Letzten Sonntag wäre ich eigentlich noch gern unterwegs geblieben, vielleicht noch in die Fränkische, aber am Samstagnachmittag bekam ich Zahnweh, rechts unten. Mein letzter, schwer geschädigter Backenzahn, von dem schon seit Jahren prophezeit wird: wenn er anfängt zu zicken, muss er raus. Das Zahnweh war nicht arg schlimm, es war auszuhalten, aber doch unangenehm genug, dass ich lieber mal heim fuhr. Am Donnerstag hatte ich nun einen Zahnarzttermin. "Wir probieren es noch einmal konservativ" sagte der Zahnarzt und spritzte irgendso ein Mittel in die "Tasche" bis runter zum Knochen, auuuu, tat das weh, jaul. Danach tat es noch 2 Stunden weh, dann wurde es leichter. Auch die geschwollene Backe beruhigte sich etwas. Gut war's aber nicht. Der Zahn wackelt und ich kann auf der linken Seite nimmer kauen und überhaupt regt mich das auf, der muss raus, möglichst noch vor dem Rock Harz, am besten sofort. Der Zahnarzt ist grad leider eine Woche im Urlaub, aber für übernächste Woche hab ich einen Termin, 1 Tag vor dem Feuertanz. Auch wurscht, raus mit dem Unhold!
Das versaut mir merklich die Laune. Für dieses Wochenende hatte ich drum auch nix allzu Tolles geplant und so ließ ich mir noch vor wenigen Tagen erst ein Ticket hinterlegen für das Pain & Gain in Zirndorf. Dorthin fuhr ich mit den Öffis, dem Bus. Dabei stellte ich fest, dass sich Nürnberg schon an Leipzig angepasst hat, nämlich zumindest in den Preisen: Unser 4er-Ticket kostet nun auch schon 14,60 € . Von der Haltestelle in Zirndorf musste ich noch ein paar Hundert Meter laufen, dann kam ich an den Sportplatz mit dem Vereinshaus, wo das Konzert stattfand.
Beginn war schon um 15 Uhr, da war ich natürlich noch zuhause beim Frühstücken und verpasste drum die erste Band. Als ich nun endlich dort war, stellte ich mich erst mal an der beachtlich langen Schlange am Bierausschank an. Es dauerte eine Weile bis ich dann endlich mal was zu trinken hatte und raus auf die Terrasse lief, wo eine Menge Leute saßen, die ich kannte. Der Klaus war sogar mit seinem "Mockerla" gekommen, sein Wohnmobil, das er eigens dazu extra aus Erlangen geholt hatte. Also nein, bei aller Liebe! Diese Location ist nur 8 km von mir zuhause entfernt, da könnt ich ja zur Not sogar noch heimlaufen, da kommt ja gar kein richtiges Reisefeeling auf, wenn ich da extra mit dem Naglfar her käm.
Ich ging dann mal in den Saal und hörte mir die Vorstellung an. Es war schwül und heiß, aber noch ging es drinnen, weil auch noch die meisten Leute außen herumdümpelten.
Da kamen nun interessante Buben auf die Bühne. Gewandet waren sie in Trachtenjacken und Tirolerhut, ordentlich kurzgeschoren, fein frisiert ... was sind denn nun das für Typen? Aber dann legten sie los und irritierten mein Empfinden noch mehr: astreiner Death-Metal!
Ich konnte zuerst gar nicht hinschaun! Das ist ja wie wenn man einen feinen Kuchen mit Lebensmittelfarbe Lila einfärbt! Das Auge hört doch mit?! Fasziniert stand ich im Publikum und lauschte. Dann guckte ich rauf auf die Bühne. Dann guckte ich wieder weg: gibt's doch nicht?! Ich vermutete ja, dass sie auch noch deutsche Texte hatten, aber leider verstand man die Lyrics natürlich nicht *growl, gröl, brüll*.
