Sonntag, 31. Mai 2026

Pain & Gain, Zirndorf

Letzten Sonntag wäre ich eigentlich noch gern unterwegs geblieben, vielleicht noch in die Fränkische, aber am Samstagnachmittag bekam ich Zahnweh, rechts unten. Mein letzter, schwer geschädigter Backenzahn, von dem schon seit Jahren prophezeit wird: wenn er anfängt zu zicken, muss er raus. Das Zahnweh war nicht arg schlimm, es war auszuhalten, aber doch unangenehm genug, dass ich lieber mal heim fuhr. Am Donnerstag hatte ich nun einen Zahnarzttermin. "Wir probieren es noch einmal konservativ" sagte der Zahnarzt und spritzte irgendso ein Mittel in die "Tasche" bis runter zum Knochen, auuuu, tat das weh, jaul. Danach tat es noch 2 Stunden weh, dann wurde es leichter. Auch die geschwollene Backe beruhigte sich etwas. Gut war's aber nicht. Der Zahn wackelt und ich kann auf der linken Seite nimmer kauen und überhaupt regt mich das auf, der muss raus, möglichst noch vor dem Rock Harz, am besten sofort. Der Zahnarzt ist grad leider eine Woche im Urlaub, aber für übernächste Woche hab ich einen Termin, 1 Tag vor dem Feuertanz. Auch wurscht, raus mit dem Unhold!

Das versaut mir merklich die Laune. Für dieses Wochenende hatte ich drum auch nix allzu Tolles geplant und so ließ ich mir noch vor wenigen Tagen erst ein Ticket hinterlegen für das Pain & Gain in Zirndorf. Dorthin fuhr ich mit den Öffis, dem Bus. Dabei stellte ich fest, dass sich Nürnberg schon an Leipzig angepasst hat, nämlich zumindest in den Preisen: Unser 4er-Ticket kostet nun auch schon 14,60 € . Von der Haltestelle in Zirndorf musste ich noch ein paar Hundert Meter laufen, dann kam ich an den Sportplatz mit dem Vereinshaus, wo das Konzert stattfand.

Beginn war schon um 15 Uhr, da war ich natürlich noch zuhause beim Frühstücken und verpasste drum die erste Band. Als ich nun endlich dort war, stellte ich mich erst mal an der beachtlich langen Schlange am Bierausschank an. Es dauerte eine Weile bis ich dann endlich mal was zu trinken hatte und raus auf die Terrasse lief, wo eine Menge Leute saßen, die ich kannte. Der Klaus war sogar mit seinem "Mockerla" gekommen, sein Wohnmobil, das er eigens dazu extra aus Erlangen geholt hatte. Also nein, bei aller Liebe! Diese Location ist nur 8 km von mir zuhause entfernt, da könnt ich ja zur Not sogar noch heimlaufen, da kommt ja gar kein richtiges Reisefeeling auf, wenn ich da extra mit dem Naglfar her käm.

Ich ging dann mal in den Saal und hörte mir die Vorstellung an. Es war schwül und heiß, aber noch ging es drinnen, weil auch noch die meisten Leute außen herumdümpelten.

Da kamen nun interessante Buben auf die Bühne. Gewandet waren sie in Trachtenjacken und Tirolerhut, ordentlich kurzgeschoren, fein frisiert ... was sind denn nun das für Typen? Aber dann legten sie los und irritierten mein Empfinden noch mehr: astreiner Death-Metal!

Hört mal rein!

Ich konnte zuerst gar nicht hinschaun! Das ist ja wie wenn man einen feinen Kuchen mit Lebensmittelfarbe Lila einfärbt! Das Auge hört doch mit?! Fasziniert stand ich im Publikum und lauschte. Dann guckte ich rauf auf die Bühne. Dann guckte ich wieder weg: gibt's doch nicht?! Ich vermutete ja, dass sie auch noch deutsche Texte hatten, aber leider verstand man die Lyrics natürlich nicht *growl, gröl, brüll*.

Jetzt sitz ich zuhause, schreib Bericht und ärger mich, dass ich mir nicht wenigstens einen Patch gekauft habe, warum denn nicht? Sch*** Geiz-Trip, auf dem ich da bin. Seit Neuestem lauf ich schon von vorn herein mit dem Gedanken "es wird nix gekauft!" in die Konzis, was ich dann tatsächlich auch meistens durchzieh. Naja.

