, und die Leute hockten alle draußen im Biergarten oder noch am Campingplatz und grillten und soffen. Die Halle war sehr leer. Es waren vielleicht 20 Leutchen drin, sogar in der ersten Reihe standen nur so 5 einzelne Zuhörer, und Winterstorm guckten ganz enttäuscht, als sie auf die Bühne kamen. Vor so wenig Leuten hatten die wohl noch nie gespielt .

Ich stand ganz vorn.
...und ich hatte Bock.
...und der Sound war klasse. Winterstorm gefielen mir, und ich fing an zu tanzen und zu moshen.

Da kam der Greimi herein und feierte mit. So langsam kamen nun noch ein paar einzelne Leute in die Halle, aber größtenteils blieb es recht leer. Die wenigen, die rein gekommen waren, gingen aber voll ab. Da schmissen sich zwei sogar auf den Boden und ruderten. Das war dann insgesamt doch so lustig und schön, dass es wohl auch die Winterstorm wieder etwas besänftigte, und es sah so aus, als würde ihnen der Gig doch ganz gut Spaß machen.

Also ich fand den Auftritt super. Ich war auch gut drauf. Wenn ich erst mal richtig zu tanzen anfange, höre ich auch so schnell nicht wieder auf und so hüpfte ich den ganzen Gig durch.

Am Schluss warfen Winterstorm noch Bandshirts in die Leute, aber leider erwischte ich keins. Es war nun vorne doch halbwegs voll geworden und die anderen fingen mir die Shirts weg.

Beglückt und durstig lief ich nach dem Gig wieder zurück zum Naglfar. Die Sonne war tief gesunken und tauchte die Landschaft in goldenes Licht wie frisch gezapftes Bier.

Gestärkt ging ich wieder rauf in die Halle und guckte ein bisschen rum, weil die waren dort mit dem Umbau noch nicht fertig. An der Bar lief ich vorbei, aber eine Barkeeperin winkte mich zu sich und wollte wissen, wo ich her komme. Als ich "aus Nürnberg" antwortete, fragte sie gleich weiter: "Warst du vor 2 Wochen im Culinarica?" Ja, war ich! "Also doch", freute sich die Barfrau in Richtung ihres Freundes, mit dem sie anscheinend gewettet hatte, ob ich das nun bin oder nicht . Die Welt ist so klein!

Jetzt kamen Obscurity. Die fand ich auch richtig gut. Leider war ich nun schon wieder ausgepowert und hüpfte gar nimmer groß rum, ich schaff einfach nichts mehr, schrecklich. Mal nur ein dreiviertel Stündchen ordentlich moshen, und schon bin ich alle. Aber beschweren will ich mich nicht, bin ich doch für mein Alter vom Schicksal mit ganz guter Fitness und Gesundheit gesegnet und das bei meinem Lebensstil! ...oder vielleicht grad wegen meines Lebensstils?

Seine Mama hatte heute ihren 70. Geburtstag, erklärte der Sänger. Was? So eine alte Mama hat der schon! 70? Oh je, und da hockt die alte Dame zuhause an ihrem Geburtstag und der Sohn ist nicht da. Wo doch grad die alten Leute so viel Wert auf ihre Geburtstagsgäste legen.
...äh... Moment mal!
70 ist die heute geworden? Sie ist grad einmal 5-einhalb Jahre älter als ich...!?
Ja, da frag ich mich, warum die Mama nicht auf seinem Konzert ist ? Das wäre doch die ideale Gelegenheit, Geburtstag zu feiern, sich ein paar Bier reinzupfeifen und zur Mukke vom eigenen Sohn auf der Bühne zu moshen!

Hier seht ihr zwei Members der heiligen Lederhosen&Adiletten-Sekte . Sie leben extrem zölibatär. So sieht man diesen Herrschaften auch gleich an, dass sie nie mehr in ihrem Leben Sex haben wollen .

