Samstag, 22. August 2026

Wolfszeit am Freitag

Beim Kaffeekochen bemerkte ich, dass vor dem Naglfar ein hartes Ritterturnier ausgetragen wurde . Der Recke mit dem Plastikmorgenstern behielt die Oberhand, während der Krieger mit dem Gummischwert zu Boden ging. Der Kampf wurde im Weiteren unblutig entschieden und endete an der Taverne, die die Nachbarn da aufgebaut hatten.

Ich verweilte in meinem Schlachtschiff und frühstückte. Krass geile Mukke tönte da alsbald vom Infield rüber. Dieser Song war richtig gut! Wer spielt denn da? Ah: Morgarten. Sagten die mir was? Nö, nicht wirklich. Der nächste Song war noch besser, und so zog ich mich doch schnell an und ging da runter zur Bühne.

Als ich die Band da oben in ihren Mittelalterkutten sah, erkannte ich sie auch. Die hatte ich dieses Jahr schon in Geiselwind gesehen, war das auf dem Metal Franconia? Auf jeden Fall spielten die sehr geile Mukke und ich fing sogar gleich das Moshen an. Es hatte sich ein kleiner Circle Pit gebildet, zuerst aus drei, dann aus vier Buben, die da voller Energie lustig im Kreis hüpften.

Ich hörte mir den ganzen Gig an, der war richtig geil.

Anschließend ging ich hoch zum Merch und wollte mir eine CD kaufen. Tja, und jetzt wusste ich wieder nicht: Hatte ich schon eine CD von denen? Sie hatten zwei Alben, und beide Cover sagten mir nichts. Das kommt nur von dem blöden mp3-Zeug. Da ist alles als Datenpaket auf einem Stick, und ich habe meist keine Ahnung, wie der Song heißt, den ich grad hör, von wem er ist und schon gar nicht, von welchem Album, und drum weiß ich auch gar nicht, welches Album ich schon habe und welches noch nicht. Da beide CDs von Morgarten aber je nur 10 € kostete, kaufte ich einfach beide . Wenn ich eine schon habe, kriegt sie halt jemand geschenkt.

Ich ging wieder zurück ins Camp, denn es war ja erst früher Nachmittag. Da fand ich nun auch des Ralfs feine Bratwürstchen, hier lagen sie unter dem Naglfar. Schade um das Essen, weil diese vergorenen Teile fressen nicht mal mehr die Ranch-Füchse . Das andere Fresszeug, das Ralf sich gekauft hatte (diese Instant-Suppen) lagen genauso "frisch" daneben. Hatte der überhaupt schon was gegessen?

Jetzt fing es an zu regnen. Ich hockte noch beim Harry unter der Plane, verzog mich dann aber ins Auto, weil es wurde draußen sehr ungemütlich. Nornir, die ich als Nächstes sehen wollte, spielten erst um 18:30 Uhr. Was sollte ich bis dort hin machen? Ich stellte mir den Wecker auf 18:15, legte mich ins Bett und machte einen Power-Nap. Erstaunlich fit wachte ich nach dem Stündchen wieder auf, zog mir die Stiefel an und ging vor zum Infield.

Als ich zuhause gelesen hatte, dass Nornir auf der Running Order standen, suchte ich mein Nornir-Shirt. Ich fand es in der dreckigen Wäsche im Wäschekorb mit dicken Schweißrändern und ziemlich müffelnd . Bei der Wolfszeit-Planung letzten Samstag im Hof erzählte Ralf, er wollte noch seine Wäsche waschen, und da gab ich ihm mein Nornir-Shirt, dass er's doch mit-wusch. Am Dienstagabend ging ich noch schnell hoch auf den Dachboden: Da hatte Ralf seine Wäsche an die Leine gehängt, und da hing ja auch mein frisch gewaschenes Nornir-Shirt ! Ich nahms von der Leine und packte es gleich ein.

So ein Haufen Terz um ein Shirt, und da hatte ich es jetzt an, aber vor lauter Hoodie, Jacke und Regenmantel drüber sah man es gar nicht . Das Wetter war ziemlich desolat. Trotzdem lief ich runter auf die Area, stellte mich unter meinen Schirm da hin und guckte mir den ganzen Gig von Nornir an. Leider kann man natürlich so voll eingepackt nicht moshen, und mit dem Schirm in der Hand konnte ich nicht mal richtig klatschen. Der Gig war geil, aber mit Sonne und Bierdurst wär's natürlich viel geiler gewesen.

