Sonntag, 30. August 2026

Zabbath im Z-Bau

Nächstes Wochenende fahre ich nach Crispendorf auf das Break Out, worauf ich mich schon wieder ganz arg freu , und drum wollte ich dieses Wochenende nix Besonderes machen, weil sonst wird's auch einfach zu viel, nä. Nun, was gab es denn zuhause so Nettes? Kopf & Kragen, Hirsch, Löwensaal, läuft irgendwas? Da: im Z-Bau war das Zabbath angesagt! Ich kannte zwar keine der Bands, aber das sind ja immer so die lokalen Billig-Events, da erwarte ich auch nicht viel. Ich postete auf FB, dass ich da hin geh und bekam auch gleich Antwort von der Maria, dass sie dann auch kommt.

Eigentlich wollte ich an der Abendkasse löhnen, aber ich guckte dann doch mal online. Dort stand, es gäbe keine Abendkasse . Also doch ein Ticket rauslassen... hee, und das war auch gar nicht billig, von wegen: 55 € wollten die haben ! Ich haderte, weil das war doch ganz schön viel Schotter für lauter No-Name-Bands, von denen ich nicht eine kannte. Fast wäre ich zurück gerudert, aber weil ja nun schon so gut wie ausgemacht war, dass ich komm, kaufte ich das Ticket.

Einlass war schon um 14 Uhr und um 15 Uhr spielte die erste Band. Da musste ich ja fast "früh aufstehen"?! Einen Stress wollte ich mir jetzt nicht machen und so frühstückte ich noch in aller Ruhe und ging dann so um halbvier mal los.

Als ich von der U-Bahn hoch kam, sah ich schon die Anzeige an der Bushaltestelle, der Bus war soeben da! Wie immer: Ich komm rauf und der Bus fährt grad weg, was?! Ich beeilte mich und hatte Glück, denn an der letzten Kreuzung stand der Bus, verwickelt in einen Unfall. Ein PKW hatte einen Fußgänger angefahren, dieser lag noch auf der Straße. Es sah aber unspektakulär aus, Blut floss nicht. Der Bus fuhr schließlich auf Anweisung der Bullerei auf der Gegenspur um den Unfall und erreichte die Haltestelle.

Der Bus war gestopft voll, denn es war anscheinend ein Fußballspiel, und lauter Club-Fans saßen drin, dazu kamen an jeder Haltestelle richtig viel Leute dazu, weil durch den Unfall gab's Verspätung. So stand ich da ziemlich eingepfercht und kam dann an der Haltestelle am Z-Bau kaum raus.

Zur dritten Band kam ich in die Location. Die fingen gerade im Biergarten an zu spielen als ich ankam. Die Instrumente gingen ja noch, aber als der Sänger anfing zu singen ... oh weh! Es hörte sich irgendwie an, als würde er schon den nächsten Song singen und die Band erst noch diesen Song spielen, das passte überhaupt nicht zusammen . Naja, Stoner Metal, halt.

Ich wollte erst mal was trinken und ging nach drinnen, aber da standen ewig viele Leute an der Theke an. Oh weh, ich versuchte es lieber mal draußen, aber an der Biergarten-Schänke stand eine Schlange an, so lang, die machte schon da hinten eine Kurve und die Leute standen wieder zurück bis zur Bühne. Da ging ich doch wieder lieber rein und stellte mich dort an. Als ich endlich an die Reihe kam, bestellte ich gleich zwei Radler und soff eines fast auf ex weg vor lauter Durst.

Neben dem kleinen Konzertsaal hatten sie in einem Hinterzimmer eine Kunstausstellung, da stellten sie richtig hübsche Bilder aus, die eine Gothic-Künstlerin gemalt hatte. Sie verkaufte auch Kunstdrucke davon, die waren wirklich schön.

