Mittwoch, 24. Juni 2026

Erfurt, Ega-Park

Am Dienstag hatten wir Betriebsausflug. Wir wollten nach Erfurt und dort den Ega-Park besuchen. Das dauerte den ganzen Tag und ich würde erst am späten Nachmittag um 17:45 Uhr wieder am Nürnberger Hauptbahnhof ankommen. Damit ich von dort so schnell wie möglich auf die Ranch fahren konnte, fuhr ich frühmorgens mit dem Auto (!) zum Bahnhof und stellte es dort ins Parkhaus. Wenn ich dann abends hier wieder ankam, könnte ich gleich weiter fahren.

In der Mittelhalle traf ich gleich 2 Kolleginnen, auf dem Bahnsteig sammelte sich dann der Rest, und da kam auch schon unser Zug. Er war erstens pünktlich (!) und zweitens funktionierte die Klimaanlage , na, das war doch schon mal was.

Mit bis zu 240 km/h rauschten wir dahin (Bildschirm 1: erste Zeile in der Mitte steht die Geschwindigkeit). Ratzfatz waren wir in Erfurt. Es dauerte eine gute Stunde, man hatte kaum Zeit für einen gemütlichen Plausch, schon waren wir da.

Am Erfurter Hauptbahnhof kennen wir uns aus, weil da sind wir ja öfters, immer, wenn wir nach Gera fahren. Unter den Gleisen fährt die Straßenbahn durch einen Tunnel, da warteten wir an der Haltestelle. Nun kam eine Grundschulklasse mit 4 Lehrern, die hatten wohl heute Schulausflug und warteten auch. Die Kinder waren zwar alle brav, gingen schön Hand in Hand, aber ein Lärmpegel lag natürlich gleich in der Luft, denn sie schrien und quietschten, lachten und kreischten. Sie stiegen alle in den vorderen Wagen und wir dann ganz schnell in den hinteren .

Am Ega-Park stiegen wir alle aus - und die Schulklasse auch. Das hätten wir uns ja denken können, wo sollen die schon sonst hin wollen? Wir ließen die Knilche dann am Eingang alle vor, und sie durften zuerst rein, damit sie nur fort waren. Für einen Moment war eine erholsame Ruhe.

Als wir dann endlich auch drin waren, verteilte unser Orga-Team Fragebögen. Lauter Fragen zum Park waren da drauf, wieviel Stufen der Aussichtsturm hatte, welche Tiere im Wüstenhaus lebten und wie hoch die Temperatur im Tropenhaus sei: Naja, etwas weniger als die heutige Außentemperatur, schätzte ich. Es waren heute 35°C gemeldet. Nein, nicht im Tropenhaus - an diesem wunderschönen Sommertag hier in Erfurt .
Wir sollten Teams bilden, um die Fragen zu beantworten, und so fand ich mich aus Versehen im Team mit unserem obersten Chef, dessen Sekretärin, meiner Kollegin Karin und der gemütlichen Gewerkschafterin. Also stiefelten wir zu fünft los.

Links unseres Weges sahen wir ein großes Planschbecken, eine Hüpfburg, einen kleinen Bauernhof mit Ponys, E‪sel, Entenküken und den begeisterten Schulkindern aus der Straßenbahn. Na, die hatten wir los! Eine durchdachte, praktische Aufteilung, hier, doch .

Wir gingen weiter und guckten uns als ersten das Wüstenhaus an. Dort waren alle Fenster geöffnet, denn heute war der ideale Wüstentag, die Sonne brannte runter, und die heiße Luft strömte von außen durchs ganze Gebäude. Gigantische Kakteen wuchsen dort.

