Mittwoch, 1. Juli 2026

Rock Harz, Anfahrt am Dienstag

Ich war ziemlich ausgepowert von den ganzen Actions der letzten Zeit - das Zahnweh seit dem WGT mit der äußerst schmerzhaften Behandlung zum Schluss (aua!), das Drama mit den Füchsen und den kleinen Katzen und die übereilte Rettungs- und Kastrationsaktion vom letzten Wochenende, kurz vor ultimo dann noch Planungstreff mit meinem Franken-Festival-Team, anschließend der Betriebsausflug und dann auf dem letzten Drücker noch das Naglfar durch den TÜV schieben, bevor es jetzt am Dienstag zum Rock Harz ging. "Das schaffert ich nimmer" meinte die Renate, als ich ihr meine Zimmerpflanzen in den Hof stellte zum Gießen, wenn ich jetzt 2 Wochen unterwegs sein würde. "Ich auch nicht" antwortete ich, "aber das Leben fragt ja nicht danach ." Dann hatte ich noch die Katzenverpflegung auf der Ranch meiner Schwester überlassen, die Wassertonnen vom Brunnen aus vollgepumpt (das ist auch immer so ne Aktion, ich mach das äußerst ungern: Kabel zum Brunnen ziehen, Pumpe anschmeißen, pumpt wieder nix, Stöpsel an der Pumpe aufpfriemeln, mit der kleinen Gießkanne 2 Liter Wasser rein gießen, Pumpe nochmal anschmeißen, gehts?, ja! zum Glück - schnell hinter rennen zur Wellblechhütte, dort den Wasserhahn aufdrehen, Wasser schießt raus, Eimer voll machen und auf Tonnen und Wannen verteilen, was für ein Geschleppe, aber an dem blöden Wasserhahn da hinten kann man keinen Schlauch festmachen) damit die Sis auch ein bisschen gießen konnte.

Ich fuhr das Naglfar am Montagnachmittag vor meine Haustür, auch wenn ich keinen zweiten Anwohner-Parkausweis hatte, aber ich stellte mich sowieso direkt vors Haus ins Halteverbot, also krieg ich sowieso ein Knöllchen, wenn "sie" kämen. Es kam aber keiner . Dienstagfrüh um 9 Uhr fuhr ich 3 Straßen weiter und holte dort den Robert ab. Dann ging's mal erst zum Thomas nach hinter-Bamberg, denn dort war um 11 großer Treffpunkt.

Das Naglfar hatte letzte Woche noch einen großen (teuren) Service-Check verpasst gekriegt, also blieb ich diesmal wohl hoffentlich von Pannen verschont.

Als "Schwächster" war ich das erste Auto und führte die Kolonne im LKW-Style. Diesmal hatte ich ja zum Glück einen Beifahrer, weil alleine ist mir das echt zu stressig: auf den Verkehr achten, auf die Route achten, auf die 3 Autos hinter mir achten, dass sie auch alle noch da sind und keiner die Warnblinke raus haut, weil er auf Pipi muss, und dann auch noch angerufen werden und rumtelefonieren, an welcher Raststätte jemand tanken will und dass wir am nächsten Supermarkt noch einkaufen müssen, weil jemand was vergessen hatte. Dafür hatte ich jetzt den Robert, der die Verantwortung für die Route und den ganzen Krimskrams übernahm .

Rennsteigtunnel, da war ich doch erst vor ein paar Tagen, und hier: Erfurt! Da war ich ja auch erst !

Mein Navi meldete wieder - genau wie letztes Jahr - die A 71 sei gesperrt und berechnete eine alternative Route, aber nein, da fall ich nicht nochmal drauf rein . Wir kamen problemlos durch und fuhren schließlich irgendwo bei Sangerhausen von der Autobahn ab. Hier rief der verzweifelte Thomas an: er hatte für die Pizza den Käse zuhause vergessen. Na, das geht ja gar nicht, wir müssen zurück . Nein, Flax, also ich hatte ein Päckchen Käse dabei, aber halt nur 1 Päckchen, was ist da drin: 200 gr? Also fuhren wir beim nächsten Supermarkt raus zum Einkaufen.

