Sonntag, 17. Mai 2026

Dark Troll am Samstag

Nachts war es wirklich eisig gewesen, ich fror im Gesicht fast wie im Winter. Dabei waren diese Eisheiligen doch mit dem Freitag vorbei, dachte ich. Aber die scheinheilige Klimaerhitzung setzte sich nur sehr zögerlich gegen die eisige Heiligkeit durch. Heute sollte die Höchsttemperatur auf satte 12 Grad ansteigen, wow .

Ich guckte mir mal die Parkwiese an, wie die Schlammsituation dort war, aber sie hatten vorbildlich fett Stroh dort verteilt. Es sah so aus, als könnten die Autos wirklich rauskommen ohne sich festzufahren, auch wenn ich vereinzelt schon so Kuhlen fand, in denen sich durchdrehende Reifen beim Rangieren verfangen hatten.

Naja, dann räumte ich hier gleich mal auf, entsorgte Grau- und Schwarzwasser und packte die Klamotten in den Schrank, damit ich morgen klar zur Abfahrt war. Mit dem eingeparkten Nachbarn hatte ich ausgemacht, um 9 Uhr aufzustehen. Der arme Kerl kam aus Kiel und hatte noch die Monsterfahrt vor sich. Um 9! Was macht man nicht alles für Brothers in Metal.

Als ich - sportlich, sportlich! - die 108 Stufen zur Burg hochgekraxelt war, standen dort u.a. zwei polnische Autos vor meinem Bierbunker, oh weh, ist mein Bier noch da ? Aber weder die Polen noch andere hatten es gefunden, und die beiden Hundetüten von gestern waren noch unversehrt, im Schatten des Waldes gut gekühlt.

Ich betrat die Location. Dort war gleich alles doppelt so guter Stimmung wie die letzten beiden Tage. Unheimlich, was so ein bisschen schönes Wetter ausmacht. Dabei war's gar nicht mal sooo schön, immer noch war es bitterlich kalt, aber die Sonne schien und es war trocken.

Pappa Dieters Stuhl hattense geklaut! Pappa Dieter hat sich nämlich so ein hüfthohes Dreibein gebastelt mit einer ledernen Sitzfläche, auf dem er sich immer mal ausruhen konnte, und das steht eigentlich immer vorne an der Bühne, wo er sich damit auch den Platz reserviert. Insbesondere bei Regen ist das sehr praktisch, damit die alten Knochen doch mal auf trockener Fläche sitzen können. Auf Party San, In Flammen und auch hier am Dark Troll steht das Dreibein immer da, es gehört schon zum Festival-Equipment. Jetzt war es weg, jemand hatte es mitgenommen . Es war bestimmt nur ein Ordner von der Crew, der es aufgeräumt hat, weil das Ding ist so individuell, ein Dieb bräuchte damit nirgendwo mehr auftauchen ohne sofort erkannt zu werden.

Von der Theke kam nun dieser mit mir bekumpelte Barmann zu mir und informierte mich über ganz was Wichtiges: Noch gab es Freibier! Was?? Freibier?! Sofort holte ich mir meines ab . Ich hab gar nicht gefragt, wie ich denn zu der Ehre gekommen war, und aus welchem Grund es Freibier gab. Vielleicht hatte jemand Geburtstag, und ich hab dann nicht mal gratuliert? Das sei hiermit virtuell nachgeholt: herzlichen Glückwunsch, für was auch immer !

Jetzt kamen Vanaheim auf die Bühne. Noch war es halbwegs mild, dass ich die dicke Winterjacke noch nicht an hatte und so fing ich an zu moshen und zu tanzen.

Alle Leute waren heute besser drauf und hüpften und tanzten. Es bildete sich auch gleich eine Polonaise und zog durch die Meute. Endlich wurde es lustig ! Vanaheim gefielen mir recht gut.


Danach kamen Zorza, die kannte ich noch nicht. Sie waren eigentlich musikalisch auch nicht schlecht, aber ich hab immer ein bisschen ein Problem, wenn die Musiker so sauber, kurzgeschoren und "geschniegelt" sind. Ja, also "geschniegelt" ist natürlich relativ, aber ich steh halt einfach auf wilde, zottelige, derbe Kerle in Kutten mit Nieten und zerfetzten Hosen.

