Sonntag, 26. Juli 2026

Aischgrunder Thing

Ich war schon lang nimmer fort , schon 9 Tage her. Da hockte ich mich ins Naglfar und fuhr nach Uehlfeld auf das Aischgrunder Thing. Zum Wochenende sollte das Wetter ja jetzt endlich wieder schöner werden, denn die letzten Tage war es recht trüb und für meine Begriffe viel zu kalt. Da half auch kein hysterisches Mediengeschrei von Höllenglut und Jahrhundert-Dürre - mich fror es sogar stellenweise, und meine Wasserkübel auf der Ranch liefen übrigens schon über vor lauter "Dürre". Unglaublich, was die Leute für einen Mist glauben, obwohl sie mit eigenen Augen doch was ganz anderes sehen (sollten).

Ich fuhr jedenfalls in die "völlig ausgedörrte, gluthitzegeschädigte", fränkische Pampa. Die Landschaft war so schön, dass ich dann auf der Landstraße hielt und ein paar Fotos machte. Also wohnen wollte ich hier ja nicht um alles in der Welt, ich ginge ein wie eine Priemel, aber so zum dran-vorbeifahren find ich das richtig herrlich.

Ich fand das Mittelalterfest auf Anhieb, auch wenn die Strecke durch ein paar ländliche Gässchen führte, durch die ich kaum passte. Letztes Jahr hatte es beim Thing geregnet, und ich war hier im Sumpf stecken geblieben, sodass mich der Bauer mit dem Traktor rausziehen musste. Trotzdem fuhr ich dieses Mal frohen Mutes wieder auf die Wiese. Andere hatten sich lieber weiter oben bei der Scheune auf befestigten Untergrund gestellt, aber es war ja für dieses Mal kein Regen gemeldet, und so stellte ich mich direkt hinter die Zelte der Lagergruppen.

"The city's ripped backsides" schauen dann ganz anders aus als von vorn: Da kommen die Stilsünden zum Vorschein und unter Fellen und Säcken spitzt ein bequemes, dickes Luftbett hervor, und während vorne in einem Topf an einer rusigen Feuerstelle seltsame Suppe gerührt wird, sind da hinten PET-Flaschen und Dosen gelagert .

Ich gewandete mich erst mal. Dabei stellte ich fest, dass an meinem schönen, selber genähten Rock ein paar Motten geknabbert hatten: Er hatte so komische, kleine Löcher. Naja, aber im Mittelalter war das ja auch so, also macht es die Gewandung nur noch authentischer, echte A-Mottenlöcher .
Ich werde mir passend blaues Stopfgarn kaufen und die Löcher einfach stopfen, ganz wie es früher war: Im Mittelalter war es ja völlig üblich, dass auf die Kleidung Flicken drauf genäht waren. Was heißt "Mittelalter": Es war noch in meiner Kindheit ganz normal, dass unsere Strumpfhosen am Knie gestopft waren, wenn wir uns aufgeschlagen hatten. Ich erinnere mich: Waren die Socken vom Opa an den Zehen schon so oft gestopft und geflickt, dass es nicht mehr weiter zu stopfen ging, schnitt die Oma die Zehenspitze ab und strickte mit aufgetrennter Restwolle von noch älteren Socken eine neue Spitze hin. Und solche Leute müssen sich heute was von "Nachhaltigkeit" erzählen lassen?

Ich setzte mich erst mal vor's Naglfar und futterte ordentlich was, Brot, Butter und Wurst hatte ich dabei. Dezenten Kuhstallgestank wehte es daher, da vorn standen 2 Rinder und ein Pferd auf einer Weide und glotzten. Die Rufe von Hörnern und Trommelschlagen kamen vom Festplatz rüber. Mensch, ich hab mir doch letztes Jahr auch so eine kleine Schamanentrommel gekauft gehabt, wo ist denn die? Die hatte ich natürlich zuhause irgendwo in einem Schrank liegen .

