Samstag, 14. März 2026

die schwarze Madonna im Wald bei Demling/Bach a.d.Donau

(Dieses ist ein archetypischer Bericht.)

Am Samstagabend würden in der Eventhalle Airport Angus McSix auftreten. Wenn ich denn eh schon da war...? Ich überlegte, dass ich mit dem Naglfar ja einfach stehen bleiben könnte und mir abends die (nächste) Vorstellung geben könnte, aber ich musste mir ja jetzt nicht gleich schon wieder das nächste Konzi reindrücken, denn ich hatte ja noch einen ganz anderen Plan für heute: die Ortschaft Demling, ab auf den Berg in den Wald und die Suche vom Januar fortsetzen nach der schwarzen Madonna.

Die Odyssee fing dieses Mal schon auf der Staatsstraße St2125 noch im Auto an, 7 km vor dem Ziel: "Fahren Sie gerade aus weiter und nehmen Sie die St2125." ...aber da stand jetzt mitten auf dieser St2125 eine Straßensperre mit einem Einfahrt-verboten-Schild: "Anlieger, Lieferdienste, forstwirtschaftlicher Verkehr frei". Naja, ein Anliegen hatte ich ja...? Ich fuhr um die Straßensperre herum und weiter mit meinem fetten Auto .
Es waren noch 2 km bis Demling, da war die Straße aufgerissen und nur noch die blanke Erde lag vor mir. Hm. Mit dem Röhrle wär ich durchgebrummt, aber mit dem fetten Naglfar? Dann lande ich nur wieder in einer Wiese und komm nimmer raus?

Da stand ich am Ende des Asphalts und guckte. Da hinten in der Ferne sah man PKW (die Anlieger, Lieferdienste und forstwirtschaftlichen Verkehre ), die eine schmale Feldstraße entlang schlichen. Kaum kam Gegenverkehr, stoppte einer und der andere quetschte sich mühselig an ihm vorbei. Nein, also, da brauch ich mit meinem nicht reinfahren . Ich drehte um und fuhr zurück. Ich würde den Berg einfach umfahren und von der anderen Seite kommen .

"Wenn möglich, bitte wenden."
Nein, ist nicht möglich.
"Fahren Sie die Nächste links, dann gleich wieder links, dann links..."
Nein.
"Nehmen Sie im Kreisverkehr die 4. Ausfahrt"
Nein.

Ich fuhr nach ca. 7 km rechts weg, in der Hoffnung, dort den Berg zu umfahren. Leider führte mich die Straße irgendwo in die Pampa, während das Navi noch immer Wendevorschläge ausspuckte.
"Etz nerv mi net!"
Ich hatte das Gefühl, die Stimme des Navi wurde dringlicher, richtig dominant - kann das sein?
"Na, dir geb ich's, jetzt fahr ich erst recht woanders hin!"

Nach einer Weile hatte ich wohl schon den 3. Berg nach Demling hinter mir. Es ergab sich aber keine Möglichkeit, nach rechts abzubiegen, um wieder auf die Spur zu kommen. Da klinkte sich das Navi ein: "Fahren Sie rechts" Ja, mach ich!

Ich kam also irgendwann endlich an die andere Seite von Demling, bei der die St2125 natürlich auch gesperrt war. Ich fuhr trotzdem rein, ignorierte alle Sackgassen- und Warnschilder - besonders die "keine Wendemöglichkeit"-Schilder - und kam tatsächlich bis nach Demling. Dort war Ende, Straße aufgerissen, da kam ich nicht weiter, aber ich konnte noch abbiegen und hier war "meine" Baustelle, in der ich auch im Januar schon geparkt hatte. So auch heute. Eigentlich ein schöner Platz, hier könnte man direkt mal campen (wenn man denn mal Zeit hätte, so in Rente, vielleicht, oder so)?