Jetzt sitz ich zuhause, schreib Bericht und ärger mich, dass ich mir nicht wenigstens einen Patch gekauft habe, warum denn nicht? Sch*** Geiz-Trip, auf dem ich da bin. Seit Neuestem lauf ich schon von vorn herein mit dem Gedanken "es wird nix gekauft!" in die Konzis, was ich dann tatsächlich auch meistens durchzieh. Naja.
Nach dem Gig ging ich raus und setzte mich zu Freunden an den Tisch, laberte und lachte, holte mir noch ein Bier und auf diese Weise verpasste ich die nächste Band. Bei der übernächsten stand ich dann aber wieder drinnen auf der Matte: AnomiC, eine Band aus den Niederlanden. Es waren allerdings keine Holländer, sondern - wie ich grad online suchte - Syrer. Das erste Mal, dass ich angenehme Syrer sehe! Ein denkwürdiger Augenblick, denn der Anteil an Metal-Musikern und -Bands aus der islamischen Welt ist ja doch sehr, sehr gering. Musikalisch sind sie mir nun nicht so aufgefallen, aber der gigantische Bart von diesem Frontmann beeindruckte mich durchaus. Naja, die haben halt einfach in jeder Hinsicht mehr Testosteron als die Kerle hierzulande.
Ich hatte mir nun tatsächlich getraut, etwas zu futtern zu kaufen. Die Sportgaststätte ist nämlich von einem Chinesen gepachtet und es gibt dort leckeres China-Essen. Ich wollte schon lang wieder mal Chinesisch, konnte aber derzeit nun nicht wirklich beißen. Was gabs denn? Hühnchen oder Ente mit Gemüse - zu hart . Aber da: gebratene Nudeln! Die sind einen Versuch wert, also bestellte ich mir eine Portion. Da saß ich außen und ziepfte an meinen Nudeln rum. Nein, Essen machte keinen Spaß
.
Meine Backe tat nicht wirklich gut, au. Also bestellte ich mir auch noch ein Eis. Das war prima! Ich schnullte also so mein Eis, das meinen Zahn kühlte, und hörte dabei den Totenlegion zu, die jetzt spielten.
Danach kamen Eisregen. Leider war es mittlerweile so derartig schwül und stickig in dem Saal geworden, man hielt's nicht aus. Sie hatten zwar oben an jeder Seite 3 große Ventilatoren auf Volldampf laufen, aber sie durften wegen der Anwohner und dem "Lärm" kein Fenster aufmachen und so bliesen die Ventilatoren eigentlich nur die heiße Luft von vorn nach hinten und zurück. Ich hatte einen Fächer dabei und fächelte herum, aber das hatte nur denselben Effekt, Drecksluftumwälzer.
Zudem hatte ich mich anfangs ziemlich weit vor gestellt und dort auch den ein oder anderen Mosher gewagt, ein bisschen nur getanzt, und war hoffnungslos durchgeschwitzt. Ich ging lieber wieder nach hinten in Richtung der halb offenen Tür, aber das war dort wie eine Grenze: Innerhalb der Schwelle war es brütend heiß, außen merklich lüftiger. Also stellte ich mich raus und guckte von außen zu. Das ist dann stimmungsmäßig natürlich auch nicht so der Burner .
Also für nächstes Jahr schlage ich echt dort eine Belüftungsanlage vor! Nur irgendein dickes Rohr, das von außen Frischluft nach innen bläst, kann doch nicht allzu teuer sein? Mit entsprechendem Aufpreis wär ich einverstanden, weil das hältst ja da drin nicht aus, und die Band da oben tat mir grad gescheit Leid. Wär eigentlich ein schönes Konzi gewesen, aber die Leute verließen Stück für Stück den Saal, bevor sie noch umfallen würden.
Auch ich lief raus auf die Terrasse und fand dort diesen wunderschönen Vollmond vor. Ein wenig saß ich dort noch rum und lauschte von außen, aber dann machte ich mich doch auf den Heimweg zur Bushaltestelle. Das Konzert wäre anwohnertechnisch eh nur bis 23:30 gegangen, also nimmer lang.






























