Donnerstag, 5. November 2026

Amon Amarth, Brose-Arena Bamberg

Eigentlich wollt ich da ja gar nicht hin. Ich hatte es schon gelesen und hab auch überlegt, aber nein, es war unter der Woche, ein Mittwoch, und ich hatte keinen Urlaub mehr übrig. Nein, so unbedingt musste ich Amon Amarth jetzt nicht sehen.

Aber dann schrieb mir der Heiko, er hätte das Ticket übrig, weil an dem Tag kann er nicht und er wollte es nun verkaufen für 50 €. Na, für nur 50 € ist das natürlich was anderes , und ich nahm das Ticket. Ich hab ja noch ein paar aufgesparte Überstunden, mit denen ich bisher recht geizig war und sie nur im alleräußersten Notfall geopfert habe, aber wenn ich mir das so genau überleg: In 5 Monaten ist mein Arbeitsleben für immer abgeschlossen, was soll ich da noch Überstunden aufsparen? Also nahm ich für den Donnerstag einen Gleitzeittag.

Ich fuhr gleich direkt nach der Arbeit los, weil die Parkplätze dort sind relativ rar. Im Frühjahr, als ich das letzte Mal hier war (im Februar auf Kanonenfieber), hab ich keinen mehr gefunden und musste in so einer Gartenkolonie nebenan ganz "illegal" hinter dem Gebüsch herumparken. Das war diesmal anders, weil ich war ja viel zu früh dran und fand noch wunderbar einen Parkplatz auf dem Kaufland-Gelände, direkt vor der Brose-Arena.

Zur Zeit bin ich sowas von auf dem Weingummi-Trip - aber es muss echter, britischer Weingummi sein, und den gibt es nicht überall. Nachdem nun der Weihnachtssüßkram aufgebaut wurde und die ganze Auslage in unserem Kaufland zuhause umstrukturiert wurde, ist mein Weingummi fort, und ich hab ihn bisher noch nicht wieder gefunden . Ich suchte mir in unserem Kaufland schon erfolglos einen Wolf. Dann fragte ich einen Mitarbeiter - so eine "Fachkraft" aus dem "migrantischen Mileu" - wo denn jetzt der Weingummi ist, aber der junge Mann deutete auf die Spirituosen-Abteilung. Nein, Baby, knapp daneben, er hatte wohl nur "Wein" verstanden. "It's a kind of chewing-gum" - ach so, nö, also, das wusste er dann auch nicht, er war neu hier. Ja, das sah man.

Also stand ich jetzt in Bamberg vor einem Kaufland - neues Kaufland, neues Glück - und ich ging gleich mal rein, den Weingummi suchen. Es empfiehlt sich ja auch immer, einen Kassenbon zu haben, wenn man schon auf dem Parkplatz von einem Supermarkt parkt . Den Weingummi fand ich auch hier nicht, und raus kam ich mit einem Päckchen Käse .

Als ich zum Naglfar stiefelte, stand da jetzt ein Lieferwagen vom Nürnberger Dachdecker, und drin saßen der Ralf und der "Schmark". Da glühten wir am Parkplatz schon ein wenig vor, und ich bunkerte unter dem Naglfar und auch unter Schmarks Lieferwagen ein, zwei Dosen Bier, die ich mir dann später in den Umbaupausen reinpfeifen wollte. Man weiß ja: Arena? Reine Kommerzveranstaltung, und wahrscheinlich kostete das Bier schon 8 €.

Es war nun endlich Einlass und wir liefen in die Halle. Am Eingang bekamen wir ein grünes Bändchen, "Innenraum" stand drauf. Die auf den Rängen durften nicht in den Innenraum runter, und ich konnte beobachten, dass ihnen oben von den Secus sogar feste Sitzplätze zugewiesen wurden. Na, das tät mich fein nerven, bei so einem Konzi auf einem zugewiesenen Sitzplatz hocken zu müssen, nicht mal aufstehen und rumhupfen war drin.

Wir guckten erst mal im Foyer herum. Dort war der Merch aufgebaut. Irgendwer hatte in der Metal-Gruppe auf Facebook geschrieben, dass er sich ärgerte, bei seinem Konzi vor Ort die Mütze mit den Hörnern nicht gekauft zu haben, sie hätte nur einen Zehner gekostet, und ob ihm nicht jemand vom nächsten Konzi eine mitbringen könnte. Dass die bloß einen Zehner kostet, glaubte ich jetzt nicht ... und natürlich hatte ich Recht: Sie kostete sogar 40 €. Das ist jetzt natürlich schon gescheit happig! 40 € für eine Strickmütze?! Dafür strick ich ja 4 Stück! Vielleicht sollt ich wirklich drüber nachdenken, jetzt dann für mein Rentendasein ein mobiles Häkel-und-Bastel-Geschäft zu eröffnen?