Ich sperrte das Naglfar ab und machte mich auf in den Wald. Die Karte mit allen Wegen hatte ich im Kopf, denn x-mal hatte ich mir google-maps reingezogen und alles genau abgecheckt. Also: 500 m die (aufgerissene) Straße entlang, dann 40 m Feldweg in den Wald, dann eine 90-Grad-Rechtskurve und wieder 500 m in die andere Richtung... ich lief. Hier war der Weg noch relativ gepflegt, jemand hatte sogar die umgestürzten Bäume abgesägt, um den Weg für den forstwirtschaftlichen Verkehr freizuhalten.

Die Aussicht ins Donau-Tal durch die noch entlaubten Baumkronen war gigantisch. Guckt mal: Da unten steht das Naglfar!

Der Wald war sehr urtümlich, die Wälder um Nürnberg sind viel klarer und steriler. In diesem Wald ist anscheinend ein Naturschutzgebiet und alles so belassen, wie es halt ist. Hierzu zählen auch die Zäune, die mit solchen Stiegen überklettert werden können. Von der Stiege waren 2 Sprossen gebrochen, aber ich kraxelte drüber.

Reihenweise fallen hier die Bäume um. Ist auch kein Wunder, wenn die Erde drunter so unterspült ist. Das stört aber anscheinend keinen. Naja, Wildsaugebiet .

Meinen Wegbeschreibungen gemäß musste ich jetzt da sein! Genau an dieser Biegung musste die schwarze Madonna stehen.
Da war aber nix .
Ich lief noch ein Stück weiter, fand nichts, lief wieder zurück, fand auch nichts. Es hatte keinen Sinn, ich startete google maps auf dem Handy.

Oh. Ich stand lt. google-maps direkt davor.
Es war hier aber nichts .
Erst in der Vergrößerung zeigte sich: Ich war knapp daneben. Die Madonna war noch ungefähr 10 m Luftlinie von mir entfernt. Ein Weg zu ihr war eingezeichnet, aber bitte, wo issn hier ein Weg? Genau an diesem Punkt stand ich, aber ich konnte hier keinen Weg erkennen.

Hilft nix, ich ging - wie auch im Januar - ohne Weg direkt in den Wald. Ich krabbelte die steile Steigung hoch, nahm bald einen Stecken zuhilfe so als Wanderstock, erinnerte mich an Pappa Dieters aktuellen Oberschenkelhalsbruch , hielt mich an Bäumen fest und überprüfte immer wieder meine Position auf google-maps: Ich näherte mich ihr. Hier musste gleich der Weg kommen, der zu ihr führte. Aber ich fand keinen Weg. Auf einem umgefallenen, moosbewachsenen Baum hockte ich mich erst mal hin und machte kurz Verschnaufpause.

...und da sah ich sie! Ein Stück weiter oben schimmerte etwas Seltsames durch die Bäume. Das musste es sein!

Mit ganz viel Fantasie kann man auch einen S-förmigen "Weg" dort hin erkennen, mehr ein abschüssiger Trampelpfad, ich hätte ihn bestenfalls für einen Tier-Pfad gehalten, wenn überhaupt für irgendwas. Den hätte ich ja ohne google-maps echt nie gefunden!

Ich krabbelte weiter und stand schließlich vor ihr.

Alter Schwede, wie kann man denn so ein Marterl mitten in den Wald stellen, erreichbar über Trampelpfade nur für Klettermaxen? Wozu? Warum?

Es ist ja wirklich ein faszinierender Ort, die moosbewachsenen Felsen in diesem naturbelassenen Wald voller umgestürzter Bäume, sowas Uriges, das hat Flair! Ich stand ganz ergriffen davor.