Die Höhe dieser Schwiegermuttersitze lag mind. bei 1 m. Bei den Pflanzen waren Barcodes angebracht. Schon als wir im Eingangsbereich reinliefen, gab es in der Wand Schubläden zum Rausziehen, worin Litaneien und Erklärungen zu den Kakteen und der Landschaft enthalten waren, weiter führende Links und jede Menge kluges Zeug, aber so viel Zeit hat man ja leider nicht, das alles auch noch genau zu lesen. Schade. Nun, dieser ega-Park könnte ein Punkt auf meiner Renten-to-do-Liste werden, dass ich mir das Wesentliche noch einmal reinzieh, wenn ich nächstes Jahr viel, viel Zeit habe .

Einige Wüstentiere gab es auch zu sehen, z.B. so eine komische Maus, der Kurzohrrüsselspringer, auch Elefantenspitzmaus genannt, aber der saß nur müde rum und bewegte sich kaum. Dagegen gabs mehrere Terrarien mit verschiedenen, teils recht großen Ameisen, die wibbelten recht emsig umeinander.

In einem Minitümpel saß eine fette Kröte, über einem Ast hing eine seltsame grüne Schlange, aber die Wüstentiere hatten eins gemeinsam - übrigens auch mit uns, heute: Sie mochten sich kaum bewegen vor lauter Hitze.

Wir gingen durch einen Vorhang aus Seilen rüber ins Tropenhaus. Die Temperatur war ungefähr gleich dem Wüstenhaus und der Erfurter Außentemperatur, nur die Luftfeuchtigkeit war höher. Hier flatterten eine Menge ziemlich großer Schmetterlinge rum, leuchtend blau, bunt, orange mit schwarz.

Es gab auch Wasserbassins mit recht fetten Fischen, bis zu 1 m groß, und bunte Vögel saßen in den Bäumen. Andauernd zwitscherte, summte und quakte es, aber das tut's im Kölle Gartencenter auch, also das ist wohl nur eingespielt. Wir waren durch und stellten fest, dass jetzt die Schulkinder mit den Lehrern kamen: Nichts wie raus!

Karin wollte nun den Rosengarten sehen, also liefen wir dort hin. Die große Blüte hatten wir verpasst, sie war wohl ein paar Wochen vorher im Frühling, aber einige blühten schon noch.

Mitten im Rosengarten war auch ein Imkerhaus. Ausgestellt waren dort historische Utensilien der Imker, Honigpressen, Schwarmfänger und natürlich verschiedenen Bienenkörbe. Da ums Eck waren aber auch ganz aktuelle Bienenstöcke, die man sich anschaun konnte. Ein Schild hing dort, dass die Bienen fei eventuell stechen können. Ach nee, wirklich? Bienen können stechen, echt?

Wir liefen nun weiter und kamen zum Aussichtsturm. Der Chef gönnte sich eine Pause auf einer schattigen Bank und lief nicht mit hoch, während ich schon gleich mal im 2. Stock war. Ha, das Teil hat nicht mal die Hälfte vom Barbarossa-Denkmal, ein lächerliches Türmchen *rauf-schnür*. Schon stand ich oben. Die Aussicht war nett, denn in der Ebene lag die Stadt Erfurt und man konnte alles überblicken. "Hat jemand gezählt, wie viel Stufen es waren?" fragte Karin. Oh nein, das hatten wir vergessen! Wir würden beim Abstieg zählen. Eins, zwei, drei... die Sekretärin und ich waren nun eine Etappe weiter unten: "61" sagte sie, "71" sagte ich - ich zähle immer bloß bis 10 und markiere meine Zehner mit den Fingern, vielleicht hatte ich einen zu viel gestreckt? "60" hatte Karin gezählt. Nehmen wir die Gemeinsamkeiten der Ergebnisse: die 6 Zehner und die Einser, so entschieden wir uns für 61. Weiter gings bis ganz runter.

Unten stand das andere Team: "Wieviel habt denn ihr?" fragten wir gleich, und einigten uns dann auf deren Ergebnis von 122 . Wehe, das ist falsch, Freunde?!