Die Shirts kosteten auch 40 €, die Patches sogar 15 €, und einen Zipper gab's für schlappe 100 €. Das ist sehr hübsch anzuschaun, aber ansonsten kannste das mal ganz schnell vergessen! Ich brauch kein Amon-Amarth-Shirt, ich hab schon eins, und das hatte ich auch an. Es ist eines meiner frischeren Shirts, ich hatte es noch nicht oft getragen und in meinem Kopf noch als "mein neues Shirt" registriert, aber als ich es vorgestern aus dem Schrank kramte und genauer anguckte, stand auf dem Rücken: "Sommer 2017" - oh, schon fast 10 Jahre alt ! Naja, Neues aus der Reihe "wie doch die Zeit vergeht, ts ts".

Die Bierpreise waren eigentlich erträglich. Ja, ein Bier kostete 8 €, aber immerhin waren davon 3 € Pfand.

Da gingen die Jungs noch schnell eine rauchen und weil wir also eh draußen rum standen, wollte ich gleich mal zum Auto gehen und eine Bierdose schlachten. "Wo komme ich denn raus?" fragte ich einen von den Türstehern und bekam die Antwort, dass man nicht mehr raus kommt bzw. wer raus geht, käm nicht mehr rein, das Ticket erlischt mit Verlassen des Gebäudes. Was? Ich kann nicht mal mehr zum Auto? Also, das ist ja die Höhe! Es könnt ja sein, dass jemand vielleicht dringend ein Medikament aus seinem Auto bräuchte oder irgendwas Wichtiges vergessen hatte, und das könnte man sich nun nicht mehr holen? Klar laufen die Leute meistens nur raus, um sich nebenan im Kaufland ein gutes, belegtes Brötchen für 1,50 € reinzupfeifen, weil hier an den Theken die kleinen, belegten Brötchen mit 2 mageren Wurstscheiben fette 7 € (!) kosteten, aber dass man jetzt gar nicht mehr raus konnte, war ja schon echt unverschämt .

Es blieb nichts anderes übrig, als sich hier ein Bier zu kaufen. Nun war das aber ein außergewöhnlich schlechtes Bier. Schmark meinte zuerst noch, sie hätten es schon vorgezapft, es stünde bereits eine Weile rum und sei abgestanden, aber die später frisch gezapften Biere schmeckten auch nicht besser, einfach nur grottig. Na, das wurde ja ein schön nüchternes Konzi, denn in der Folge ging ich mit meinem neuen Amon-Amarth-Becher lieber aufs Klo und schüttete Leitungswasser nach.

Als erste Band spielten Soilwork. Sie hatten draußen ums Eck ihren Merch und ihre Preise an Amon Amarth angepasst, also auch hier kostete ein Shirt 40 €. Es war jetzt nicht so, dass ich es bei Amon Amarth "noch einsähe", nö, auch da schon nicht, aber bei Soilwork und anderen Warm Ups ja schon gar nicht mehr! Hey, wo simmer denn? Jaja, ich weiß: in der Kommerzarena .

Soundmäßig war der Auftritt aber ganz gut, und ich moshte sogar schon ein bisschen. Wir standen auch recht weit vorn, dann sooo voll war es gar nicht geworden.

Die andere Warm Up Band hieß Orbit Culture. Die kannte ich noch nicht, aber die gefielen mir auch nicht, viel zu crunchig, nicht so meins.

Ralf und Schmark hatte ich längst verloren und nicht wieder gefunden. Ich spazierte ein bisschen rum und fand da oben auf den Rängen wenigstens meine Nachbarn sitzen , unseren "Haus-Flo" und seine Freundin! Wir sollten vielleicht mal tatsächlich über einen Haus-Shuttle-Bus nachdenken ?

Ich traf allerlei Leute, aber unser Summer-Breeze-Team fand ich nicht. Sie standen rechts der Technik, whatsappten sie, aber da hinten sah ich keinen von ihnen. Bis zum Headliner schrieben wir hin und her. Ich stand ganz vorn in der 3. Reihe, allerdings rechts außen, und wartete auf Amon Amarth.