Ich ging anschließend mal rauf an den Merch und kaufte mir nun endlich auch mal eine CD von Nornir. Da oben auf den Bierbänken unter den großen Schirmen saßen Harry und Carmen, da setzte ich mich dazu. Harry übertreibt's jetzt aber schon: Er hatte sogar Handschuhe an! Na, sooo kalt war's nun aber auch wieder nicht . Es fror ihn, er wollte zurück ins Camp. "Kannst du meinen Schirm mitnehmen und einfach unters Auto schmeißen?" bat ich ihn, weil meine WetterApp hatte gemeldet, der Regen hörte bis 20 Uhr auf. Es tröpfelte auch nur noch mäßig und der Regenmantel würde reichen.

So guckte ich eine Weile Manegarm an. Da störte mich aber auch mein Regenmantel: Wenn man ins Schwitzen kommt, wird's darunter feucht, weil durch die Gummihaut kommt ja keine Luft. Also lief ich doch selber ins Camp, brachte meine Gummihaut zurück, gab mir ein Bier und kramte meinen Mittelaltermantel aus dem Schrank. In den konnte man sich so richtig schön einkuscheln, und das war dann wirklich warm . So lief ich wieder runter.

Ich holte mir ein paar Frühlingsrollen vom Asia-Stand, setzte mich auf die Bänke oben und futterte. Da waren sogar Heizpilze am Laufen! Also die Orga war echt super! Ganz großes Lob für alles: Die Dixis waren immer sauber, es waren auch genug am Platz, alle paar Meter welche, es waren neben den großen Bierzelten auch genug Sonnenschirme da, darunter ausreichend Bänke, sodass man halbwegs im Trockenen sitzen konnte, es waren sogar Heizpilze aufgestellt, und vorhin habe ich nach der heutigen Regennacht noch gehört, wie schwere Fahrzeuge vorn vorfuhren, LKW und Radlader, und wahrscheinlich tonnenweise Rindenmulch verteilt hatten (ich war noch nicht vorn, werd's später dann sehen).

Vor der Bühne in der ersten Reihe stand der Harry und wartete auf Varg. Die brauchten aber noch, ich wollte mich da jetzt nicht so lang noch hinstellen. Ich lief noch ein bisschen über den Platz und besuchte den Greimi an seinem Bierstand.

"Ein Bier, bitte" bestellte ich und unterhielt mich mit dem Manfred, der auch dort stand.

Jetzt kamen Varg, aber leider fing es fast zeitgleich zu schütten an, da blieb ich unter dem heimeligen Dach von Greimi's Bierstand. Es schüttete aber immer mehr, das Wasser tropfte am Rand vom Dach in fetten Strähnen runter. Von fern hörten wir also den Varg zu. Ich dachte an den armen Harry, der dort gerade in der ersten Reihe voll den Regen ab kriegte und wohl kaum raus kam, wie das in ersten Reihen halt immer so ist.

Als der Regen einmal leicht nachließ - aus dem Bierstand sah es aus, als hätte es fast aufgehört - lief ich vor an die Bühne. Unter meinem Mittelaltermantel war es warm und trocken, aber wenn man hier aus dem Finstern vor zu den beleuchteten Varg sah, konnte man die fetten Ströme erkennen, die es noch regnete. In kurzer Zeit würde auch der Mantel nass sein, da lief ich lieber wieder zurück an den Bierstand

Manfred war dann weg, Greimi war im Dienst, und als ich so alleine dort stand, quatschte mich natürlich gleich ein Kerl an.

Er erzählte mir, dass er seit Kurzem wieder Single sei, aber noch heftigen Sex mit seiner Ex hätte und besonders würde er lieben, wenn er zwischen den Ar*schbacken...
Ach, pfui Deifl! Auf Schleckerei kann ich ja sowieso nicht, da wird es mir echt schlecht. Ich find es so widerlich und entwürdigend für den Mann, wenn der seine Nase da unten wie ein dreckiger Köter umeinandersteckt, den kann ich ja überhaupt nicht mehr als Mensch respektieren, und mich graust's nur noch, weil man muss sich ja vorstellen: Ich soll den Kerl ja danach wieder küssen. Da könnt ich ja gleich die Kloschüssel austrinken, mir kommt's gleich HOCH . Ich schilderte meine Abscheu mit ekelverzogener Miene und vielen Wääähs und Kotzgeräuschen so anschaulich, dass dem Kerl dann auch gleich verging, mir noch weiter Einzelheiten zu erzählen .