Ein Stück weiter vom Aussichtsturm wäre das Planetarium gewesen. Das hätte mich nun außerordentlich interessiert, aber - so ist das nun mal im Team - der Chef wollte den Kräutergarten sehen . Da liefen wir also zu den Kräutern. "Man sieht nicht 1 Blattlaus, keinen Käfer, kein Unkraut, kein verwelktes Blatt" stellte ich fest, und: "Das da wächst bei mir im Garten auch, nur ist es außenrum ganz welk." Woran liegt das? Möglicherweise an dem Team von x Gärtnern, die hier täglich durchsensen? Ich setze in meinem Garten halt andere Prioritäten und bin schon froh, wenn ich regelmäßig zum Rasenmähen komme .

Da stellte ich fest, dass ich die Ranch nun schon gut 10 Jahre lang besitze und immer noch nicht weiß, was da alles wächst, was Unkraut ist, was Nutzpflanze ist oder überhaupt was. Das liegt schlichtweg hieran, guckt euch das Bild an: Ich sehe grüne Pflänzchen, welche mit blauen Blüten und welche mit weißen. Ist da noch mehr? Im Bild sind auch 5 Schildchen, d.h. hier sind mind. 5 verschiedene Arten von Pflanzen zu sehen, aber ich sehe nur Grün mit Blau oder mit Weiß. Das da unten hätte ich vielleicht für einen Löwenzahn gehalten, das dahinter eher für eine Distel, und ich hätte erst mal alles rausgerupft . Was ist der Unterschied zwischen "Strandflieder" und "blaues Halskraut"? Ich sehe keinen.

Ich stand vor diesem Beet und stellte fest: genauso geht es mir mit Menschen! Ich unterscheide grad noch die mit dem blauen Pulli von dem mit dem weißen Hemd - und dann hörts auf, andere Unterschiede sehe ich einfach nicht. Vielleicht ist es doch keine soziale Phobie, nur ein grenzenloses Desinteresse am Detail des Banalen? Mir fällt bloß Außergewöhnliches auf. Hmpf.

Außergewöhnlich schön fand ich die Innenstadt, durch die wir um 15:30 Uhr mit der Straßenbahn wieder zum Bahnhof zurück fuhren. So schön hergerichtete, alte Gebäude waren in der City, interessante, kleine Läden und nette Straßencafes... aber unser Zug fuhr um 16:08 Uhr und wir hatten keine Zeit mehr, um noch irgendetwas anzugucken und rauschten nur mit der Straßenbahn durch. Wie schade!

Naja, freilich, in jeder etwas größeren Stadt kann man sich wochenlang aufhalten und findet immer noch was zum Besichtigen. Ich schätze aber, dass ich hier noch einmal herkommen werde, wenn ich wenigstens ein bisschen mehr Zeit habe.

Wir standen schon am Gleis und stiegen in unseren ICE. Mit 243 rauschte der Zug durch den Rennsteigtunnel, drum ist man da dann auch ganz schnell durch - nicht so wie auf der Autobahn, wo man nur 80 fahren darf und fährt und fährt und der Tunnel nimmt kein Ende. Ein kurzer Plausch mit der Nachbarin, schon waren wir in Bamberg, 10 Minuten später in Erlangen. Der Zug war auf die Minute pünktlich (!) und um 17:45 kamen wir in Nürnberg an.

Ich hüpfte gleich raus und lief ins Parkhaus. Da stand ich am Automaten und steckte meine Parkkarte ein. "22 €" zeigte das Display an. Was? Ooops!
Mein Nachbar am Nebenautomaten schreckte auf, guckte auf mein Display und staunte genauso: Ooops!
Na, ich hätte nun schon gedacht, dass es so ne Art Tagespauschale gibt wie anderswo, ersten 2 Stunden je 2 €, danach dann 8 für den ganzen Tag oder so. Da hätt ich ja gleich mit dem Taxi fahren können?! Ich löste mein Röhrle frei, holte im 6. Flur das Auto und rauschte gleich ab auf die Ranch.