Nach dem Gig ging ich raus und setzte mich zu Freunden an den Tisch, laberte und lachte, holte mir noch ein Bier und auf diese Weise verpasste ich die nächste Band. Bei der übernächsten stand ich dann aber wieder drinnen auf der Matte: AnomiC, eine Band aus den Niederlanden. Es waren allerdings keine Holländer, sondern - wie ich grad online suchte - Syrer. Das erste Mal, dass ich angenehme Syrer sehe! Ein denkwürdiger Augenblick, denn der Anteil an Metal-Musikern und -Bands aus der islamischen Welt ist ja doch sehr, sehr gering. Musikalisch sind sie mir nun nicht so aufgefallen, aber der gigantische Bart von diesem Frontmann beeindruckte mich durchaus. Naja, die haben halt einfach in jeder Hinsicht mehr Testosteron als die Kerle hierzulande.

Ich hatte mir nun tatsächlich getraut, etwas zu futtern zu kaufen. Die Sportgaststätte ist nämlich von einem Chinesen gepachtet und es gibt dort leckeres China-Essen. Ich wollte schon lang wieder mal Chinesisch, konnte aber derzeit nun nicht wirklich beißen. Was gabs denn? Hühnchen oder Ente mit Gemüse - zu hart . Aber da: gebratene Nudeln! Die sind einen Versuch wert, also bestellte ich mir eine Portion. Da saß ich außen und ziepfte an meinen Nudeln rum. Nein, Essen machte keinen Spaß .

Meine Backe tat nicht wirklich gut, au. Also bestellte ich mir auch noch ein Eis. Das war prima! Ich schnullte also so mein Eis, das meinen Zahn kühlte, und hörte dabei den Totenlegion zu, die jetzt spielten.

Danach kamen Eisregen. Leider war es mittlerweile so derartig schwül und stickig in dem Saal geworden, man hielt's nicht aus. Sie hatten zwar oben an jeder Seite 3 große Ventilatoren auf Volldampf laufen, aber sie durften wegen der Anwohner und dem "Lärm" kein Fenster aufmachen und so bliesen die Ventilatoren eigentlich nur die heiße Luft von vorn nach hinten und zurück. Ich hatte einen Fächer dabei und fächelte herum, aber das hatte nur denselben Effekt, Drecksluftumwälzer.

Zudem hatte ich mich anfangs ziemlich weit vor gestellt und dort auch den ein oder anderen Mosher gewagt, ein bisschen nur getanzt, und war hoffnungslos durchgeschwitzt. Ich ging lieber wieder nach hinten in Richtung der halb offenen Tür, aber das war dort wie eine Grenze: Innerhalb der Schwelle war es brütend heiß, außen merklich lüftiger. Also stellte ich mich raus und guckte von außen zu. Das ist dann stimmungsmäßig natürlich auch nicht so der Burner .

Also für nächstes Jahr schlage ich echt dort eine Belüftungsanlage vor! Nur irgendein dickes Rohr, das von außen Frischluft nach innen bläst, kann doch nicht allzu teuer sein? Mit entsprechendem Aufpreis wär ich einverstanden, weil das hältst ja da drin nicht aus, und die Band da oben tat mir grad gescheit Leid. Wär eigentlich ein schönes Konzi gewesen, aber die Leute verließen Stück für Stück den Saal, bevor sie noch umfallen würden.

Auch ich lief raus auf die Terrasse und fand dort diesen wunderschönen Vollmond vor. Ein wenig saß ich dort noch rum und lauschte von außen, aber dann machte ich mich doch auf den Heimweg zur Bushaltestelle. Das Konzert wäre anwohnertechnisch eh nur bis 23:30 gegangen, also nimmer lang.

Sonntag, 24. Mai 2026

Ritterfest Posterstein

Jetzt hing ich noch ein Mittelalterfest an die Reise, wenn da schon eins war. Ich fuhr nur schnell noch in Leipzig einkaufen, denn ich hatte kein Wasser mehr (fast so wichtig wie Bier). Dann dieselte ich los nach Süden.

Die Fahrt von Leipzig bis nach Posterstein ging nur ein relativ kurzes Stück über die Autobahn, dann nur noch über die Landstraße. Die Landschaft war aber einfach herrlich! Dazu war es ziemlich warm geworden, und obwohl ich nur ein knappes Shirt und kurze Hosen anhatte, schwitze ich fürchterlich. Da hatte wir nun in der Zeitspanne meines Urlaubs von nur 10 Tagen alles durch von nahe dem Gefrierpunkt bei eisigem Nieselregen mit Winterjacke, Handschuhe und Mütze bis zu 30 Grad im Schatten wie im Hochsommer.

Ich fuhr etwas über ein Stündchen. Landkartenmäßig ging es nach Süden und ich dachte, da sei ich ja wenigstens mal ein Stückchen in Richtung Heimat. Als ich dort war, staunte ich: Es waren nur noch 18 km bis Gera? Nein, nach Gera wollte ich doch dieses Mal gar nicht hin ! Aber ja doch, das war ein Stückchen südlicher als Leipzig.