Erst mal das Analytische:
Meine "Ebenholz-Theorie" musste ich hiermit verwerfen. Diese Figur war nicht aus Ebenholz geschnitzt, sondern nur 2-dimensional, gemalt. So hat das Schwarze also wohl doch mehr Bedeutung als nur Materialeigenschaft.
Das Bild war hinter Glas. Im Hintergrund stand die Mittagssonne. Der Kontrast war extrem. Zudem spiegelte das Glas das Gegenüber, den sonnenerhellten Himmel. Ich zog meine (schwarze) Jacke aus und hing sie zuerst an den verkrüppelten Baum dahinter, dann über mich und mein Handy, um die spiegelnden Lichteinfälle zu dezimieren. So konnte ich sie halbwegs klar fotografieren.
Mir fiel auf, dass die Gesichter relativ fein gearbeitet waren. Die Kleidung, Kronen, Heiligenschein waren dagegen in groben Farbtupfen und Linien gezogen, es stand im Gegensatz zur feineren, malerischen Arbeit an dem Gesicht. Es wirkte, als hätte man ein altes Bild übermalt, nur das Gesicht im ursprünglichen Zustand belassen, und die Kleidung und Umgebung im Nachhinein mit groben Pinselstrichen nachgearbeitet.
Hierzu würde auch passen, dass das Gesicht der Himmelskönigin von Konturen aus Farb-Rissen von oben her überzogen ist, auch das Gesicht des Kindes in ähnlicher Weise. Hintergrund, Heiligenschein, Krone und Kleidung ist von den Rissen ausgenommen. Ja, ...als hätte man es übermalt, laienhaft restauriert.

Das Gesicht war dunkel und düster. Man konnte die Details darin kaum erkennen. Ich guckte noch genauer hin - und stellte fest: Mit jedem neuen Blick änderte sich der Gesichtsausdruck.
Erst sah sie aus als hätte sie die Augen geschlossen, teilnahmslos, als würde sie schlafen, wie eine Tote, jemanden, den es gar nicht (mehr) gibt, eine andere Welt... ist sie deswegen göttlich, weil es sie gar nicht (mehr) gibt? Ist das Nichtexistente das Göttliche, gerade weil es es nicht gibt, hervorgebracht aus meinem Ich, konstruktiviert ... und gerade deswegen gibt es sie, weil es sie nicht gibt - durch mich, den Betrachter. Schrödingers Madonna?
Ich guckte wieder hin: Die Augen waren doch offen! Sie sah mich an. Ein trotziger Zug lag um ihre Lippen und Kinn, wie einst meine eigene Mutter, abwertend, abweisend.
"Was passt dir an mir nicht, und was sollte sein, was möchtest du, was ich tue?" begann ich einen gedanklichen Dialog.
"Du könntest andere glücklich machen" vermeinte ich als Antwort zu empfangen.
Ich stockte. "Was habe ich davon? Die anderen interessieren mich nicht."
"Eine ehrliche Antwort" gestand sie mir zu.

Enttäuscht waren wir beide. Zeit meines Lebens suche ich nach der numinosen Figur, die mich bewertet, eine Aufgabe für mich hat, mir einen Weg aufzeigt und einen Sinn in meinem Leben. Das wär jetzt nun einer gewesen, nur: Er interessiert mich im Inhalt nicht.

Ich habe verstanden: Die selbstlos mütterlich-hütende Seele geht nun hin und macht andere glücklich. Es ist bereits ihr Weg das Ziel, denn sie freut sich an der Vorarbeit. Führt diese zu einem Ergebnis, die anderen erhielten einen Vorteil, eine Gabe, eine Hilfe, eine Erlösung, so beschriebe dies den Erfolg. Ihre Seele würde sich am Glück der Geholfenen erwärmen. Die Seligkeit wäre bei ihr, der mütterlichen Seele.
Nicht so bei mir, denn ich bin nicht mütterlich. Die anderen, der Weg, die Arbeit, das Resultat - interessieren mich nicht, es zählte für mich nur der Pluspunkt auf der Liste, den/die es aber nicht gibt.
Ich bin Narziss, und ich habe es satt, Göttern erklären zu müssen, was das ist.
Ich bin hier an der falschen Adresse. Weiterhin bin ich also auf der Suche, nach demjenigen, der mir diese Liste endlich bietet! Das "Leben" lasse ich dabei gerne aus, ist eh nicht mein Ding. Das liegt an meiner Persönlichkeit, aber diese ist halt nun mal so.

Hat hierzu noch jemand Fragen? *mit gezücktem Dolch provokativ in die Runde fauch*

Auch wenn nun das Ergebnis im Einzelnen eher enttäuschend ausfiel, war das Wesentliche doch, dass es überhaupt ein Ergebnis gab: Ja, ich habe etwas verstanden.

