Samstag, 6. Juni 2026

Heimspiel

Als ich vorletzte Woche auf meiner Tour bis Leipzig war, kümmerte sich meine Schwester um die Katzen auf der Ranch. Sie fuhr jeden zweiten Tag hin, dabei muss sie durch die ganze Stadt im bösesten Geschäftsverkehr, und füllte auf der Ranch die Näpfe auf mit frischem Fleisch und Leckerlis. Drum hab ich sie zum Essen eingeladen. Nun ist meine Schwester ja auch so businessmäßig unterwegs, dass ich den ersten Termin (am Donnerstag, den 4. Juni), den sie vorschlug, gleich bei ihr "buchte", obwohl ich eigentlich nun vier Tage im Stück frei gehabt hätte, am Mittwochnachmittag losfahren hätte können und eine fette Wochenendtour hätte machen können. Aber gut, dann bleib ich halt in Nürnberg.

Am Donnerstag traf ich mich also mit meiner Schwester in einer Pizzeria irgendwo außerhalb im Süden von Nürnberg.

Ich kam auf der Fahrt direkt an Rock im Park vorbei. Das sieht ja dieses Jahr richtig nach Schlammparty aus . Das Wetter war nix, immer wieder regnete es und es war auch richtig kühl geworden. Die Münchner Straße entlang darf man wegen RiP jetzt nur noch 30 fahren und es wird auch streng geblitzt. Da muss man derartig auf den Tacho glotzen und ständig an den Straßenrand auf die Blitzer, dass man gar nicht mehr auf die Leute und Passanten achten kann, am End' wird noch einer überfahren, echt gefährlich . Das RiP-Camp zog sich ganz schön hin, fast bis Anfang Langwasser . Die müssen aber ganz schön laufen, die Ärmsten!

Dann war ich endlich durch und hockte in der Pizzeria. Zahnwehbedingt wollte ich keine Pizza essen, war mir zu heikel. Ein Brösel an der falschen Stelle und der Zahn jault wieder los, nein. Also bestellte ich Spaghetti frutti de mare, die sind weich. Sie schmeckten so richtig italienisch, waren aber echt zu wenig, da bin ich nicht satt geworden. Natürlich war's dafür schweineteuer. Wenn man denkt: Die Preise pro Gericht ziehen extrem Richtung 20 €, manche sind sogar schon drüber - das sind 40 Mark ! Es gab mal früher eine Zeit, da bin ich jeden zweiten Tag essen gegangen. Das kann sich ja keiner mehr leisten !

Es war noch nicht mal 21 Uhr, da waren die meisten Leute schon gegangen. Die Kellner räumten schon die Tische auf. Außer uns beiden saßen hinten rechts nur noch 4 Gäste. Da zahlten wir und gingen. Also schade, was für ne blöde Restaurant-Kultur: Nach dem Essen will ich doch noch sitzen bleiben, quatschen, noch was trinken. Tja, das ist anscheinend heut anders geworden .

Für den Freitag war auch relativ mieses Wetter gemeldet. Ich wollte abends aufs Bierfest gehen, um endlich mal auch wieder zuhause ein paar Leute zu treffen. Mittags hockte ich dann zuhause beim Frühstück und flickte an meinem Fellkragen rum.

Auf dem Mittelaltermarkt Guteneck hatte ich einen Fellstand gesehen, dort verkauften sie Fellreste für 2 € das Stück. Dabei handelte es sich um diese runden Stücke, die sie für die Fellkrägen am Hals ausschneiden. So einen Fellkragen hab ich, und die Fellreste passten da farblich genau dazu, waren von derselben Sorte. Drum kaufte ich zwei Stück und nähte die nun endlich mal an meinen Fellkragen.

Ich stellte fest, dass die "Fellreste" fast größer waren als der Kragen. Erst als ich die beiden Stücke nun seitlich dran genäht hatte, reicht der Kragen richtig über die Schultern. Überall sparen sie, mei, da machen sie nun die Felle auch schon so knapp, dass es echt bloß noch schmale Krägen sind. Aber jetzt taugt mir das Teil .

