Donnerstag, 21. Mai 2026

Museum der Vorgeschichte in Halle an der Saale

Es war sehr schön in Nebra gewesen, wundervoll idyllisch, so friedlich, eine herrliche Natur, aber in der Nacht hatte es weiter geregnet und am Morgen war es wolkig und sah weiterhin nach Regen aus. Was soll ich noch da, denn außer die Ausstellung besuchen konnte man hier nur noch wandern, aber nicht bei so einem Wetter . Noch bevor um 10 Uhr mein Parkzettel ablief, startete ich.

Mein neues Ziel war Halle/Saale und das vorgeschichtliche Museum, wo die echte Himmelsscheibe ausgestellt sein soll, gar nicht weit weg von hier, ca. 40 km.

Ich fuhr nicht über die zarte, marode Brücke, um das Schicksal mit Naglfars Schwergewicht nicht herauszufordern, sondern durch die Wohnsiedlung. Raus kam ich an einer Hauptstraße mit einer Tankstelle und guck an, das Diesel lag bei 1,90 €! Das war ja echt günstig im Vergleich zu den letzten Wochen. Also fuhr ich gleich rein und "stillte" das Naglfar, das seinen tschechischen Tank schon fast wieder versoffen hatte. Die Tankstelle hatte Untermieter, denn am Dach waren mehrere Schwalbennester gebaut worden.

Ich hatte mir 3 Adressen in Halle aus Google Maps notiert, wo ich mich hinstellen könnte, darunter der Stellplatz am Kleingartenverein, aber als ich hinkam, war dort nur für Kleingärtner zugelassen und unberechtigte Fahrzeuge sollten abgeschleppt werden. Da fuhr ich weiter und landete schließlich auf diesem Platz, sehr in Stadtnähe, an der Fahrstraße. Es stand schon in Google Maps, dass man Keile benötigte, aber ich hatte ja welche dabei und so stellte ich mich zwischen die beiden Vans, die hier schon parkten.

Als ich mich eingerichtet hatte und mein Shake mixte, bemerkte ich etwas krabbeln .

Jetzt hat doch so ein Wohnmobil nur vier Räder, die alle bis zum Boden reichen, aber sonst hat doch nix dran Bodenkontakt? An den paar Zentimeter eines Rades hatten sie sich hochgearbeitet, waren bis zur Achse gekrabbelt und aus dem Fahrzeugunterbau vorbei an defekter Standheizung waren sie irgendwie ins Innere gelangt, vielleicht durch die Belüftungsrohre? Allemal hatten sie mein Marmeladenglas gefunden: die Ameisen von Nebra ! Obwohl das Marmeladenglas doch zugeschraubt war, hatten sie irgendwie hinein gefunden und als ich den Deckel abschraubte, fand ich gut ein Dutzend von den Krabblern, die gerade ganz verzückt ein Marmeladenbad nahmen. Ich beförderte die blinden Passagiere mitsamt ein paar Löffeln Marmelade mal schleunigst von Bord!

Dann lief ich mal los zum Museum der Vorgeschichte, denn das sollte gar nicht allzu weit weg sein. Man kam tatsächlich gut zu Fuß dort hin, und ich ging dann mal rein. Man durfte fotografieren, aber nur ohne Blitz. Ich fotografierte wie der Teufel. Mann, wie interessant, und ich machte Hunderte von Bildern.

Im Erdgeschoss war die Sonderausstellung über nordische Schamanen, speziell über die Schamanin von Dürrenberg. Im 1. Stock ging es um die Römer, und im 2. Stock, ganz oben, wurde die Frühgeschichte gezeigt und die Himmelsscheibe von Nebra. Dass ich dank der Himmelsscheibe nun auch noch in die Sonderausstellung der Schamanin gelangt war, fand ich echt toll, denn darüber hatte ich schon einiges gelesen und mir eh vorgenommen, mir das bei Gelegenheit anzuschaun.

Hier ist sie also: die Schamanin von Dürrenberg. 1934 war man bei Bauarbeiten auf ihr Grab gestoßen und hatte das Skelett geborgen, 2009 startete man eine Nach-Grabung und fand noch einige Artefakte und Details, die nun in dieser Ausstellung zusammengefasst waren.

