Dienstag, 27. Oktober 2026

Warum geht die Stadt so den Bach runter?

Jeden Tag fahr ich nach der Arbeit auf die Ranch, die Katzen füttern, dann heim, mich selbst füttern, und da hock ich dann und futtere bis ich ins Bett geh (eigentlich vor lauter Langeweile) und werd immer fetter. Das ätzt mich an, das muss sich echt ändern.

Da saß ich heute in der Arbeit und überlegte so, was ich denn heute nachmittags mal anderes machen könnte. Ich sollte mich ein bisschen bewegen und vielleicht laufen, also lief ich in die Stadt. Die wollte ich wegen ihrer Autofeindlichkeit zwar eigentlich mit meiner Abwesenheit sanktionieren , aber Fürth und Erlangen war mir zum Laufen zu weit .

Ich war recht erstaunt als ich drin war: Sooo schmuddelig war es ja gar nicht mehr, und es liefen auch kaum noch Kopfwindeln herum - ob da ein Zusammenhang besteht? Ich wurde auch gar nicht aktiv angebettelt, aber das mag dran liegen, dass ich Kopfhörer trug und das vielleicht nur nicht bemerkt hatte. Ich sah aber auch keine schmuddligen Bettler aus osteuropäischer Bandenkultur, nur ein paar Punks saßen ums Eck rum und schnorrten - wie in alten Zeiten . Der Laden-Leerstand war auch wieder etwas aufgefüllt worden, wenn auch zumeist mit Waren, die mich nicht interessieren: kitschige, osmanische Glitzerkleider, iranischer Modeschmuck und synthetische Klamotten aus Ostasien, die ich nicht mal anfassen mochte, so plastizid fühlten sie sich an. Ich wischte mir gleich die Hände an der Jeans ab, was für ein unangenehmes Gefühl!

Also klapperte ich mal die Schuhläden ab - das waren bloß noch vier . Ich vermisste den Humanic, wo man früher für genug Geld auch immer ein paar richtig außergewöhnliche Schuhe finden konnte. Dabei wollte ich gar nix Außergewöhnliches, nur einfach was in frischen, leuchtenden Herbstfarben, also ein Paar richtig rote, orangene, gelbe oder grüne Boots. Tja, es war wohl die falsche Jahreszeit, denn alle Schuhe sind gerade beige, braun, grau oder schwarz . Gibt's denn überhaupt nix mehr Buntes hier?

Ich gab's auf: Dann wollte ich wenigstens ein neues Paar rote Chucks. Meine Alten sind echt durch. Mei, es bin nicht nur ich alt, sondern auch mein ganzer Krempel, dem verfliegt die Zeit genauso, und so sind meine roten Chucks nun schon 16 Jahre alt - und so sehen sie auch aus .

Aber nicht mal Chucks kriegte ich, denn die Sneaker-Shops standen alle leer bis auf einen, und der hatte keine Chucks .

Eigentlich hatte ich geplant, in der Stadt schön shoppen zu gehen und danach auf ein Bier mal wieder ins Brown Sugar vorbei zu schauen. Aber ich hatte nichts zu shoppen gefunden . Dann lohnte es sich auch nicht, ins Sugar zu gehen, und weil ich also nix getrunken hatte, konnte ich auch einfach mit einem voi nach Hause fahren.

Ich nahm also ein voi und voite bis nach St. Leonhard zum Kaufland (dort wollte ich noch ein paar Lebensmittel einkaufen). Als ich das voi vor dem Kaufland abstellen wollte, meckerte mich die App an, das sei hier kein erlaubter Stellplatz. Der nächste Stellplatz sei vorne an der Haltestelle. Was? Da wohn ich ja gleich! Da hätte ich auch gleich mit der U-Bahn nach Hause fahren können und von dort aus zu Fuß zum Kaufland laufen können. Na, das nervte mich ja echt an: Die schönen, praktischen Roller, mit denen man so schön immer direkt zum Ziel fahren konnte, haben damit ja ihren wichtigsten Sinn und Zweck verloren .
Ich latschte also zum Kaufland, ging noch einkaufen und latschte wieder zurück.