Danach war es gar nimmer weit und wir kamen völlig ohne Anreisestau bis nach Ballenstedt und durch. Erst kurz vor der Biogasanlage staute sich was von der anderen Richtung: lauter weiße Autos, das sind bestimmt die für den reservierten Wohnmobilplatz. So war es dann auch, die fuhren alle rechts weg und wir kamen mit nur ganz kurzem Stäuchen an den Einlass. Super Orga, ganz großes Lob!

Rechts vom Eingang lag der Presseparkplatz und löste in mir ein Trauma vom letzten Jahr, aber ich fuhr einfach vorbei ! Nein diesmal musste mich nicht der ADAC dort hin schleppen. Links vom Eingang sah ich aber über einem großen Haufen Köffern und Gepäck zwei voll gestresste Leute hocken, Mensch, das waren doch Anja und Sven! "Wir sind am Ende, wir können nimmer!" riefen die beiden, aber ich konnte nicht halten oder das Gepäck mitnehmen, denn das Naglfar war bereits voll beladen. Schon fingen die Secus an, ärgerlich zu winken, weiter, weiter, hinten hupte schon einer. Also fuhr ich weiter mit meinen 3 Followers.

Wir kriegten einen super Platz! Wir kamen auf "H" zum Stehen, dort winkten sie uns ein. Das war wirklich ein klasse Platz, ebene Erde, keine Hanglage und gar nicht weit vom Eingang weg, super . Raus aus den Autos und Camp aufgebaut! Ich schmiss alles Gepäck der Freunde aus dem Naglfar. Als der Laderaum so weit leer war, konnte ich den Bollerwagen rausziehen und lief damit schnell wieder zurück an den Eingang, wo noch immer Anja und Sven über ihren Köffern dümpelten. Auf was warteten die eigentlich? Zwei so billige, ausklappbare Einkaufskarren mit Plastikrädchen hatten sie mit ihrem schweren Gepäck beladen, bei der einen Karre war vorn bereits ein Rad gebrochen. Also dass sie überhaupt so weit gekommen waren?! Wie wär's nächstes Mal mit einer gescheiten, massiven Sackkarre vom Baumarkt? Also luden die beiden einen Teil um auf den Bollerwagen, der wurde ganz voll (nicht mehr als 60 kg, bitte!) und die beiden Karren waren immer noch so schwer, dass man sie kaum ziehen konnten. "Wo müssen wir denn jetzt hin?" fragte ich. Irgendwo auf "R" und dorthin zogen und schoben wir. Am Eingang zu "R" verließ ich die beiden, die warteten dort dann auf Helfer aus ihrem Team.

Wenn ich schon da war, lief ich gleich außen rum und ging zur Bändchenausgabe. Am Merch stand schon eine fette Schlange an, aber bei den Bändchen kam man ratzfatz durch . Mit dem Bändchen bestückt lief ich zurück in mein Camp. Wir grillten erst mal eins auf und stachen die Fässer an.

Dann wollten wir aber mal runter schauen zum Mutantenstadl. "Was für ein Mutantenstadl?" fragte einer. Na, da ist doch immer die Warm-up-Party! Naja, da ging's natürlich schon gut ab.

Der Robert gab sich gleich einen Maßkrug, und mir gab er ein Bier aus. Da saßen wir bei guter Mukke im Biergarten und erfreuten uns des Lebens, sangen Warriors of the world und feierten. Krug und Becher waren nun leer und weil ja Robert alles bezahlt hatte, warf ich meinen leeren Becher in seinen leeren Krug, damit er gleich das Pfand wieder hatte. Das hatte Robert nicht bemerkt.

Da kam der Heiko des Weges: hallo, juhuu! Schon war Heiko zur Tränke gelaufen und kam mit 3 Bechern Bier zurück. Juhu, freu, prost - und Robert füllte den Becher gleich um in seinen Maßkrug. Darin steckte aber mein leerer Becher und so schwappte einiger Schaum über und überhaupt war das nicht Sinn der Sache. Wir versuchten nun, den gefüllten Becher aus dem leeren Maßkrug zu ziehen, was uns aber erst gelang, als der halb leer getrunken war.