Ich setzte mich an einen Tisch auf der Seite und packte mein Essen aus. Heute gab es zwei Brotscheiben mit Thunfischcreme *mampf mampf*. Das Essen, was hier verkauft wurde, war allerdings auch nicht teuer, richtig gute Hausmannskost, Bratkartoffeln mit Fleischküchle, Currywurst, Pommes und solche Sachen, aber ich mach ja grad Diät .

Die Preise waren klasse, wie zu alten Zeiten! So fand ich an einem Merchstand Patches für nur 3 €! Da schlug ich gleich zu. Der Patch war sogar auch noch zum Aufbügeln, richtig gute Qualität! Da sieht man nur mal, wie fürchterlich man sonst überall abgezockt wird. Kein Wunder, dass die Leute nur noch sparen und sogar ich dazu über gegangen bin, mir nach Möglichkeit nichts mehr zu kaufen.

Der Met war alle . Am Whisky-Stand gab es nur noch heißen Glühwein. Auch der kostete nur 3 €, also gab ich mir einen. Dann gab ich aber gleich mal meinen Becher ab, denn recht viel mehr Gesaufe brauchte ich heute nicht mehr.

Da waren nun wieder die wilden Zotteligen meines Geschmacks: Naglfar - die Band zu meinem Auto . Sie trashten voll rein, was nun nicht ganz hier ins Folkmetalprogramm passte, aber mir gefiel das recht gut. Also moshte ich noch ein bisschen rum.

Um 22 Uhr waren Naglfar fertig. Es wären noch Vinterland und Arkona gekommen, aber so erpicht auf die war ich jetzt nicht, und so machte ich mich schließlich auf den Heimweg.

Samstag, 16. Mai 2026

Dark Troll am Freitag

Es war so bitterlich kalt, dass am Campingplatz jeder, der die Möglichkeit hatte, in seinem Auto oder Zelt saß und die Schotten dicht machte gegen den eisigen Wind. Immer wieder regnete es, und nur ganz Hartgesottene wagten sich mal kurz raus auf einen Campingstuhl für eine Raucherpause. Ich saß im Naglfar und häkelte. Selbst im Auto war's nicht wirklich warm. Ab und zu schob sich ein Sonnenstrahl durch die Wolken, der hinter der Scheibe spürbar wärmte.

Ich habe jetzt eine Smartwatch! Eigentlich wollte ich ja nur eine ganz normale Uhr mit Wecker und möglichst großer Ziffernanzeige, damit ich ohne Brille die Zeit ablesen konnte, ohne extra mein Handy rauskramen zu müssen.
Ach, es gab mal eine Zeit, da stand an jeder Ecke eine Uhr, an jedem zweiten Laden hing eine Uhr, jeder Kirchturm, jede Haltestelle und jede Werbesäule hatte eine Uhr. War mal wirklich nirgendwo eine Uhr, so guckte ich einfach ins nächste parkende Auto, denn im Armaturenbrett war immer eine Uhr - eine analoge, die man auch sah, wenn die Zündung aus war. Längst sind die Uhren fast komplett aus dem Stadtbild verschwunden, glotzt ja jeder sowieso fast ununterbrochen auf sein Handy. Aber das habe ich bei so vielen Gelegenheiten nicht zur Hand, z.B. beim Garteln auf der Ranch, und so wollte ich eine ganz normale Armbanduhr.
Da gab es aber bloß so China-Produkte in Temu-Qualität. Ja, ich hatte mir zuerst so eine billige bestellt, aber nach zwei Tagen gleich wieder zurück geschickt, denn schon funzte sie nimmer. Also doch eine eher teurere mit halbwegs namhafter Marke! Leider gibt's keine teuren nur-Uhren-mit-Wecker, nur Smartwatches. Also hab ich mir halt eine Smartwatch gekauft.

