Montag, 6. April 2026

Dark Easter am Sonntag

Gegen Mittag wurde ich wach, denn es war warm geworden im Naglfar. Die Sonne schien, und ich öffnete das Schlafzimmer-Fenster, es war richtig mild. Tap tap tap machte es auf dem Dach. Das waren die Tauben und Krähen, die mir zum Dank für die gestrige Fütterung nun das Dach voll-schissen . Da waren wir gleich beim Thema: Einlass war erst um 14 Uhr und vorher war noch kein Klo erreichbar. Ich machte mir trotzdem einen Kaffee - und noch einen Kaffee und noch einen - und stellte fest: Der Bierschiss bleibt aus, wenn man zum Kaffee diese isotonische Limo trinkt, die ich mir neulich beim Lidl gekauft hab. Klasse, davon kauf ich die Woche dann gleich ein weiteres Gebinde . Ich frühstückte und tippte meinen Blogbericht auf dem Laptop. Langsam wurde es echt warm im Auto, ich machte mal das Fenster auf. Zum ersten Mal in diesem Jahr schwitzte ich - welch befremdliches Gefühl nach der langen Winterpause.

Zu Enthroned kam ich dann endlich ins "Werk". Eine Weile hörte ich zu, aber dann guckte ich mal weiter, was es heute sonst noch so gab. Mensch, es war richtig schön hier: ein Volksfest nur für Metaler. Es gab Verkaufsstände, Fressbuden, Tische und Biergärtchen, hier ne Bar und dort ne Bar und überall Metaler.

Ich kam dann durch irgendeinen Eingang wieder in den "Club", da war es natürlich wieder brechend voll. In der "Halle" nebenan ging's noch - den örtlichen Umständen gemessen - es war noch Platz für mich und so guckte ich mir eine Weile Decembre noir an.

5 Minuten nach deren Gig stand ich im "Werk", denn da spielte nun eine meiner absoluten Lieblingsbands: Thyrfing. Die letzte Gelegenheit, wo ich Thyrfing hätte sehen können, war das Rock Harz letztes Jahr. Aber an dem Tag war es dann so heiß, dass ich es bei der Hitze nicht runter auf den Platz schaffte und sie leider verpasste. Drum stand ich jetzt ganz vorne auf der Matte. Das "Werk" war gar nicht voll geworden, also da war noch viel Luft zwischen den Leuten. Das verstehe ich nicht, weil Thyrfing ist sooo eine geile Band, und da gibt es Leute, die das nicht sehen wollen? Ich moshte jedenfalls, und dancte mir einen ab.

Ach mei, in den Gitarristen könnt ich mich auf Anhieb verknallen, so ein stylischer Kerl *schmacht*! Überhaupt lief da auch im Publikum der ein oder andere hübsche, ältere Mann rum, teils richtig schnuckelig, hui. Aber dann...? Was machert' ich dann mit ihm? Leider hab ich für einen Mann halt einfach keine Verwendung, er würde mich - ganz wie ein Haustier, Hund oder Katze - einfach in meinem Leben nur ausbremsen, man müsst sich ständig nach ihm richten, dann wollt er wohl wieder das nicht und dies nicht, was ich wollte, nein, ich schaff mir keinen Ballast an. Naja, da ich ja eh keinen will, kann ich mir wenigstens mal raussuchen, wen genau ich jetzt nicht will . Ja, zum Beispiel den Gitarristen von Thyrfing.

Schon einmal gab's ein Konzert von 1914 auf einem Festival, wo ich war, aber es war zu der Zeit als in der Ukraine der Krieg ausbrach. In letzter Minute vor der Bühne erfuhren wir: 1914 durften nicht ausreisen, die Ukraine nicht verlassen und mussten ihren Auftritt damals wieder absagen. Hier auf dem Dark Easter standen sie nun wieder auf dem Programm und waren heute - nach Thyrfing - eine der Bands, die ich unbedingt sehen wollte. Ich stand vom Anfang an ganz vorn an der linken Seite.