Nebenan spielte nun Dolchstoß. Als ich rüber wollte, war die Tür zu, aber ich ging einfach rein. Aufgehalten hat mich keiner, aber später checkte ich dann, dass es wegen Überfüllung eigentlich geschlossen gewesen wäre, denn da drin passte keiner mehr rein. Ich stand noch im Gang und kam nicht weiter. Es war im Saal sehr dunkel und ich sah auch fast nichts, grad dass ich noch die Zuschauer vor mir erkannte, sonst wäre ich fast in die letzten reingelaufen. Es war natürlich recht stickig und heiß und von der Band da vorn kriegte ich kaum was mit.

Ich ging mal wieder raus in den Biergarten und guckte mir die Band an, die dort grad auftrat: Infiltration. Musikmäßig fand ich die ... was heißt "ganz gut"? Zumindest deutlich besser als das, was ich bis jetzt hier gehört hatte.

Als Ansage zum nächsten Song erklärte dann der Sänger, dass er alle Fasch*sten f**ck* und sagte: "...9 mm sollte man immer für sie übrig haben. Fasch*sten an die Wand!" Am Merch der Band Dolchstoß hing auch ein Plakat, das meines Erachtens nun doch recht grenzwertig war und als Aufruf zum Mord verstanden werden könnte. Sie werden wohl hoffentlich ihre Sprüche vorher juristisch checken haben lassen, weil ich würde mir sowas nicht sagen trauen, wen auch immer ich umbringen wollte.

Zudem: Solche Sprüche lassen die so lange ab, bis - aus welchem Grund auch immer - sie plötzlich mal selber zu "Fasch*sten" erklärt werden . Die linke Szene dort ist nämlich so giftig, sie ereifern sich gegenseitig in ihrer N*zi-Jagd, und kaum entdecken sie bei jemandem irgendetwas, was eventuell "rechts" sein könnte, gehen sie ab wie die Bluthunde. Ziemlich schnell wird man dann zum "Fasch*sten" abgestempelt und mit einem solchen diskutieren sie dann ja nicht mehr, also da kannste dann sagen, was de willst, du giltst als Feind, auf ihn mit Gebrüll! ...denn sie dulden nur tolerante Menschen . Eine echte Farce.

Ich holte mir noch 2 Getränke, ein Radler, ein Bier, und musste im Biergarten dafür echt ewig anstehen. Im Ausschank standen auch grad mal 2 Leute, die gemütlich herum-zapften und sich von der Warteschlange nun wirklich nicht stressen ließen - wie man es auf Bildern aus der DDR sieht: lange Schlangen bis um die Ecke rum, Leute standen sich die Beine in den Bauch, und an der Ausgabe wurde getrottelt so lange der Vorrat reichte. Das Bier ging hier allerdings nicht aus, so weit sind wir zum Glück noch nicht .

Dafür sorgten sie schon in ihrem "Kräuterbeet", wo es ja fast nach "Bier aus eigenem Anbau" aussah .

Jetzt war der große Saal offen und da spielten Hemelbestormer. Die waren jetzt schon professioneller, hatten im Hintergrund ein Video laufen mit Eisbergen und Polarmeer und waren auch musikalisch ganz gut hörbar. So richtig "meins" war's nicht, denn auch das war schwer mit Stoner-Elementen versetzt, und die sind wohl eher was, wenn man bekifft ist. Mir persönlich fehlt da immer das Fetzige, ich mag's gern mit mehr Power.

Ich musste mal und lief rüber zu den Klos. Da kam mir der Paddy entgegen, und deutlich verärgert erzählte er mir: Mit seinen Motörhead-Pins an der Jacke habe er soeben Schwierigkeiten gekriegt, weil da ein "eisernes Kreuz" dran war, und das gilt hier als "rechts". Er sollte die Pins bitte abmachen, wurde er aufgefordert. Das wäre doch allerdings der volle Unsinn, ärgerte sich der Paddy, denn sein "eisernes Kreuz" sei sogar noch ein amerikanisches, da stand nämlich "G.I." eingeprägt, und vom guten, alten Lemmy, der WK-II-Utensilien sammelte, wollten wir gar nicht anfangen. Nun sei er, der Paddy, ja wirklich alles andere als "rechts", eher das absolute Gegenteil davon, aber das ärgerte ihn nun schon gescheit .