Die Smartwatch tickt mir jetzt ständig in den Kram. Kaum häkel ich mal ein Stündchen, meckert sie: Aufstehen und bewegen! Jawohl, das werde ich jetzt tun. Leider musste ich erst noch abwarten, bis sich die aktuelle Regenwolke ausgekotzt hatte. Ich zog mich an, packte mein Vesper zusammen und präparierte meinen Bierproviant in Hundetüten. Wenn der Weg zum Auto zu weit ist, verstecke ich nämlich mein Bier immer nahe des Eingangs. Dann brauch ich bloß schnell raus, billig tanken, und wieder rein . Sparmaßnahme.

Ab in den Rucksack mit dem ganzen Zeug, und dann bewegte ich mich endlich und fuhr nicht mit dem Shuttle-Bus. 108 Stufen (ich habe mitgezählt!) und noch gehörig steile Wege dazwischen stieg ich zur Burg hoch. Die Smartwatch brummte schon auf halber Strecke und sendete mir irgend so ein Abzeichen, ich hätte mein Tagesziel erreicht . Oben angekommen verbunkerte ich meine Hundetüten im Gebüsch, ein Stückchen vom Baum weg, weil das Männervolk muss ja immer an jeden Baum hinpinkeln; die haben so einen Drang, alle Pfosten zu markieren.

Am Eingang saß der Kanne. Der hatte sich frische Vitamine verschafft . Ja, ich hab von so einem Obstsalat keine Ahnung, bin die Unschuld vom Lande . Hee, bis zu Addnfahrers Show letzten November wusste ich gar nicht, dass es damit überhaupt irgendwas auf sich hat, geschweige denn, was!

Ich ging mal lieber gleich vor an die Bühne, da kamen nun Heimdalls Wacht, zwei stramme Buben an der Front, au ja, die sind ja süß! Der eine hat a weng a Wampe, aber ja mei, trotzdem: Vor 25 Jahren hätte ich den bestimmt gern mitgenommen. "...doch irgendwann ist selbst ein Traum zu lange her" sangen damals die Wolfsheim. Oh, ich greif vor, Gothic kommt erst nächste Woche, jetzt bin ich erst noch bei Metal.

Pappa Dieter stand gestützt auf seiner Krücke vorn am Gatter und wippte moshend mit dem Kopf. Ach, das wäre hier alles so schön gewesen, hätte das Wetter mitgespielt, aber ich war schon wieder eingepackt in Hoodie, Zipper, Kutte und Winterjacke drüber, dazu Leggings unter der Jeans, also hüpfen und tanzen geht da nicht besonders gut.

Naja, also 1 Bier wollte ich mir kaufen, allein um einen Becher zum Nachfüllen zu haben. Auf dem Weg zur Tränke kam mir der Frohwald entgegen. Den hatte es nun also auch hierher verschlagen, sieh an. Also noch jemand mit ausgefallener Standheizung .

Ein Kerl grüßte mich: "Hallo, Nachbarin!" Es war der aus dem VW-Bus neben mir, und er beschwerte sich gleich, dass ich ihn so eng zugeparkt hatte. Hee, ich kann nix dafür, das musste ich machen, die Crew hatte das so angewiesen. Von wegen, er käm nicht mehr aus seinem Auto, könnte die Tür gar nicht aufmachen: Stimmt ja gar nicht, er hat Schiebetüren! Er wäre heute morgen beinahe über mein Auto gefallen: Jaja, das habe ich mitgekriegt, das ganze Naglfar hat gewackelt, und ich hatte doch noch so schön geschlafen.

Zum Abendessen suchte ich ein trockenes Plätzchen. Alle Bänke und Vorsprünge waren nass geregnet, nirgendwo konnte man sich gemütlich setzen. Aber dann fand ich doch noch einen trockenen Stuhl unter einem Zeltdach. Da saß ich nun und futterte mein Wurstbrot.

Seltsame Perchten waren jetzt unterwegs, vor allem auch Mädels. Diesem Mädel ist ein Horn gebrochen. Das Wieder-hin-nageln hat auch nicht ganz geklappt, die Nägel haben nicht ganz getroffen .

Das andere Perchten-Mädel lief "oben ohne". Da wurde es doch gleich unsittlich berührt! Ich find das so goldig, wie es ganz entsetzt guckt, man sieht es sogar durch die Maske: Alter, geht's noch?