Nachmittags fuhr ich dann schnell einkaufen, frisches Hühnerzeug für die Miezen besorgen, und ab auf die Ranch. Die Katzen hatten dort randaliert, hä?

Nachdem ich in den Videos gesehen hatte, dass die Kätzchen nun echt von Tag zu Tag fitter werden und schon rumkrabbeln wie die Wiesel, war es nur eine Frage der Zeit, wann eins zum Fenster raus fliegt. Drum hatte ich unterhalb des Fensters mal einen Haufen Stroh hingeschlichtet, um den Fall zu dämpfen. Da lagen nun im Stroh die leergefressenen Schälchen vom Katzenfutter, das ich rauf gestellt hatte, sowie das Solarpanel von der Wildcam, das hat dem werten Miezenvolk wohl auch nicht gefallen, hä. Im Fenster saß das getigerte Kätzchen und guckte ganz erschrocken runter.

Erst als ich die Teile vom Stroh aufräumte, sah ich links im Gebüsch etwas Weißes: Das weiße Kätzchen war runtergefallen und kauerte verängstigt an der Wand ! Das Lieschen hatte es offensichtlich nicht mitgekriegt, denn sie saß an der Futterstelle und mampfte fleißig. Ich schlich mich von hinten an das Kätzchen und hob es auf, ach je, eine Hand voll Katz', wie fluffig! Es strampelte entsetzt, aber ich nahms an mich und kletterte die Leiter hoch. Oben im Fenster setzte ich es ab. Da rannte es so schnell es konnte hinter ins Nest. Also gebrochen hatte es sich wohl nix, anscheinend war ihm beim Sturz nicht viel passiert.

Wieder zuhause zog ich gleich wieder los, nahm mir ein Voi und rollerte hinauf auf die Burg. Ich hatte gehofft, damit billiger wegzukommen als mit der Straßenbahn, aber die kurze Fahrt mit dem Voi kostete auch schon 4,10 €. Das lohnt sich echt nicht .
Erstaunlich viele Leute waren hierher gerollert, der ganze Platz stand voller Roller.

Also lief ich gleich mal zum Nikl-Stand und versorgte mich mit Bier. Weil man die Gläser ja immer nur wieder an dem Stand abgeben konnte, wo man sie geholt hatte, hatte ich mir meinen eigenen Becher mitgebracht und füllte sofort immer um.

So, und da meinte ich jetzt, ich würde vielleicht ein paar Bekannte treffen. Was heißt "ein paar"? Eigentlich rechnete ich damit, ordentlich viele Leute dort endlich mal wieder zu sehen. Durch meine andauernden Touren verliere ich ja hier alle sozialen Kontakte, und die wollte ich mal wieder etwas pflegen. Da hatte ich nun aber Pech . Das fing schon beim Ralf an, der jetzt doch keinen Bock hatte auf das Bierfest. Auch der Thomas war nicht da, obwohl er doch überall ist, wo es was zu saufen gibt. Nicht mal die Schellers waren da.

Ich lief dreimal durch den ganzen Burggraben und guckte, aber da war echt keiner, den ich kannte. Nur die Jitka sah ich von weitem, aber auf die hatte ich keinen Bock. Ach, und die Alexis lief mir über den Weg. Aber sonst...?

Ich stellte fest, dass ich nun ordentlich das Durchschnittsalter überschritten hatte. My generation war nur noch sehr spärlich vertreten. Wir sind jetzt die Alten. Es gibt schon noch Ältere, die krebsen dann mit einem Gehwagen durch die Gegend. Aber anscheinend ist das hier nix mehr für die Boomer. Echt, da findet man ja auf Metal-Festivals noch mehr davon!