Mir fiel sofort das vollständige Gebiss auf. Für eine Frau im Alter zwischen 30 und 40, find ich das ja phänomenal. Mir fehlten in dem Alter schon einige Zähne, meine Backenzähne waren in ruinösem Zustand, mehrmals plombiert, einige bereits überkront. Und diese Steinzeitfrau hatte noch so tolle Zähne!

Das täuscht aber einerseits gewaltig, denn ihre Schneidezähne waren extrem abgeschliffen - vielleicht absichtlich im Rahmen eines Rituals zum Erwachsenwerden, vielleicht von der Nahrung oder sonstigen Kautätigkeit. Allemal lagen fett die Nervenbahnen offen . Sie muss höllische Zahnschmerzen gehabt haben, die Ärmste ! Zudem gelangen durch die offen gelegten Nervenbahnen andauernd Keime und Bakterien in den Kiefer. Es wird sogar gemutmaßt, dass sie genau daran verstorben sei. Echt, die Allerärmste, diese arme, arme Frau! Diese Schmerzen!

Es gäbe darüber noch jede Menge zu erzählen. Ich habe jede Anzeige und Tafel gelesen, jedes Detail genau angeschaut, Schildkrötenpanzer, Muschelschnecken, kleine Wirbel von Babys und sogar das Schulterblatt eines Igels, Reste von Federn, Zähne und Knochen von Hirschen, Wildschweinen und Auerochsen.

An ihrem Schädelknochen war eine angeborene Anomalie, sodass sie sich die Hauptschlagader abdrückte, wenn sie den Kopf nach hinten legte. Durch die mangelnde Blutzufuhr verfiel sie in komatöse Zustände und konnte sich so gezielt in Trance versetzen. In diesen Trancezuständen, die jeder schon mal hatte, sei es beim Aufwachen, Einschlafen, am Rande von Narkosen, durch Alkohol oder Drogen, bei extremer Erschöpfung, Sauerstoffmangel oder wie auch immer, da hat man natürlich ziemlich verschobene Bewusstseinszustände und hört freilich die Englein singen, die Toten sprechen oder die Geister tanzen, weiß der Geier. Die Geisterstimmen aus dem Unbewusstsein erzählen manchmal auch ganz begründete Sachen, ganz wie manche Träume, die Dinge offenbar werden lassen, die man im Tagesgeschehen verdrängt. Man stößt auf bisher unerkannte Wahrnehmungen, nicht zugelassene Gefühle, böse Ahnungen, die man gar nicht wissen wollte und ähnliches.

Wenn ich aber mit diesem persönlichen Gedanken- und Gefühlskrimskrams die gesamte Sippe beglücke und damit Krankheiten geheilt oder Kriege geführt werden sollen, also das finde ich schon sehr überfordernd . Ziemlich viel Verantwortung auf sehr dünnem Eis.

Im Erdgeschoss des Museums waren noch viele andere Sachen ausgestellt, weitere Skelette, Schädel mit Bohrungen, Waffen, Feuersteine, Keramik - es sprengt den Rahmen, hier.
Auch die Römer und die Antike im 1. Stock hätte mich schwer interessiert, aber es war schon richtig spät, und nun ging ich gleich rauf in den 2. Stock zur Himmelsscheibe.

Beim Treppen-hochsteigen hörte nun ich die Englein singen! Ich hatte von meinem gestrigen Waldlauf einen derartigen Muskelkater, das war ja nimmer feierlich! Meine Oberschenkel brannten wie Feuer und alles war total verkrampft. Ich krabbelte hoch in den 2. Stock.

Da war sie nun: die originale Himmelsscheibe. Es war kein Replik, sondern in einem extra Raum, abgedunkelt, die echte, originale Himmelsscheibe von Nebra .

Das hatten sie sehr schön inszeniert, die Himmelsscheibe ins Zentrum gerückt, darüber den Sternenhimmel an die Wand projiziert. Auf der Seite standen die Waffen und die Armspangen, die dabei gefunden worden waren.