Der Gig begann mit einer Aufnahme der deutschen Nationalhymne von einer alten Schallplatte mit den typischen Kratzern und dem Sound vom Anfang letzten Jahrhunderts als Intro. Ein Chor schmetterte mit solcher Inbrunst die Hymne daher, mir lief es eiskalt den Rücken runter, und die Gänsehaut stellte sich mir auf - nicht nur an den Armen, sondern echt am ganzen Körper. Also das hat echt was, ich war schwer getriggert! Was die damals für eine Stimmung rüber brachten, wow!? Die Platte kratzte und schrubbte, aber man hörte richtig die seelische Kraft, die die Menschen damals für idealistische Sachen wie die Liebe zum Heimatland noch haben durften .. oder mussten, hm hm. Jetzt bloß nicht die rechte Hand heben ! Egal welche Zeichen es zu zeigen gab, Faust, Pommesgabel ... nur bloß nicht mit der rechten Hand! Ich nahm gleich meinen Bierbecher in die Rechte, dass ich sie nur nicht versehentlich hob .

Im Hintergrund lief ein Video mit Ausschnitten aus zeitgenössischen Berichten und Propagandafilmen vom WK I, Soldaten marschierten, Pferde zogen Kanonen und eine Art Panzer rollte über den Schützengraben. Ich glotzte ganz hypnotisiert auf den Film.

Normalerweise kann ich Politik auf Konzerten nicht leiden, aber es gibt Ausnahmen. Bei 1914 störte es mich nun gar nicht, dass sie auf die "bösen Russen" schimpften, das sind immerhin gerade ihre direkten Kriegsfeinde, und dass sie eine politische Ansprache hielten, von der ich sowieso die Hälfte nicht verstand. Es jubelten nicht alle Zuschauer, fiel mir auf, der Zuspruch war gar nicht so deutlich, wie man in so einer woken Location meinen sollte. Heff kam mit verärgertem Gesicht aus dem Publikum gelaufen: "Die sollen Musik machen und ansonsten das Maul halten!" schimpfte er und ging.

Sie machten dann auch ordentlich Musik. Der Gig gefiel mir gut, ich blieb bis zum Ende ganz fasziniert, besonders von dem Hintergrundfilm.

Jetzt waren sie fertig und ich ging mal an die Theke und holte mir ein zweites Bier. "Was ist das in deinem Becher, was leuchtet da?" fragte mich die Barfrau. "Na, ich hab doch vorhin bei dir ein Blink-Bier bestellt, und du hast es mir gegeben, weißt du nimmer?" erklärte ich todernst. Die sah mich an wie a Achala, wenn's blitzt . "Nein, Flax, ich hab extra ein Lämpchen rein, da guck ." Drei Lämpchen hatte ich noch übrig, die schenkte ich der Thekenfrau.

Ich wollte mal wieder raus, frische Luft schnappen, aber sieh an: Es regnete . Da verkroch ich mich mal in die "Halle", was dort lief. Im "Club" sah es aber nicht so voll aus, also ging ich da mal rüber: Wer spielt denn da? Eine Weile blieb ich dort. Dann aber wieder rüber ins "Werk" zur Hauptbühne!

Da kamen jetzt Triptykon auf die Bühne. Es ist ein Projekt vom Sänger von Celtic Frost, drum gab's am Merch sogar Celtic-Frost-Shirts zu kaufen. Aber ich hab schon eins, ein altes, ein originales, echt aus den 80er Jahren, eins meiner ersten Band-Shirts. Es ist immer noch schwarz, der Aufdruck ist immer noch lesbar, und es ist immer noch nicht verzogen oder verdreht, nicht einmal am Rand ausgefranst. Wir haben dieses Qualität damals gar nicht wertgeschätzt, sondern für selbstverständlich gehalten .

Da stand nun dieser alte Mann auf der Bühne. Ja gut, er wär wohl auch lieber jünger, aber er wirkte auch so alt und verschlafen. Er hielt eine Ansprache nach der anderen und erzählte dabei stets von Celtic Frost und von früher, welchen Song er 1988 gemacht hatte und welcher Produzent dabei war, der mittlerweile leider schon gestorben ist, aber nie in Vergessenheit geraten wird, und hier nun der nächste Song drauf: dooooooom .

Das gefiel mir nicht. Das zog ja richtig jegliche Stimmung raus. Da war ja der Soundcheck besser als der Gig .