Hübscher Kerl, dieser Gitarrist mit der Mütze! Hat noch stramme Hax'n, lange Haare, steht gut da, tät mir gefallen. Aber was wollte ich dann damit? Mei, Männer sind wie kleine Hündchen: Manche sind für den Moment niedlich, süß, kuschelig *knuddel knuddel*, aber sowas hat man ja dann den ganzen Tag und zwar jeden Tag? Was soll man dann damit? Nee, kann ich nicht brauchen.

Ich lief also ganz allein auf dem Bierfest hin und her. Dabei stellte ich fest, dass es noch was Schlimmeres gibt als sich alleine zu langweilen: Pärchen, die zu zweit allein an der Bierbank saßen. Das muss ja total schlimm sein! Da saßen sie zu zweit einsam am Tisch, nuckelten an ihrem Bier, zogen Gesichter, erzählten sich nix, guckten doof. Das ist die 5,50 € fürs Bier nicht wert!

Ich ging wieder, ich langweilte mich. Der Tag war noch jung, es war noch nicht mal richtig dunkel, da lief ich noch ins Sugar. Das Bier dort kostet immer noch nur 3,70 € - ganz großes Lob !

Ich dachte, es sei ja Bierfest. Zudem ist RiP. Außerdem war es Freitag, für viele auch noch ein Brückentag. Ich erwartete, dass das ganze Sugar gestopft voll sein würde, dass es eine RiP-Party gäb oder dass die Leute vom Bierfest nachher alle im Sugar aufploppen ... aber: welche "Leute vom Bierfest"?

Allemal: Es war kaum was los im Sugar. Die Tische außen waren nur zu zwei Drittel besetzt, drinnen war fast gar nix. Die Musik war gut, drum blieb ich ein Weilchen. Es waren zwar drei oder vier Leute da, die ich kannte, aber es war nix Lustiges, sie unterhielten sich nicht, hockten bloß dort und zogen gestresste Gesichter. Es tanzten keine krassen Leute rein, keine sexy Hexis, keine Lack- und Ledermäuse, keine Rocker, keine krassen Metaler, niemand moshte, als der DJ Slayer auflegte... also ich weiß fei net .

Nee - irgendwie - das iss nix, und so u-bahnte ich gegen elf Uhr heim.

Sonntag, 31. Mai 2026

Pain & Gain, Zirndorf

Letzten Sonntag wäre ich eigentlich noch gern unterwegs geblieben, vielleicht noch in die Fränkische, aber am Samstagnachmittag bekam ich Zahnweh, rechts unten. Mein letzter, schwer geschädigter Backenzahn, von dem schon seit Jahren prophezeit wird: wenn er anfängt zu zicken, muss er raus. Das Zahnweh war nicht arg schlimm, es war auszuhalten, aber doch unangenehm genug, dass ich lieber mal heim fuhr. Am Donnerstag hatte ich nun einen Zahnarzttermin. "Wir probieren es noch einmal konservativ" sagte der Zahnarzt und spritzte irgendso ein Mittel in die "Tasche" bis runter zum Knochen, auuuu, tat das weh, jaul. Danach tat es noch 2 Stunden weh, dann wurde es leichter. Auch die geschwollene Backe beruhigte sich etwas. Gut war's aber nicht. Der Zahn wackelt und ich kann auf der linken Seite nimmer kauen und überhaupt regt mich das auf, der muss raus, möglichst noch vor dem Rock Harz, am besten sofort. Der Zahnarzt ist grad leider eine Woche im Urlaub, aber für übernächste Woche hab ich einen Termin, 1 Tag vor dem Feuertanz. Auch wurscht, raus mit dem Unhold!

Das versaut mir merklich die Laune. Für dieses Wochenende hatte ich drum auch nix allzu Tolles geplant und so ließ ich mir noch vor wenigen Tagen erst ein Ticket hinterlegen für das Pain & Gain in Zirndorf. Dorthin fuhr ich mit den Öffis, dem Bus. Dabei stellte ich fest, dass sich Nürnberg schon an Leipzig angepasst hat, nämlich zumindest in den Preisen: Unser 4er-Ticket kostet nun auch schon 14,60 € . Von der Haltestelle in Zirndorf musste ich noch ein paar Hundert Meter laufen, dann kam ich an den Sportplatz mit dem Vereinshaus, wo das Konzert stattfand.

