Mittwoch, 24. Juni 2026

Erfurt, Ega-Park

Am Dienstag hatten wir Betriebsausflug. Wir wollten nach Erfurt und dort den Ega-Park besuchen. Das dauerte den ganzen Tag und ich würde erst am späten Nachmittag um 17:45 Uhr wieder am Nürnberger Hauptbahnhof ankommen. Damit ich von dort so schnell wie möglich auf die Ranch fahren konnte, fuhr ich frühmorgens mit dem Auto (!) zum Bahnhof und stellte es dort ins Parkhaus. Wenn ich dann abends hier wieder ankam, könnte ich gleich weiter fahren.

In der Mittelhalle traf ich gleich 2 Kolleginnen, auf dem Bahnsteig sammelte sich dann der Rest, und da kam auch schon unser Zug. Er war erstens pünktlich (!) und zweitens funktionierte die Klimaanlage , na, das war doch schon mal was.

Mit bis zu 240 km/h rauschten wir dahin (Bildschirm 1: erste Zeile in der Mitte steht die Geschwindigkeit). Ratzfatz waren wir in Erfurt. Es dauerte eine gute Stunde, man hatte kaum Zeit für einen gemütlichen Plausch, schon waren wir da.

Am Erfurter Hauptbahnhof kennen wir uns aus, weil da sind wir ja öfters, immer, wenn wir nach Gera fahren. Unter den Gleisen fährt die Straßenbahn durch einen Tunnel, da warteten wir an der Haltestelle. Nun kam eine Grundschulklasse mit 4 Lehrern, die hatten wohl heute Schulausflug und warteten auch. Die Kinder waren zwar alle brav, gingen schön Hand in Hand, aber ein Lärmpegel lag natürlich gleich in der Luft, denn sie schrien und quietschten, lachten und kreischten. Sie stiegen alle in den vorderen Wagen und wir dann ganz schnell in den hinteren .

Am Ega-Park stiegen wir alle aus - und die Schulklasse auch. Das hätten wir uns ja denken können, wo sollen die schon sonst hin wollen? Wir ließen die Knilche dann am Eingang alle vor, und sie durften zuerst rein, damit sie nur fort waren. Für einen Moment war eine erholsame Ruhe.

Als wir dann endlich auch drin waren, verteilte unser Orga-Team Fragebögen. Lauter Fragen zum Park waren da drauf, wieviel Stufen der Aussichtsturm hatte, welche Tiere im Wüstenhaus lebten und wie hoch die Temperatur im Tropenhaus sei: Naja, etwas weniger als die heutige Außentemperatur, schätzte ich. Es waren heute 35°C gemeldet. Nein, nicht im Tropenhaus - an diesem wunderschönen Sommertag hier in Erfurt .
Wir sollten Teams bilden, um die Fragen zu beantworten, und so fand ich mich aus Versehen im Team mit unserem obersten Chef, dessen Sekretärin, meiner Kollegin Karin und der gemütlichen Gewerkschafterin. Also stiefelten wir zu fünft los.

Links unseres Weges sahen wir ein großes Planschbecken, eine Hüpfburg, einen kleinen Bauernhof mit Ponys, E‪sel, Entenküken und den begeisterten Schulkindern aus der Straßenbahn. Na, die hatten wir los! Eine durchdachte, praktische Aufteilung, hier, doch .

Wir gingen weiter und guckten uns als ersten das Wüstenhaus an. Dort waren alle Fenster geöffnet, denn heute war der ideale Wüstentag, die Sonne brannte runter, und die heiße Luft strömte von außen durchs ganze Gebäude. Gigantische Kakteen wuchsen dort.

Die Höhe dieser Schwiegermuttersitze lag mind. bei 1 m. Bei den Pflanzen waren Barcodes angebracht. Schon als wir im Eingangsbereich reinliefen, gab es in der Wand Schubläden zum Rausziehen, worin Litaneien und Erklärungen zu den Kakteen und der Landschaft enthalten waren, weiter führende Links und jede Menge kluges Zeug, aber so viel Zeit hat man ja leider nicht, das alles auch noch genau zu lesen. Schade. Nun, dieser ega-Park könnte ein Punkt auf meiner Renten-to-do-Liste werden, dass ich mir das Wesentliche noch einmal reinzieh, wenn ich nächstes Jahr viel, viel Zeit habe .