Dem Lieschen ging es besser. Es jagte nun die Nora durch den Garten und hüpfte auch schon recht locker die Leiter in den Dachboden rauf und wieder runter. Das Pflaster am Bauch hatte es sich schon abgerupft. Seine vorderen Pfoten sind grün, denn es wurde tätowiert und putzte sich schon fleißig die Tinte aus den Ohren. Der Fuchsbau lag brach, das Fuchsloch an der Tür weiterhin vergittert, nichts verschoben, nichts berührt, und auch aus dem hinteren Loch war kein Fuchs mehr gekrochen, denn die Kohlen vom Grill lagen noch dicht darin, und in den Spuren meiner Schuhe waren keine neuen Pfotenabdrücke. Hee, ihr Füchse, wenn ich da wieder was sehe, hey, dann gibt es wieder das polnische Stinkmittel, ich warne euch! So im Allgemeinen stellte ich aber fest: Entwarnung. Auf der Ranch kehrt nun (hoffentlich) der Alltag wieder ein.

Lieschen ist wieder da

Am Sonntag gab ich also das kleine Kätzchen dann im Tierheim ab. Ich hätt's so gern behalten, es war so niedlich, aber das geht einfach nicht, da müsst ich ja mein ganzes Leben umstellen, könnte nicht mehr auf Festivals fahren, und ich bin ja auch so den ganzen Tag nicht zuhause, Arbeit, Ranch, Erledigungen - nein, ich kann kein Kätzchen halten.

Jetzt ist das Bad wieder leer, ich vermisse es richtig, obwohl es nur 1 Nacht da war .

Am Montag riefen sie mich schon gleich an: Das Lieschen ist jetzt kastriert und ich soll es so schnell wie möglich wieder holen. Was: Heute schon? Ich kann doch die frisch operierte Katze nicht in die Wildnis zu den Füchsen jagen? Sie muss doch erst mal fuchsfest sein, dass sie sich wieder wehren kann oder wenigstens flugs auf den nächsten Baum kommt. Aber das Tierheim ist hoffnungslos überfüllt und so schmeißen sie raus, was geht. Also holte ich nach Feierabend gleich das Lieschen.

Wir fuhren auf die Ranch und dort ließ ich sie aus dem Käfig. Sie war noch recht wackelig auf den Beinen, kletterte aber gleich hinauf in den Dachboden und suchte das Kätzchen. Der Dachboden war leer. Dann erkannte sie den ganzen Schrott vom Dachboden, den ich vor dem Gartenhäuschen gestapelt hatte und durchsuchte dort alles: Da musste doch auch das Kätzchen sein? Ich hätt ihr so gern gesagt: "Dein Kind lebt und es geht ihm gut!", aber sie versteht es ja nicht .

Als sie den Schrotthaufen erfolglos durch hatte, suchte sie weiter im Garten und ging auch hinter zur Wellblechhütte. Da schnüffelte und guckte sie besonders arg. Es gab dort wohl noch Spuren von ihren toten Kindern. Mein Herz ging mit dem Lieschen auf die Suche, und ich hoffte, es käm vielleicht doch gleich noch ein Kätzchen aus dem Versteck, aber mein Kopf wusste natürlich, dass da nichts mehr kommen würde .

Oh, traurige Geschichte.

Ich blieb auf der Ranch bis abends um halbzehn. Ich schürte ein Feuer mit feuchtem Holz, das stark qualmte, sodass ein Nebel aus Rauch über die ganze Ranch zog. Der Fuchsbau sah sehr verwaist aus. Ungern ging ich heim, aber ich musste das Lieschen jetzt allein lassen, ich muss ja ins Bett und morgen wieder früh raus...