Zuhause fand ich ein Päckchen im Briefkasten. Oh, wenigstens 1 Highlight, heute: Hier war mein Stichheiler, den ich nun gleich mal an meinem noch immer ziemlich juckenden Wanzenstich aus dem Naglfar ausprobier .

Epilog:
1. In die Stadt gehen lohnt sich echt nicht .
2. Ich werde gleich mal auf Amazon nachgucken, ob die rote, orangene, gelbe oder grüne Boots haben .

Sonntag, 25. Oktober 2026

Nuclear Winter am Samstag

Als ich aufwachte, schien die Sonne. Es sah wärmer aus als es war, und ich war ganz froh um die Heizung. Ich kochte mir einen Kaffee, setzte mich gemütlich hin und guckte meine Bilder von gestern durch.
Es klopfte an die Tür. Der Parkwächter war da und kassierte die Parkgebühr: 24 € für zwei Tage. Naja, das hat es letztes Jahr auch schon gekostet.

Ich tippte meinen Bericht und war gerade damit fertig geworden, als ich außen den Torsten auf das Naglfar zukommen sah. Allerdings kam er alleine. Wo waren denn Hai und Harvey? Torsten erklärte: Die beiden hatten abgesagt, als sie den Preis gehört hatten.
Das stimmt, also bei all den geilen Bands, aber 95 € für 1 Tag war schon ein stolzer Preis, doch. Als ganzes Festivalticket fiel das gar nicht so auf - 135 für 2 Tage ist völlig ok - aber einen einzelnen Tag für so viel Geld?

Torsten setzte sich mit an den Tisch, nahm sich ein Bier und erzählte, er habe sich mal mit einem Veranstalter unterhalten. Dieser Veranstalter hätte gern Sodom für sein Festival eingeladen, aber die wollten (angeblich) für 1 Gig 20.000 € . Das ist ja heftig ! Eine der Billigsten seien noch Tankard, die wollen "bloß" 8.000 €. Das muss man alles dann erst mal wieder rein kriegen, nä, Versicherungen, Pacht für Hallen, Sanitär, Security... kostet ja auch noch. Und ich dachte, die armen Bands verdienen nix mehr, die Festival-Preise seien wegen Steuern und Gebühren so gestiegen?

Torsten ging schon vor in die Halle, ich blieb noch und tippte meinen Blog fertig. In aller Ruhe zog ich mich um, stylte mich noch ein bisschen und kam dann erst um 16 Uhr auch mal vor mit meinem kleinen Roller. Als ich in die Halle kam, spielte gerade der Hexer, ein Soloprojekt. Er hatte nur einen Schlagzeuger dabei, also musste er seine Gage auch nur durch 2 teilen statt durch 5, wie andere Bands. Der Auftritt hörte sich nicht mal schlecht an, aber die Show fehlt da halt doch ziemlich, wenn nur 1 Mann oben auf der Bühne steht.

Das ist der Benni. Draußen beim Reinkommen hatte ich ihn übersehen und lief glatt an ihm vorbei. "Du hast mich wohl mit einem Baum verwechselt" juxte er. "Ja genau, ich hab mir gedacht: Was haben sie denn da jetzt für einen blöden Baum hingeplanzt?" Kann man den nicht umsägen?

Vor dem Ausschank feierte der bereits lustig beömmelte Torsten. Angeblich trinkt er ja die ganze Zeit nix, nur eben wenn Konzerte sind, dafür da dann umso mehr. Durch die vorangegangene Abstinenz verträgt er dann erst mal nix und hagelt sich schon am Nachmittag weg.
Naja, dann kann man ja auch eigentlich erst mal langsam anfangen und sich nicht gleich alles auf einmal reinkippen?

Ansonsten hab ich einige Leute hier vermisst, besonders den Greimi, der war gar nicht da. Jahn-Halle ohne Greimi? ...und der Heff? Wo war die Maria? Alex? Gestern dachte ich noch, sie würden dann alle am Samstag auftauchen, aber nix war's: Es waren fast weniger Leute da als am Freitag .