...und das erzählte er jetzt mir, der "Rechten"? Wir hatten uns schon mal bei einer Heimfahrt von einem Konzert in der U-Bahn über Politik unterhalten, und Paddy wusste von meinen "konservativen" Standpunkten. Damals in der U-Bahn beendete er dann verdrossen das Gespräch in der Art "nein, also mehr will ich dann gar nicht mehr wissen" und empörte sich die nächsten 2 Haltestellen nur noch leise vor sich hin bis ich dann am Plärrer ausstieg.

Die Linksextremen mögen es ja nicht wahrhaben, aber:
Wir haben hier ganz ganz links, so links wie möglich, in einem ganz linken Z-Bau einen ultra-linken "Rechten-Jäger".
Wir haben einen linken Paddy, ein anständiger, überzeugter Linker, der sich bisher mit "Rechten" nicht mal wirklich unterhalten wollte.
...und jetzt steht der linke Paddy echt angekratzt und verdrossen vor mir, der "Rechten" und sucht ausgerechnet dort Trost ?
Nein, das ist keine Ausrede und keine Entschuldigung, warum einer "rechts" wird, sondern nur ein ganz natürlicher Vorgang, eine logische, kausale Folge, die außerdem auch die Verschiebung der Werte sehr anschaulich verdeutlicht: Warste doch immer links, doch plötzlich bist du "rechts", wie das? Wir stellten erstaunt fest: Das kann ja langsam echt jedem passieren .

Dazu gibt es mehrere Fragen, nämlich:
Macht das Sinn?
Ist das wenigstens in eurem Sinn?
Trifft es noch den Punkt?
und: wo hört es auf?

------------- eine Gedenkzeile-------------------

Ich lief mal weiter in den kleinen Saal. Dort war grad gar nicht so viel Publikum, und ich kam bis vor an die kleine Bühne. Dort trat einer mit seinem Solo-Projekt auf - natürlich auch wieder eher Stoner. Es spielte irgendwas Instrumentales und alle paar Mal ließ er heisere Schreie ins Mikro ab. Eine Weile hörte ich zu.

Im Biergarten war nun der letzte Gig auf dem Progamm, nämlich Burial. Die hörte ich mir noch gemütlich an.

Es war nun noch gar nicht spät, aber ich hatte jetzt langsam genug. Verloren lief ich noch eine Runde rum, kurz rein in den großen Saal, 2 Takte angehört, wieder raus, guckte hier hin und dort hin und dachte mir: "Es ist erst neune!" Ich konnte doch jetzt noch nicht heim gehen? Mei, das ist halt immer das "Problem" bei Veranstaltungen, die schon nachmittags anfangen. Meine Lust reicht dann einfach nicht bis abends. Ich gab mal wenigstens meine beiden Becher ab und holte mir mein Pfand zurück.

Beim Schlendern zum Ausgang traf ich die Maria mit Freund, die wollten grad auch mal "ne Pause" machen, und so setzten wir uns noch auf ein Pläuschchen da hinten an einen Biertisch.

Da kam so ein "ultra-linker Rechten-Jäger", also einer von der Crew, und sagte, er wollte mal nur kurz mit mir reden. Ich hätte hier als Backpatch auf der Kutte das Zeichen von Wolfszeit und Varg und das geht hier nicht, weil das gilt als "rechts".
"Varg sind aber doch nicht rechts...!" wunderte ich mich.
Nicht direkt, erklärte mir der Crew-Mann, aber weil der Philip (Sänger von Varg) sich vor 20 Jahren (!) mal positiv über Absurd geäußert hat (!), gilt Varg hier als "rechts". Philip hat das dann zwar später wieder widerrufen, das sei schon bekannt, aber das geht trotzdem einfach mal gar nicht . Drum gelten Varg im Z-Bau als "rechts", buh.
Naja, gut, wenn auch Motörhead schon als "rechts" gilt, wundert mich da gar nix mehr . Da ich ja tatsächlich "rechts" bin, sagte ich mal lieber nichts mehr, außer, dass ich sowieso gerade gehen wollte und jetzt halt dann gehe und das nächste Mal meine andere Kutte anziehe. Da ist Dimmu Borgir drauf, ich hoffe, die sind nicht "rechts" .