Einige Wüstentiere gab es auch zu sehen, z.B. so eine komische Maus, der Kurzohrrüsselspringer, auch Elefantenspitzmaus genannt, aber der saß nur müde rum und bewegte sich kaum. Dagegen gabs mehrere Terrarien mit verschiedenen, teils recht großen Ameisen, die wibbelten recht emsig umeinander.

In einem Minitümpel saß eine fette Kröte, über einem Ast hing eine seltsame grüne Schlange, aber die Wüstentiere hatten eins gemeinsam - übrigens auch mit uns, heute: Sie mochten sich kaum bewegen vor lauter Hitze.

Wir gingen durch einen Vorhang aus Seilen rüber ins Tropenhaus. Die Temperatur war ungefähr gleich dem Wüstenhaus und der Erfurter Außentemperatur, nur die Luftfeuchtigkeit war höher. Hier flatterten eine Menge ziemlich großer Schmetterlinge rum, leuchtend blau, bunt, orange mit schwarz.

Es gab auch Wasserbassins mit recht fetten Fischen, bis zu 1 m groß, und bunte Vögel saßen in den Bäumen. Andauernd zwitscherte, summte und quakte es, aber das tut's im Kölle Gartencenter auch, also das ist wohl nur eingespielt. Wir waren durch und stellten fest, dass jetzt die Schulkinder mit den Lehrern kamen: Nichts wie raus!

Karin wollte nun den Rosengarten sehen, also liefen wir dort hin. Die große Blüte hatten wir verpasst, sie war wohl ein paar Wochen vorher im Frühling, aber einige blühten schon noch.

Mitten im Rosengarten war auch ein Imkerhaus. Ausgestellt waren dort historische Utensilien der Imker, Honigpressen, Schwarmfänger und natürlich verschiedenen Bienenkörbe. Da ums Eck waren aber auch ganz aktuelle Bienenstöcke, die man sich anschaun konnte. Ein Schild hing dort, dass die Bienen fei eventuell stechen können. Ach nee, wirklich? Bienen können stechen, echt?

Wir liefen nun weiter und kamen zum Aussichtsturm. Der Chef gönnte sich eine Pause auf einer schattigen Bank und lief nicht mit hoch, während ich schon gleich mal im 2. Stock war. Ha, das Teil hat nicht mal die Hälfte vom Barbarossa-Denkmal, ein lächerliches Türmchen *rauf-schnür*. Schon stand ich oben. Die Aussicht war nett, denn in der Ebene lag die Stadt Erfurt und man konnte alles überblicken. "Hat jemand gezählt, wie viel Stufen es waren?" fragte Karin. Oh nein, das hatten wir vergessen! Wir würden beim Abstieg zählen. Eins, zwei, drei... die Sekretärin und ich waren nun eine Etappe weiter unten: "61" sagte sie, "71" sagte ich - ich zähle immer bloß bis 10 und markiere meine Zehner mit den Fingern, vielleicht hatte ich einen zu viel gestreckt? "60" hatte Karin gezählt. Nehmen wir die Gemeinsamkeiten der Ergebnisse: die 6 Zehner und die Einser, so entschieden wir uns für 61. Weiter gings bis ganz runter.

Unten stand das andere Team: "Wieviel habt denn ihr?" fragten wir gleich, und einigten uns dann auf deren Ergebnis von 122 . Wehe, das ist falsch, Freunde?!

Ein Stück weiter vom Aussichtsturm wäre das Planetarium gewesen. Das hätte mich nun außerordentlich interessiert, aber - so ist das nun mal im Team - der Chef wollte den Kräutergarten sehen . Da liefen wir also zu den Kräutern. "Man sieht nicht 1 Blattlaus, keinen Käfer, kein Unkraut, kein verwelktes Blatt" stellte ich fest, und: "Das da wächst bei mir im Garten auch, nur ist es außenrum ganz welk." Woran liegt das? Möglicherweise an dem Team von x Gärtnern, die hier täglich durchsensen? Ich setze in meinem Garten halt andere Prioritäten und bin schon froh, wenn ich regelmäßig zum Rasenmähen komme .