Ich lief den Berg wieder hinunter und erreichte schließlich das Naglfar. Ich schloss auf, stieg ein, setzte mich ans Steuer und startete. Würde ich mit dem Tank noch bis Nürnberg kommen? Bevor ich dann wieder auf der Autobahn rumsegelte und die nächstbeste Tankstelle anfahre, die sich bietet, sollte ich lieber in Regensburg tanken. Ich fuhr deswegen Richtung Innenstadt. Die Türme des Doms hoben sich aus dem Häusermeer. Sollte ich vielleicht noch bleiben, mir die Stadt anschaun?

Ich tankte an einer Avia-Tankstelle, fuhr auf die Autobahn und segelte heim nach Nürnberg. Dort stieg ich um aufs Röhrle, ging noch einkaufen, danach die Katzen füttern und fuhr über den Ring heim. In Nürnberg war grottenschlechtes Wetter, es regnete und war gefühlte 10 Grad kälter als in Regensburg.

Unantastbar, Eventhalle Airport

Die letzten drei Wochen war ich gar nicht fort, sondern ständig auf der Ranch, denn bevor Bäume und Büsche ausschlagen, war jetzt die letzte Chance, sie noch zu stutzen und das laublose Schnittgut dann auch gleich zu häckseln. Hinter dem Schuppen türmen sich Berge von Zweigen und Ästen, die ich jetzt so gern verhäckselt hätte, aber ich hatte leider keine Zeit, denn an diesem Wochenende war wieder ein Konzertausflug angesagt. Ich war erst gar nicht in Stimmung, denn - wie gesagt - ich hätte am liebsten gehäckselt und auch gleich mit dem Beetumstechen angefangen ... aber nein, ich hatte ein Ticket und "musste" nach Regensburg.

Ich fuhr also mit dem Röhrle zum Naglfar, stellte das Röhrle hin und fuhr mit dem Naglfar weiter auf die A3. Der Himmel war nicht wolkenlos, aber schön blau, die Sonne schien, es war recht mild, und ich segelte in die heimelige Opf (Oberpfalz). Der Weg war schon so schön, denn von der Autobahn aus sah man idyllische Ortschaften, Kirchen mit Zwiebeltürmchen, Burgen und Ruinen auf den Bergen. Mensch, wenn ich denn mal Zeit hab (Rente), dann mach ich da mal eine richtige Tour und guck mir diese schnuckelige Landschaft genauer an.

Ich kam nach Obertraubling, bog ab zur Eventhalle Airport und stellte mich auf dem Parkplatz ganz hinter in die letzte Reihe. Ich war noch zu früh dran und futterte erst mal das Sushi, das ich mir mitgebracht hatte. Dann zog ich mich um, stylte noch ein bisschen an den Haaren rum und lief vor zum Eingang. Der Parkplatz war mittlerweile voll und einige fuhren wieder raus, um draußen vielleicht noch was zu finden, während Neuankömmlinge reinfuhren; da war die schmale Zufahrt dicht und sie verstopften sich gegenseitig.

Eine richtig lange Schlange an Leuten stand da an. Ich hatte gar nicht geschaut, aber ich nehme an, die Veranstaltung war ausverkauft und so standen auch schon außen die Leute bis um die Kurve rum. Es ging nur langsam vorwärts, aber zum Glück war es ja auch gar nicht mehr kalt. Endlich war ich dann drin.

Der Merch in der Lobby war ok, ein Shirt kostete 30 €, aber ich kaufte nichts, weil ich hab schon zwei Shirts von Unantastbar, und die CDs hatte ich auch schon alle: Sie hatten immer noch kein neues Album draußen?

Eine Vorband hatten sie, aber die gefiel mir nicht. Naja, war halt nicht mein Geschmack. Die hatten zwar "Punk" und "Ska" auf ihrem Label stehen, waren mir aber trotzdem zu mau.

Zum ersten Mal hatte ich mein neues Handy im Einsatz. Ich bin recht begeistert von der Bildqualität und auch die Videos und Aufnahmen sind absolut gut - im Gegensatz zu meinem alten Handy, zumindest.