Maria verteidigte mich und meinte, man wüsste ja schon gar nicht mehr, was man noch anziehen könnte, weil ja hier nun schon fast alles als "rechts" gilt. Am Besten ist, man zieht einfach nur ein schwarzes Shirt an ohne was drauf und bloß keine Pins oder Patches. Der Crew-Mann hatte für diesen Einwand sogar noch Verständnis und erklärte, dass sie beim Z-Bau gerade an einer Liste arbeiten, was hier alles als "rechts" gilt und diese würde dann online gestellt, da könnte man es einsehen.

Ihr könnt euch dann mal weiter links im Kreis rum drehen, immer schneller und intensiver, links und links und noch linkser, aber wundert euch nicht, wenn ihr nicht von der Stelle kommt und euch vielleicht eines Tages um die eigene Achse ganz verdreht .

Sonntag, 23. August 2026

Wolfszeit am Samstag

Es hatte die ganze Nacht geregnet. Gegen Mittag hörte es auf, und die Wolken verzogen sich dann auch weitgehend, die Sonne kämpfte sich wieder durch. Schob sich eine Wolke vor, wurde es wirklich kalt. Ich hatte ein Hoodie und einen Zipper drüber und war um das dicke Outfit recht froh. Kaum kam die Sonne, wurde es aber wieder sommerlich warm und man hielts in den Haufen Klamotten kaum aus.

Ich war schon um 14:30 Uhr runter gegangen, weil ich wollte XIV Dark Centuries sehen. Die Südharzer Perchten hupften bei denen auf der Bühne rum und dann später auch unter den Leuten im Publikum zum Posen und Fotografieren. Die Vorstellung gefiel mir recht gut, und ich ging nach dem Gig gleich rauf zum Merch und kaufte mir ihre neue CD, "aus uralter Zeit".

Dann gings gleich wieder runter an die Bühne, denn da kamen als Nächstes Sagenbringer. Ich guckte über die Leute und suchte den Torsten. Der war noch gar nicht da? "Was los, Mann?! Sagenbringer treten gleich auf, schläfst du noch?" whatsAppte ich, aber schließlich fand ich ihn dann links vor der Bühne mit seinen Leuten aus dem Camp.

Der Auftritt von Sagenbringer war richtig schön und episch. Die Jungs werden immer besser. Es standen auch echt viele Leute davor und wollten das sehen, obwohl es erst Nachmittag war.

Allein schon die Bühnendeko fand ich geil: Sie hatten eine Reihe so runde Kugellampen dort stehen, die waren bemalt mit dunklen Schlieren. Mit den bunten Glühbirnen, die drin waren, sah das toll aus, wenn es leuchtete. Dabei war das bestimmt gar nicht teuer! Die Lampen sahen aus wie so Gartenlampen aus dem Baumarkt, höchstens 20 € das Stück, und die Bemalung war bestimmt auch gar nicht schwierig. Das wär doch was zum Basteln für meine Ranch?

Da lief einer in der Menge rum, der war als Krieger gewandet. Ein Pfeil steckte in seinem Helm, direkt im Aug. Das sah unheimlich stylisch aus, und der Mann wurde andauernd fotografiert. Da drehte er sich immer her, und wahrscheinlich grinste er unter seine Maske - das macht man ja automatisch, wenn man fotografiert wird, nur kam in der Frontansicht der Pfeil gar nicht gut raus, weil den sah man dann kaum. Ich fotografierte den Recken drum heimlich von der Seite.