Alt wurde ich nicht mehr. Gut beömmelt und recht erschöpft vom ganzen Tag krabbelte ich irgendwie zurück ins Camp und schmiss mich in mein frisch überzogenes Bett. Mei, da merkte ich erst, wie gestresst ich eigentlich war, seit Wochen stand ich unter Strom, wie nötig hatte ich nun endlich mal Urlaub (von meinem Privatleben). Na, mal gucken, ob und wann ich runter komm.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Erfurt, Ega-Park

Am Dienstag hatten wir Betriebsausflug. Wir wollten nach Erfurt und dort den Ega-Park besuchen. Das dauerte den ganzen Tag und ich würde erst am späten Nachmittag um 17:45 Uhr wieder am Nürnberger Hauptbahnhof ankommen. Damit ich von dort so schnell wie möglich auf die Ranch fahren konnte, fuhr ich frühmorgens mit dem Auto (!) zum Bahnhof und stellte es dort ins Parkhaus. Wenn ich dann abends hier wieder ankam, könnte ich gleich weiter fahren.

In der Mittelhalle traf ich gleich 2 Kolleginnen, auf dem Bahnsteig sammelte sich dann der Rest, und da kam auch schon unser Zug. Er war erstens pünktlich (!) und zweitens funktionierte die Klimaanlage , na, das war doch schon mal was.

Mit bis zu 240 km/h rauschten wir dahin (Bildschirm 1: erste Zeile in der Mitte steht die Geschwindigkeit). Ratzfatz waren wir in Erfurt. Es dauerte eine gute Stunde, man hatte kaum Zeit für einen gemütlichen Plausch, schon waren wir da.

Am Erfurter Hauptbahnhof kennen wir uns aus, weil da sind wir ja öfters, immer, wenn wir nach Gera fahren. Unter den Gleisen fährt die Straßenbahn durch einen Tunnel, da warteten wir an der Haltestelle. Nun kam eine Grundschulklasse mit 4 Lehrern, die hatten wohl heute Schulausflug und warteten auch. Die Kinder waren zwar alle brav, gingen schön Hand in Hand, aber ein Lärmpegel lag natürlich gleich in der Luft, denn sie schrien und quietschten, lachten und kreischten. Sie stiegen alle in den vorderen Wagen und wir dann ganz schnell in den hinteren .

Am Ega-Park stiegen wir alle aus - und die Schulklasse auch. Das hätten wir uns ja denken können, wo sollen die schon sonst hin wollen? Wir ließen die Knilche dann am Eingang alle vor, und sie durften zuerst rein, damit sie nur fort waren. Für einen Moment war eine erholsame Ruhe.

Als wir dann endlich auch drin waren, verteilte unser Orga-Team Fragebögen. Lauter Fragen zum Park waren da drauf, wieviel Stufen der Aussichtsturm hatte, welche Tiere im Wüstenhaus lebten und wie hoch die Temperatur im Tropenhaus sei: Naja, etwas weniger als die heutige Außentemperatur, schätzte ich. Es waren heute 35°C gemeldet. Nein, nicht im Tropenhaus - an diesem wunderschönen Sommertag hier in Erfurt .
Wir sollten Teams bilden, um die Fragen zu beantworten, und so fand ich mich aus Versehen im Team mit unserem obersten Chef, dessen Sekretärin, meiner Kollegin Karin und der gemütlichen Gewerkschafterin. Also stiefelten wir zu fünft los.

Links unseres Weges sahen wir ein großes Planschbecken, eine Hüpfburg, einen kleinen Bauernhof mit Ponys, E‪sel, Entenküken und den begeisterten Schulkindern aus der Straßenbahn. Na, die hatten wir los! Eine durchdachte, praktische Aufteilung, hier, doch .