Sonntag, 21. Juni 2026

Nummer 5 lebt - oder: Schrödingers Kätzchen

Die beiden Fuchswelpen auf der Ranch waren mir nicht mehr geheuer. Vor einiger Zeit waren auf einem Video die Kätzchen an der Futterstelle zu sehen, auf dem nächsten Video dann nur 5 Minuten später die Fuchsmutter, die herzhaft gähnte und dabei ein Gebiss entblößte, von dem ich persönlich mir keine Berührungen wünsche, huch . Die Bedrohung für die Katzen war mir durchaus klar, nur wusste ich mir keinen Rat. Ich googelte, ob Füchse auch Leitern hochsteigen können (ja, können sie) und hoffte, sie hätten kein Interesse an der Luke im Giebel des Gartenhäuschens. Immerhin waren schon Marder hier, sogar ein Waschbär, und keiner war da rauf geklettert.
Manchmal bin ich richtig blöd, echt, weil es war die Zeit gekommen, wo nicht die Räuber raufklettern, sondern die Kätzchen runterklettern. Das hatte ich einfach nicht bedacht.

Aber da war noch ein Ding: Was konnte ich denn tun? Ich konnte das Lieschen und seine Kätzchen ja nicht fangen und mit heim nehmen? Ich kann nicht in den Dachboden dieser baufälligen Hütte steigen, weil der würde mich kaum aushalten, ich könnte durchbrechen. Stünde ich oben, was sollte ich dort schon machen: Wie könnte ich sie in dem ganzen Gerümpel alle 4* samt Mutter fangen? Sofort wären sie versteckt und davon gerannt.
*) 1 von den 5 war beim ersten Umzug des Lieschens offenbar gestorben, denn danach waren es nur noch 4.

Die Füchse müssen verschwinden! Sie untergraben mir meine Wellblechhütte, die bereits leicht eingesunken war, sodass die Tür nicht mehr auf ging, total verzogen. Zudem hatte ich auch schon wieder Reste von Hühnern gefunden, d.h. sie bedienten sich bereits wieder drüben jenseits der Straße beim Hühnerbauern. Von dort würden sie demnächst mit verstümmelten Füßen zurückkehren, so wie ihre Vorgänger vor 3 Jahren, die nach einigen Hühnermahlzeiten dann in Schlagfallen gelaufen waren .

Ich hatte das Fuchsloch unter der Wellblechhütte zugeschaufelt, aber am Tag drauf war es wieder offen. Da schob ich fette Äste hinein, allein damit war es eigentlich dicht. Ich fand noch einen halben Sack Gartenbeton, den ich hinterherkippte samt einer Gießkanne Wasser. Es ergab einen Betonpfropfen auf dem Fuchsloch.
Das nützte nichts. Tags drauf hatten sich die Füchse schon wieder durchgegraben. Das Loch war flacher, denn die Äste konnten sie wohl nicht zur Seite räumen, aber nach wie vor hatten sie wohl nicht vor, hier auszuziehen.

Dann gab es da vor einer Woche ein verschwommenes Video, auf dem das Lieschen einen der Fuchswelpen angriff und dieser flüchtete, aber der Angriff war wohl keine Verteidigung, sondern mehr aus Verzweiflung, weil die Füchse haben die Kätzchen erwischt . Seitdem waren die Kleinen nicht mehr im Dachboden-Video, nur noch das weiße Kätzchen war dort oben. Ich tröstete mich bislang immer mit der Ausrede, das Lieschen habe die andern vielleicht in ein getrenntes Nest versteckt. Trotzdem: Die Füchse müssen weg! Vor lauter Verzweiflung und Ratlosigkeit bestellte ich auf Amazon so ein Fuchsschreck-Mittel aus Polen. Die Polskis scheren sich ja ziemlich einen Dreck um EU-Richtlinien z.B. in Hinsicht auf erlaubte Inhaltsstoffe, also könnte das Mittel vielleicht dann auch echt wirken? Leider sollte es erst am 26.06.26 geliefert werden.