Das hat schon was, vor der echten Scheibe zu stehen, die so alt ist und so wertvoll. Ich war ergriffen . Ich machte ein Bild nach dem anderen und wenn ich nächste Woche wieder daheim bin, muss ich mir das alles nochmal anschaun, wow.

Nach einer Weile löste ich mich von der Scheibe und guckte auch noch durch die restlichen Räume in diesem Teil des Museums. Viele Skelette und Knochen waren hier ausgestellt, von Hirschen, Elefanten, Mammuts und Auerochsen.

Da saß der Vorgänger des Neandertalers, was für ein niedlicher Kerl! Ob er wohl denkt, dass er ist ?

Es war kurz vor 17 Uhr, ich war nun über 4 Stunden in diesem Museum. Im Eifer und vor lauter Faszination hatte ich - wieder mal - nicht auf meinen Körper gehört, denn jetzt konnte ich kaum mehr stehen, wow, war ich alle! Dabei wollte ich doch noch einkaufen! Also verließ ich das Museum, es machte jetzt eh gleich dicht, und lief Richtung Zentrum.

Zu diesen Graffiti hätte ich Fragen, nämlich: Wie seid ihr denn da hin gekommen?

Ich lief also in die Stadt und fand einen Edeka. Da kaufte ich dann lauter so Mist ein, den ich durchaus brauchte, aber...: 1 kg Mandarinen, 1 Liter Milch, 1 Flasche Wein und 1 kleine Flasche Eierlikör, sowie weiteren Kleinkrimskrams, also Brot, Wurst, Brotaufstrich, usw. Der Turnbeutel-Rucksack war voll, die Träger schnitten mir arg in die Schultern, ich muss das ja jetzt alles heimschleppen, ein paar Kilometer noch bis zum Parkplatz!

Ich kapitulierte, f*ck you, Smartwatch, ich fahre mit der Straßenbahn! Also stellte ich mich an die nächste Haltestelle und stieg alsbald in die Straßenbahn. In Halle sind die Fahrkartenautomaten - praktischerweise - in der Straßenbahn drinnen. Es fährt einem also keine Straßenbahn davon, weil man noch blöd am Automaten rumdümpelt, sondern das kann man drinnen machen. Ich stieg ein. Ich wollte soeben Geld einwerfen, als ich feststellte, dass in der Ausgabe eine Fahrkarte steckte! Ich setzte die Brille auf und prüfte: tatsächlich! Das war eine aktuell gültige Fahrkarte, die nahm ich gleich an mich. Ich fuhr bis zum Parkplatz damit - das war ein ganz schönes Stück, hey - und stieg aus, nicht ohne die Fahrkarte wieder dort hin zu klemmen, wo ich sie gefunden hatte, in den Automaten, der Nächste freut sich ebenso wie ich .

Nun wollte ich eigentlich im Naglfar meine Bilder sortieren und bei einem guten Glas Wein meinen Blogeintrag schreiben, aber ich musste feststellen, dass der Laptop keinen Mucks mehr machte . Er hatte keinen Akku mehr, nix leuchtete. Ich zog und steckte den Stecker vom Ladekabel raus und rein, drückte auf alle Knöpfe, klopfte dran rum, aber nix tat sich. Ich krieg die Krise, der Laptop iss hie!!!

Das ärgerte mich nun ungemein, weil das gehört doch immer zu meinem Tagesritual, die Erlebnisse am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen, die Bilder anzugucken und alles nochmal wiederzukäuen, wie schön es gewesen war. Oh, das ärgerte mich! Frustriert holte ich ein tönernes Mittelalter-Schnapsbecherchen aus dem Schrank - schüttete 3 Ameisen aus Nebra draus hinaus - und schenkte mir einen Eierlikör ein. Da saß ich auf dem Beifahrersitz und besoff mich sinnlos .

Brummm, da fuhr rasant ein Auto auf den Parkplatz. "Ordnungsamt" stand drauf. Vier Uniformierte stiegen aus und fingen an, die kleinen Autos vom Platz zu jagen bzw. aufzuschreiben und die großen zu kontrollieren, ob ein Ticket im Fenster lag, Ja, das tat es bei mir. Ich prostete dem Bediensteten mit breitem Grinsen zu: Wenn ich du wär, wäre ich lieber ich .