Es kamen nun Gernotshagen. Die gefallen mir nicht. Ich hatte sie letztes Jahr schon auf dem Break Out gesehen und war da recht enttäuscht gewesen. Ich schenkte mir den Gig und machte in der Zeit mal einen Spaziergang über den Campground. Der war ziemlich voll, diesmal waren ganz schön viele Wölfe gekommen - aber auch Ratten. Das war doch sogar ein Lupo? Eine kleine, grüne Lupo-Ratte?!

Ich fand überall Überreste von zusammengebrochenen Zelten und Pavillons.

Ich kam an Torstens Bus vorbei. Nebendran stand gestern noch ein Zelt mit zwei älteren Männern. Aus ihren Soundboxen spielten alte Hippie-Lieder, so Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Deep Purple und sowas. Als Torsten und seine Kids zu feiern anfingen, guckten die beiden Männer schon immer so komisch. Jetzt war das Zelt weg .

Ich lief bis zum Eingang ganz oben. Sogar hier standen noch Autos. Das Wolfszeit war also dieses Jahr recht gut besucht, kein Wunder, bei dem geilen LineUp. Oh, aber da war schon wieder ein Wetter im Anmarsch . Die Aussicht war ja klasse, diese dunkle, fette Wolke über der grünen Landschaft, also wirklich schön, eine Postkartenidylle. Allerdings wehte es bereits kleine Tröpfchen her, der Regen würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Da saß ich oben auf der Bank, wo schon 1930 der Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen verweilt war - stand zumindest auf einem Gedenkstein gemeißelt .

Ich machte mich lieber mal wieder runter zum Naglfar. Den ganzen Sommer über war ich eigentlich recht geizig auf den Festivals gewesen, nur hier auf dem Wolfszeit hatte ich bisher schon ganz schön Kohle verprasst. Ich musste mich aus dem Naglfar-Versteck bedienen, wo ich immer ein bisschen Geld gebunkert habe. Ja, sieh einer an: Hier ist ja auch meine Chili-Marmelade, die ich wegen Glasverbot darin versteckt hatte?! So gut versteckt, dass ich sie selber nicht mehr gefunden hatte .

Ich ging mal wieder rein aufs Infield, holte mir ein Bier und hockte mich rauf auf den Hügel in den Biergarten. Es war grad Umbau und sie spielten soeben Mr. Hurley mit dem Lied von ihrem Haifisch, im Refrain "f*ck die AfD". Am Nachbartisch saß ein Mädel, die das wohl triggerte, denn sie erzählte soeben ihrem Begleiter folgenden Alptraum, den sie hatte: Sie kam nach Hause und die Tür zu ihrer Wohnung stand offen. Sie musste feststellen, dass eingebrochen worden war und alles ausgeraubt worden war. Verzeifelt lief sie in ihrer Wohnung rum, da klopfte es an der noch offenen Tür. Ein Mann von der AfD stand draußen, mit blauem AfD-Pulli, und bot ihr seine Hilfe an.
Ja, was ist da jetzt "Traum", denn das ist leider einfach die Realität: Wir werden ausgepresst, geschröpft und ausgeraubt, und die AfD bietet dagegen Hilfe an. Wie lange willst du noch träumen, Mädel? Müssen dir die Räuber erst noch die Hütte anzünden?

Nun kamen Mittelalta. Die kannte ich nicht. Keiner von den Freunden kannte die, der Harry nicht, die Carmen nicht, Ralf nicht, Uwe nicht ... allerdings hatte mir irgendein Youngster erzählt, Mittelalta seien super, er sei bloß wegen denen hergekommen. Na, da wollte ich sie mir mal angucken. Nach Mittelalter sahen sie ja nun nicht aus . Sie hatte drei Sänger, und nun legten die los. Das hörte sich ja voll wie Rap an? Nee, also das war ja nun gar nicht meins. Da war ich ja noch im Nachhinein fast stolz, dass ich die nicht gekannt hatte.

Ich lief zurück ins Camp. Dort saßen schon die anderen, und so lästerten wir uns eins ab über Mittelalta.