Am Freitag, als ich von der Ranch heimgekommen war und die Bilder von den Wildkameras durchsah, sah ich das Lieschen mit dem weißen Kätzchen an der Futterstelle spielen, die beiden alleine. Die anderen Kätzchen waren nicht mit dort. Da wurde mir so schlagartig klar, dass sie nicht mehr am Leben waren .

Ich heulte Rotz zu Wasser.
Dann packte ich meinen Krempel und fuhr in meiner Trauer wieder zurück auf die Ranch, weil ich wollte einfach dort sein beim Lieschen und seinem weißen Kätzchen.

Der Ralf war auf der Ranch, wollte dort mal wieder Feuerchen schüren und chillen. Das war mir sehr recht, denn so lange ein Mensch da ist, traut sich kein Fuchs her. Als ich zutiefst traurig und deprimiert auf die Ranch kam, setzte ich mich zum Ralf an den Tisch, machte mir ein alkoholfreies Bier auf und sinnierte zusammen mit ihm ins Feuer.
Ich holte schließlich den Spaten, schaufelte einige glühenden Scheite in den Kugelgrill und warf sie unter die Wellblechhütte ins Fuchsloch. Es möge der Rauch durch eure Gänge ziehen, dass ihr davonlauft! Zieht aus! Sicherheitshalber legte ich ein Stahlgitter drüber: Aus diesem Loch soll kein Fuchs mehr kommen! Ums Eck rum ist jedoch gleich das nächste Loch, der Sand außenrum voller Fuchsspuren .

Gegen halbelf fuhr ich heim. Ralf blieb draußen im Zelt, kokelte noch seine Feuerstelle, und die Füchse würden sich heute hoffentlich fern halten.

Ich konnte kaum schlafen vor Trauer und Angst um das letzte, weiße Kätzchen. Wie das dem Massaker entkommen war, weiß ich nicht, aber es war ja nur eine Frage der Zeit, wann die Füchse auch das noch erwischen. Das arme, arme Lieschen! Das letzte ihrer 5 putzigen Babys!
Ich stand am Samstag recht früh auf, konnte eh nicht schlafen, und zerbrach mir den Kopf. Wo krieg ich noch heute eine Wildtierfalle her, um das Kätzchen zu fangen? Sollte ich nach Boxdorf fahren zu diesem Jagd-Zubehör-Verkauf, aber die Teile waren dort ganz schön teuer. Auf Amazon bestellen? Aber dann kommen sie erst wieder frühestens am Montag und da hatte ich keine Zeit mehr, weil Dienstag haben wir Betriebsausflug, da bin ich weg, und ein paar Tage später geht's schon los auf das Rock Harz.
Da fiel mir die Christa ein und ich fragte gleich bei ihr nach, ob sie denn nicht so eine Falle hätte. Ja, hatte sie, und ich sollte sofort vorbei fahren und mir die Falle holen, denn später würde Christa auf die Kirchweih gehen. Als ich bei ihr auf dem Hof einfuhr, standen dort schon die geschmückten Kärwa-Wagen.

Christa ist ja katzentechnisch echt voll ausgerüstet und gab mir neben der Falle auch noch einen Käscher mit sowie fette, lederne Handschuhe mit Schaft bis zu den Ellenbogen, mit denen man wohl auch kleine Tiger fangen konnte.

Damit bestückt fuhr ich also auf die Ranch, wo der Ralf mit einem fetten (Alkohol-)Kater vor sich hindümpelte. Den wollte ich abholen und mitsamt seinem Krempel heim fahren - aber erst stellen wir die Falle auf!