Hinten drängte sich alles, da kam man kaum mehr durch, aber wenn man sich durchgeboxt hatte, dann ging es auf der Mitte wieder, da wurde es ganz lüftig, und vorne an den Seiten war noch richtig ein ganzer Gang frei. "Halt mal dein Bier hoch, dass wir dich sehen" schrieb Thomas, aber nennenswert überragte mein ausgestreckter Arm mit dem Bierbecher die umstehenden Leute nicht. "Da, halt mal mein Bier hoch!" bat ich einen großen Kerl neben mir. Jetzt sah Thomas das Bier (natürlich wieder mit Blinklicht drin) und schrieb: "Wir stehen auf selber Höhe, nur in der Mitte, komm einfach zur Mitte!" Also lief ich quer in die Leute rein und wühlte mich bis zur Mitte. Da standen Thomas und Annika und der große Claus und noch ein paar andere. "Da hinten sitzt der Tom mit seiner Tochter" zeigte Annika, und ja, ich sah die beiden da hinten sitzen. Die sahen ja gar nix, viel zu weit hinten, na, das war ja doof! Das war doch überhaupt blöd: Da sitzt der, da sitzt jener, und die dürfen alle nicht weg und sitzen da oben auf festen Plätzen doof rum?

Dann ging's los, Amon Amarth traten endlich auf. Was soll ich dazu sagen, es war klasse, hier nur mal die Bilder:


Es war eine recht schöne Show und die neuen Songs von ihrem neuen Album gingen mir gut ins Ohr, aber nein, es wird keine CD gekauft! Die Show war perfekt, und ich dachte an die Gagen, von denen mir erst vorletzte Woche der Torsten erzählt hatte. Wieviel Amon Amarth wohl für 1 Gig kassieren? Und sie machen hier auf ihrer Tour alle 2 Tage so einen Gig? Da machen die so eine Tour und davon können sie wohl mindestens 3 Jahre wieder leben wie die Maden im Speck. Ja gut, der Rubel rollt, aber war da nicht noch was anderes im Metal? Es lag eindeutig an dem schlechten Bier hier, dass ich die Dinge immer nüchterner sah und so viel über die Hintergründe nachdachte, statt einfach im Hier & Jetzt ... mein Handy zu zücken und mitzufilmen .

Jetzt erzählten sie was von Saxons and Vikings, Sachsen und Wikingern. Im nächsten Song erkannte ich die Stimme von Saxon's Biff und tatsächlich erschien der auch gleich ... auf der Leinwand. Ganz groß sang er da auf der Hintergrund-Leinwand mit Johan Hegg im Duett. Das wär toll gewesen, wenn Biff nun tatsächlich live auch auf der Bühne gestanden wär! Aber er ließ sich nur einspielen. Was kriegt man eigentlich für einen eingespielten Gig, während man gemütlich zuhause auf dem Sofa sitzt und in der Nase bohrt? Also das ist ja echt noch kommerzieller !

Das war es dann mit der Vorstellung, sie kamen zum Ende. Es gab nicht mal eine Zugabe. Getaktet bis auf die letzte Sekunde. Wie zu erwarten war es erst halbelf, aber es war nun mal im Stadtgebiet, es gab Anwohner und es war ein Wochentag. Na gut, also holte ich meine Jacke, die ich vorne in eine Nische gestopft hatte. Die Leute wurden von den Secus bereits aus der Halle geschoben, also nicht, dass da jetzt noch irgendwie eine Party aufkommt, nä?! Raus, raus!

Ich lief zum Naglfar. An Schmacks Parkplatz kam ich vorbei, sein Auto war schon weg. Wann waren denn die gefahren? Hatten sie überhaupt noch das Ende mit angesehen? Immerhin war meine Bierdose nicht überfahren worden, denn sie stand noch genau dort, wo ich sie vor dem Hinterreifen verbunkert hatte. Ich nahm sie wieder mit.

Annika hatte den Vorschlag gemacht, anschließend noch einen Absacker im Naglfar abzuhalten. Ha, die spekulierte wohl auf einen Kaffee ? Das lief aber nicht, weil im Naglfar war nicht geheizt. Es gab hier keinen externen Strom und ich wollte keinen Heizungs-Error riskieren. Ich ging zügig zum Auto, putzte mir ganz schnell die Zähne, zog mir mein Nachthemd an und kroch in den Schlafsack, bevor es mich zu frieren anfangen würde. Die anderen fuhren alle ab. Ich war eingeschlafen, als der Parkplatz leer geworden war.