Zu Obscurity waren wir dann wieder unten. Leider hatten Obscurity schon nach dem 2. Song technische Probleme, so dass der Gig unterbrochen werden musste. Der Sänger überbrückte die Zeit mit Ansagen und Sprüchen, aber das zog halt die Luft doch arg aus der Show.

Ich stieg hoch auf den Hügel und fotografierte von dort den legendären Wolfszeit-Sundowner.

King Kitty war jetzt endlich auch aufs Infield gekommen. Da stand er mit seiner königlichen Robe aus einem alten Hello-Kitty-Bettbezug, samt Dildo-Zepter und Beleuchtung in der Dämmerung.

Harry hatte gemeint, es gäbe um diese Zeit jetzt keine Kontrolle mehr und man könne sein Bier mit reinbringen. Doch, kontrolliert wurde schon noch, aber mein verstecktes Bier in der Kapuze vom Mittelaltermantel wurde nicht gefunden . Da saß ich in der Finsternis, eingekuschelt in meinen Mantel und wartete auf Belphegor.

Die gefielen mir dann wieder richtig gut. Die Show machte mich echt an, und ich stand verzückt da und träumte mir einen ab . Es war auch gut, dass Belphegor schon jetzt, um 21:40 spielten, und nicht als Headliner, weil da war ich wenigstens noch halbwegs munter.

Ich fand den Gig sehr schön, nur der Schluss war recht seltsam: Der (letzte) Song wurde leiser, war aber irgendwie noch nicht ganz zu Ende, denn es tönte noch ein immer leiser werdender Sound, die Musiker gingen einfach so von der Bühne - und dann war's aus . Ein Techniker kam und schaltete die Soundmaschine aus, Licht ging an, fertig. Es wurde also nicht mal richtig Applaus gegeben. Ich rief "Zugabe" und ein weiterer hinter mir ebenso, aber da ging nix mehr, die Show war zu Ende. Na, das war aber nun wirklich komisch . Ja, mei.

Als Headliner standen Ellende auf der Running Order, aber die gefallen mir nicht. Weiß nicht, ich kann einfach nichts anfangen mit denen, weder drauf moshen, noch drauf träumen, das ist nicht meins. Ich werde mal meinen Ellende-Patch von der Kutte entfernen und was anderes drauf nähen. So ging ich zum Naglfar. Harry kam mir auf dem Weg entgegen, hatte mich aber in der Finsternis nicht gesehen. Die Sterne standen am Himmel und funkelten, ich erkannte den großen Wagen. Voll romantisch!

Samstag, 22. August 2026

Wolfszeit am Freitag

Beim Kaffeekochen bemerkte ich, dass vor dem Naglfar ein hartes Ritterturnier ausgetragen wurde . Der Recke mit dem Plastikmorgenstern behielt die Oberhand, während der Krieger mit dem Gummischwert zu Boden ging. Der Kampf wurde im Weiteren unblutig entschieden und endete an der Taverne, die die Nachbarn da aufgebaut hatten.

Ich verweilte in meinem Schlachtschiff und frühstückte. Krass geile Mukke tönte da alsbald vom Infield rüber. Dieser Song war richtig gut! Wer spielt denn da? Ah: Morgarten. Sagten die mir was? Nö, nicht wirklich. Der nächste Song war noch besser, und so zog ich mich doch schnell an und ging da runter zur Bühne.

Als ich die Band da oben in ihren Mittelalterkutten sah, erkannte ich sie auch. Die hatte ich dieses Jahr schon in Geiselwind gesehen, war das auf dem Metal Franconia? Auf jeden Fall spielten die sehr geile Mukke und ich fing sogar gleich das Moshen an. Es hatte sich ein kleiner Circle Pit gebildet, zuerst aus drei, dann aus vier Buben, die da voller Energie lustig im Kreis hüpften.

Ich hörte mir den ganzen Gig an, der war richtig geil.