Ich musste dabei auf diesen Dachboden krabbeln. Ich war da schon als Kind immer oben vor über 50 Jahren, aber da war die Hütte noch stabiler und ich auch noch leichter . Ich krabbelte da jetzt nicht alleine rauf, weil wenn ich durchbrach, musste mich vielleicht einer aus dem Schutt schaufeln und die Sankas holen? Ralf stand also unten und passte auf, während ich mich auf allen Vieren auf den Dachboden vorarbeitete, immer erst die nächste Holzlatte prüfend, ob sie mich auch aushielt. 42° Grad zeigte die Temperaturanzeige der Wildkamera, die da oben stand. Ich bewegte mich langsam, hielt mich an den Dachbalken fest, um mich etwas abfangen zu können, sollte ich einbrechen, und hatte dabei etwas von einem Faultier . Lieschen hatte sich natürlich sofort nach hinten geflüchtet, vom Kätzchen sah ich nichts.

Dann war da noch dieser Jahrzehnte alte Schrott da oben: Die Weinregale aus den 70er-Jahren, alte Ofenrohre, verrostete Wasserboiler, Fliesen und Gerüstteile. Als ich feststellte, dass der Boden noch ganz gut hielt, begann ich, den ganzen Schutt erst mal rauszuräumen. Ich brauchte freien Platz und wenn ich das Kätzchen, sofern es überhaupt noch hier war und noch lebte, mit dem Käscher fangen wollte, sollte es sich nicht hinter Gerüstteilen verstecken können. Ich reichte alles raus und unten stand der verkaterte Ralf in der prallen Sonne und nahm die teils recht schweren und sperrigen Schrottstücke entgegen.

Dann stellte ich Christas Falle auf und ihre Wildtierkamera, die Christa mir mitgegeben hatte. Eine ganz noble mit Antenne, sie war mit einer SIM ausgestattet und sendete der Christa aufs Handy Bilder, wenn auch etwas zeitverzögert. Die Christa sendete dann die Bilder gleich weiter per WhatsApp an mich. Ralf und ich waren noch unten beim Aufräumen, die rausgereichten Schrottgegenstände irgendwo hin stapeln, da hörten wir es von oben schon deutlich klappern. Mein Handy meldete eine WhatsApp, und das war das Bild: das Lieschen in der Falle! Das ging aber schnell! Lieber wär's mir gewesen, sie hätte das Kätzchen im Schlepptau gehabt, aber das war ihr leider nicht gefolgt.

Ob es überhaupt noch lebte? Ich wusste es nicht. Schrödingers Kätzchen: Wenn es tot war, so konnten wir jetzt das gefangene Lieschen ins Tierheim fahren zum Kastrieren. Wenn es aber noch lebte, dann war es jetzt noch gefährdeter, so ohne Mutter. Wir mussten es dann unbedingt erwischen!

Der Plan war: Lieschen ins Tierheim fahren, von dort aus den Ralf heim fahren, daheim die SD-Karte aus der Dachboden-Kamera auslesen und gucken, ob das Kätzchen die Nacht überlebt hatte, also ob es am Vormittag vor meiner Ankunft noch oben rumhüpfte. Als ich die Treppe hoch zur Wohnung ging, da lag ein Päckchen vor meiner Tür: das Fuchsschreck-Mittel aus Polen ! Es war doch heute schon geliefert worden, super!

Da hockte ich nun in der Wohnung und sah die Bilder durch. Datums- und Zeitanzeige hatten sich - wohl überhitzungsmäßig - auf Default zurückgestellt und die Bilder waren alle vom 01.01.24, 00 Uhr, zeitlich ganz schlecht einzuordnen: Kätzchen, Kätzchen, es dämmerte jetzt, also war das doch schon von heute morgen, oder ... immer noch Kätzchen, es war nun heller Tag, Kätzchen ... und da flüchtete das Kätzchen hinter die Gerüstteile, die Kamera wackelte nun und das nächste Bild war ich, wie ich in die Bude rumpelte. Es lebte also noch! Sofort wieder hin!