Dienstag, 19. Mai 2026

Arche Nebra

Gestern begann meine Reisegeschichte mit folgender Ansage: "Fahren Sie links."
Jo, mach ich ...aber halt, stopp, Moment! Liebes Navi, ich bin ein Schiff, ich bin zu dick, ich bin zu schwer und zwar um fast 2 Tonnen ! Mit dem "10" wär ich ja noch einverstanden, doch überhaupt: 10 was? Bratwürste? Goldstücke? Stundenkilometer? Aber das Naglfar ist ein 3,5-Tonner, auf diese Brücke kann ich nicht fahren .

Links davor ging es auf eine Wendeschleife mit einer Bushaltestelle und dort stand ein großer Linienbus. Der Fahrer stand in der Tür und dattelte auf seinem Handy rum. "Wie komm ich über den Fluss?" fragte ich, aber er verstand nur Englisch. "How do I come to the other side?" On the other side bin ich nämlich ganz schnell, wenn ich auf die Brücke drauf fahr. Der Fahrer erklärte mir aber dann, dass man da bedenkenlos drüber fahren kann und vorhin schon der Bauer mit seinem Fendt samt Hänger drüber gerumpelt sei. In dem Moment kam von der anderen Seite ein Van und fuhr einfach schnurstracks über die Brücke. Na, das kann ich dann auch . Also fuhr ich drauf. Recht breit war die Brücke nicht, ich hing fast am Geländer, aber ich kam durch und drüber.

Ich landete auf dem Parkplatz der Arche Nebra. Ja, wer stand denn da schon, dieses andere WoMo kannte ich doch! Es war der Nachbar vom Kyffhäuser-Denkmal, der mir heute morgen noch sein restliches Parkticket geschenkt hatte. Die Tagesgebühr auf diesem Parkplatz lag bei 3 €. Dazu gabs ein sauberes, öffentliches Klo nebenan, also da kannste mal echt nicht meckern.

Ich machte nicht mehr viel, denn es war schon spät, und hockte mich am Abend nur noch hinter den Laptop, Bilder sortieren, Blogbericht schreiben.
Für die Himmelsscheiben-Ausstellung sollte man ca. 4 Stunden einplanen, hatte ich gelesen, also war das mein Plan für den nächsten Tag.

Zur Arche Nebra fuhr ein Shuttle-Bus für 2 €, aber die Nachbarn erklärten mir, das sei gleich dieses große Haus dort, dessen Dach man am Hügel schon sah. Na, da muss ich nicht mit einem Bus fahren, das lauf ich doch! Also ließ ich mir am Morgen erst mal ein neues Parkticket für den Tag raus, frühstückte in aller Ruhe und lief gegen Mittag hinauf auf den Hügel. Die Sonne schien und es war warm, aber sicherheitshalber hatte ich mir mein Hoodie im Turnbeutel mitgenommen und eine Flasche Limo.

An der Kasse löhnte ich 9,80 € und stieg die Treppe hoch zur Ausstellung.

Zuerst mal wurde dort die Sonderausstellung "Frauen im geteilten Deutschland" gezeigt. Auf Plakaten sah man Szenen aus der DDR und Bilder zur Wende, u.a. das Titanic-Titelbild der "Zonen-Gaby im Glück (BRD)" - was hab ich mich damals g'scheggert gelacht, weil der Witz war echt gut, die typische DDR-Maus mit Minipli-Dauerwelle und der flotten Jeansjacke vom Kaufhaus des Westens , so geil, der Joke, dass er es sogar heute noch hier in die Ausstellung geschafft hat.
...und darunter: die Rallye-Heidi in ihrem kleinen BMW 1802 - genau denselben hab ich damals gehabt, kotzgrün, ultraleicht, 90 PS, abgegangen wie eine Rakete, was bin ich damit vor dem Sugar rauf und runter gefahren .