Anschließend ging ich hoch zum Merch und wollte mir eine CD kaufen. Tja, und jetzt wusste ich wieder nicht: Hatte ich schon eine CD von denen? Sie hatten zwei Alben, und beide Cover sagten mir nichts. Das kommt nur von dem blöden mp3-Zeug. Da ist alles als Datenpaket auf einem Stick, und ich habe meist keine Ahnung, wie der Song heißt, den ich grad hör, von wem er ist und schon gar nicht, von welchem Album, und drum weiß ich auch gar nicht, welches Album ich schon habe und welches noch nicht. Da beide CDs von Morgarten aber je nur 10 € kostete, kaufte ich einfach beide . Wenn ich eine schon habe, kriegt sie halt jemand geschenkt.

Ich ging wieder zurück ins Camp, denn es war ja erst früher Nachmittag. Da fand ich nun auch des Ralfs feine Bratwürstchen, hier lagen sie unter dem Naglfar. Schade um das Essen, weil diese vergorenen Teile fressen nicht mal mehr die Ranch-Füchse . Das andere Fresszeug, das Ralf sich gekauft hatte (diese Instant-Suppen) lagen genauso "frisch" daneben. Hatte der überhaupt schon was gegessen?

Jetzt fing es an zu regnen. Ich hockte noch beim Harry unter der Plane, verzog mich dann aber ins Auto, weil es wurde draußen sehr ungemütlich. Nornir, die ich als Nächstes sehen wollte, spielten erst um 18:30 Uhr. Was sollte ich bis dort hin machen? Ich stellte mir den Wecker auf 18:15, legte mich ins Bett und machte einen Power-Nap. Erstaunlich fit wachte ich nach dem Stündchen wieder auf, zog mir die Stiefel an und ging vor zum Infield.

Als ich zuhause gelesen hatte, dass Nornir auf der Running Order standen, suchte ich mein Nornir-Shirt. Ich fand es in der dreckigen Wäsche im Wäschekorb mit dicken Schweißrändern und ziemlich müffelnd . Bei der Wolfszeit-Planung letzten Samstag im Hof erzählte Ralf, er wollte noch seine Wäsche waschen, und da gab ich ihm mein Nornir-Shirt, dass er's doch mit-wusch. Am Dienstagabend ging ich noch schnell hoch auf den Dachboden: Da hatte Ralf seine Wäsche an die Leine gehängt, und da hing ja auch mein frisch gewaschenes Nornir-Shirt ! Ich nahms von der Leine und packte es gleich ein.

So ein Haufen Terz um ein Shirt, und da hatte ich es jetzt an, aber vor lauter Hoodie, Jacke und Regenmantel drüber sah man es gar nicht . Das Wetter war ziemlich desolat. Trotzdem lief ich runter auf die Area, stellte mich unter meinen Schirm da hin und guckte mir den ganzen Gig von Nornir an. Leider kann man natürlich so voll eingepackt nicht moshen, und mit dem Schirm in der Hand konnte ich nicht mal richtig klatschen. Der Gig war geil, aber mit Sonne und Bierdurst wär's natürlich viel geiler gewesen.

Ich ging anschließend mal rauf an den Merch und kaufte mir nun endlich auch mal eine CD von Nornir. Da oben auf den Bierbänken unter den großen Schirmen saßen Harry und Carmen, da setzte ich mich dazu. Harry übertreibt's jetzt aber schon: Er hatte sogar Handschuhe an! Na, sooo kalt war's nun aber auch wieder nicht . Es fror ihn, er wollte zurück ins Camp. "Kannst du meinen Schirm mitnehmen und einfach unters Auto schmeißen?" bat ich ihn, weil meine WetterApp hatte gemeldet, der Regen hörte bis 20 Uhr auf. Es tröpfelte auch nur noch mäßig und der Regenmantel würde reichen.

So guckte ich eine Weile Manegarm an. Da störte mich aber auch mein Regenmantel: Wenn man ins Schwitzen kommt, wird's darunter feucht, weil durch die Gummihaut kommt ja keine Luft. Also lief ich doch selber ins Camp, brachte meine Gummihaut zurück, gab mir ein Bier und kramte meinen Mittelaltermantel aus dem Schrank. In den konnte man sich so richtig schön einkuscheln, und das war dann wirklich warm . So lief ich wieder runter.