Dann kamen Unleashed. Hatte ich die überhaupt schon mal gesehen? Ich glaube, fast nicht...? Ich fand den Auftritt allemal klasse und auch die Songs durchwegs gut. Das wäre ja fast eine CD wert...? Aber nein, ich wollte ja sparen! Ich lief mal Richtung Merch und guckte: Einen Patch könnt ich mir aber doch leisten, oder? Es war in der Halle natürlich grad riesig laut, ich verständigte mich lieber gleich nonverbal und deutete auf die Patches, da wollte ich einen. Die Verkäuferin deutete auf ein Preisschild, und auf diesem stand "10 €"! Also nein, unverschämt ! Entsetzt fuchtelte ich gleich einen Bestell-Storno rüber. Für den Preis könnt ihr den Patch behalten! Ich gehe über zu den alten Sitten, hole meinen Reifenmarker von der Ranch und schreibe mir "Unleashed" händisch auf die Kutte wie früher, ganz einfach. In den 80ern hat man sich seine Bands und Logos auch einfach selber gemalt.

Ich war zurück zum Naglfar gelaufen, hatte mir ein Bier geholt und meine Winter-Motörhead-Jacke angezogen. So fürchterlich kalt war's zwar nicht, aber die Jacke war gut kuschelig, und geschwitzt hab ich drin nicht. Sie hatten in der Halle schon das große Tor herunter gefahren und nur die kleine Tür nebenan geöffnet, um die so ein Vorhang hing, damit es nicht gar so reinzog. Ich war ganz froh, dass ich die Jacke dabei hatte.

Die Apokalyptischen Reiter hatte ich ja erst vor 2 Wochen auf dem Metal Franconia gesehen, also die Show kannte ich schon. Trotzdem ist es immer wieder schön, den Reitern zu lauschen. Da saß ich nun an dem Mauervorsprung vorne in der Halle und hörte nur noch still zu.

Die meisten anderen standen auch nur noch still da und hörten zu. Das Publikum ist allgemein älter geworden und hüpft längst nicht mehr so mit wie vor 20 Jahren. Wenn man da also nur dort steht und zuhört, schlafen einem nicht nur die Füße ein, sondern man wird auch müd. War aber kein Wunder, denn mittlerweile war es Mitternacht durch. Ich hatte sogar ganz gut durchgehalten, aber jetzt war die Luft draußen. Den Schluss und die Zugaben habe ich also wieder nicht gesehen, denn ich lief heim ins Naglfar.

Mann, war das ein schönes Festival! Wie ich schon gleich eingangs feststellte: Es gefiel mir super und nächstes Jahr komme ich wieder her!

Samstag, 9. Mai 2026

Helles & Hellfire

Dass ich auf Helles & Hellfire fahre, habe ich erst vor Kurzem entschieden. Auf dem Metal Franconia lief so ein Jüngling herum und bedrängte mich mit dem Flyer: "Den habe ich schon." "Aber du musst da auch hingehen!" Echt? Muss ich das? Na, wenn der das sagt?

Es war auch gar nicht übermäßig weit, nur 130 km - dazu 10 km von der tschechischen Grenze entfernt, da könnte ich ja im Ausland günstig tanken, wenn ich schon dort war ! Wenn das Diesel dort 1,70 € kostet und bei uns immer noch 2,10 €, dann sind das 40 ct pro Liter, die ich spare, und weil das Naglfar auch säuft wie ein Pferd - 80 Liter frisst der Tank - sind das 32 €. Würde ich das mit dem Tank noch hin schaffen? Ja, ich denk schon!

Also ab auf die A6, dann auf die A93, dann noch 2 km auf der Landstraße und schon war ich da. Die Location lag auf einem kleinen Hügel, also es war eine kleine Steigung und der Parkplatz war ein abgemähtes Kornfeld mit dicker Strohschicht. Darunter verbargen sich fette Spurrillen und beim Einparken hatte ich tatsächlich Mühe, aus den Rillen zu kommen, weil das Stroh wirkte wie eine Rutschbahn. Die Kupplung roch verbrannt als ich irgendwie dort stand, wo ich eigentlich gar nicht stehen wollte, ich wollte doch neben dem anderen da, 10 Meter weiter. Zudem wollte ich noch auf die Klötze fahren, denn ich stand völlig schief. Aber so blieb ich dann einfach, weil die Rangiererei hier war erstaunlich kriminell.