Die Kälte war an der Grenze: In den Morgenstunden wurde es recht frisch, es fror mich an der Nase, weil den Rest vom Körper kann man ja im warmen Bettzeug einwickeln. Minusgrade hatte es noch nicht, aber es war schon nahe am Gefrierpunkt. Ich schlief bis halbzehn. Die Gasflasche hatte ich gar nicht aufgedreht gehabt, und ich kochte mir auch keinen Kaffee. Das Parkticket war Punkt 3:00 Uhr nachts abgelaufen, und ich hatte nach dem Konzert nicht noch einmal nachgeworfen, denn das war wohl die Grenze, über 3 Uhr würde wohl auch mit mehr Geld nichts ausgewiesen werden. Ab wann war das Parken dann frühmorgens wieder kostenpflichtig? Sollte ich nochmal zum Kaufland rein gehen und wenigstens was kaufen, damit ich einen neuen Kassenzettel hatte? Wenn ich jetzt noch was in den Parkautomaten schmiss, dann stand da ja auch nur "ab 09:30 Uhr" drauf, das half mir auch nichts, wenn mich ein Parkwächter schon um 8 Uhr aufgeschrieben haben sollte.
Naja, das werd ich schon sehen. Allemal fuhr ich gleich los, ohne Frühstück.

Sonntag, 1. November 2026

Pilzwanderung

Ahh, mir ist langweilig. Konzerte und Festivals sind zwar schön, aber es ist ja immer wieder nur dasselbe. Was könnt man denn sonst so machen (besonders jetzt im Herbst und Winter)? Ja: Museen anschaun, Städte anschaun, in Wald und Wiese die Natur anschaun. Na, das ist doch auch langweilig: immer bloß anschaun? Ich würd mal gern was machen, wo ich auch wirklich was mach. Nur: keine Ahnung, was?

Ideenlos gab ich also im ChatGPT ein: "Ich bin 65: Was könnte ich in meiner Freizeit machen?" Das Alter fand ich wichtig, nicht dass der mir raushaut: Bungeejumping, Tiefseetauchen, Bergsteigen im Himalaja, oder so. Das Ergebnis erschütterte mich dann aber doch zutiefst in meinen persönlichen Grundfesten und lautete in etwa: "Kommt drauf an, wie fit Sie noch sind (!!!), aber es gibt hier einen netten Seniorentreff, notfalls auch mit Betreuung..." Es gibt wohl Leute in meinem Alter, die echt noch viiiel älter sind als ich ?

Ich klickte mich ein wenig durch, gab noch einige Ergänzungen ein, und bekam dann irgendwann durchaus brauchbare Sachen, z.B. "Kurs: Naturseifen selber herstellen", Bier-Tasting oder Pilzwanderung.

Ja, Pilze suchen ist lustig! Als Kind fuhren wir sommers fast jeden Sonntag "in die Pilze" und die ganze Familie sammelte dort Schwarzbeeren, Zitzen (Butzelkü) zum Anschüren für den Kohleofen im Winter und natürlich Pilze. Wir sammelten haufenweise Pilze, Maronenröhrlinge, Butterpilze, mal auch einen Steinpilz, Gelbala (Pfifferlinge) und jede Menge Wiesenchampions. Dann gabs immer lecker Pilzgericht mit Stopfer (Kartoffelbrei). Das ist leider schon echt lange her, und obwohl ich mich damals als Kind mit den Pilzen wirklich gut ausgekannt hatte, schadete es nicht, das Wissen wieder aufzufrischen. Also rief ich mal an bei den Pilzwanderern und meldete mich an für den Sonntag.

Der Treffpunkt war am Tiergarten. Zuerst war noch zeitweise Regen gemeldet, aber es blieb trocken und ein bisschen spitzte sogar die Sonne raus. Ein Grüppchen war es von ungefähr 30 Leuten und so liefen wir nach einem anfänglichen Vortrag alsbald los in den Wald. Jeder sollte Pilze suchen und zur Bestimmung vorlegen.

