Gegen Mittag wurde ich wach, denn es war warm geworden im Naglfar. Die Sonne schien, und ich öffnete das Schlafzimmer-Fenster, es war richtig mild. Tap tap tap machte es auf dem Dach. Das waren die Tauben und Krähen, die mir zum Dank für die gestrige Fütterung nun das Dach voll-schissen . Da waren wir gleich beim Thema: Einlass war erst um 14 Uhr und vorher war noch kein Klo erreichbar. Ich machte mir trotzdem einen Kaffee - und noch einen Kaffee und noch einen - und stellte fest: Der Bierschiss bleibt aus, wenn man zum Kaffee diese isotonische Limo trinkt, die ich mir neulich beim Lidl gekauft hab. Klasse, davon kauf ich die Woche dann gleich ein weiteres Gebinde
. Ich frühstückte und tippte meinen Blogbericht auf dem Laptop. Langsam wurde es echt warm im Auto, ich machte mal das Fenster auf. Zum ersten Mal in diesem Jahr schwitzte ich - welch befremdliches Gefühl nach der langen Winterpause.
Zu Enthroned kam ich dann endlich ins "Werk". Eine Weile hörte ich zu, aber dann guckte ich mal weiter, was es heute sonst noch so gab. Mensch, es war richtig schön hier: ein Volksfest nur für Metaler. Es gab Verkaufsstände, Fressbuden, Tische und Biergärtchen, hier ne Bar und dort ne Bar und überall Metaler.
Ich kam dann durch irgendeinen Eingang wieder in den "Club", da war es natürlich wieder brechend voll. In der "Halle" nebenan ging's noch - den örtlichen Umständen gemessen - es war noch Platz für mich und so guckte ich mir eine Weile Decembre noir an.
5 Minuten nach deren Gig stand ich im "Werk", denn da spielte nun eine meiner absoluten Lieblingsbands: Thyrfing. Die letzte Gelegenheit, wo ich Thyrfing hätte sehen können, war das Rock Harz letztes Jahr. Aber an dem Tag war es dann so heiß, dass ich es bei der Hitze nicht runter auf den Platz schaffte und sie leider verpasste. Drum stand ich jetzt ganz vorne auf der Matte. Das "Werk" war gar nicht voll geworden, also da war noch viel Luft zwischen den Leuten. Das verstehe ich nicht, weil Thyrfing ist sooo eine geile Band, und da gibt es Leute, die das nicht sehen wollen? Ich moshte jedenfalls, und dancte mir einen ab.
Ach mei, in den Gitarristen könnt ich mich auf Anhieb verknallen, so ein stylischer Kerl *schmacht*! Überhaupt lief da auch im Publikum der ein oder andere hübsche, ältere Mann rum, teils richtig schnuckelig, hui. Aber dann...? Was machert' ich dann mit ihm? Leider hab ich für einen Mann halt einfach keine Verwendung, er würde mich - ganz wie ein Haustier, Hund oder Katze - einfach in meinem Leben nur ausbremsen, man müsst sich ständig nach ihm richten, dann wollt er wohl wieder das nicht und dies nicht, was ich wollte, nein, ich schaff mir keinen Ballast an. Naja, da ich ja eh keinen will, kann ich mir wenigstens mal raussuchen, wen genau ich jetzt nicht will . Ja, zum Beispiel den Gitarristen von Thyrfing.
Schon einmal gab's ein Konzert von 1914 auf einem Festival, wo ich war, aber es war zu der Zeit als in der Ukraine der Krieg ausbrach. In letzter Minute vor der Bühne erfuhren wir: 1914 durften nicht ausreisen, die Ukraine nicht verlassen und mussten ihren Auftritt damals wieder absagen. Hier auf dem Dark Easter standen sie nun wieder auf dem Programm und waren heute - nach Thyrfing - eine der Bands, die ich unbedingt sehen wollte. Ich stand vom Anfang an ganz vorn an der linken Seite.
Der Gig begann mit einer Aufnahme der deutschen Nationalhymne von einer alten Schallplatte mit den typischen Kratzern und dem Sound vom Anfang letzten Jahrhunderts als Intro. Ein Chor schmetterte mit solcher Inbrunst die Hymne daher, mir lief es eiskalt den Rücken runter, und die Gänsehaut stellte sich mir auf - nicht nur an den Armen, sondern echt am ganzen Körper. Also das hat echt was, ich war schwer getriggert! Was die damals für eine Stimmung rüber brachten, wow!? Die Platte kratzte und schrubbte, aber man hörte richtig die seelische Kraft, die die Menschen damals für idealistische Sachen wie die Liebe zum Heimatland noch haben durften .. oder mussten, hm hm. Jetzt bloß nicht die rechte Hand heben ! Egal welche Zeichen es zu zeigen gab, Faust, Pommesgabel ... nur bloß nicht mit der rechten Hand! Ich nahm gleich meinen Bierbecher in die Rechte, dass ich sie nur nicht versehentlich hob
.