Dann ging ich doch mal los an den Einlass. Das Wochenendticket kostete 17 €, absolut gut. Anderswo kostet es schon bald das Dreifache. Dabei kriegt man hier sogar echt noch was Nettes auf die Ohren, zuerst mal: Corvidae. Sooo die no-name-Band ist das gar nicht, weil die hatte ich neulich schon mal wo gesehen. Sie spielten auch richtig gut, verhältnismäßig, weil was spielt denn schon sonst auf einem Mittelalterfest? Ich will jetzt keine Namen nennen, aber ich kenn ein berühmtes Mittelalterfest, wo - bis auf 3 namhafte Headliner - größtenteils auch nicht viel Besseres spielt, sie aber 190 € für ein Ticket wollen und sich dann wundern, dass sie trotz massiver Werbung nicht ausverkauft sind.

Das Thing war sehr großflächig und schön angelegt. Es waren einige richtig gute Buden da, z.B. mein Chilisoßenlieferant, der "Herr der Zwiebelringe" und sogar der Stoffdealer. Wie macht denn der das eigentlich, dass er keine Motten kriegt? Sobald er mottenmäßig was merkt, erklärte er, legt er alles ins Tiefkühlfach, und damit hat es sich ausgemottet. Das erklärt natürlich, warum alle Felle und Mittelalterkleider, die ich im Naglfar stets mit mir rumfahre, keine Mottenlöcher haben. Im Winter ist da "Tiefkühlfach" .

Das Eröffnungsblot hatte ich leider verpasst, es war schon um 16 Uhr gewesen, aber den Voenix fand ich noch mit seinem Stand. Der hat so wunderschön geschnitzte, mythologische Figuren zum Verkauf, die er selber gebastelt hat, sehr schön bemalt hat und die mir fast alle außerordentlich gut gefallen. Leider will er über 70 € haben für so eine Figur. Das ist sie sicherlich auch wert, denn er hat sie selber geschnitzt und arbeitet da ja wirklich lange dran. Wollte er die Stunde nur 10 € verdienen, dann ist der Preis noch niedrig - aber ich bin geizig geworden. Ich muss mich ja langsam dran gewöhnen, dass ich nächstes Jahr mit der heiß ersehnten Rente nicht nur Freizeit gewinne, sondern auch viel weniger Geld einnehme und sollte meine Ausgaben anpassen .

Leo und Gabi traf ich und saß mit ihnen im Biergarten auf ein lustiges Pläuschchen. Der Piraten-Pit kam dazu, der Minimalisten-Schamane vom Feuertanz tauchte auf - hey, da sind auch richtig gute Leute unterwegs, leider noch viel zu wenige, weil das Fest war immer noch sehr spärlich besucht. Immerhin war es schon gut die doppelte Anzahl Besucher als letztes Jahr. Es läuft halt erst an...

Weiterhin hat das Thing einen sehr privaten und heimeligen Charakter, obwohl alles toll organisiert war, sie hatten sogar einen Klowagen mit Spülklosetts und man konnte sich darin die Hände waschen. Ich hoffe, dass sich dieses Thing etabliert und was aus ihm wird, weil es ist so ein schön gemachtes Fest gleich um die Ecke von Nürnberg.

Da saß ich im Biergarten bis in den Abend rein. Guckt doch mal, was die Uehlfelder Chemtrails-Piloten für tolle Kunstwerke in den Himmel gemalt haben .

Am Abend kamen Thanateros auf die Bühne. Die spielten auch schon letztes Jahr hier, und ich vermute, sie sind wohl aus der Gegend oder irgendwo mit dem Veranstalter hier verwandt oder wie das auf'm Dorf halt so ist .

Der Mond stand nun am Himmel und beleuchtete das Konzert. Um 22 Uhr hörte die Band auf zu spielen.

Damit war's aber noch nicht vorbei, denn nun kam eine Gruppe Tänzerinnen in den Steinkreis, die trugen so Papierlampions und tanzten damit um die Mitte. Auch das Publikum wurde mit einbezogen, schon hatte man mir so eine Lampe in die Hand gedrückt, und ich tanzte mit und machte einfach immer die Schritte und Bewegungen, die die anderen auch machten - meinte ich, aber wahrscheinlich stolperte ich nur unbeholfen meiner Vorderfrau hinterher . Ich glaubte aber grad, es sah ganz gut aus. Vielleicht seh ich es ja dann nächste Woche in irgendeiner Uehlfelder Zeitung und lach mich schief?