Nein, ich ging und guckte mal, was in "Halle" und "Club" grad lief. Machen wir mal ein Foto, Handy raus...

Auf meinem Handy waren Nachrichten. Renate hatte erfolglos versucht, mich zu erreichen, erst 5 Minuten her, um fast Mitternacht am Ostersonntag. In einem WhatsApp schrieb sie, dass bei ihr gerade das Wasser von der Decke tropfte. Ich ging gleich raus aus dem "Club" und rief zurück. Also es war so, dass Flo eine Etage drüber ja gestern seine neue Küche geliefert bekommen hatte und es beim Einbau Probleme mit dem Wasseranschluss gegeben hatte mit dem Resultat, dass das Wasser nun bei Renate in der Wohnung drunter an der Decke herunterlief. Argh, ich hasse es! Da hast echt nirgendwo und niemals wirklich dei Ruh!
Nach einigem Hin und Her kam Flo nun aber anscheinend um Mitternacht nach Hause, sie konnten sich daheim in Nürnberg also so weit selber helfen, dass Flo dann das Wasser bei sich abstellte, und ich mich dann morgen bzw. kommende Woche, wenn ich aus München zurück war, drum kümmern würde ... bevor ich dann zwei Tage später, kommenden Mittwochnachmittag, nach Lichtenfels aufs Ragnarök fahre .

Immerhin war ich dadurch nun so aufgekratzt, dass ich gar nicht müd war, sondern mir tatsächlich auch noch Grave im "Werk" anschaute. Na, sieh an, ich hab mal wirklich das ganze Programm mitgenommen !

Naja, nicht ganz "ganz", weil auf der Hälfte von Grave ging ich dann doch heim ins Naglfar. Es hatte geregnet, aber es war gar nicht kalt. Aus dem Bett machte ich noch dieses gemütliche Foto, das ist doch richtig heimelig, nä .

Sonntag, 5. April 2026

Dark Easter am Samstag

Letztes Jahr kurz vor Ostern hechelte ich gestresst den 4 freien Tagen im Stück entgegen, aber dann stellte ich enttäuscht fest, dass nirgendwo auch nur irgendeine Veranstaltung lief, kein Konzert, kein Mittelaltermarkt, einfach nur gar nix - bis auf München, da war Dark Easter. Allerdings war das schon seit Monaten ausverkauft; nicht gar, dass mir ein Springteufel aus backstage.eu entgegenhupfte und sagte: "Ätsch, von was träumst denn du in der Nacht?" Aber dieses Mal dachte ich rechtzeitig dran und bestellte mir schon irgendwann im Herbst letztes Jahr das Ticket .

Gute Vorbereitung ist wichtig, denn die Münchner haben jetzt einen Grünen als Bürgermeister, und man weiß ja, wie humorlos und hysterisch die in ihrem Umwelt-Fimmel sind. So ist jetzt die gesamte Innenstadt für fast alle Autos gesperrt, sogar mit der grünen 4er-Plakette (die ich ja grad noch gekriegt habe) darf man nicht mehr auf den Inneren Ring fahren. Zudem darf man da sowieso nur noch 20 km/h fahren. 20 km/h ist echt arg , einen Sinn darin seh ich auch nicht. Also suchte ich eine alternative Route für meinen Dieselsegler, nämlich erst mal zu Pflanzen-Kölle im Westen und dann von dort aus weiter Richtung Backstage. Ich musste die Stadt von Westen aus anfahren und drum schon auf der A9 weit vor München runter und einen großen Umweg machen. Auf diese Weise verpeste ich die Umwelt halt nochmal mit 5 Milligramm Co² mehr, aber das ist dann anscheinend wurscht. Grüne Logik - ein Widerspruch in sich.

Nürnberg ist aber ebenso die Katastrophe, denn meine übliche Strecke von zuhause bis zu Ranch und Naglfar hat hauptsächlich zwei Routen: über'n Plärrer am Burgring entlang, aber das ist meistens eh die Katastrophe vor lauter Stau - oder über den Westring, aber da sind derzeit zwei Baustellen, eine davon verengt den Ring am Vogelherd auf einspurig, und drum stauen sie sich schon bis zur Von-der-Tann-Straße, also da steht man echt bloß noch. Drum fahr ich zur Zeit immer über die Brückenstraße und das Krankenhaus, eine sehr unbeliebte Strecke, weil da ist auch eine Baustelle und weiters darf man meistens auch bloß 30 km/h fahren, ist aber immer noch schneller als auf den anderen beiden Routen .