Aber sie war ja schwer bewaffnet mit einer dicken Peitsche, war nun in Stimmung und verprügelte jeden, der um sie stand - bloß den übergriffigen Kerl nicht, der wollte wohl genau das, und ging deswegen jetzt extra leer aus, hähähä. Ha, wäre ich das Mädel gewesen, hätte ich mich sofort an den "Awareness-Point" begeben, den sie unten neben der Bar eingerichtet hatten und hätte mich öffentlich beschwert!

Nach dem nächsten Regen standen nun Obscurity auf der Bühne. Die hatte ich ja erst letzte Woche auf dem helles&hellfire gesehen. Es war ein netter Gig, aber wie gesagt... leider einfach zu kalt für irgendwas.

Vielleicht half ein Bier? Ich ging mal raus in den Wald, Pilse suchen .

Da gab es hier auch Leute, die schon ganz viel mehr gefunden hatten. So ein Schuppenpanzer macht sich doch ganz stylisch, jo.

Ich trieb mich am Whiskystand herum. Heute war der Met wärmer als gestern, er hielt aber trotzdem nicht lange .

Die stillstehenden Windräder blinkten nun im Gleichklang. Ganz weit hinten rechts stand das nächste Grüppchen Windräder und blinkte mit. Wie es so über den ganzen Horizont immer gleichzeitig blinkte, war schon faszinierend. Man könnte sich hier auf die Burgmauer setzen und dem regen Treiben stundenlang zuschaun, aber nicht mal mit Feuerschale wollte ich das wirklich.

Es kamen nun Groza. Da flick ich mir vorgestern noch extra meinen Groza-Patch auf die Kutte, und dann sieht man ihn gar nicht, weil ich drüber noch die fette Winterjacke mit Schal an hab und nur dick eingemummelt rumlauf . So stand ich mit meinem Met-Becher in der Menge und gab mir den Groza-Gig, der gefiel mir doch recht gut. Ich hielt fast bis zum Ende durch, aber dann war der Met alle.

Außen am Baum lagen noch zwei volle Hundetüten! Ich hatte nicht mal viel gesoffen . Na, die ließ ich dann mal liegen für morgen.

Ich lag grad im Bett, da wackelte das Naglfar. Der Nachbar war heimgekommen und schon wieder gegen mein Auto gefallen. Jetzt ging die Schiebetür vom VW-Bus, krrrtgsch! Es dauerte einen Moment, bis er in sein Auto gekrabbelt war, dann krrrtgsch - und jetzt iss a Ruh, ja?

Freitag, 15. Mai 2026

Dark Troll am Donnerstag

Geröhre weckte mich gegen Mittag. Ich krabbelte aus dem Bett und guckte: Ein kleiner Bagger verteilte Stroh auf der Wiese. Was war ich froh, dass ich auf festem Boden stand!

Ich kochte mir erst mal einen Kaffee. Streng verbotenerweise musste ich meinen Sirup zuhause aus der Glasflasche in Plastikfläschchen umfüllen. Extra hab ich mir da so ein paar Vitamin-Shots reingepfiffen, nur um die Fläschchen zu kriegen. Jetzt hab ich Sirup in allen Geschmacksrichtungen dabei: Caramell, Vanille, weiße Schokolade.... so ein Luxus!

Wenn man nach Süden guckte, sah das Wetter eigentlich ganz gut aus.

...zur Burg hin eher sehr düster: Da sammelten sich die Regenwolken. Die Wetter-App meldete ab 16:30 Uhr Regen bis ca. 19 Uhr, danach sollte es wenigstens trocken bleiben. Den ersten Duscher wartete ich noch ab, dann stellte ich mich vor an die Shuttle-Bus-Haltestelle. Da kam auch schon der kleine Bus. Auf dem Beifahrersitz saß ein Kerl, offensichtlich der, dem das Auto gehörte - am Steuer saß eine Frau, die den Kerl so Sachen fragte von wegen "wo muss ich denn schalten?", dass ich so Sachen fragte wie: "Fährst du das zum ersten Mal?" Soll mir auch egal sein, mein Bus war's ja nicht, und der Kerl auf dem Beifahrersitz hielt sich sehr tapfer . Komische Sachen wurde ich dann von den Mitinsassen gefragt, ob ich aus der Schweiz komm wegen meines Dialekts. Aus der Schweiz?! Ha-nüü, wie komsch'dn do drof! Wir kamen heil oben an der Burg an.