Beginn war schon um 15 Uhr, da war ich natürlich noch zuhause beim Frühstücken und verpasste drum die erste Band. Als ich nun endlich dort war, stellte ich mich erst mal an der beachtlich langen Schlange am Bierausschank an. Es dauerte eine Weile bis ich dann endlich mal was zu trinken hatte und raus auf die Terrasse lief, wo eine Menge Leute saßen, die ich kannte. Der Klaus war sogar mit seinem "Mockerla" gekommen, sein Wohnmobil, das er eigens dazu extra aus Erlangen geholt hatte. Also nein, bei aller Liebe! Diese Location ist nur 8 km von mir zuhause entfernt, da könnt ich ja zur Not sogar noch heimlaufen, da kommt ja gar kein richtiges Reisefeeling auf, wenn ich da extra mit dem Naglfar her käm.

Ich ging dann mal in den Saal und hörte mir die Vorstellung an. Es war schwül und heiß, aber noch ging es drinnen, weil auch noch die meisten Leute außen herumdümpelten.

Da kamen nun interessante Buben auf die Bühne. Gewandet waren sie in Trachtenjacken und Tirolerhut, ordentlich kurzgeschoren, fein frisiert ... was sind denn nun das für Typen? Aber dann legten sie los und irritierten mein Empfinden noch mehr: astreiner Death-Metal!

Hört mal rein!

Ich konnte zuerst gar nicht hinschaun! Das ist ja wie wenn man einen feinen Kuchen mit Lebensmittelfarbe Lila einfärbt! Das Auge hört doch mit?! Fasziniert stand ich im Publikum und lauschte. Dann guckte ich rauf auf die Bühne. Dann guckte ich wieder weg: gibt's doch nicht?! Ich vermutete ja, dass sie auch noch deutsche Texte hatten, aber leider verstand man die Lyrics natürlich nicht *growl, gröl, brüll*.

Jetzt sitz ich zuhause, schreib Bericht und ärger mich, dass ich mir nicht wenigstens einen Patch gekauft habe, warum denn nicht? Sch*** Geiz-Trip, auf dem ich da bin. Seit Neuestem lauf ich schon von vorn herein mit dem Gedanken "es wird nix gekauft!" in die Konzis, was ich dann tatsächlich auch meistens durchzieh. Naja.

Nach dem Gig ging ich raus und setzte mich zu Freunden an den Tisch, laberte und lachte, holte mir noch ein Bier und auf diese Weise verpasste ich die nächste Band. Bei der übernächsten stand ich dann aber wieder drinnen auf der Matte: AnomiC, eine Band aus den Niederlanden. Es waren allerdings keine Holländer, sondern - wie ich grad online suchte - Syrer. Das erste Mal, dass ich angenehme Syrer sehe! Ein denkwürdiger Augenblick, denn der Anteil an Metal-Musikern und -Bands aus der islamischen Welt ist ja doch sehr, sehr gering. Musikalisch sind sie mir nun nicht so aufgefallen, aber der gigantische Bart von diesem Frontmann beeindruckte mich durchaus. Naja, die haben halt einfach in jeder Hinsicht mehr Testosteron als die Kerle hierzulande.

Ich hatte mir nun tatsächlich getraut, etwas zu futtern zu kaufen. Die Sportgaststätte ist nämlich von einem Chinesen gepachtet und es gibt dort leckeres China-Essen. Ich wollte schon lang wieder mal Chinesisch, konnte aber derzeit nun nicht wirklich beißen. Was gabs denn? Hühnchen oder Ente mit Gemüse - zu hart . Aber da: gebratene Nudeln! Die sind einen Versuch wert, also bestellte ich mir eine Portion. Da saß ich außen und ziepfte an meinen Nudeln rum. Nein, Essen machte keinen Spaß .