Es kamen jetzt Warhammer, so richtig schöne 80er-Poser. Die gefielen mir recht gut, und ich guckte mal hinter an den Merch. Sieh an, deren CDs kosteten das Stück nur 10 €. Ja, da schlug ich doch gleich zu ! Wenn ich schon gestern das Hoodie nicht gekriegt hab, dann wenigstens heute eine CD, weil irgendwas möchte ich mir dann schon auch nach Hause mitbringen. Ein kleines Andenken braucht's schon .

In der Umbaupause wurde es interessant: Sie bauten zwei Feuerschalen auf mit Bocksköpfen dran. Darin stellten sie jetzt so Brennpaste-Dosen, womit man normalerweise das Essen warm hält, und zündeten die an.

Dann kam Graven, eine richtig schön aufgemotzte Band mit pfundweise Nieten, Stacheln und kunstvollen Corpsepaints. "Da hab ich nun das Gefühl, das sei direkt eine Poser-Band" meinte Karin grinsend. Ja, das kann durchaus sein , aber ein bisschen Posing braucht's doch auch, weil sonst macht's ja immer nix her. Es war natürlich nun schon ein bisschen viel Posing, so mit den ganzen Ketten und Nägeln, schwarzer Samtumhang, Skull in der Hand - und dann sprühten sie natürlich noch dicken Nebel rein und leuchteten alles rot aus, damit man auch ja nichts sah von der ganzen schönen Show und bloß nichts fotografieren konnte, schade.

Aber der Sound gefiel mir.

Auch Reil of Violence fand ich durchaus gut.

Der Torsten bedrängte mich unterdessen nun schon wieder, was ich trinken wollte. "Ja, grad nix" meinte ich "vielleicht eine Cola, aber besser gar nix." Torsten war allerdings längst in dem Modus, wo man(n) nur noch hörte, was man hören möchte, das Andere nicht: "Was willst du trinken?" fragte er anschließend gleich wieder .
Es war an der Zeit, ihm aus dem Weg zu gehen . Also achtete ich mehr drauf, wo der Torsten gerade herum lief, als darauf, welche Band jetzt spielte.

Alle freuten sich auf Urgehal. Der Torsten war zum Glück irgendwie grad nicht da. Benni erzählte mir, dass ein Wunder geschehen sei und Torsten draußen grad eine andere Frau angraben tät, nicht immer bloß mich . Prima, dann konnte ich mir ja genüsslich den Gig von Urgehal reinziehen .

Zum Ersten: Sie hatten sich einfach toll bemalt! Zum Zweiten: Auch das Outfit war richtig geil und kunstvoll, ja, beinahe wollte ich jetzt schon "liebevoll gestaltet" schreiben, aber "brutal gestaltet" klingt ja doof . Dann kam aber leider wieder der Sprühnebel in Verbindung mit rotem oder blauem Licht und es ist wirklich eine Kunst, da noch ein klares Foto zu schaffen. Sehr schade, weil die Show war echt gut, find ich.

Mit dem Zeitplan haute es nicht ganz hin, Urgehal hatte vielleicht überzogen? Allemal schoben sie sie nach ihrem Gig ganz schnell von der Bühne und bauten auf für Destruction.

Schon der Soundcheck für Destruction war arg. Ich hasse Drum-Soundchecks. Später beim Gig geht das Schlagzeug ja mit den anderen Instrumenten einher und verschwimmt zu einem einheitlichen Sound, aber beim Check? ...wenn da jeder Schlag einzeln auf die Trommel knallt? Boah, es war so laut, dass ich mir trotz meines Profi-Gehörschutzes die Ohren zuhielt und kurz drauf echt die Halle verließ.

Karin machte sich nun Sorgen, wie das mit dem Torsten weiter ging. Sie wollten nämlich beide zusammen mit dem Zug heimfahren und sich zu dem Zweck um 23:30 am Eingang treffen. Karin wurde nervös: Sollte der Torsten nicht pünktlich sein, dann schafften sie den Zug nicht mehr, sie müssten den nächsten nehmen und im Anschluss würde ihnen in Erlangen der letzte Bus des Abends davon fahren. Die Sorgen konnte ich gar nicht verstehen, denn für mich wär das klar: Um 23:30 steh ich da wie vereinbart, um 23:31 bin ich weg und fertig. Ja, Karin wollte das nun auch genau so machen.