Der Regen hatte nun aufgehört, und ich nutzte die Gelegenheit, zurück zum Camp zu laufen. Harry kam daher und wir rätselten rum, ob wir wieder runter sollten, um uns jetzt Taake anzuschaun. Ja, die würden mich nun schon sehr reizen, meinte ich, aber das Wetter war mir zu heikel, ich blieb mal lieber zuhause. Harry ging runter. Es dauerte noch ein paar Minuten, da kam der fetteste Wolkenbruch dieses Tages, und der Regen schüttete so hart gegen das Naglfar, dass ich dann später vor lauter Geprassel kaum schlafen konnte. Armer Harry!

Freitag, 21. August 2026

Wolfszeit am Donnerstag

(Gefühlt) mitten in der Nacht um 10:30 Uhr klopfte es kräftig an das Naglfar. Oh, ich schlief so gut! Ich schob die Rollos hoch und machte das Fenster auf. Draußen stand Torsten und seine Jungs: "Du hast keinen Platz für mich reserviert!" beschwerte er sich. Harry war der Erste, er hatte reserviert - leider nur 1 Platz und da stand ich natürlich drin. Wo sollte sich Torsten jetzt hinstellen?

Ein Blick in die Runde: Da lag mein Pavillon, oder besser das, was von ihm übrig geblieben war . Der Sturm hatte ganze Arbeit geleistet. Ralf entsorgte gleich die Reste, und auf den Platz könnte sich Torsten stellen, aber der stellte sich dann lieber drüben in die andere Reihe. Na, auch gut.

Ich kochte Kaffee, setzte mich hin zum Frühstück und fing an, Bilder zu sortieren und meinen Bericht zu schreiben. Da tauchte Carmen mit Mann auf. Sie hockten sich rein ins Naglfar und wir unterhielten uns, aber leider durfte ich von Carmens Mann kein Foto machen. Na, sooo hässlich war er doch auch wieder nicht ? Harry kam dazu und so laberten wir eins auf. Die erste Band fing schon an und ich war mit meinem Bericht noch nicht weiter gekommen. Da schmiss ich alle raus und tippte.

Eigentlich hätte ich Darkkirchensteuer sehen wollen, was für ein Name ! Die hörten sich auch hier oben recht gut an, aber ich tippte. Erst zu Boötes Void schaffte ich es runter aufs Infield.

Da stand Torsten - bereits ziemlich beömmelt. Kein Bier vor vier, drum hatte er sich bis jetzt seine berühmte "Mischung" einverleibt, bestehend aus 1 Teil O-Saft + 4 Teilen Wodka oder so. Aus einer Plastikdose mit ehemals Pfirsich-Eistee-Pulver hatte er vorhin eine undefinierbare Suppe getrunken. Ich befürchtete ja, er hatte in das Eistee-Granulat einfach den Wodka reingeschüttet und rumgerührt, damit die "Mischung" nicht so sehr von unalkoholischem Saft durchtränkt war - praktisch reiner Wodka mit einem Löffel Pfirsich-Pulver. "Trink, trink!" nötigte er mich, und zum 101. Mal sagte ich, dass ich das süße Zeug nicht mag und hielt 1 Armlänge Abstand.
Auf dem Infield füllte er nun an der Wolfszeit-Bar schon wieder alle Freunde mit Cocktails ab und erzählte seltsames Zeug, unter anderem "Metal ist ein geiler Scheiß!". Mann, es war erst vier Uhr nachmittags?!

Die Karin kam daher gelaufen, sieh an! Sie war mit der Fotografin hergefahren, diese stand nun schon vorn vor der Bühne im Graben und fotografierte, und Karins Zelt und Zeug lagen noch bei ihr im verschlossenem Auto. Da wuselte Karin gleich weiter, die Fotografin abfangen, um an ihr Zeug zu kommen. "Sieh zu, dass du dein Zelt aufbaust, noch vor dem Abend!" rief ich ihr hinterher, denn gestern war jeder verloren, der sich vor dem Unwetter nicht wenigstens ins Zelt flüchten konnte.

Oben auf dem Hügel vor dem Merch traf ich dann die Carmen wieder. Die war nur wegen Finntroll gekommen, auch wenn diese wieder mit dem "Ersatzsänger" auftraten. Sie war so in diesen Matthias (der erste Sänger) vernarrt, dass sie sich Finntroll sogar ohne den anschauen wollte, nur wegen dem .