Ich holte mir ein paar Frühlingsrollen vom Asia-Stand, setzte mich auf die Bänke oben und futterte. Da waren sogar Heizpilze am Laufen! Also die Orga war echt super! Ganz großes Lob für alles: Die Dixis waren immer sauber, es waren auch genug am Platz, alle paar Meter welche, es waren neben den großen Bierzelten auch genug Sonnenschirme da, darunter ausreichend Bänke, sodass man halbwegs im Trockenen sitzen konnte, es waren sogar Heizpilze aufgestellt, und vorhin habe ich nach der heutigen Regennacht noch gehört, wie schwere Fahrzeuge vorn vorfuhren, LKW und Radlader, und wahrscheinlich tonnenweise Rindenmulch verteilt hatten (ich war noch nicht vorn, werd's später dann sehen).

Vor der Bühne in der ersten Reihe stand der Harry und wartete auf Varg. Die brauchten aber noch, ich wollte mich da jetzt nicht so lang noch hinstellen. Ich lief noch ein bisschen über den Platz und besuchte den Greimi an seinem Bierstand.

"Ein Bier, bitte" bestellte ich und unterhielt mich mit dem Manfred, der auch dort stand.

Jetzt kamen Varg, aber leider fing es fast zeitgleich zu schütten an, da blieb ich unter dem heimeligen Dach von Greimi's Bierstand. Es schüttete aber immer mehr, das Wasser tropfte am Rand vom Dach in fetten Strähnen runter. Von fern hörten wir also den Varg zu. Ich dachte an den armen Harry, der dort gerade in der ersten Reihe voll den Regen ab kriegte und wohl kaum raus kam, wie das in ersten Reihen halt immer so ist.

Als der Regen einmal leicht nachließ - aus dem Bierstand sah es aus, als hätte es fast aufgehört - lief ich vor an die Bühne. Unter meinem Mittelaltermantel war es warm und trocken, aber wenn man hier aus dem Finstern vor zu den beleuchteten Varg sah, konnte man die fetten Ströme erkennen, die es noch regnete. In kurzer Zeit würde auch der Mantel nass sein, da lief ich lieber wieder zurück an den Bierstand

Manfred war dann weg, Greimi war im Dienst, und als ich so alleine dort stand, quatschte mich natürlich gleich ein Kerl an.

Er erzählte mir, dass er seit Kurzem wieder Single sei, aber noch heftigen Sex mit seiner Ex hätte und besonders würde er lieben, wenn er zwischen den Ar*schbacken...
Ach, pfui Deifl! Auf Schleckerei kann ich ja sowieso nicht, da wird es mir echt schlecht. Ich find es so widerlich und entwürdigend für den Mann, wenn der seine Nase da unten wie ein dreckiger Köter umeinandersteckt, den kann ich ja überhaupt nicht mehr als Mensch respektieren, und mich graust's nur noch, weil man muss sich ja vorstellen: Ich soll den Kerl ja danach wieder küssen. Da könnt ich ja gleich die Kloschüssel austrinken, mir kommt's gleich HOCH . Ich schilderte meine Abscheu mit ekelverzogener Miene und vielen Wääähs und Kotzgeräuschen so anschaulich, dass dem Kerl dann auch gleich verging, mir noch weiter Einzelheiten zu erzählen .

Der Regen hatte nun aufgehört, und ich nutzte die Gelegenheit, zurück zum Camp zu laufen. Harry kam daher und wir rätselten rum, ob wir wieder runter sollten, um uns jetzt Taake anzuschaun. Ja, die würden mich nun schon sehr reizen, meinte ich, aber das Wetter war mir zu heikel, ich blieb mal lieber zuhause. Harry ging runter. Es dauerte noch ein paar Minuten, da kam der fetteste Wolkenbruch dieses Tages, und der Regen schüttete so hart gegen das Naglfar, dass ich dann später vor lauter Geprassel kaum schlafen konnte. Armer Harry!