Was mich natürlich an all dem wieder am meisten berührt: über fünfunddreißig Jahre ist das schon wieder her!

Die DDR-Frauen-Ausstellung war ganz witzig, aber eigentlich wollte ich ja die Himmelsscheibe sehen. Dabei ist die Himmelsscheibe überhaupt nicht hier, sondern im Museum für Frühgeschichte in Halle/Saale. Das hab ich gestern noch in der Hotelbettenallergiker-Gruppe erfahren und drum spontan beschlossen: Ich fahr morgen nach Halle! Genau so stell ich mir eine gute Tour vor: An diesem Ort entdecke ich, wo ich morgen hin fahr und dort entdecke ich, dass ich übermorgen da&da hin fahr... . Ursprünglich wollte ich ja nur das Kyffhäuser-Denkmal angucken, alles andere hat sich dann daraus ergeben. Das gefällt mir sehr gut .

Zur Himmelsscheibe gab es erst mal im Planetarium einen Film. Der war recht nett und anschaulich gemacht, aber der Posten am Eingang zeichnete mein Ticket ab und sagte gleich dazu: Es darf nicht fotografiert werden . Die in der Reihe vor mir fotografierten trotzdem, aber ich hielt mich halt mal an das Verbot.

Nachdem der Film aus war, guckte ich mir im anderen Gebäudeteil die Himmelsscheiben-Ausstellung an. Jetzt war ich ja mittels des Films voll informiert: Die Plejaden sind da drauf, Sonne, Mond und Sterne zeichnen 35 Mondzyklen/Monate, und alle drei Jahre war ein Schaltmonat, so der vorzeitliche Kalender.

Am Ende der Bronzezeit, als es nach einer Kaltphase zur Klimaerwärmung kam - ja, hätten die Neandertaler nur mal ihre CO²-Steuer bezahlt, gell?! - kam es zu einer Umbruchphase und die bis dort hin so wichtige Himmelsscheibe wurde der Erde überlassen, zusammen mit einigen Werkzeugen und Waffen.

Es erschließt sich mir nicht, warum diese Scheibe so wichtig gewesen sein soll - und doch nicht heilig genug, sodass man sie nachträglich noch korrigierte um die Sonnenzyklen, die mittels der beiden Randbögen nachträglich darauf angebracht worden sind, und dass man sogar noch eine Barke dazu setzte. Also ich weiß nicht: Wenn ich irgendein altes Trumm hab und meine, ich müsste da Wesentliches ergänzen, dann mach ich halt ein Neues? Mir würde das voll widerstreben, ein altes Erbstück von meinem Vater, dessen Vater, des Vatervaters, dessen Herkunft sich in all den Generationen gar nicht mehr nachvollziehen lässt, einfach abzuändern . Aber die Vormenschen waren da wohl nicht so zimperlich.

Es ist eine schmucke Scheibe, mit deren Hilfe man die Jahreszeiten ersehen konnte, die Zeiten der Aussaat und der Ernte, aber es will mir doch keiner erzählen, dass die archaischen Bauern das nicht auch ganz von sich aus wussten?! Die brauchten doch keine Scheibe, kein Stonehenge oder keinen Sonnenstrahl durch Ringbauten, um zu wissen wann die rechte Zeit zur Aussaat gekommen war?!

Eine böse Sache ist allerdings diese da: Sie heißen darin "Raubgräber", die Typen, die die Scheibe fanden. 1999, naja gut, ich stell mir ein paar Kerle mit einem Metalldetektor vor, die durch den Wald spazieren, vielleicht noch Jugendliche, finden dort eine Münze aus dem Mittelalter, hier eine Patrone aus dem WK II, bessern sich ihr Taschengeld damit auf, und stoßen schließlich auf die Scheibe und die vorzeitlichen Waffen. Weil sie keinen Plan haben, um was es sich handelt, laufen sie damit zu einem Spezi und lassen es schätzen. Der bietet ihnen 31.000 DM! Hmm, was hätt denn ich gemacht? "Nein" gesagt?