Ich stieg um auf's Naglfar und segelte gemütlich nach München. Meine alternative Route zu Kölle klappte wie geplant und ich erreichte das Backstage ohne diese spinnerten Ideen von wegen "Umweltzone" oder "Fahrradüberholverbotsstraße" - die spinnen, die Münch... äh Römer . Ich war froh, als ich da war, denn insgesamt fährt sich München mit dem fetten Naglfar echt nicht schön, oft verdammt schmale Spuren auf unübersichtlichen Straßen.


Der Parkplatz am Backstage war weitgehend noch leer . Ein Camper aus Regensburg stand dort im Eck, offensichtlich schon seit gestern, denn es gab Spuren eines wilden Gelages .

Erst mal wollte ich vespern, packte mein Brot aus, aber das war leider verschimmelt. Eh, von außen sah es noch so schön aus, aber wenn man die Scheiben auseinander schlug, waren innen grünweiße Flecken, iiih. Ich warf es den Vögeln zum Fraß vor. Dann gibt's halt die Wurst ohne Brot.

Ich zog mich um, stylte mich ein bisschen und lief dann vor zur Location. Lange anstehen musste ich gar nicht. Mein Ticket wurde gescannt und die Frau sagte: "Die Bändchen gibt's dann eins weiter". Da kommt doch gleich Osterfeeling auf: Zum Konzert? Durch die Tür hinein und jeder nur 1 Kreu... äh Bändchen .

Drinnen guckte ich mich erst mal um. Es war arg voll! Wo kommen denn die ganzen Leute her, draußen standen gar nicht viele Autos? Es war richtig schön, lauter Metaler, teils echt krass gestylt, einige mit Corpsepaint, ein Mädchen in Lack und Nieten und Hörnern auf dem Kopf, also echt toll. Ich liebe das, wenn Leute auf ihr Äußeres achten und nicht im Generation-Z-Look rumlaufen, wo alles wurscht ist, sich fassartige Wampen in knallenge Leggings pressen und sich dann noch "diskriminiert" fühlen, wenn man sie drauf hinweist, dass sie scheiße aussehen.

Drei Areas gab es, das "Werk", die "Halle" und der "Club". Das "Werk" war die große Location, wo sonst auch immer die Konzis sind, der "Club" war das Kleinste, als Club oder Disse wohl ganz nett, aber als Bühne echt zu klein. Das Programm war so, dass immer irgendwas gleichzeitig lief, also grundsätzlich konnte man sich keinen Gig komplett anschauen ohne einen anderen zu verpassen. Ich machte erst mal eine Runde zur Orientierung. Hier konnte man sich ja verlaufen! Da gab's draußen einige Merch-Buden, zwei Foodstände, eine Theke, dann noch eine Bar und dann noch eine Kellerbar. Irgendwann stand ich aus Versehen im Backstage vom Backstage, hatte das Schild "nur Crew" nicht gesehen, schnell wieder raus, huch.

Ich wollte dann in den "Club", aber am unteren Eingang stand ein Secu und verwies mich nach oben, der Eingang sei nur über die Treppe. Na gut, ging ich mal rauf, hinter mir kamen dann auch noch welche. Als ich reinkam, war bereits gestopft voll, aber ich konnte nicht mehr zurück, ich musste mit dem Strom der Leute gehen, der sich durch die Menge drückte. Auf der Treppe nach unten blieben alle im Gewühl stecken, und ich verschaffte mir von dort oben einen Überblick: Da hinten rechts im Eck sah es so aus, als seien noch 3 bis 4 Plätze Luft - nur wie komm ich da hin? Ich probierte es, machte mich klein und dünn und schob mich an motzenden Leuten vorbei, ja, sorry, bin ja gleich weg. Da hinten am Rand war eine Bank, drauf saßen vier Metaler, die konnten an dieser Bank ihre Beine ja nicht wegdrehen und so schob ich mich halb über den Leuten mit eingezogenem Bauch an den Knien vorbei. Endlich war ich in dem Eck, wo ich noch stehen konnte, sogar ein Zweiter hätt noch hingepasst, sie standen alle wie die Sardinen in der Dose - also echt eine Katastrophe .