Es war schon 17 Uhr, als ich wieder auf die Ranch kam. Bis Sonnenuntergang hatte ich nun erst mal Zeit, das Kätzchen zu fangen. Wenn ich es bis dort nicht hatte, müsste ich im Zelt übernachten, allein um die Füchse abzuschrecken, denn das Kätzchen hatte nun nicht einmal mehr eine schützende Mutter, die hatte ich ihm ja vorhin weg genommen. Ich fühlte mich echt mies, was für ein beschissenes Dilemma! Ich hatte das polnische Mittel dabei, leider war die Gebrauchsanweisung nur auf Polnisch, und ich verteilte die Substanz mal einfach rund um die Wellblechhütte. Boah, das stank!! Das war nicht nur ein Fuchsschreckmittel, sondern auch ein Menschenschreckmittel! Vielleicht hätte ich Gummihandschuhe anziehen sollen, denn das Mittel brannte deutlich an den Fingern, als ich ein paar Spritzer davon ab kriegte. Es bleibt zu hoffen, dass es wohl auch wirkt .

So eine Lebendfalle reagiert ja erst ab einem bestimmten Gewicht, ich hatte was gelesen von 2 kg. Das Fliegengewicht von einem Kätzchen hatte aber doch nicht mal ein Pfund, es war doch noch so klein! Drum band ich eine Schnur an den Mechanismus. Wenn ich das Kätzchen drin sähe und die Falle löste nicht aus, würde ich die Schnur ziehen.

Da saß ich nun mit meiner Schnur.
Ich saß und saß.
Die Sonne stand schon tief, da raschelte es oben und ein weißes Kätzchengesicht guckte aus dem Fenster. So schön, es lebendig zu sehen! Es hatte mich sofort entdeckt, aber ich saß relativ weit weg und so flüchtete es nicht und guckte nur skeptisch. Dann verschwand es wieder nach innen. Eine WhatsApp mit Bild kam von der Christa: "Hier, es schleicht schon um die Falle herum!" Komm, geh rein, Miezerle! Du Glückskätzchen, komm in die Falle, so lange es noch nicht Nacht ist, und rette damit dein Leben!

Nein, das Kätzchen schlich im Dachboden herum und inspizierte nun sein aufgeräumtes Gehege, von dem ja doch sehr viele Schlupfwinkel nun fehlten. Besonders die Mama fehlte ihm.

Dann war wieder Ruhe. Ich hörte nichts mehr rascheln, ich sah nichts und auch von Christa kamen keine neuen Bilder. Wahrscheinlich machte das Kätzchen nun erst mal ein kleines Nickerchen... Ich saß unten, den Finger am Abzug, äh an der Schnur. Hinten an der Wellblechhütte kamen nun bestimmt schon die Füchse aus dem Bau gekrochen. Sie würden sich nicht her trauen, so lang ich hier saß. Sollte ich das Zelt auf der Wiese stehen lassen, oder sollte ich es hier vor die Hütte schieben und direkt vor dem Fenster übernachten? Ich saß da und plante ... da klapperte es ! Die Falle hatte geschnappt! Ich hatte gar nicht die Schnur gezogen und auch gar nicht bemerkt, dass das Kätzchen drin war. Gleich stieg ich die Leiter hoch und guckte: Es fauchte mich an und randalierte, aber es saß drin! Wie wunderschön ! Ich war so froh!!

Das Tierheim hatte natürlich schon längst geschlossen, denn es ging nun schon auf zehne zu. Da lud ich die Falle gleich ins Auto und fuhr zu mir nach Hause. Dort stellte ich die Falle in die Badewanne, schloss sicherheitshalber trotzdem Fenster und Türe, nicht dass es vielleicht doch noch irgendwie aus der Falle entkam? Es hatte sich langsam beruhigt und zwinkerte mir sogar zu, wie lieb! Du putziges Mäusle, morgen in aller Früh fahr ich dich gleich ins Tierheim zu deiner Mama!