Wir gingen weiter und guckten uns als ersten das Wüstenhaus an. Dort waren alle Fenster geöffnet, denn heute war der ideale Wüstentag, die Sonne brannte runter, und die heiße Luft strömte von außen durchs ganze Gebäude. Gigantische Kakteen wuchsen dort.

Die Höhe dieser Schwiegermuttersitze lag mind. bei 1 m. Bei den Pflanzen waren Barcodes angebracht. Schon als wir im Eingangsbereich reinliefen, gab es in der Wand Schubläden zum Rausziehen, worin Litaneien und Erklärungen zu den Kakteen und der Landschaft enthalten waren, weiter führende Links und jede Menge kluges Zeug, aber so viel Zeit hat man ja leider nicht, das alles auch noch genau zu lesen. Schade. Nun, dieser ega-Park könnte ein Punkt auf meiner Renten-to-do-Liste werden, dass ich mir das Wesentliche noch einmal reinzieh, wenn ich nächstes Jahr viel, viel Zeit habe .

Einige Wüstentiere gab es auch zu sehen, z.B. so eine komische Maus, der Kurzohrrüsselspringer, auch Elefantenspitzmaus genannt, aber der saß nur müde rum und bewegte sich kaum. Dagegen gabs mehrere Terrarien mit verschiedenen, teils recht großen Ameisen, die wibbelten recht emsig umeinander.

In einem Minitümpel saß eine fette Kröte, über einem Ast hing eine seltsame grüne Schlange, aber die Wüstentiere hatten eins gemeinsam - übrigens auch mit uns, heute: Sie mochten sich kaum bewegen vor lauter Hitze.

Wir gingen durch einen Vorhang aus Seilen rüber ins Tropenhaus. Die Temperatur war ungefähr gleich dem Wüstenhaus und der Erfurter Außentemperatur, nur die Luftfeuchtigkeit war höher. Hier flatterten eine Menge ziemlich großer Schmetterlinge rum, leuchtend blau, bunt, orange mit schwarz.

Es gab auch Wasserbassins mit recht fetten Fischen, bis zu 1 m groß, und bunte Vögel saßen in den Bäumen. Andauernd zwitscherte, summte und quakte es, aber das tut's im Kölle Gartencenter auch, also das ist wohl nur eingespielt. Wir waren durch und stellten fest, dass jetzt die Schulkinder mit den Lehrern kamen: Nichts wie raus!

Karin wollte nun den Rosengarten sehen, also liefen wir dort hin. Die große Blüte hatten wir verpasst, sie war wohl ein paar Wochen vorher im Frühling, aber einige blühten schon noch.

Mitten im Rosengarten war auch ein Imkerhaus. Ausgestellt waren dort historische Utensilien der Imker, Honigpressen, Schwarmfänger und natürlich verschiedenen Bienenkörbe. Da ums Eck waren aber auch ganz aktuelle Bienenstöcke, die man sich anschaun konnte. Ein Schild hing dort, dass die Bienen fei eventuell stechen können. Ach nee, wirklich? Bienen können stechen, echt?

Wir liefen nun weiter und kamen zum Aussichtsturm. Der Chef gönnte sich eine Pause auf einer schattigen Bank und lief nicht mit hoch, während ich schon gleich mal im 2. Stock war. Ha, das Teil hat nicht mal die Hälfte vom Barbarossa-Denkmal, ein lächerliches Türmchen *rauf-schnür*. Schon stand ich oben. Die Aussicht war nett, denn in der Ebene lag die Stadt Erfurt und man konnte alles überblicken. "Hat jemand gezählt, wie viel Stufen es waren?" fragte Karin. Oh nein, das hatten wir vergessen! Wir würden beim Abstieg zählen. Eins, zwei, drei... die Sekretärin und ich waren nun eine Etappe weiter unten: "61" sagte sie, "71" sagte ich - ich zähle immer bloß bis 10 und markiere meine Zehner mit den Fingern, vielleicht hatte ich einen zu viel gestreckt? "60" hatte Karin gezählt. Nehmen wir die Gemeinsamkeiten der Ergebnisse: die 6 Zehner und die Einser, so entschieden wir uns für 61. Weiter gings bis ganz runter.