Ich fuhr auf die Parkwiese, da kam aus dem Eingangszelt ein Kind gelaufen, das hier die Gebühr kassierte und zwar satte 10 € für eine Übernachtung. Na, das sind ja gesalzene Preise! Überhaupt: Parkgebühr auf einem Mittelalterfest? Das hatte ich bisher auch noch nicht erlebt, nicht mal auf Rabenstein. Naja gut. Ich zahlte mal nur 10 € für 1 Nacht. Wenn ich morgen noch bleiben wollte, würde ich nachzahlen.

Ich parkte also, richtete mich ein und gewandete mich. Dann lief ich los. Nach kurzem Fußweg stellte ich fest, dass ich noch ewig weit zu latschen hatte und drehte wieder um, aus dem Naglfar das Fahrrad zu holen. Also radelte ich dann hin ... auf meinem hellblauen Ross , ein echt mittelalterliches Klapp-Ross .

Ich radelte an Gärten vorbei, wo Kinder und Eltern ihre abgelegten Kindersachen verkaufen wollten. Teuer war's nicht, und teilweise war es sogar zu verschenken, aber es war nichts dabei, was ich hätte brauchen können.

Dann war ich am Eingang. Erwachsene kosteten 15 € (!) Eintritt, Gewandete "nur" 10 €, also das ist ja echt ne fette Abzocke, gefiel mir gar nicht . Das Ritterfest war um eine kleine, hübsche Burg. In der Burg gab es ein kleines Museum, und das guckte ich mir gleich mal an.

Alte Möbel, Gebrauchsgegenstände, Statuen, Geschirr und Musikinstrumente waren ausgestellt. Das war so weit recht nett, insbesondere weil es beim Eintritt dabei war und nicht nochmal extra was kostete. In der Burg war es vor allem auch angenehm kühl. Ich guckte mir die Ausstellung an, war aber noch immer vom Museum in Halle so geflasht, dass das nun erst mal nix anderes toppen kann.

Ich ging wieder runter und guckte mir nun mal den Markt an. Naja, der war nix Besonderes, fand ich. Viele Buden waren es nicht, das Lager bestand auch nur aus ein paar Zelten, die Anzahl der Handwerker waren eher dürftig, die Waren ziemlich viel Krimskrams weit von "A" entfernt, es liefen sehr viele Kinder herum, das Programm war auch eher eben für die Kinder (wie bei uns immer am Sonntag) und das besonders Blöde war - was ich mir ja eigentlich hätte denken können - ich kannte keinen Menschen (außer diesen einen Facebook-Freund und der war hier Fotograf und insofern andauernd beschäftigt).

Immerhin wurden Ritterspiele und später ein bisschen Feuershow aufgeführt, was im Preis inbegriffen war. Leider war's bei der Feuershow noch gar nicht richtig finster, da wirkte das nicht so richtig. Bereits um 21 Uhr fingen die ersten Buden an, ihr Zeug abzudecken und Vorhänge vorzuziehen. Auf der Bühne spielte nun eine Band bzw. ein Duo, naja so mittelalterliche Dudelmusik mit Pfeifen und Hümmelchen.

Ich mochte nichts trinken, irgendwie lohnte sich das nicht, und essen wollte ich auch nichts, war vorhin nur schnell mal zum Auto zurück geradelt und futterte Wurst und Käse vom Rewe und ein Brot. Also weiters ausgegeben habe ich gar nichts, aber das reicht ja auch.

Am Sonntagmorgen fuhr ich gleich weiter. Zuerst überlegte ich noch, vielleicht noch einen Tag in der Fränkischen irgendwo zu bleiben, Teufelshöhle vielleicht, Pottenstein, aber dann fuhr ich doch lieber heim. Für die Fränkische mach ich mal ne extra Tour.

Auf der Autobahn kam ich tatsächlich genau nach Gera und fuhr dran vorbei. Von dort aus waren es nur noch knapp 200 km bis Nürnberg. Da bin ich nun wieder - und nachdem ich meine ganzen Kisten und Waschkörbe voller Zeug raufgeschleppt und aufgeräumt hatte, schmeiß ich mich jetzt in die Badewanne. Das hab ich dringend nötig .

Leichenwagen-Corso

Zwei LKW hatten sich in der Nacht noch hinter die Wohnmobile gepresst. Dafür war der Van vor mir schon abgefahren. Ich kochte mir einen Kaffee, frühstückte, als draußen immer mehr Leute auftauchten und auch immer mehr Autos anfuhren. Bald war kein Parkplatz mehr frei. Da ging ich doch mal raus und guckte mich um.

Sieh an: Die Rostmanufaktur hatte ihren Firmenwagen hierher geparkt. Er ist übrigens zu verkaufen, nur leichte Roststellen . Ob mit oder ohne TÜV? Das weiß ich nicht.