Destruction legten nun los.

Es war sehr laut. Also Konzerte sind ja sowieso sehr laut, aber dies hier war außergewöhnlich laut . Der Gig war geil, die Show gefiel mir und ich bewunderte die moshenden Musiker, waren sie ja doch in meinem Alter und hatten noch so volle Haare, nicht einmal Geheimratsecken? Perücken konnten es nicht sein, denn die wären ihnen beim Moshen vom Kopf geflogen. Was machen die mit ihren Haaren? Welches Shampoo benutzen Destruction?

Im Publikum ging es ab.

Karin und ich, die recht weit vorne standen und einen guten Platz hatten, wurden plötzlich derb weggestoßen von Torsten, der sich und seiner neuen Flamme den Weg in die erste Reihe frei rempelte. Dabei schüttete er versehentlich seinen halben Becher aus mit seinem pappigem O-Saft-Cocktail, der mir voll übers Hoodie kippte. Mein ganzer Ärmel war nass, das ist doch Scheiße, Mann! Ich ärgerte mich und ging mal lieber gleich raus aufs Klo, dieses pappsüße Zeug runterwaschen. Als ich wieder rein kam, lief ich ganz außenrum und stellte mich dann lieber rechts von der Bühne bissel außerhalb des großen Gewühls. Von dort sah ich: Torsten hatte jetzt seine Jacke und Kutte ausgezogen und schlug damit irgendwo da vorne um sich. Mich hätts nicht gewundert, wenn sie ihn rausgeschmissen hätten, aber anscheinend beschwerte sich keiner.
Der Umgang heutzutage ist einfach viel zu kuschelig, die Leute tolerieren zu viel. Von mir hätt er einen Tritt gekriegt, dass er in die 1. Reihe übers Gatter gesegelt wär! So stand ich da und beobachtete mehr des Torstens Auftritt da vorne als den von Destruction.

Ich fand Destruction recht schön, aber leider wirklich viel zu laut. Es fiel mir auch auf, dass immer mehr Leute aus dem Saal liefen. Mittlerweile war es da vorne im Publikum richtig dünn geworden und auch den Torsten sah ich nicht mehr. Es war echt zu laut, ich ging auch.

Draußen traf ich die Karin und verabschiedete mich. Auch der Torsten torkelte da noch irgendwo rum. Wo war denn seine Neue? Anscheinend geflüchtet, denn er rief mir gleich wieder was zu von wegen, dass wir jetzt noch was trinken müssen. Ich muss gar nix, gute Nacht! Ich lief raus und fand am Zaun meinen Roller. Es war ja jetzt auch schon 23 Uhr ...30? Mist, ich habe nicht genau auf die Uhr geschaut: War Karin schon weg oder wartete sie noch? Naja, irgendwie kommt der Torsten immer nach Hause, also chill down. Ich rollerte zufrieden zum Naglfar.

Gemütlich legte ich mich ins Bett und dachte an meinen wanzigen Untermieter: ob das Stechviech noch da war? Aber nichts biss mich. Vielleicht war's satt?

Es war stürmisch, der Wind blies heftig gegen das Naglfar. Man hörte die Bäume rauschen und ab und zu knackte es. Jetzt fing es an zu regnen, aber nicht schlimm, eher so ein gemütliches Nieseln. Es war unheimlich heimelig, weil ja chillig die Heizung vor sich hinlief und leise brummte. Da fehlte echt nur noch Kerzenlicht und eine schnurrende Miezekatze .

Am nächsten Tag war es garstig. Als ich aufstand, waren viele schon weg. Es regnete. Eigentlich wär ich gern noch geblieben und hätte in aller Ruhe gefrühstückt, aber ... wenn ich nen Kaffee trink, ... äh, gibts dann "sanitäre Herausforderungen" , die ich nicht im Naglfar haben möchte. Also beschloss ich, gleich heim zu fahren und den Kaffee zuhause zu trinken .