Wieviel Gewicht hielt diese Tribüne aus? Dort oben standen sie genauso dicht an dicht, die Luft war zum Schneiden. Wenn da irgendwas passiert, kommt man nicht mehr raus . Es hatte weder Sinn, an die Theke zu kommen, noch ein Klo zu erreichen, da war ich nun "eingesperrt". Irgendwann taten mir die Füße weh in den hohen New-Rock-Stiefeln, da ließ ich mich zu Boden und hatte sogar noch genug Platz um zu sitzen. Dafür war ich aber ganz hinten und bekam den Akt auf der Bühne nur eingeschränkt mir.

Der war aber gut! Die Band hieß KYI und orientierten sich anscheinend etwas an Slaughtercult mit kurzen Brüllern zwischenrein. Es hörte sich aber nicht schlecht an und sah auch sehr gut aus. Sie hatten sich toll bemalt und die Sängerin führte dann auch bald eine Slave an einer Kette zu sich, die sie mit "Blut" begoss und da eine Zeremonie dran veranstaltete. Was für eine hübsche Tussi! Die hatte ja eine superschöne Figur und voll hübsche Möpse, sehr gewagt und ganz knapp abgeklebt. Das hatte mal echt Stil, gefiel mir sehr gut.

Ich blieb (zwangsläufig) im "Club", weil ich kam eh nicht mehr vor, und guckte mir den ganzen Gig an. Hat sich gelohnt.

Mit dem Strom der Leute verließ ich am Ende den "Club" und guckte rüber ins "Werk". Da standen gerade Urgehal auf der Bühne. Ja, so stelle ich mir Ostern vor !

Irgendwie verstehe ich es nicht: Auf der einen Seite sind doch grad die Bayern sowas von spießig, auf der anderen Seite ist mitten im Herzen Bayerns, direkt in München, das einzige Event an Ostern, und das ist dann gleich sowas echt Unchristliches der Sonderklasse, also wow .

Nach Urgehal ging ich wieder zum "Club" und guckte mir dort Miserere Luminis an, aber von denen sah man nur wieder, was man auch in der Jahnhalle am Braincrusher gesehen hat: blaue Suppe im Nebel.

Aber jetzt weiß ich nun endlich den Sinn der miesen Beleuchtung: im grellfarbigen Licht sieht man gleich 30 Jahre jünger aus! Hätt ich jetzt noch ein bisschen Nebel, ginge ich als 25 durch, oder .

Ich wollte Nornir sehen. Ich hatte extra ein Nornir-Shirt an . Nun war ich ja mit der Heringsdosensituation im "Club" vertraut und kam schon ganz bald noch vor dem Gig, um mir den besten Platz auszusuchen. Erst mal saß ich auf einem Stuhl auf der Treppe und guckte dem Soundcheck zu. Hier wollte ich aber nicht bleiben, weil der Saal füllte sich schon, und es war abzusehen, dass ich dann von hier nicht wieder weg kam. Also stellte ich mich runter in Richtung Ausgang und suchte mir dort einen Platz am Rand, gleich neben dem Klo und auch nicht weit weg von der Tür. Es wurde jetzt echt voll. Schon begann das Gedränge und Gequetsche. Da kamen schon wieder zwei und wollte vorbei. Ich zog den Bauch ein und ließ sie durch, aber da blieben sie vor mir stehen. "Eh, das kann ja jetzt wohl nicht sein!" meckerte ich die an. Ich steh hier schon eine halbe Stunde und verteidige meinen Platz und dann kommen da zwei so Deppen, quetschen sich da weiter, ich lass die höflicherweise durch, und dann bleiben sie vor mir stehen, nehmen mir die letzte Sicht gar weg, Frechheit, Gemeinheit! Half nix.