Unten stand das andere Team: "Wieviel habt denn ihr?" fragten wir gleich, und einigten uns dann auf deren Ergebnis von 122 . Wehe, das ist falsch, Freunde?!

Ein Stück weiter vom Aussichtsturm wäre das Planetarium gewesen. Das hätte mich nun außerordentlich interessiert, aber - so ist das nun mal im Team - der Chef wollte den Kräutergarten sehen . Da liefen wir also zu den Kräutern. "Man sieht nicht 1 Blattlaus, keinen Käfer, kein Unkraut, kein verwelktes Blatt" stellte ich fest, und: "Das da wächst bei mir im Garten auch, nur ist es außenrum ganz welk." Woran liegt das? Möglicherweise an dem Team von x Gärtnern, die hier täglich durchsensen? Ich setze in meinem Garten halt andere Prioritäten und bin schon froh, wenn ich regelmäßig zum Rasenmähen komme .

Da stellte ich fest, dass ich die Ranch nun schon gut 10 Jahre lang besitze und immer noch nicht weiß, was da alles wächst, was Unkraut ist, was Nutzpflanze ist oder überhaupt was. Das liegt schlichtweg hieran, guckt euch das Bild an: Ich sehe grüne Pflänzchen, welche mit blauen Blüten und welche mit weißen. Ist da noch mehr? Im Bild sind auch 5 Schildchen, d.h. hier sind mind. 5 verschiedene Arten von Pflanzen zu sehen, aber ich sehe nur Grün mit Blau oder mit Weiß. Das da unten hätte ich vielleicht für einen Löwenzahn gehalten, das dahinter eher für eine Distel, und ich hätte erst mal alles rausgerupft . Was ist der Unterschied zwischen "Strandflieder" und "blaues Halskraut"? Ich sehe keinen.

Ich stand vor diesem Beet und stellte fest: genauso geht es mir mit Menschen! Ich unterscheide grad noch die mit dem blauen Pulli von dem mit dem weißen Hemd - und dann hörts auf, andere Unterschiede sehe ich einfach nicht. Vielleicht ist es doch keine soziale Phobie, nur ein grenzenloses Desinteresse am Detail des Banalen? Mir fällt bloß Außergewöhnliches auf. Hmpf.

Außergewöhnlich schön fand ich die Innenstadt, durch die wir um 15:30 Uhr mit der Straßenbahn wieder zum Bahnhof zurück fuhren. So schön hergerichtete, alte Gebäude waren in der City, interessante, kleine Läden und nette Straßencafes... aber unser Zug fuhr um 16:08 Uhr und wir hatten keine Zeit mehr, um noch irgendetwas anzugucken und rauschten nur mit der Straßenbahn durch. Wie schade!

Naja, freilich, in jeder etwas größeren Stadt kann man sich wochenlang aufhalten und findet immer noch was zum Besichtigen. Ich schätze aber, dass ich hier noch einmal herkommen werde, wenn ich wenigstens ein bisschen mehr Zeit habe.

Wir standen schon am Gleis und stiegen in unseren ICE. Mit 243 rauschte der Zug durch den Rennsteigtunnel, drum ist man da dann auch ganz schnell durch - nicht so wie auf der Autobahn, wo man nur 80 fahren darf und fährt und fährt und der Tunnel nimmt kein Ende. Ein kurzer Plausch mit der Nachbarin, schon waren wir in Bamberg, 10 Minuten später in Erlangen. Der Zug war auf die Minute pünktlich (!) und um 17:45 kamen wir in Nürnberg an.