Vorne am Eck stand ein Trabbi mit Hänger. Er war dekoriert mit Skeletten von Menschen, Engeln und Tieren und insbesondere von Geiern.

Es dauerte gar nicht lange, da tauchte ein Trabbi-Konvoi auf.

Die Trabbis hatten History-Kennzeichen, d.h. an ihnen war noch alles original. Sie hatten auch diesen typischen Trabbi-Sound, so ein komisches Rasenmähergeräusch beim Fahren, tuk tuk tuk. Wenn man bedenkt: Die Wende ist 35 Jahre her, die Pappe-Wägelchen mindestens ebenso alt, und noch stehen sie da wie ne Eins!

Einige Ratten waren jetzt auf dem Parkplatz vorgefahren. Da stand ein schöner alter Mercedes aus Berlin. Ja, ich erinnere mich: Manche Mercedesse damals hatten seitlich so "Antennen" dran. Für was das gut sein sollte? Eine Einparkhilfe, ein Fadenkreuz?

Die Mercedesratte war liebevoll dekoriert mit Moosbewuchs (wie das bloß hält?), und im Moos hockten Tierchen, z.B. kleine Frösche oder Spinnen.

Eine Reihe weiterer History-Autos fuhr vor. Ach, was für ein schöner, alter Opel! Als Kombi hatte den damals mein Papa, und als ich meinen Führerschein ganz frisch hatte, durfte ich ab und zu mit der Schüssel fahren. Mei, das ist über 45 Jahre her und ich erinnerte mich grad genau, wie ich mit dem Opel-Kombi vor das Groovy ins Parkhaus einfuhr und sich meine Freunde einfach quer auf die Kühlerhaube schmissen. Mei, was haben wir damals für Sachen getrieben?! *in Erinnerung schwelg*

Es sollte nun hier der Leichenwagen-Corso starten, hatte ich gehört, aber niemand wusste genau, wo. Letztes Jahr sollen sich die Leichenwagen genau dort gesammelt haben, wo jetzt das Naglfar stand und die LKW. Einige Gothics liefen vor zum großen Parkplatz, also lief ich da auch mal hin. Sie überquerten die Straße, aber dort war jetzt das Bierfest. In den Bierbuden verliefen sich alle, und ich wusste nicht, wohin es ging. Ich drehte eine große Runde und lief wieder zurück. Es war seit gestern urplötzlich schweineheiß geworden, ich trug Ballerinas, sah totschick aus, nur hatte ich keine Strümpfe an. Ich merkte bald, dass ich mir die Füße aufscheuerte. Also lief ich vorsichtig zurück zum Naglfar, zog Socken und andere Schuhe an, nachdem ich mich mit Pflaster verarztet hatte.

Wieder lief ich los und irgendwann wurde ich fündig: hier stand schon die Pferdekutsche und die ersten beiden Leichenwagen.

Die Bullerei fuhr jetzt mit Blaulicht und Motorrädern vor und eine Menge Leute hatten sich eingefunden, Gothics und StiNos (Stink-Normalos). Dann kamen die Autos, eines schöner als das andere. Es gab moderne, die aussahen wie Raketen, und viele History-Autos - ohne Klimaanlage und die Beifahrerinnen wedelten sich mit Fächern frische Luft zu.

Bald lag eine Auspuffgas-Wolke in der Luft, die ihresgleichen nur ein paar Jahrzehnte früher fand, eiiin Qualm! Da waren ja Schiffe dabei, die fraßen noch 25 Liter/100 km, Modelle von vor der Ölkrise (in den 70er Jahren). Da merkt man erst mal, was wir heute für eine tolle Umwelt und saubere Luft haben, wie umweltfreundlich und toll unsere Autos geworden sind, und trotzdem wird überall nur drüber gejammert.


Manche der schönen Autos waren so alt und hinüber, dass sie leider nicht mehr selber fahren konnten. Aber das macht nix, dafür hatten sich Lösungen gefunden .

Da sammelten sich nun die ganzen Autos und starteten dann zu einer Rundfahrt um Leipzig.

Ich lief zurück zum Naglfar. Mein Gothic-Programm war damit beendet, ich wollte abreisen. Ich hatte mir überlegt, vielleicht doch noch das Völkerschlachtdenkmal zu besteigen, zumal ich auch von außen einen Lift drinnen zu sehen glaubte, aber es reizte mich nicht wirklich. Was sollte ich noch hier, meine Straba-Fahrkarte war verbraucht, wo sollte ich noch hin? Es gab einige Events, wo man auch ohne Bändchen an der Abendkasse reinkam, aber Disco, Dancing und Fetish… da bin ich einfach zu alt, ist halt so.