Da stellte ich fest, dass ich die Ranch nun schon gut 10 Jahre lang besitze und immer noch nicht weiß, was da alles wächst, was Unkraut ist, was Nutzpflanze ist oder überhaupt was. Das liegt schlichtweg hieran, guckt euch das Bild an: Ich sehe grüne Pflänzchen, welche mit blauen Blüten und welche mit weißen. Ist da noch mehr? Im Bild sind auch 5 Schildchen, d.h. hier sind mind. 5 verschiedene Arten von Pflanzen zu sehen, aber ich sehe nur Grün mit Blau oder mit Weiß. Das da unten hätte ich vielleicht für einen Löwenzahn gehalten, das dahinter eher für eine Distel, und ich hätte erst mal alles rausgerupft . Was ist der Unterschied zwischen "Strandflieder" und "blaues Halskraut"? Ich sehe keinen.

Ich stand vor diesem Beet und stellte fest: genauso geht es mir mit Menschen! Ich unterscheide grad noch die mit dem blauen Pulli von dem mit dem weißen Hemd - und dann hörts auf, andere Unterschiede sehe ich einfach nicht. Vielleicht ist es doch keine soziale Phobie, nur ein grenzenloses Desinteresse am Detail des Banalen? Mir fällt bloß Außergewöhnliches auf. Hmpf.

Außergewöhnlich schön fand ich die Innenstadt, durch die wir um 15:30 Uhr mit der Straßenbahn wieder zum Bahnhof zurück fuhren. So schön hergerichtete, alte Gebäude waren in der City, interessante, kleine Läden und nette Straßencafes... aber unser Zug fuhr um 16:08 Uhr und wir hatten keine Zeit mehr, um noch irgendetwas anzugucken und rauschten nur mit der Straßenbahn durch. Wie schade!

Naja, freilich, in jeder etwas größeren Stadt kann man sich wochenlang aufhalten und findet immer noch was zum Besichtigen. Ich schätze aber, dass ich hier noch einmal herkommen werde, wenn ich wenigstens ein bisschen mehr Zeit habe.

Wir standen schon am Gleis und stiegen in unseren ICE. Mit 243 rauschte der Zug durch den Rennsteigtunnel, drum ist man da dann auch ganz schnell durch - nicht so wie auf der Autobahn, wo man nur 80 fahren darf und fährt und fährt und der Tunnel nimmt kein Ende. Ein kurzer Plausch mit der Nachbarin, schon waren wir in Bamberg, 10 Minuten später in Erlangen. Der Zug war auf die Minute pünktlich (!) und um 17:45 kamen wir in Nürnberg an.

Ich hüpfte gleich raus und lief ins Parkhaus. Da stand ich am Automaten und steckte meine Parkkarte ein. "22 €" zeigte das Display an. Was? Ooops!
Mein Nachbar am Nebenautomaten schreckte auf, guckte auf mein Display und staunte genauso: Ooops!
Na, ich hätte nun schon gedacht, dass es so ne Art Tagespauschale gibt wie anderswo, ersten 2 Stunden je 2 €, danach dann 8 für den ganzen Tag oder so. Da hätt ich ja gleich mit dem Taxi fahren können?! Ich löste mein Röhrle frei, holte im 6. Flur das Auto und rauschte gleich ab auf die Ranch.

Dem Lieschen ging es besser. Es jagte nun die Nora durch den Garten und hüpfte auch schon recht locker die Leiter in den Dachboden rauf und wieder runter. Das Pflaster am Bauch hatte es sich schon abgerupft. Seine vorderen Pfoten sind grün, denn es wurde tätowiert und putzte sich schon fleißig die Tinte aus den Ohren. Der Fuchsbau lag brach, das Fuchsloch an der Tür weiterhin vergittert, nichts verschoben, nichts berührt, und auch aus dem hinteren Loch war kein Fuchs mehr gekrochen, denn die Kohlen vom Grill lagen noch dicht darin, und in den Spuren meiner Schuhe waren keine neuen Pfotenabdrücke. Hee, ihr Füchse, wenn ich da wieder was sehe, hey, dann gibt es wieder das polnische Stinkmittel, ich warne euch! So im Allgemeinen stellte ich aber fest: Entwarnung. Auf der Ranch kehrt nun (hoffentlich) der Alltag wieder ein.

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