Bevor jetzt Wolfchant kamen, lief ich noch schnell zurück auf den Campground und packte den Grill aus. Ich hatte mir am Mittwochabend im Kaufland eine große Packung Cevapcici gekauft, und die musste ich jetzt grillen, sonst waren sie verdorben, war es ja jetzt schon heikel. Wo waren eigentlich die Würstchen, die sich Ralf gekauft hatte? Hat er die roh gegessen? Ich fürchte, die können wir dann am Sonntag zuhause auf die Ranch schmeißen für die Aasfresser (Füchse) . Die Cevapcici schmeckten noch sehr gut, aber sie waren stark mit Knoblauch und Chili gewürzt, man schmeckte nicht raus, ob sie schon einen Stich hatten. Ich aß mal lieber nur 5 Stück, damit wurde mein Magen schon fertig. Damit war ich auch satt und machte mich runter aufs Infield.

Da kamen nun Wolfchant. Die hatte ich schon öfter gesehen, ich glaube, auch erst auf dem Party San, aber noch nie waren sie mir so positiv aufgefallen. Zu Beginn kam ein sehr hübsches Mädel auf die Bühne und tanzte da mit Fackeln herum. Dann kamen die Musiker der Reihe nach rein und spielten los. Es gefiel mir recht gut, aber dann sagten sie einen Song an von "unserem neuen Album", und der Song war richtig gut. Ich lief rauf auf den Hügel zum Merch und kaufte dieses Album. Naja, wieder 1 CD mehr. Die hör ich dann im Röhrle, darin kann ich nur CDs abspielen lassen, und neue Musik ist da tatsächlich mal wieder fällig, ich kann meinen alten Kram bald nicht mehr hören.
Wie war das nur in meinen Teenie-Zeiten? Ich kaufte mir damals 1 Schallplatte und hörte die Monate lang, weil mein Taschengeld nicht für mehr reichte .

Vom Merch auf dem Hügel hatte ich einen guten Überblick. Da vorn im Publikum tanzte einer rum mit einem Wikingerhelm. Wollte der unserem Greimi Konkurrenz machen? Ich guckte genauer hin: Mensch, das war doch der Manfred aus Kassel?! Ich lief gleich runter, wühlte mich durch die Menge und begrüßte ihn. Der Helm war echt schick, fand ich, und er stand ihm richtig gut !

Die Sonne war am Sinken, und die Wikinger aus dem heidnischen Dorf marschierten nun ein. Schnell lief ich zum Naglfar, um mein Fell zu holen. Mensch, was für ein Zufall: Da lag in der Mittelalterkiste auch diese kleine Kindertrommel, die ich erst neulich zuhause mit Bienenwachs poliert hatte. Die nahm ich doch gleich auch mit - und natürlich mein Rufhorn.


Vor der Bühne hatten sich nun alle in einem weiten Kreis gesammelt, denn da war für das Blot aufgebaut. Greimi stand dort - Wikinger unter sich - und er schenkte mir eine selber ausgedruckte, kleine, schwarze Pommesgabel. Der Greimi und sein 3D-Drucker, jaja .

Da ganz vorn in der ersten Reihe hockte der Harry! Ich lief gleich hin und setzte mich neben ihm auf den Boden, die Trommel auf den Beinen, das Horn daneben - ein Logenplatz.

Die Mittelalter-Leute fingen nun an, auf ihren Schamanentrommeln zu trommeln. Die Krieger klopften auf ihre Schilde. Ich trommelte einfach mit auf meiner kleinen Kindertrommel, aber die hatte ja einen richtig guten Klang. Anfangs trommelte ich noch recht zaghaft und lieber etwas leiser, wollte ich auf keinen Fall aus dem Takt fallen.

Voenix trat nun auf die kleine Bühne und sagte das Blot an und das acustic Set von Varg.

Torsten war zum Glück nicht da. Ich hatte ihm vorhin schon verklickert, dass ich dieses Mal bei dem Blot nicht gestört werden will. Es sei auch nicht damit getan, dass ich ihm eine pfeffere (wie letztes Jahr), weil das alles killt meine Stimmung, um die es hier ja gerade geht. Er braucht das auch gar nicht verstehen, einfach nur akzeptieren und mir beim Blot fern bleiben. Er könnte ja derweil auf Kacken gehen, da, Freund, trink noch eins!

Da saß ich also und guckte verzückt zu. Der Voenix hatte eine neue Gewandung, einen Helm mit Hirschgeweihen, richtig schön. So stellte ich mir auch die lebendige Schamanin von Dürrenberg vor, die ich mal wieder besuchen sollte, naja, vielleicht im nächsten Frühjahr.

Das Wolfszeit ist so ein herrlich markantes Event, in dem alles zusammen kommt: Metal, Mittelalter und Moderne. Ausgesprochen schön .

Da standen nun Varg auf der kleinen Bühne und sangen ihre wunderschönen Lieder bis die Sonne unter gegangen war und es dunkel genug geworden war.