Ok, ich stand recht weit vorne, in der dritten Reihe, aber man kann auf den Bildern sogar die Tattoos vom Joggl noch richtig klar sehen. Ich filmte und fotografierte, aber schon wurde hinter mir gepogt wie der Teufel und ich wurde nur noch rumgeschubst. Ich steckte das Handy mal lieber in die Tasche, da flog mir was in den Rücken: Es war ein Crowdsurfer. Beinahe wär er auf den Boden gefallen und versuchte sich zu halten, wobei er um sich grapschte und sich dabei in meinen Ohrringen verhedderte, aua. Mit einem Ruck wurde er weitergegeben zum Security. Ich fingerte an meinem linken Ohr rum, es war nur noch 1 Ohrring drin. Die anderen drei waren rausgerissen, fort . Naja, Pech.

Eine Weile hielt ich es noch da vorne aus, aber dann wühlte ich mich lieber mal durch die Leute raus in Richtung Theke und suchte mir einen etwas ruhigeren Platz.

Oben auf der Tribüne fand ich noch ein bisschen Luft und hupfte und dancte dann da droben rum. Dann ging ich doch wieder runter und stand unten vor der Haupt-Bar.

Vor mir stand ein volltätowierter, glatzköpfiger, durchtrainierter Knotzen-Kerl mit einem jungen Mädchen, die wirkte noch ganz brav. Ich bekam mit, dass das seine Tochter war, als er sie ganz stolz einem Kumpel vorstellte. Immer wieder sehe ich das, dass Eltern ihre jugendlichen Kinder auf Konzis mitschleppen und die Jungen auch ganz offensichtlich in die Fußstapfen der Alten treten. Haben die denn gar keinen pubertären Trotz mehr? Eigentlich müssten sie doch Klassik oder Blasmusik hören, um gegen ihre Alten zu rebellieren? Also sowas! Na, an der Jugend von heutzutage geht noch mal die Welt unter....!

Unantastbar waren jetzt fertig, spielten aber noch eine Zugabe. Insgesamt war das eine sehr schöne Vorstellung, fand ich.

Als sich die Halle langsam leerte, ging ich vor an den Platz, wo ich zuerst gestanden war und suchte: tatsächlich! Da lag ein Ohrring! Das war einer von meinen . Er glänzte nicht mehr ganz so schön, hatte auch fette Kratzer, Unmengen Leute waren wohl auf ihm rumgetrampelt, aber er war noch ganz und der Verschluss ging auch noch. Die anderen beiden konnte ich aber nicht mehr finden.

Ich gab meinen Becher ab und ging raus auf den Parkplatz. Es war immer noch gar nicht kalt, im Naglfar hatte sich noch die warme Luft vom Tag gehalten. Da legte ich mich ab und schlief wunderbar. Ich träumte tatsächlich von den Katzen auf der Ranch...

Donnerstag, 12. März 2026

letzte Katzen-Falle-Aktion für diese Saison

Die vier Katzen und Kater haben die Kastration gut überstanden, alle sind wohlauf und springen schon wieder auf die Bäume hoch. Der rote Kater war erst mal beleidigt und tauchte 3 Tage nicht mehr auf, aber dann in der 4. Nacht fing ihn die Wildkamera wieder ein, da war er wieder. Den Schrecken hatte er wohl jetzt überwunden.

Eigentlich hatte ich mit dem Tierheim ausgemacht, am Montag auch noch das Lieschen zu fangen, aber telefonisch klappte die Absprache nicht. Ich erreichte erst nachmittags jemanden, da war der Tierarzt schon weg. Also vereinbarten wir, dass ich die Falle, die noch bei mir im Schuppen gebunkert war, am Mittwoch aufstelle und nach Möglichkeit das Lieschen dann mittwochnachmittags oder spätestens donnerstags in aller Früh dann ins Tierheim fahre.