Ich hüpfte gleich raus und lief ins Parkhaus. Da stand ich am Automaten und steckte meine Parkkarte ein. "22 €" zeigte das Display an. Was? Ooops!
Mein Nachbar am Nebenautomaten schreckte auf, guckte auf mein Display und staunte genauso: Ooops!
Na, ich hätte nun schon gedacht, dass es so ne Art Tagespauschale gibt wie anderswo, ersten 2 Stunden je 2 €, danach dann 8 für den ganzen Tag oder so. Da hätt ich ja gleich mit dem Taxi fahren können?! Ich löste mein Röhrle frei, holte im 6. Flur das Auto und rauschte gleich ab auf die Ranch.

Dem Lieschen ging es besser. Es jagte nun die Nora durch den Garten und hüpfte auch schon recht locker die Leiter in den Dachboden rauf und wieder runter. Das Pflaster am Bauch hatte es sich schon abgerupft. Seine vorderen Pfoten sind grün, denn es wurde tätowiert und putzte sich schon fleißig die Tinte aus den Ohren. Der Fuchsbau lag brach, das Fuchsloch an der Tür weiterhin vergittert, nichts verschoben, nichts berührt, und auch aus dem hinteren Loch war kein Fuchs mehr gekrochen, denn die Kohlen vom Grill lagen noch dicht darin, und in den Spuren meiner Schuhe waren keine neuen Pfotenabdrücke. Hee, ihr Füchse, wenn ich da wieder was sehe, hey, dann gibt es wieder das polnische Stinkmittel, ich warne euch! So im Allgemeinen stellte ich aber fest: Entwarnung. Auf der Ranch kehrt nun (hoffentlich) der Alltag wieder ein.

Lieschen ist wieder da

Am Sonntag gab ich also das kleine Kätzchen dann im Tierheim ab. Ich hätt's so gern behalten, es war so niedlich, aber das geht einfach nicht, da müsst ich ja mein ganzes Leben umstellen, könnte nicht mehr auf Festivals fahren, und ich bin ja auch so den ganzen Tag nicht zuhause, Arbeit, Ranch, Erledigungen - nein, ich kann kein Kätzchen halten.

Jetzt ist das Bad wieder leer, ich vermisse es richtig, obwohl es nur 1 Nacht da war .

Am Montag riefen sie mich schon gleich an: Das Lieschen ist jetzt kastriert und ich soll es so schnell wie möglich wieder holen. Was: Heute schon? Ich kann doch die frisch operierte Katze nicht in die Wildnis zu den Füchsen jagen? Sie muss doch erst mal fuchsfest sein, dass sie sich wieder wehren kann oder wenigstens flugs auf den nächsten Baum kommt. Aber das Tierheim ist hoffnungslos überfüllt und so schmeißen sie raus, was geht. Also holte ich nach Feierabend gleich das Lieschen.

Wir fuhren auf die Ranch und dort ließ ich sie aus dem Käfig. Sie war noch recht wackelig auf den Beinen, kletterte aber gleich hinauf in den Dachboden und suchte das Kätzchen. Der Dachboden war leer. Dann erkannte sie den ganzen Schrott vom Dachboden, den ich vor dem Gartenhäuschen gestapelt hatte und durchsuchte dort alles: Da musste doch auch das Kätzchen sein? Ich hätt ihr so gern gesagt: "Dein Kind lebt und es geht ihm gut!", aber sie versteht es ja nicht .

Als sie den Schrotthaufen erfolglos durch hatte, suchte sie weiter im Garten und ging auch hinter zur Wellblechhütte. Da schnüffelte und guckte sie besonders arg. Es gab dort wohl noch Spuren von ihren toten Kindern. Mein Herz ging mit dem Lieschen auf die Suche, und ich hoffte, es käm vielleicht doch gleich noch ein Kätzchen aus dem Versteck, aber mein Kopf wusste natürlich, dass da nichts mehr kommen würde .

Oh, traurige Geschichte.

Ich blieb auf der Ranch bis abends um halbzehn. Ich schürte ein Feuer mit feuchtem Holz, das stark qualmte, sodass ein Nebel aus Rauch über die ganze Ranch zog. Der Fuchsbau sah sehr verwaist aus. Ungern ging ich heim, aber ich musste das Lieschen jetzt allein lassen, ich muss ja ins Bett und morgen wieder früh raus...