Es ging irgendwie bis Mitternacht, allemal war es tatsächlich schon fast 24 Uhr als ich endlich ins Naglfar kam. Hee, wer machte denn da noch Licht, was war da draußen für ein Verkehr, da ging's ja zu wie am Plärrer!

Sonntag, 19. Juli 2026

Krach Open Air, Fürth

Ein Wochenende wieder mal daheim! Schon lang nimmer daheim gewesen... Das fing schon damit an, dass ich am Samstag nach dem Ausschlafen an den Wasserkocher ging, mir Wasser für den Kaffee kochte, in der Zwischenzeit den Kaffeefilter auf die Tasse stellte, die Kaffeedose aufmachte ... und feststellte, dass kein Kaffee mehr drin war . Ich wühlte den Küchenschrank durch: kein Kaffee mehr da . Im Naglfar liegen noch 3 Päckchen! Oh Mann! Da musste ich mit leerem Bauch erst mal zum Kaufland vorlatschen und Kaffee kaufen.
Danach fing ich den Tag nochmal an: Wasser nochmal kochen, Filter, Kaffee rein...

Nach ausgiebigen Frühstück fuhr ich auf die Ranch, schmuste mit den Katzen und fuhr dann von dort aus gleich weiter nach Fürth/Stadeln auf das Krach-Open-Air. Dort war der Einlass schon um 13 Uhr und die erste Band legte um 13:30 schon los, aber als ich ankam, war es schon fast viere. Von einer richtig guten Band kriegte ich grad noch den letzten Song mit, aber damit traten die dann von der Bühne. Ich hatte was verpasst, stellte ich fest .

Ich machte erst mal einen Rundgang und begrüßte eine Menge Leute, lauter Alte von früher, wow. Es gibt Leute, die treff ich echt nur 1 x im Jahr und zwar hier, z.B. den Devil. "Na, was macht die Kunst, hast du schon ein neues Buch geschrieben?" fragte ich. Ja, hatte er, und er hatte es auch extra dabei: Planetarium der Hölle! Ich kaufte es gleich und ließ es mir persönlich signieren. Dann brachte ich das Buch gleich raus ins Auto und bunkerte es dort.

Die nächste Band startete jetzt, Sirens. Oh, der Sänger war aber ein schneckeliger Kerl, schick schick ! Ganz im Gegensatz zu seinem Äußeren sang er dann stellenweise ziemlich hoch, huch . Naja, Sirens, eben . Die Band gefiel mir recht gut. Das ganze Konzi kostete nur 10 € Eintritt und allein dafür hatten die sich schon gelohnt.

Da sehe ich gerade: Sirens spielen dann im Oktober auch auf dem Nuclear Winter in Hirschaid. Jetzt wird's aber Zeit, dass ich das Ticket bestelle!

Nach dem Auftritt ging ich mal vor an den Grill. Dort brieten sie Bratwürste und Nackensteaks, und ich kaufte ein Steakbrötchen - für nur 3,50 €. Auch das Bier kostete nur 3,50 €. Also das Krach ist so ein tolles Event, echt!

Da lernte ich diese Frau aus Jena kennen, die jetzt in Fürth wohnt.

Ich saß so am Rand beim Wolfgang und futterte mein Steakbrötchen, da fiel mir diese Tätowierung auf am Bein eines Typen am Biertisch. Mensch, das ist ja mal ein klasse Motiv! Ich glaub, das muss ich mir abschaun, nur mit St. Leonhard .

Und jetzt hock ich grad da mit dem Bild und Google-maps und suche, welcher Teil von GoHo das denn sein soll? Es kann nur so sein, dass oben der Plärrer kommt und die schiefe Straße da die Eberhardshofstraße sein soll, d.h. oben ist Osten und unten ist Westen *rätsel rätsel*. Auf meine Landkarte werde ich auf jeden Fall dann noch eine Windrose dazu stechen lassen.

Auch andere Nürnberger Tätowierungen fielen ins Auge, hier: ein Schäuferla mit Klos und ein Schanzenbier .

