Sonntag, 14. Juni 2026

Feuertanz am Samstag

Aber jetzt - am Samstag - war das Wetter wie ausgewechselt: herrlichster Sonnenschein bei 30 Grad, wie ich es vom Feuertanz im Juni gewohnt war. Krasser Kontrast, leichtgläubige Gemüter könnten echt ins Grübeln kommen: Hatten die Veranstalter eine Ladung Chemtrails bestellt ? Also ich muss zugeben: Es klimawandelt tatsächlich, weil so krasse Wetter-Breaks gab's in meiner Kindheit noch nicht. Aber da hilft nur eins, des Menschen größte Stärke: sich anpassen!

Es kippten tatsächlich ein paar Leute um, es sah da am Nachmittag noch nicht einmal nach Alkohol aus, wahrscheinlich eher Wettersynkope, und die Sanitäter hatten gut zu tun. Nachdem es mich gestern so gefroren hatte, war mir die Hitze heute willkommen. Da macht gleich alles dreimal mehr Spaß! Ich lief erst mal durch die ganze Veranstaltung, zum Mittelaltermarkt rauf, in den Rosengarten, runter an die Bühne. Unten am Eck war jetzt doch wieder der Eis-Stand, den ich gestern schon vermisst hatte. Naja, klar: Wer wollte bei der Kälte und dem Regen gestern schon ein Eis essen, außer Leute mit frisch gerissenen Zähnen und dicken Backen, hier, ich ! Also kaufte ich gleich so ein Eis am Stiel, Langnese, irgendwas mit Schokoladenüberzug und Caramel. Das Eis schmeckte fein, kostete aber 4,50 € - satter Preis . Richtig kalt war's auch nicht, denn kaum hatte ich reingebissen, fing es schon zu schmilzen an. Ich kühlte meine Zahnlücke.

Da stand ich so unten vor der Bühne, lutschte an meinem Eis rum und hörte mir Schattenmann an. Die gefielen mir recht gut, ging eher so in Richtung Gothic, und ich glaubte, ein paar Takte von Unheilig rauszuhören.

Das Eis war alle. Was jetzt? Noch ein Eis? Oder gleich zum Chinesen? Ich holte mir mal lieber gleich so eine Portion Curry-Hühnchen mit Reis. Leider fand ich dann aber keinen Sitzplatz weit und breit. Eine einzige Bierbank haben sie da hinten vor dem Eingang stehen, die war natürlich besetzt. Zuerst hockte ich mich mit meinem Essen auf die Treppe, aber schon begann unten eine Securityfrau hochzusteigen, und ich wollte wetten, die scheuchte mich jetzt hoch, weil das der Notausgang war, der frei zu bleiben hatte. Also stand ich gleich freiwillig auf. Oben im Burghof gab ichs dann auf, einen Sitzplatz zu finden, und setzte mich halt einfach auf den Boden.

Der Fabio probierte sich mit seinen Kinder-Gags als Erwachsenen-Gaukler. Also sagt dann mal alle "aaah" und "oooh" und jetzt "buuh": Es war ihm nicht laut genug, da zog er einen Flunsch.

Ich ging weiter. Es war jetzt alles trocken und der heftige Wind blies ständig in Sturmböen den Sand auf dem Boden auf. Der Markt lag in einer Staubwolke. Ich ging mal lieber wieder runter. Da traf ich den Jey-Jey, schon lang nimmer gesehen! Der war aber lustig drauf, dem gings anscheinend gut, und er machte einen recht glücklichen Eindruck.

Die Gossenpoeten traten jetzt auf. Die PoetIn unter ihnen wird jetzt aufhören und die Band verlassen, erzählten sie. Dies sei also der letzte Auftritt mit der Füchsin. Oh, schade.

Eine Weile hörte ich zu, aber sie erzählten ziemlich viel, von der Finya und ihrer Taverne, von dem Dosenbier, das sie jetzt vertreiben, und dass man bei Finya's eine Gratisdose kriegt. Reden und Musik hielt sich fast die Waage, so viel Gelaber! Die beiden Musikermänner verließen jetzt die Bühne und mischen sich unters "Folk". Da standen sie unten im Publikum und musizierten.

Naja, ich trollte mich mal weiter.

Wie bereits gesagt: Heute war es schweine-heiß, bestimmt 30 Grad. Die Sonne brannte vom Himmel und trotz Wind schwitzte jeder in der Hitze nur so vor sich hin. Nur anscheinend eine nicht: die gestiefelte KaterIn!

Sie ist ein Unikum auf dem Feuertanz, ist jedes Jahr da und hat immer irgendein seltsames Faschingskostüm an. Mal war sie die Meerjungfrau mit engstem Rock, der nur ganz kleine Schritte zuließ, sodass sie kaum laufen konnte, als Vampir hab ich sie auch schon gesehen, und hier ist sie in der prallen Sommersonne im dicken Plüschanzug mit hohen Stiefeln und orange geschminktem Gesicht. Sie steht dann auch immer grundsätzlich in der 1. Reihe ganz vorne an der Bühne. Ihr habt sie bestimmt schon mal gesehen?

Auf die Bühne trat nun dieser Männerchor namens Metaklapa. Sie hatten keine Instrumente und sangen nur im Chor, verschiedene Stimmen. Das hatte was von Van Canto, obwohl bei denen wenigstens noch ein Takt drin ist, weil immer einer das Schlagzeug singt: ratatamm ratatamm ratatamm. Die Metaklapa singen aber ausschließlich nur im Chor. Das klang nicht unbedingt schlecht, ganz interessant, und ich hörte mir zwei Songs an. Länger wollte ich die jetzt aber nicht hören, für einen ganzen Gig fand ich das zu viel.