Ich fand schon welche, aber ich mochte sie nicht abrupfen, denn dass die nicht essbar waren, wusste ich ja. Die Zeit der guten Pilze ist ja auch schon vorbei, wir hatten ab heute schließlich schon November. Ich machte bloß Fotos und lief dann wieder vor auf den Weg, wo der nächste Treffpunkt war. Da wurden die gefundenen Pilze nun bestimmt und allerlei Wissenswertes drüber erzählt.

Durchaus interessante Pilze wurden da gefunden, z.B. ein Ziegenbart. Die Pilze sind nicht einfach einzuteilen in "essbar" oder nicht, sondern manche sind als junge Pilze durchaus essbar, andere sind zwar essbar, schmecken aber bitterlich, manche sind zwar essbar, können aber nach jahrelangem problemlosen Verzehr ganz plötzlich Allergien hervorrufen und sind dann tödlich, und wieder andere schmecken gut, reichern aber Kadmium im Körper an oder sind krebserregend, andere sind lecker, aber bereits nach 1 Tag im Kühlschrank schon giftig, und generell sollte man sie alle mind. 20 min lang gut durchkochen. Also eine Wissenschaft für sich.

Zunderschwämme haben wir gefunden; nur das Innerste ist verwendbar, um Feuer zu machen. Auf der Ranch wachsen auch welche, aber mittlerweile sind sie ziemlich durchlöchert und wohl abgestorben. Bisher dachte ich auch immer, die seien geschützt, scheint aber gar nicht so zu sein.

Das ist ein grüner Knollenblätterpilz. Es gibt auch gelbe Knollenblätterpilze, die kann man essen, aber die grünen sind tödlich. Es gibt auch kein Gegenmittel. Nur mit Mariendistel kann man mal probieren, die Leber wieder zu stabilisieren und dann eventuell zu überleben. Ich find's gruselig, einen Teller in der Hand zu haben mit so einem krassen Gift !

Knapp drei Stunden spazierten wir quer durch den Wald und immer wieder zurück auf den Weg, wo die Expertin stand, die Pilze analysierte und erzählte, was für die Bestimmung wichtig sei. Dann wurde es aber durchaus schon ziemlich kühl, ich bin's noch nicht gewohnt, ticke noch auf "Sommer". Ich hätte mir einen Schal mitnehmen sollen und es begann mich zu frieren. Es wurde auch schon deutlich dunkel, sodass man gar nicht mehr so gut sehen konnte, ob das am Boden jetzt Laub war oder ein Pilz? Da kamen wir zum Ende und lösten die Veranstaltung auf. Interessant war's, müd bin ich von der ganzen frischen Luft und Hunger hab ich jetzt .

Samstag, 31. Oktober 2026

Mini-Igel

Einige Igel sind schon im Winterschlaf. Auf den Wildcam-Videos von der Ranch waren die letzte Zeit bloß noch zwei dicke Brummer drauf, die noch immer zur Futterstelle kamen. Aber vor einigen Tagen tauchte da auf einmal so ne Mini-Stachelkugel dazwischen auf, ein wirklich kleiner Igel, so winzig, es waren fast die Milch-Tassen noch größer als er . "Au. Also der hat wirklich keine Chance mehr." dachte ich. In kurzer Zeit gibt es Frost und dann erfrieren die ganzen Käfer und Viecher. Bis dort hin schafft es der kleine Igel auf keinen Fall mehr, sich fett zu fressen, sodass er den Winterschlaf durchhalten könnte. Man müsste den echt sichern, und ich überlegte schon, ob ich nicht in der Dämmerung mit dem Infrarotsichtgerät herumlungern sollte, um ihn zu fangen. Warum tu ich mir sowas eigentlich immer an, hab ich nicht genug Stress, und das könnt mir doch wurscht sein?!

Als ich dann gestern an die Futterstelle kam, hatte ich ihn erst gar nicht gesehen. Die Katzen bedrängten mich wieder so massiv: Raubüberfall, sofort Futter her, los, los! Erst als ich den Teller unter dem Dach vorholen wollte, entdeckte ich ihn: Mitten am hellichten Tag saß da eingeigelt der kleine Igel im Trockenfutter .

Schnell lief ich ins Auto, zog die fetten Lederhandschuhe an, holte aus dem Schuppen einen Eimer, stopfte im Vorbeilaufen noch ein wenig Stroh rein, hob den kleinen Igel auf und setzte ihn in den Eimer. Erst mal war er starr vor Schreck und eingerollt.

Während der Fahrt taute er dann auf. Er schnüffelte neugierig herum und stellte fest, dass er gefangen war. Er rempelte gegen die Eimer-Wand, aber das war wohl nix.