Das Programm war wieder nur für Einheimische gemacht, begann um 15:35 Uhr mit der ersten Band, berechnete nicht, dass Leute vielleicht auch arbeiten müssen, erst um 14 Uhr (und das ist ja echt noch bald!) Feierabend haben und dann erst noch hierher fahren müssen, nachdem sie noch kurz frisches Hühnergeschlachte einkaufen mussten und im Garten 4 fette Katzen füttern mussten und eine stillende Muttermiez mit 5 kleinen Miezchen. Ich ploppte mal erst gegen dreiviertelsechs am Einlass auf. Da saß ja schon wieder der Greimi und ließ sich feiern, der hat ein Leben! Einen Koffer voller ausgedruckter Greimi-Figuren hatte er in "seinem Merch" dabei, aber ich hab ja schon eine.

Ich schaffte es immerhin noch in die Halle zum Gig von Disbelief, die ich sehen wollte. Erste-Band-Effekt? Der Auftritt gefiel mir allemal sehr gut, und ich fing gleich an zu moshen. Wow, hier gefiel es mir! Auf dem Line Up standen doch eine Reihe namhafter Bands und das für gar nicht so teuer, 99 €, geht doch.

Es war leider nur die halbe Halle voll geworden, aber ich traf eine Menge bekannte Leute, sogar Elke und ihren Mann. Die haben sich einen Ponyhof in Oberbayern gekauft, drum kommen sie nur noch selten in die fränkischen Gefielde, erzählten sie. Nicht mal auf Metal Franconia waren sie gewesen, buuh.

Vor der Halle saß an einem Biertisch der Frohwald. Der rief gleich nach mir und erzählte mir - ich lach ja grad raus: Seine Heizung ist verreckt . Naja, lustig ist das ja nicht, denn es ging ihm ganz wie mir (hat er ja genau das gleiche Wohnmobil wie das Naglfar, den Ducato mit dem Bürstner-Aufbau), er ließ die Heizung tauschen, zahlte dafür rund 2.000 €, weil es ein paar Teile dafür nicht mehr gibt und die Werkstatt basteln musste mit dem Effekt, dass es eine Weile lief - und dann wieder nicht mehr. Ganz wie bei mir! Unser beider Heizung ist also momentan wieder down, aber zum Glück kommt ja jetzt erst mal der Sommer und aufregen tu ich mich darüber dann erst wieder im Herbst .

Ich lief in der Umbaupause zum Naglfar zum Abendessen. Brot, Frühstückswurst und aufgeschnittene Zwiebeln hatte ich mir mitgenommen. Natürlich fiel mir die Dose mit den Zwiebeln vom Küchentisch - weil ich aber auch so schief stand, hier - die Zwiebelstückchen verteilten sich überall, ich konnte gar nicht alle aufsammeln, und jetzt stinkt es im ganzen Naglfar nach Zwiebeln.

Verpflegungstechnisch kam ich günstig durch, denn seit zwei Wochen mache ich sowieso Diät - also mittags gibt's ein Proteinshake, das macht relativ satt und killt den Appetit, und genau in dieser Phase entscheide ich dann, was ich abends esse, also meistens nur ein Wurstbrot oder irgendwas Kleines, und daran halte ich mich auch, mehr gibt es nicht, basta. Das funzt recht erfolgreich, und das mach ich nun noch eine Weile bis ich 65 kg hab.

Endlich Sommer, endlich geht's mir wieder gut!

Nicht nur mit Kalorien, sondern auch ansonsten will ich kürzer treten angesichts der allgemeinen Preiserhöhungen (scheiß Regierung!), also unnötiger Fummel wie Bandshirts, Merch oder CDs werden nicht mehr gekauft, basta. Ja, die Bands wollen auch leben ... aber ich halt auch .

Macbeth gefielen mir sehr gut.

Danach kamen Groza, die gefielen mir noch besser. Hatte ich denn überhaupt schon einen Groza-Patch auf der Kutte? Ich zog die Kutte aus, guckte und prüfte: nein! Naja, also das sollte schon sein, nä. Also ging ich doch an den Merch. Die Patches hatte noch die alten Preise, also 5 € (oft kosten sie 8 €, und manche unverschämten Bands verlangen ja schon 10 €). Also kaufte ich ein Groza-Patch.