Ausgerechnet am Mittwoch regnete es. Es gab sogar mittags ein Gewitter, es war schon ein richtiges Aprilwetter. Niemalsnicht wäre ich bei so einem Süff auf die Ranch gefahren, wie ungemütlich! Ich fuhr aber hin und stellte die Falle auf. Dann nahm ich die Gartenschere, ging hinter und schnipselte im Nieselregen blöd an den Büschen herum. Dazu hatte ich aber keine Ruhe und guckte immer wieder vor nach der Falle, ob sich dort was tat.

Da endlich sah ich von weitem: Das Lieschen ist drin!! ...aber die Falle löste nicht aus, die Klappe ging nicht zu . Das Lieschen hockte drin und fraß seelenruhig das Köderfutter. Als ich dazu kam, flüchtete sie aus der Falle raus und verschwand in der Dachluke vom Gartenhäuschen. Mist. Jetzt war sie satt. Ich checkte die Falle und tippte mit dem Finger auf das Trittbrett - zack - die Falle löste aus, die Klappe ging runter. War das Lieschen zu leicht?

Ich spannte die Falle neu, packte schließlich meinen Kram und ging heim, denn das Lieschen ließ sich nicht mehr blicken.

Heute früh fuhr ich ganz bald vor der Arbeit schon auf die Ranch, die Falle checken. Schon aus dem Auto sah ich: die Falle ist zu! Als ich ausstieg sah ich aber in der Dachluke das Lieschen sitzen und scheu rausgucken. Oh je, es war also schon mal nicht sie, die in der Falle hockte.

Ich lüftete die Decke, die über der Falle lag und vernahm dabei ein ganz kläglich verzweifeltes Miaaaoo: der rote Kater saß drin! Dabei hat die Tierheimfrau gesagt, sie seien nach so kurzer Zeit nicht so blöd und tappen da nochmal rein. Auf den Wildcams sah ich dann auch später, dass Nörchen und Noricus an der Falle schnüffelten und höchst interessiert waren an dem feinen Futter, das darin lag, sie sich aber nicht noch einmal da rein wagten. Nur der rote Kater, der Büffel, trampelte unbeirrt wieder rein. Da saß er nun .

Ich interpretierte nun folgende rührselige Geschichte: Der arme kastrierte Kater hatte vor 2 Wochen seine letzte Liebesnacht mit dem Lieschen. Das Lieschen ist jetzt nicht mehr rollig, also hat es wohl den Braten in der Röhre. Und der Kater wollte nun einfach seine letzte Nachkommenschaft retten, die in dem Lieschen wächst, stiefelte selber in die Falle, diese klappte zu, konnte das Lieschen nicht mehr fangen und die Brut in ihrem Bauch fällt damit nun nicht mehr der Kastration zum Opfer. Der rote Kater hat also seine Familie gerettet .

Ich belasse das jetzt dabei. Das Schicksal hat entschieden, dass die Lieschen-Babys leben sollen.

Es ist sowieso so eine never-ending-Story, denn genau heute Nacht, als der Kater noch in der Falle saß, schlich sich ein neuer Kater dazu, ein Schwarzer, entdeckte den Roten in der Falle, baute sich vor der Falle auf und provozierte den Roten. Also ist der nächste potente Kandidat auf der Ranch, ich werd ja nicht mehr fertig mit fremde-Streunerkatzen-kastrieren-lassen . Nein, der ganze Aufwand und Stress macht soeben keinen Sinn mehr, und mir reichts jetzt auch, denn ich hab ja auch noch ein paar andere Baustellen in meinem Leben.

Mittwoch, 4. März 2026

Operation gelungen

...und so schlug ich dann am Dienstagmorgen eine ganz andere Richtung ein als die zur Arbeit und fuhr in aller Herrteufelsfrüh durch die Stadt auf die Ranch.

Dort war's erstaunlich frisch, huch, bitterlichst kalt war's, das war ich gar nicht mehr gewohnt.


Nörchens und Noricus' Mutter, die schwarze Katze Nora kam aus dem Gebüsch, war ganz erstaunt. So früh war ich hier noch nie aufgetaucht! Hast du wenigstens was zu fressen dabei?