Ich fuhr zum Zoo Kölle. Nebenan ist gleich ein Tierarzt und ich wollte den Igel dort untersuchen lassen. Als ich ankam, brannte noch Licht, aber es war nur noch die Assistentin mit dem Staubsauger drin, die die Praxis grad schloss. Da ging ich zum Kölle und kaufte dort Igel-Futter, bestes, feinstes Igelfutter, ein Gläschen Nassfutter für über 4 € und noch so ein Pulver aus Würmern und Insekten für 6 €. Das wog wohl alles 10 x so viel wie der kleine Igel selbst, nie würde der das alles fressen.

Zuhause verfrachtete ich den Igel um in einen Karton. Aus dem Hof hatte ich Laub geholt und den Karton damit ausgelegt, Futterschälchen und Wasser neben hin gestellt. Da hockte er nun unter all dem Laub.

Zuerst hatte er sich verkrochen, aber nach einer Weile kam er dann doch mal vor, schnüffelte rum und fand sofort das Futter. Da spachtelte er rein, fast das ganze Schälchen hat er ausgegessen.

Bei mir kann der Igel nicht bleiben. Nächste Woche bin ich schon gleich wieder unterwegs, zwei Tage hier und da, am Wochenende da und dort, ich bin nichts für ein Haustier. Zudem stinkt er. So ein kleiner Igel und so viel Gestank! Möcht auch gar nicht wissen, wieviel Flöhe und Milben und Viecher er hat, also den mag ich nicht in der Wohnung haben, das ist nix.

Drum hab ich in die Igel-Gruppe auf Facebook gepostet, dass ich einen Päppler suche.

Also Leuz, die Leute sind einfach gaga, echt. War das früher auch so schlimm? Jedenfalls ging's los, die Erste: Bring ihn sofort zum Tierarzt und lass ihn durchchecken!
Die Zweite: Es muss ein igelkundiger Tierarzt sein. Lass bloß nicht xyz spritzen, das ist für Igel tödlich!
Die Nächste: Hast du ihn schon gewogen? (Nein, weil dass er zu klein ist und bei Weitem die nötigen 500 gr nicht hat, sieht man auch so ohne ihn zu wiegen. Zudem mag ich dafür jetzt nicht extra meine Küchenwaage auspacken und einsauen, aber das hab ich mir ja schon gar nicht mehr sagen traun ) ...Warum hast du ihn noch nicht gewogen? ...Hast du ihn jetzt immer noch nicht gewogen?
Eine Andere: Du kannst doch nicht dieses Industrie-Katzenfutter vom Supermarkt füttern, da ist Getreide drin und viel zu wenig Fleischanteil, das vertragen Igel nicht!
...: Das Ei muss ganz durch gekocht sein, das ist ja noch viel zu flüssig!
...: Ruf sofort bei der Igelpäpplerin xxx an! ...und: Hast du schon angerufen? Ruf an, er kann ja sonst sterben?! (Es war freitagabends 21:30 Uhr, da ruf ich einen Scheiß bei fremden Leuten einfach so an, sa'mal hey, hallo?! Und wieso soll der jetzt sterben? Es war doch gar kein Notfall, er war nicht verletzt, was issn das für ein Theater?)
...: Du musst ihn wärmen, besonders das Bäuchlein. (Soll ich ihn vielleicht mit ins Bett nehmen, oder was? Bis vor 3 Stunden lief der noch durch den Garten, da wurde er auch nicht gewärmt, also...!)

Also da prallen Welten aufeinander, wirklich. Ich hab doch in meinem Leben auch noch was anderes zu tun, zum Beispiel jetzt meinen Feierabend genießen!

Am Samstagmittag beim Frühstück guckte ich dann mal so die Kontaktnummern durch, die ich aus dem Thread gesammelt hatte. Da rief ich bei einer an, nicht weit von Nürnberg entfernt. Gleich vereinbarten wir eine Übergabe und so packte ich den Igel mitsamt den Karton ins Auto und fuhr ihn dort hin.

Da wurde er erst einmal gewogen, er wog 284 gr (doch so viel?). Er wird jetzt gefüttert, bekommt auch ein Igelhäuschen zum Überwintern und wenn er im Frühjahr aus dem Winterschlaf aufwacht, dann hole ich ihn wieder ab und fahre ihn auf die Ranch.