Am Eingang übergab ich dann gleich dem Kanne seine Jacke - und auch meine Jacke, damit ich sie nicht mitschleppen musste.

Da sah ich grad noch die letzten Takte von Ondfodt. Die gefielen mir sehr gut, aber leider spielten sie nur noch zwei Songs und waren dann fertig.

Ich guckte mal rum, wer alles da war. Guck an: Pappa Dieter! Der hatte sich bei irgendeinem Konzi vor ein paar Wochen den Oberschenkelhals gebrochen, wurde daraufhin operiert und jammerte zuerst rum, sein ganzer Festival-Sommer sei zerstört, er verkaufe dies&jenes Ticket und könnte da&da nicht hin, oh weh! Anscheinend hat er es aber doch geschafft, so weit zu genesen, dass er sich mithilfe von Unterarmgehstützen auf das Dark Troll brachte. Sogar die Treppe will er hochgelaufen sein, tapfer, tapfer!

Mei mei, das sind Dinge, über die ich mir bisher noch gar keine Gedanken machte: Da bestell ich immer im Winter ein Ticket nach dem anderen, aber wie leicht kann in meinem Alter irgendwas passieren, ratzfatz setzt einen eine Krankheit oder Verletzung außer Gefecht, und dann hockst da! Naja, der Trochanter Major geht zum Moshpit bis er bricht .

Zudem schau ich ja von Jahr zu Jahr älter, welker und verrunzelter aus. Noch geht's, aber ich sollte mir langsam mal so eine Maske basteln, um die Leute nicht zu erschrecken .

Ich ging hinauf zur Aussichtsplattform. Der Blick ins Land ist einfach gigantisch! Von den 25 Windrädern, die die Landschaft versauen, standen 24 still. Ich verfiel ins Träumen: An jeden Flügel könnte man einen Grünen nageln zur Himmelfahrt der Scheinheiligen. Nur, den könnte man ja dann von hier aus gar nimmer sehen, viel zu weit weg.

Aber das Naglfar konnte man sehen . Huhu, Nagli!

Die Raben flogen um den Turm. In den kleinen Löchern hatten sie ihre Nester. Das ist ja wirklich sehr heimelig, so als Rabe.
Am Horizont sah man den Kyffhäuser. Kaiser Barbarossa schläft dort im Berg. Regelmäßig sendet er einen Boten an die Oberfläche, um zu gucken, ob die Raben noch um seinen Berg fliegen. Wenn sie einst fort blieben, wollte der Barbarossa aus dem Berg steigen, um die Türken aus dem heiligen Land zu vertreiben (so weit die Sage). Guck, Herr Barbarossa, die Raben sind alle hier am Turm, du kannst loslegen!

Die Geschichte find ich interessant: Warum sollen die Raben nicht mehr um den Berg fliegen? Sind Hugin und Munin gemeint? Soll für den christoiden Kaiser der alte Glaube verschwunden sein - oder sollen Erinnerung und Gedanken vergehen? Na, dann braucht es auch keinen Exodus mehr . Also, mach hinne, Herr Kaiser, so lang noch Zeit ist!

Nicht dass ich was kaufen wollte, aber ich guckte mir mal den Merch an. Sieh an, da verkaufen sie schon wieder Masken ! Drum pushen sie wohl grad das Hanta-Hanta-Kasperle, um die Altbestände des Corona-Theaters noch loszuwerden?

Trold standen nun auf der Bühne. Bitterlich kalt war es, und der arme Bub lief barfuß und nur mit dünnem Leinen auf der Bühne rum.