Ich inspizierte sofort die Fallen: Falle 1 war leer, Falle 2 auch. Aber in Falle 3 saß jemand drin: der stramme Kater! Das erste Mal sah ich ihn in real live, bisher hatte ich ihn immer nur auf den Wildcam-Videos beobachten können. Deiffi, ist der süß! So ein putziges Wutzel! Die schöne rostrote Farbe und dazu die Bernsteinaugen, was für ein hübscher Kerl! Das Lieschen hat Geschmack, doch .

Über die Fallen hatten wir Decken ausgebreitet, und auf der Decke klebte der Rauhreif, brrr, armer Kater. Er hatte sich unter dem abgedeckten Teil ganz klein gemacht und war anscheinend wie gelähmt vor lauter Schreck. Als ich die Falle anhob, randalierte er kurz. Die Falle war nicht ganz so groß und ich kriegte sie quer ins Röhrle.

Mir fiel ein, dass dieser Kater erst vor ungefähr 4 Wochen auf der Ranch aufgetaucht war. Vielleicht gehörte er ja wem? Ich hatte noch gar nicht nachgeschaut, ob er nicht bei Tasso oder sonstwo als vermisst gemeldet war? Am Ende kommt er wieder heim und hat auf einmal keine Eier mehr?!

Allemal fuhr ich die Falle mit dem Kater dann bis um 8 Uhr ins Tierheim. Ein Angestellter stellte sie in den Raum, in dem schon die 3 anderen Fallen seit gestern standen mit den Katzen. Jetzt waren sie wieder alle beisammen.

Nur das Lieschen fehlte. Das Lieschen war in keine Falle getappt. Das Lieschen ist zu scheu. Ich sah dann später auf den Videos der Wildcams, wie es in der Nacht überall nach Futter suchte und die Fallen beschnüffelte, aber rein gehen traute es sich nicht.

Naja, nun waren sie alle im Wartezimmer und ich fuhr erst mal in die Arbeit. Nach Feierabend verabredete ich mich mit der Tierheim-Frau wieder auf der Ranch. Da fuhr endlich das große Tierheim-Auto rein auf den Parkplatz und die Frau lud die Fallen aus, in denen die kastrierten Helden hockten. Ungeduldig waren sie geworden, rempelten schon gegen das Gitter. "Man kann sie nicht mehr länger in dem engen Käfig lassen" sagte die Frau, denn ich machte mir Sorgen: Man kann doch auch nicht die frisch operierten Katzen in die Wildnis jagen?! Aber es blieb uns ja nichts anderes übrig .

Also öffneten wir die Klappen. Einen Augenblick brauchten sie, bis sie checkten, dass offen war, aber dann stachen sie wie die Raketen raus. Das Lottchen sprang sofort die Leiter hoch in den Dachboden vom Gartenhäuschen und auch der Kater schlug gleich einen Haken und sprang hinterher, die Leiter fiel fast um, so einen Karacho hatte er drauf. Da waren sie oben verschwunden und tauchten nicht mehr auf.

Nörchen und Noricus ließen wir ein Stück weiter hinten laufen, nicht dass die auch in den Dachboden flüchteten und es dann da oben vielleicht auch noch einen Katzencatch gab. Sie rannten sofort ins Gebüsch - fort waren sie.

Das Lieschen tauchte dann in der Dachboden-Luke auf und guckte ganz cool runter als wollte es seinen Mitbewohnern sagen: "keine Panik, ich lass hier keinen rein!" Es hatte wohl noch nicht entdeckt, dass ihrem Liebsten ein ganz wesentliches Teil fehlt .

Am nächsten Montag versuch ich's nochmal mit einer Falle, dass vielleicht das Lieschen doch noch reintappt (der Tierarzt ist immer nur am Dienstag da). Das Schicksal wird entscheiden: Tappt sie in die Falle, dann wird sie kastriert. Bleibt sie draußen, dann war's das für dieses Mal, denn die Trächtigkeit ist dann schon zu weit fortgeschritten. Mei, dann kommen halt die Kleinen und ich fang in einem halben Jahr nochmal an mit der Aktion.