Meine Backe tat nicht wirklich gut, au. Also bestellte ich mir auch noch ein Eis. Das war prima! Ich schnullte also so mein Eis, das meinen Zahn kühlte, und hörte dabei den Totenlegion zu, die jetzt spielten.

Danach kamen Eisregen. Leider war es mittlerweile so derartig schwül und stickig in dem Saal geworden, man hielt's nicht aus. Sie hatten zwar oben an jeder Seite 3 große Ventilatoren auf Volldampf laufen, aber sie durften wegen der Anwohner und dem "Lärm" kein Fenster aufmachen und so bliesen die Ventilatoren eigentlich nur die heiße Luft von vorn nach hinten und zurück. Ich hatte einen Fächer dabei und fächelte herum, aber das hatte nur denselben Effekt, Drecksluftumwälzer.

Zudem hatte ich mich anfangs ziemlich weit vor gestellt und dort auch den ein oder anderen Mosher gewagt, ein bisschen nur getanzt, und war hoffnungslos durchgeschwitzt. Ich ging lieber wieder nach hinten in Richtung der halb offenen Tür, aber das war dort wie eine Grenze: Innerhalb der Schwelle war es brütend heiß, außen merklich lüftiger. Also stellte ich mich raus und guckte von außen zu. Das ist dann stimmungsmäßig natürlich auch nicht so der Burner .

Also für nächstes Jahr schlage ich echt dort eine Belüftungsanlage vor! Nur irgendein dickes Rohr, das von außen Frischluft nach innen bläst, kann doch nicht allzu teuer sein? Mit entsprechendem Aufpreis wär ich einverstanden, weil das hältst ja da drin nicht aus, und die Band da oben tat mir grad gescheit Leid. Wär eigentlich ein schönes Konzi gewesen, aber die Leute verließen Stück für Stück den Saal, bevor sie noch umfallen würden.

Auch ich lief raus auf die Terrasse und fand dort diesen wunderschönen Vollmond vor. Ein wenig saß ich dort noch rum und lauschte von außen, aber dann machte ich mich doch auf den Heimweg zur Bushaltestelle. Das Konzert wäre anwohnertechnisch eh nur bis 23:30 gegangen, also nimmer lang.

Sonntag, 24. Mai 2026

Ritterfest Posterstein

Jetzt hing ich noch ein Mittelalterfest an die Reise, wenn da schon eins war. Ich fuhr nur schnell noch in Leipzig einkaufen, denn ich hatte kein Wasser mehr (fast so wichtig wie Bier). Dann dieselte ich los nach Süden.

Die Fahrt von Leipzig bis nach Posterstein ging nur ein relativ kurzes Stück über die Autobahn, dann nur noch über die Landstraße. Die Landschaft war aber einfach herrlich! Dazu war es ziemlich warm geworden, und obwohl ich nur ein knappes Shirt und kurze Hosen anhatte, schwitze ich fürchterlich. Da hatte wir nun in der Zeitspanne meines Urlaubs von nur 10 Tagen alles durch von nahe dem Gefrierpunkt bei eisigem Nieselregen mit Winterjacke, Handschuhe und Mütze bis zu 30 Grad im Schatten wie im Hochsommer.

Ich fuhr etwas über ein Stündchen. Landkartenmäßig ging es nach Süden und ich dachte, da sei ich ja wenigstens mal ein Stückchen in Richtung Heimat. Als ich dort war, staunte ich: Es waren nur noch 18 km bis Gera? Nein, nach Gera wollte ich doch dieses Mal gar nicht hin ! Aber ja doch, das war ein Stückchen südlicher als Leipzig.