Längst hatte ich mir von Kanne am Eingang meine Motörhead-Jacke wieder geben lassen. Clevererweise hatte ich mir zuhause sogar noch Handschuhe eingepackt und die Stulpen von der Weihnachtsfeier in Gera, eine Mütze und einen Schal. Trotzdem war es echt kalt! Zudem regnete es auch noch immer wieder, es war wirklich unangenehm: einfach der heißeste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen - eben das klimawandelige Dürre-Paradoxon: Je dürrer es ist, desto mehr regnet es nämlich (hab ich neulich in so einem kunterbunten Kasperle-Artikel eines woken Magazins gelesen , doch tatsächlich!), weil irgendwie die Feuchtigkeit von der große Dürre nach oben gezogen wird und dort abregnet vor lauter Dürre. Ähnlich ist das wohl mit der Hitze: Je heißer der Mai, desto eisiger die Temperatur! Die war im einstelligen Bereich, man sah den Hauch vor dem Mund, und ich wartete regelrecht drauf, dass es bei der nächsten Wolke schneit.

Diät mach ich ja wieder und so hatte ich mir unten im Auto ein Wurstbrot eingepackt und ein gekochtes Ei. Das war mein Abendessen. Von zuhause hatte ich mir sogar meine Waage mitgenommen. Insgesamt habe ich schon 3 Kilo abgenommen, jede Woche eines . Das mag nun aber auch dem Schiefstand des Naglfars geschuldet sein, denn vielleicht zeigt die Waage da nicht richtig an?

Trotz einer Leggins unter der löchrigen Jeans, der dicken Jacke und der Handschuhe fror's mich. Dann auch noch das eisige Bier in der Hand, hatten die hier denn nix Warmes? Am Whisky-Stand wurde ich fündig, sie verkauften heißen Met ! Da nahm ich gleich einen Becher voll, aber lang blieb der nicht warm, nur kurz konnte ich mir die Finger dran wärmen.

Der Arsch ist nicht mehr auf dem Bild mit drauf, weil den hab ich mir schon abgefroren .

Trotz der Kälte waren viele Leute da. Ob es ausverkauft war, weiß ich nicht, aber es sah zumindest voll aus. Die Stimmung litt allerdings unter Regen und Kälte. Ein Teufelskreis: Man hatte keinen Durst, man war nicht besoffen, hatte keine große Party-Laune, moshte nicht genug, fror noch mehr.


Die Sonne hatte schon Kraft und wärmte deutlich, wenn sie schien. Das war heute allerdings selten, und hinter einer Regenfront ging sie nun auch noch unter. Das Dunkel der Wolken und das Licht der Sonne verzauberte die klare Luft und die wunderschöne Landschaft, wie malerisch! Es fehlten hier nur noch ein paar Hektar Solaranlagen, na, wär das nicht was, ihr Umweltidioten?

Es war noch gar nicht spät und ich dachte schon an Heimgehen, weil es gar so kalt und ungemütlich war. Nein, denn ich wollte doch noch mindestens XIV Dark Centuries sehen und eigentlich danach auch noch Wolfheart.

Also riss ich mich am Riemen und blieb. In der Umbaupause lief ich dann mal hoch in das Mittelalterlager, weil da brannten ja immerhin einige Feuerschalen. Ich stellte mich hin und wärmte mich auf: Könnt ihr noch ein paar Scheite nachlegen? Mei, das wäre alles so schön gewesen, wenn es nicht so bitterlich kalt gewesen wäre.

Da stand ich und hörte einem Buben zu, der erzählte, dass sie im Mittelalter Kriege noch aus ganz anderen Motiven geführt hätten, nicht so wie heute aus wirtschaftlichen und politischen Gründen von Allianzen der Nationen und Verbände, und dass sie auch früher nicht das Land besetzen wollten ... sondern was, Bub, sag? Sich einfach eine über den Schädel zünden, gewonnen, und wieder heim gehen? Da warst du ja offenbar bei sehr seltsamen Schlachten dabei !

Es war noch gar nicht spät, aber ich mochte nicht noch einen heißen Met trinken, weil der riss die fürchterliche Klimaerhitzung ja auch nicht wirklich rum, sondern machte bloß noch mehr balla, und ich wollte doch noch die Treppe nach unten steigen ohne zu stolpern. Also ging ich. Wolfheart habe ich also gar nicht mehr erlebt .