Die Wege waren kurz, zum Naglfar war es gar nicht weit. Vorhin hatte ich mir in der Halle ein Bier gekauft, wenigstens 1, nä, ein bisschen Umsatz sollte man schon machen, nä. Aber das Bier schmeckte mir nicht. So ging ich lieber zum Naglfar und trank mein eigenes Bier. Oh, was für eine schöne Sommernacht! Die Sonne war unter gegangen, der Abendstern stand am Horizont und all die anderen funkelnden Sternchen , ...oder *über den Bildschirm wisch*? Äh, nein, das sind ja nur Staubkörner auf meinem Screen . Aber der Abendstern *drauf spuck, rumwisch, nein, lässt sich nicht abwischen* ist echt .

Es hätte nun eigentlich Vreid kommen sollen, die hatte ich die letzten Wochen schon dreimal gesehen. Stattdessen stand nun aber eine andere Band auf der Running Order: Warmen. Hatte ich noch nie gehört. Na, wollte ich mir mal angucken.

...und die waren dann so schweinegeil wow, ich war begeistert. Sie rissen derartig die Halle weg, so klasse. Vor allem auch machte es auf mich den Eindruck, als interessierten sich weder Musiker noch Frontmann, ob sie ankamen oder ihnen überhaupt wer zuhörte, sie riefen weder "hey hey hey", noch baten sie um Applaus, sie forderten nicht zum Mitsingen auf, es waren keine Likehunter, sondern sie spielten einfach total geile Mukke. So etwas mag ich: Menschen, die sich selbst genug sind, von sich überzeugt sind, gut sind und das auch wissen, ihren Wert kennen und sich nicht einschmeicheln wollen.

Das findet man selten, wenn ich so nachdenk, fast nirgendwo mehr, nicht im persönlichen Bereich, nicht bei Bands, ja nicht mal mehr im Business oder bei Chefs, selbst denen trieft das Schmalz aus der Rede. Die Menschheit ist eine Gesellschaft aus Schleimern geworden, schrecklich.

Jetzt ging ich doch hinter in die Merch-Ecke, um eine CD zu kaufen, scheiß auf mein Spar-Gekniggere, diese Band will ich haben! Aber Warmen hatten keinen Merch, es gab keine CDs von ihnen .

Als sie von der Bühne gingen, war ich ordentlich müde. Ich hockte mich auf so einen Vorsprung an der Wand, stützte dann den Kopf auf die Hände, schloss die Augen - und pennte tatsächlich im Sitzen weg . Ich träumte sogar, nämlich von den 5 kleinen Kätzchen auf der Ranch, die in meinem Traum schon größer waren und sooo niedlich.

Ein lautes Riff riss mich hoch. Finntroll machten schon Soundcheck!

Krass, war ich müd! Ich wäre tatsächlich jetzt gegangen und hätte mich abgelegt, wenn ich nicht der Carmen versprochen hätte, ganz viele Fotos vom Finntrollsänger zu machen. Also suchte ich mir einen Platz ganz vorne links der Bühne und fing an zu fotografieren.

Ja, der Bub hat was, das stimmt. Der brachte richtig so einen Elfen-Troll rüber, wie aus der nordischen Mythologie entsprungen. Er war sehr hübsch, ein feines Wesen, schlank, grazil, hatte schönes, langes, fülliges Haar, ein nettes Make Up und seine Trollohren wippten bei jedem Schritt. Er war barfuß, trug nur Fetzen statt einer Hose und bewegte sich auch so richtig elfenartig, also der passte echt in jeden Fantasyfilm.

Also ich persönlich find ja den Gitarristen mit dem Hut besser, der ist stylischer und metaliger.

Da stand ich da und machte 1000 Fotos. Natürlich sind die meisten verwackelt, unscharf oder blöd belichtet, aber ich hatte jetzt genug Bilder vom Sänger. Die schick ich der Carmen, wenn ich wieder daheim bin.

Ich war müd. Ich war eigentlich vor Finntroll schon müd. Ich war ja bei Warmen schon müd, aber die waren sooo geil. Aber jetzt war ich echt müd. Drum hielt ich den Gig von Finntroll nicht bis zum Ende durch, sondern kackte ab und verzupfte mich heim in mein Naglfar.