Ich fuhr auf die Parkwiese, da kam aus dem Eingangszelt ein Kind gelaufen, das hier die Gebühr kassierte und zwar satte 10 € für eine Übernachtung. Na, das sind ja gesalzene Preise! Überhaupt: Parkgebühr auf einem Mittelalterfest? Das hatte ich bisher auch noch nicht erlebt, nicht mal auf Rabenstein. Naja gut. Ich zahlte mal nur 10 € für 1 Nacht. Wenn ich morgen noch bleiben wollte, würde ich nachzahlen.

Ich parkte also, richtete mich ein und gewandete mich. Dann lief ich los. Nach kurzem Fußweg stellte ich fest, dass ich noch ewig weit zu latschen hatte und drehte wieder um, aus dem Naglfar das Fahrrad zu holen. Also radelte ich dann hin ... auf meinem hellblauen Ross , ein echt mittelalterliches Klapp-Ross .

Ich radelte an Gärten vorbei, wo Kinder und Eltern ihre abgelegten Kindersachen verkaufen wollten. Teuer war's nicht, und teilweise war es sogar zu verschenken, aber es war nichts dabei, was ich hätte brauchen können.

Dann war ich am Eingang. Erwachsene kosteten 15 € (!) Eintritt, Gewandete "nur" 10 €, also das ist ja echt ne fette Abzocke, gefiel mir gar nicht . Das Ritterfest war um eine kleine, hübsche Burg. In der Burg gab es ein kleines Museum, und das guckte ich mir gleich mal an.

Alte Möbel, Gebrauchsgegenstände, Statuen, Geschirr und Musikinstrumente waren ausgestellt. Das war so weit recht nett, insbesondere weil es beim Eintritt dabei war und nicht nochmal extra was kostete. In der Burg war es vor allem auch angenehm kühl. Ich guckte mir die Ausstellung an, war aber noch immer vom Museum in Halle so geflasht, dass das nun erst mal nix anderes toppen kann.

Ich ging wieder runter und guckte mir nun mal den Markt an. Naja, der war nix Besonderes, fand ich. Viele Buden waren es nicht, das Lager bestand auch nur aus ein paar Zelten, die Anzahl der Handwerker waren eher dürftig, die Waren ziemlich viel Krimskrams weit von "A" entfernt, es liefen sehr viele Kinder herum, das Programm war auch eher eben für die Kinder (wie bei uns immer am Sonntag) und das besonders Blöde war - was ich mir ja eigentlich hätte denken können - ich kannte keinen Menschen (außer diesen einen Facebook-Freund und der war hier Fotograf und insofern andauernd beschäftigt).

Immerhin wurden Ritterspiele und später ein bisschen Feuershow aufgeführt, was im Preis inbegriffen war. Leider war's bei der Feuershow noch gar nicht richtig finster, da wirkte das nicht so richtig. Bereits um 21 Uhr fingen die ersten Buden an, ihr Zeug abzudecken und Vorhänge vorzuziehen. Auf der Bühne spielte nun eine Band bzw. ein Duo, naja so mittelalterliche Dudelmusik mit Pfeifen und Hümmelchen.

Ich mochte nichts trinken, irgendwie lohnte sich das nicht, und essen wollte ich auch nichts, war vorhin nur schnell mal zum Auto zurück geradelt und futterte Wurst und Käse vom Rewe und ein Brot. Also weiters ausgegeben habe ich gar nichts, aber das reicht ja auch.

Am Sonntagmorgen fuhr ich gleich weiter. Zuerst überlegte ich noch, vielleicht noch einen Tag in der Fränkischen irgendwo zu bleiben, Teufelshöhle vielleicht, Pottenstein, aber dann fuhr ich doch lieber heim. Für die Fränkische mach ich mal ne extra Tour.

Auf der Autobahn kam ich tatsächlich genau nach Gera und fuhr dran vorbei. Von dort aus waren es nur noch knapp 200 km bis Nürnberg. Da bin ich nun wieder - und nachdem ich meine ganzen Kisten und Waschkörbe voller Zeug raufgeschleppt und aufgeräumt hatte, schmeiß ich mich jetzt in die Badewanne. Das hab ich dringend nötig .