Im Hintergrund lief ein Video mit Ausschnitten aus zeitgenössischen Berichten und Propagandafilmen vom WK I, Soldaten marschierten, Pferde zogen Kanonen und eine Art Panzer rollte über den Schützengraben. Ich glotzte ganz hypnotisiert auf den Film.
Normalerweise kann ich Politik auf Konzerten nicht leiden, aber es gibt Ausnahmen. Bei 1914 störte es mich nun gar nicht, dass sie auf die "bösen Russen" schimpften, das sind immerhin gerade ihre direkten Kriegsfeinde, und dass sie eine politische Ansprache hielten, von der ich sowieso die Hälfte nicht verstand. Es jubelten nicht alle Zuschauer, fiel mir auf, der Zuspruch war gar nicht so deutlich, wie man in so einer woken Location meinen sollte. Heff kam mit verärgertem Gesicht aus dem Publikum gelaufen: "Die sollen Musik machen und ansonsten das Maul halten!" schimpfte er und ging.
Sie machten dann auch ordentlich Musik. Der Gig gefiel mir gut, ich blieb bis zum Ende ganz fasziniert, besonders von dem Hintergrundfilm.
Jetzt waren sie fertig und ich ging mal an die Theke und holte mir ein zweites Bier. "Was ist das in deinem Becher, was leuchtet da?" fragte mich die Barfrau. "Na, ich hab doch vorhin bei dir ein Blink-Bier bestellt, und du hast es mir gegeben, weißt du nimmer?" erklärte ich todernst. Die sah mich an wie a Achala, wenn's blitzt . "Nein, Flax, ich hab extra ein Lämpchen rein, da guck
." Drei Lämpchen hatte ich noch übrig, die schenkte ich der Thekenfrau.
Ich wollte mal wieder raus, frische Luft schnappen, aber sieh an: Es regnete . Da verkroch ich mich mal in die "Halle", was dort lief. Im "Club" sah es aber nicht so voll aus, also ging ich da mal rüber: Wer spielt denn da? Eine Weile blieb ich dort. Dann aber wieder rüber ins "Werk" zur Hauptbühne!
Da kamen jetzt Triptykon auf die Bühne. Es ist ein Projekt vom Sänger von Celtic Frost, drum gab's am Merch sogar Celtic-Frost-Shirts zu kaufen. Aber ich hab schon eins, ein altes, ein originales, echt aus den 80er Jahren, eins meiner ersten Band-Shirts. Es ist immer noch schwarz, der Aufdruck ist immer noch lesbar, und es ist immer noch nicht verzogen oder verdreht, nicht einmal am Rand ausgefranst. Wir haben dieses Qualität damals gar nicht wertgeschätzt, sondern für selbstverständlich gehalten .
Da stand nun dieser alte Mann auf der Bühne. Ja gut, er wär wohl auch lieber jünger, aber er wirkte auch so alt und verschlafen. Er hielt eine Ansprache nach der anderen und erzählte dabei stets von Celtic Frost und von früher, welchen Song er 1988 gemacht hatte und welcher Produzent dabei war, der mittlerweile leider schon gestorben ist, aber nie in Vergessenheit geraten wird, und hier nun der nächste Song drauf: dooooooom .
Das gefiel mir nicht. Das zog ja richtig jegliche Stimmung raus. Da war ja der Soundcheck besser als der Gig .
Nein, ich ging und guckte mal, was in "Halle" und "Club" grad lief. Machen wir mal ein Foto, Handy raus...
Auf meinem Handy waren Nachrichten. Renate hatte erfolglos versucht, mich zu erreichen, erst 5 Minuten her, um fast Mitternacht am Ostersonntag. In einem WhatsApp schrieb sie, dass bei ihr gerade das Wasser von der Decke tropfte. Ich ging gleich raus aus dem "Club" und rief zurück. Also es war so, dass Flo eine Etage drüber ja gestern seine neue Küche geliefert bekommen hatte und es beim Einbau Probleme mit dem Wasseranschluss gegeben hatte mit dem Resultat, dass das Wasser nun bei Renate in der Wohnung drunter an der Decke herunterlief. Argh, ich hasse es! Da hast echt nirgendwo und niemals wirklich dei Ruh!
Nach einigem Hin und Her kam Flo nun aber anscheinend um Mitternacht nach Hause, sie konnten sich daheim in Nürnberg also so weit selber helfen, dass Flo dann das Wasser bei sich abstellte, und ich mich dann morgen bzw. kommende Woche, wenn ich aus München zurück war, drum kümmern würde ... bevor ich dann zwei Tage später, kommenden Mittwochnachmittag, nach Lichtenfels aufs Ragnarök fahre .
Immerhin war ich dadurch nun so aufgekratzt, dass ich gar nicht müd war, sondern mir tatsächlich auch noch Grave im "Werk" anschaute. Na, sieh an, ich hab mal wirklich das ganze Programm mitgenommen !
Naja, nicht ganz "ganz", weil auf der Hälfte von Grave ging ich dann doch heim ins Naglfar. Es hatte geregnet, aber es war gar nicht kalt. Aus dem Bett machte ich noch dieses gemütliche Foto, das ist doch richtig heimelig, nä .





