Ich lief jetzt wieder runter zum Campingplatz, mir etwas mehr anziehen, wenn es jetzt Abend wird und vielleicht kühler. Am Campingplatz war groß was los. Viele hockten dort und grillten, soffen, feierten. Im Naglfar war es sehr heiß, es stand in der prallen Sonne. Ich flatschte mich rein, machte mir eine Dose Bier auf ... da schrillte mein Rauchmelder los. Hui, ich erschrak, auf dem engen Raum ist das ja echt irre laut. Ich drückte sofort auf "aus", aber nach 2 Minuten schrillte er wieder los. Hier brannte doch gar nix?! Es war kein Rauch, es war kein verbrannter Geruch, nix. Was hat er denn? Ich zog ihn von der Decke und pappte ihn außen auf die Karosserie. Da war er ruhig. Also seltsam: zu heiß kann's nicht gewesen sein, weil das ist doch nicht sein 1. Sommer, hier?

Ich zog mir ne lange Hose an, nahm mal mein Hoodie in einem Rucksack mit und lief wieder hoch auf die Burg. Um 20 Uhr fingen da nun Subway to Sally an. Jetzt zum Abendprogramm hin war es auch voller geworden. Wir waren allerdings auch schon beim Co-Headliner. Trotzdem gab es links noch eine Gasse durch die Leute und man kam auch noch durch, wenn auch stellenweise etwas langsam. Da stand ich nun an der Wand, hörte mir Subway an, während sich zwei Ströme von Leuten nach links und rechts und zurück an mir vorbei schoben.

Ja, schau an, da war er ja endlich: der Robert mit Crew! Robert's Freunde wurden jetzt anscheinend angefixt, denn nächstes Jahr wollen die auch mit auf das Rock Harz - ja von mir aus, gern. Gleich wurde ich auch gefragt, dass ich doch 4 Tickets bestellt hatte und 2 also übrig gehabt haben soll, ob man die mir noch abkaufen könnt? Na, zu spät, die habe ich schon längst los ! Für dieses Jahr wird das also mit den anderen nix mehr, nur der Robert kommt mit.

Ich wechselte dann mal meine Stellung und lief mehr nach vorne auf die Plattform links vor der Bühne, da sah man mehr. Da war ein Gothic-Pärchen hinter mir mit 2 Kindern. Die Mädchen hatten geflochtene Zöpfe und schwarze Kleidchen an und tanzten. Mei, das war voll die Adams-Family, so goldig!
Wie niedlich doch manchmal die Kinder anderer Leute sind , aber haben möchert ich sowas nicht .

Ich hielt richtig lang durch. Jetzt kamen schon In Extremo.

Also von In Ex war ich dieses Mal ja einfach nur schwer begeistert: Sie hatten sich wieder an sich selbst erinnert, ihren Stil wieder gefunden und spielten all die alten Songs, sogar die ganz alten! Vollmond, Spielmannsfluch, Herr Mannelig, und sogar "werd ich am Galgen hochgezogen". Das Lied hatte ich ja schon ewig nimmer gehört, bestimmt schon 25 Jahre her! Ich schwelgte dahin... Wenn ich plötzlich mit so alten Songs konfrontiert werde, fällt mir auch die Stimmung dazu ein, die ich damals im Leben so hatte. Ich war da voll Gothic, schwebte nur zwischen Leipzig und Hildesheim herum, tanzte in Zapfendorf, im Kilian und später im Koma. Da hatte ich In Extremo mal beim WGT in der Agra Halle gehört. Das große Wohnmobil, das ich damals gemietet hatte, parkte in Markkleeberg auf einer Baustelle und wir campten darin zu sechst. Mei, das wär heute echt undenkbar....! Was mir da alles wieder einfiel, als ich In Ex so zuhörte . Ein sehr schöner Gig, wirklich sehr schön. Ich war angenehm überrascht und guckte gleich mal, wann sie denn auf Tour gehen. Leider machen sie in Nürnberg nur in der Meistersingerhalle Station mit einem Akustik-Konzert. Oooh.

Kurz vor Ende machte ich mich auf den Heimweg. In der lauen Sommernacht saßen die Einheimischen auf den Bänken am Straßenrand, hörten dem Konzert von der Burg zu und feierten. Am Campingplatz huschte mir was über die Füße und sprang nebenan auf ein Auto, schmierte sich dort an einen Vorsprung. Es war ein Kater, der hier auf der Wiese wohl sonst auf die Mäusejagd ging. Heute gabs aber komische Beute: hier ein Stück Schinken, da lag noch ne Wurst auf einem Grill... Kater im Glück.

Ich stieg ins Naglfar. Den Rauchmelder, der noch außen hing, nahm ich wieder mit rein. Da war ja noch in dem Erdbeerwein ein Schluck drin! Ich schenkte mir den restlichen Erdbeerwein in einen Becher, setzte mich an den Tisch und guckte meine Bilder an. Tierstimmen und die Geräusche der Natur drangen durch die Nacht: singende Kater, röhrende Hirsche, brünftige Eber … ach nein, es war nur ein besoffener Kerl, der nebenan ins Feld kotzte, buäääh, wuaaah, uäääh. Dem gings aber gar net gut . Ich schloss mal lieber das Fenster, arme Sau.

Als ich mich dann endlich ins Bett gelegt hatte, ich war soeben am Einschlafen, da schrillte der Rauchmelder los! Was hat er denn? Ich stach aus dem Bett, riss ihn von der Decke und raus damit an den Kotflügel, gib a Ruh! Der ist bestimmt kaputt, jetzt hab ich ihn weggeschmissen, denn rauchmäßig war gar nix, die ganze Nacht nix passiert.

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