Danach entzündete einer das Wolfszeit-Zeichen. Es wurde mächtig heiß! Die Leute - auch die Darsteller und der Voenix - rückten ein paar Meter weg, und auch ich da vorn in der ersten Reihe kriegte noch ordentlich was von der Hitze ab, hui. Als das Feuer etwas kleiner wurde, stellten sich die Schamanen wieder hoch und fingen an mit dem Ritual. Sie dankten den Ahnen und den Geistern dieses Landes die hier sonst weilten, wenn die Menschen nicht da waren. Sie gedachten der Götter, dem Allvater Odin, thematisierten die Vergänglichkeit und dass man mit dem Tod nicht fort sei, sondern nur überging in eine andere Welt. Die Verstorbenen seien nicht tot, so lange ihrer noch jemand in seinem Herzen gedachte.
Na, wenn dabei noch Bewusstsein bei ihnen bestünde, wäre ich schon zufrieden. Bestünde jedoch Bewusstsein bei jemanden, nur weil man ihn im Herzen trägt, dann bestünde ja kein Bewusstsein bei denen, die nicht geliebt werden, oder doppeltes Bewusstsein bei den Geliebten? Das ist doch Unsinn! ...Aber die Logik killte die Stimmung, sofort kick und weg damit!

Dann fingen wieder die Trommeln an zu schlagen und ich schlug mit. Voenix sang und die Trommeln schlugen, bumbum booommm, bumbum booommm… ich konnte mich gut drauf einlassen und fühlte tatsächlich diesen Trancezustand, als gehörten alle Akteure zusammen inklusive der Geister. Ich wurde ganz glücklich bei dem Gedanken, wie in aller Welt ich nur drauf gekommen war, diese kleine Trommel mit ins Naglfar zu nehmen? ...und sie auch jetzt vor dem Blot noch schnell zu holen? ...und dass ich sie mit rein aufs Infield nehme durfte und hier mittrommeln konnte, obwohl ich ja gar keiner der Darsteller war: Es war toll! Es fielen einige Groschen in meiner Seele und ich trommelte und trommelte .
Ich war so ergriffen, dass ich ab hier gar keine Fotos mehr schoss, schade, denn nun wurden die Opfer-Hölzchen verteilt, und jeder ging ans Feuer, warf sein Opfer rein, auch ich. Meins flog diesmal mitten rein ins Feuer und dort blieb es auch, ich ging weiter und trommelte wieder. Ralf kam aus der Menge, ebenso ergriffen. Er war eins mit dem André, dem Wolf, der seit 3 Jahren nicht mehr unter uns weilte ... oder doch? Vielleicht! Wenn nicht, dann denken wir es uns, denn die Gedanken sind so wunderbar warm.

Das Blot fand ich wirklich wunderschön. Es ist für mich das Highlight vom Wolfszeit, allein nur deswegen würde ich schon herfahren.

Sie hatten auf der Bühne nun schon für Finntroll umgebaut, und nun räumte noch ein Radlader die Feuerschale und die kleine Bühne aus dem Gelände. Ich lief schnell raus zum Naglfar und brachte Trommel, Rufhorn und Fell zurück. Dann ging ich gleich wieder vor zu Finntroll, die jetzt spielten. Carmen war ganz enttäuscht: wieder nur der Ersatzsänger! Und auch Karin motzte: "Das sind nicht mehr die Finntroll, die ich kenne." Ich hatte mich nie so intensiv um Finntroll gekümmert, der Sängerwechsel war mir nie aufgefallen, und ich fand auch diesen Auftritt recht gut. Die Songs sind einfach lustig, find ich.

Nach Finntroll war für mich aber die Luft draußen. Es war ja erst knapp elf durch, aber ich war jetzt an dem Punkt, wo es mir reichte: Ich mochte kein Bier mehr, würde vor lauter Langweile bloß noch was essen, unnötige Kalorien in mich rein stopfen, muss auch nicht sein, und so lief ich verloren durch die Leute. Viel zu gucken gab's aber nicht mehr, weil es war ja längst finstere Nacht. Den King Kitty mit seinem beleuchteten Dildo sah ich noch durch die Menge schreiten. Carmen + Mann hatten sich verabschiedet, sie fuhren in ihr Hotel. Karin war nicht mehr zu finden. Im heidnischen Dorf sah ich am Feuer von weitem noch Torsten sitzen, der aber grad ne Frau vollquatschte, da wollte ich nicht stören.

Ich wartete Eisregen noch ab und hörte mir die ersten beiden Songs noch an. Naja, dann war's doch schon Mitternacht und ich machte mich heim ins Naglfar.