Die nächste Band, die kam, hießen "Blut und Tod" und machten mehr so Hardcore-Punk, also das war nicht so meins, aber man muss trotzdem anerkennen, dass die in ihrem Genre echt gut waren. Das war ne richtig professionelle Band, es gab sie auch schon seit 1999. Sie hatten zwei Sänger und sangen oft abwechselnd. Sie machten auch echt gute Laune mit so Songs wie "grenzenloser Hass", obwohl sie den als ihren "schlechtesten Song" deklarierten. Bei dem Song stieg ich aber ein, weil der gefiel mir richtig gut: "Mein Nachbar hört zu laut Musik, weswegen ich nen Anfall krieg, ich raste plötzlich völlig aus und hol mein' Baseballschläger raus..." Das wär doch der ideale Song als Antwort auf "guten Morgen liebe Sonne", allerdings wirkt er wohl nur in Verbindung mit einem Baseballschläger .

Mittlerweile waren auch Hai und Wolfi eingetroffen. Javi sei nicht dabei und auch Torsten noch nicht, der käm erst einen Zug später. Dann aber trudelte auch Torsten ein und so ging's dann los mit der Party.

Rotten Dregs standen nun auf der Bühne. Auch die gefielen mir außerordentlich gut.

Es waren hier beim Krach Open Air zwar weitgehend no-name-Bands angesagt, ich kannte nicht eine und hatte auch außer Hahnis Pro Cyco H noch keine von den Bands jemals gesehen, aber ich war erstaunt, was für wirklich klasse Gigs da kamen - und das für nur 10 €?! Also da kannste mal echt nicht meckern!


Eine Drohne beobachtete die Party. Da bin ich ja mal auf die Bilder und Videos gespannt!

Aber jetzt kam eine Band, die mich richtig wegriss: Maschinist. Der Gitarrist hatte eine tolle Klampfe, voll cyberpunkig, sooo stylisch! Sie spielten Industrial und hörten sich an wie Hämatom, manche hörten auch Rammstein raus, auf alle Fälle nicht schlecht.

Fasziniert stand die Karin davor und fragte mich: "Hast du schon den Schlagzeuger gesehen?" Ich guckte. Schlagzeuger...? Ja, was war denn das?! Da saß ein Roboter am Schlagzeug! Also das war ja jetzt mal absolut genial! Ich wusste nicht, wie sie das machten: Saß nebendran noch ein Mensch, der den Roboter steuerte oder war das nur ein Gimmik und die Drums waren eingespielt? Es war auf jeden Fall ein richtig geiler Auftritt!

Was ich hier bisher gehört hatte, war richtig gut! Jetzt kamen die Headliner, Pro Cyco H. Die mussten sich jetzt aber anstrengen, um das noch zu toppen.

Pro Cyco H hatten einiges an Equipment dabei, z.B. Feuerspeier, die ich gar nicht wahrgenommen hatte. So lief ich grad recht nah dran vorbei als die Dinger los gingen, hui. Erschrocken sprang ich zur Seite, hier war's auf einmal ziemlich heiß .
Es wurden auch Papierschnipsel und -schlangen versprüht, Nebel ins Publikum gesprüht und eine richtig fette Show geliefert.

Leider ging die ganze Vorstellung nur bis 22 Uhr. Wahrscheinlich mussten sie wegen der Anwohner schon so bald aufhören. Allemal war das eine tolle Veranstaltung!

Ich ging zum Auto und holte meine Hausschlüssel. Die durfte ich jetzt auf keinen Fall vergessen! Dann lief ich zusammen mit dem Torsten vor zur S-Bahn. Kaum waren wir dort, fing es an zu regnen. Auch das war also top abgestimmt: Festival und Heimweg trocken, jetzt regnete es, der Zug kam. An der Rothenburger Str. stieg ich aus, die Fahrt brauchte nicht mehr als 10 min, geile Verbindung. Es hatte zu regnen aufgehört und ich lief den Rest gar heim.

Jetzt - am Sonntagmittag -trink ich meinen Kaffee noch aus und dann ziehe ich los, fahr da wieder hin und hole mein Röhrle .