Dann kam aber noch die Krönung: Die Tür ging auf und ein Behinderter auf dem Rollstuhl wurde reingeschoben . Alter, geht's noch?! Es passte hier doch kaum ein Mensch mehr rein und dieser Pfleger schob den Rolli so rigoros in die Leute, beinahe fiel noch einer um. Also das geht doch nicht! Behinderung recht und schön, aber das ist doch auch nur 1 Mensch wie wir alle, braucht in der völlig überfüllten Halle nen Platz für fünf und möchte dann auch noch Sonderrechte haben und bis ganz zur Bühne vor? Ja, freilich, er sieht da hinten nix, aber wir anderen alle sahen doch auch nix und konnten kaum mehr stehen.

Aus die Maus, man sah fast nix mehr. Nur wenn man das Handy ganz hoch hielt, konnte man noch ein Bild von Nornir da vorne reinzoomen.

Da ging die Tür auf und der Fotograf von Dark-Art kam rein. Er stockte schon bei Reinkommen angesichts der Menschenmassen, quetschte sich dann an der Wand aber noch ein bisschen rein in den Saal. Da hinten hob er dann die Kamera und versuchte irgendwie ein Bild zu machen. Auf die Bilder bin ich dann mal gespannt, haha .

Ich war mittlerweile so weit zurück gedrängt worden, dass ich mit dem Rücken an der Wand stand. Dort waren drei Barhocker und ich eroberte einen. Ja, und dann kletterte ich einfach auf die Sitzfläche und kniete dann dort; damit war ich einen Kopf größer als alle anderen. So konnte ich dann auch tatsächlich zwei drei Bilder machen, wo man in der Ferne da vorne noch Nornir sieht.

Nach dem "Club"-Gedränge stellte ich mich wieder in das "Werk", da war's noch am luftigsten.

Rechts der Bühne standen die Band-Merches und ich guckte mir so das Nornir-Zeug an. Einen Zipper für 55 € hätt ich mir nun schon geleistet, aber das Motiv auf der Vorderseite war mir zu klein, gefiel mir nicht. Ich entschied mich lieber für einen Patch (5 €). "Es ist der Letzte" sagte der Verkäufer und zog ihn vom Rahmen runter. "Oooh!" sagte die Frau neben mir. Die hätte auch einen gewollt, ja, schade.

In der "Halle" spielten jetzt Schammasch. Ich stand relativ weit vorne an der linken Seite. Was für ein schöner, epischer Auftritt! Guckt mal, ich fotografiere schneller als das Licht ! Es leuchtete die Bühne grad erst bis zur Hälfte aus, hatte ich schon abgedrückt .

Alsbald verzog ich mich nach ein paar Songs dann lieber nach hinten, da war es einfach gemütlicher. Eine Bar war dort und da stand ich dann. Ein besoffener Jüngling kaute mir ein Ohr ab über seine Ex, deren Freundin und die fiesen Weiber ganz im Allgemeinen. Jaja, das sind diese Schnullis, die ja "sooo gut und lieb" sind, leider immer nur die falschen Mädels erwischen, von denen sie abgezockt und betrogen werden, ….ohne jemals auf die Idee zu kommen, selber vielleicht irgendwas falsch zu machen? Mei. Zum Glück drehte sich jetzt der Münchner um, Peter heißt er glaub ich, den ich kenn und begrüßte mich. "Ach bitte, erzähl mir mal ganz schnell deine Lebensgeschichte" bat ich ihn, weil sich nun der andere Quatscher mangels Aufmerksamkeit verkrümelte .

Schammasch waren klasse.

Ich guckte mir anschließend noch Blackbird im "Werk" an. Danach war ich dann müd. Es wären noch Unleashed gekommen, aber die hab ich doch neulich erst schon irgendwo gesehen gehabt? Da machte ich mich mal lieber auf den Heimweg.

Nein, ein Taxi brauch ich dafür nicht, ich kam noch zu Fuß zum Parkplatz.

Erfreulicherweise war es gar nicht kalt. Die Heizung war nicht notwendig, es geht endlich nauswärts, wie schön ! Ich putzte mir gemütlich die Zähne, ohne zu frieren, zog mir mein Nachthemd an und verkrümelte mich zufrieden ins Bett. Von fern kam noch das Gepoltere aus dem Backstage - oder war es eine Eisenbahn, die hier vorbei fuhr? Ich schlummerte gechillt weg.