Tja, danach eskalieren die Preise, der Big Deal beginnt, bis die Sache auffliegt. Jetzt hagelt es mit ganzer Schärfe der Justiz, Hausdurchsuchung, Festnahme, sogar Gefängnisstrafen, wenn auch zur Bewährung. Das ist genau das, wovor ich mich immer fürchte: Da machste irgendwas, denkst dir nix, oder zumindest nicht viel, bestenfalls als kleine Schelmerei gedacht ...und dann kracht's sowas von .
Naja, ich drehe mir die Geschichte so zurecht, dass es die "Raubgräber" waren, die "nur" die Sozialstunden einkassiert haben, sonst fänd ich es echt zu traurig .

Dagegen haben wir hier ganz was Legales und zwar im Foyer schöne Halsketten für 180 €, Ohrringe für 195 €, aber ich geh mal davon aus, da ist auch echtes Gold verarbeitet - wie auch immer, ist da ja nun wirklich wieder gar nix dabei, was ich mir gerne kaufen wollte .

Ich verließ das Arche-Gebäude und machte mich auf den Weg in den Wald zum Fundort. Der Weg führte durch ein Naturschutzgebiet, und große Käfer krabbelten über die Straße. Im Hain wuchsen Farne und Pflanzen, die wohl geschützt waren; ich wagte es nicht, auch nur ein Butzelkü mitzunehmen . Ja, so ein Farn wächst auch bei mir auf der Ranch, aber ich habe mir den Kassenbon aufgehoben und kann nachweisen, dass ich es im Gartenmarkt gekauft habe , man weiß ja nie.

Noch schien die Sonne, und ich lief durch den Wald, der Shuttle-Bus kam mir entgegen. Oben auf dem Berg bog ich rechts ab, lief weiter, wie der Wegweiser es zeigte, und fand diesen Aufbau, ein deklariertes "Kunstwerk". Ich wollte gar nicht wissen, was sich der "Künstler" dabei gedacht hat . Warum bastelt man nicht einfach eine Stiege rein und nennt es "Aussichtsturm"? Nö, also, ich bin einfach zu pragmatisch.

Endlich war ich oben, am Ziel. Hier auf der Kuppe des Berges war in der Vorzeit die Himmelsscheibe vergraben worden. Da stand nun auch ein Aufbau, der kein Kunstwerk war, sondern tatsächlich einfach nur ein Aussichtsturm .

Innen war eine Stiege und man hätte raufkraxeln können. Ich war zu faul und zu müde. Ich setzte mich auf einen Stein, packte meine Limo aus und schnaufte durch nach rund 3 km Weg hinauf auf den Berg.

Oh.
Da kam ja eine Wetterfront!
Die hatte ich bisher nicht bemerkt, im Wald war sie mir gar nicht aufgefallen.

Zum Glück war ich eh grad nicht drauf erpicht, den Aussichtsturm zu besteigen, also machte ich nur noch ein paar flüchtige Fotos und sah zu, dass ich davon kam. Zwei Frauen waren noch auf Wandern hier oben und traten nun auch schleunigst den Heimweg an. Zum Parkplatz ginge es hier lang, dreieinhalb Kilometer durch den Wald, sagten sie. Das war kürzer als der Weg, den ich hinaufgekommen war und so lief ich lieber den Frauen hinterher.

Es ging bergab, und ich verfiel ins Joggen (völlig untrainiert, wie ich war), überholte die beiden Frauen und schnürte den Berg hinunter. Naja, bergab lief sich leichter, aber ich war erstaunt über meine Kondition, ich lief und lief im Dauerlauf, kam nicht mal groß außer Atem. Das liegt bestimmt an dem Proteinpulver, mit dem ich mir täglich mein Diätshake mixe; ich bin jetzt schon auf 66 kg (ganz stolz).

Als ich aus dem Wald kam an diesen Wegweiser, spürte ich den ein oder anderen ersten Tropfen. Oh weh, es regnet, schnell laufen laufen laufen *weiter schnür*.

So? Was nicht alles verboten ist? Wisster was: Ich scheiß drauf! Ich hatte nur nicht genug Zeit, denn es tröpfelte. Ich lief.

Als ich in die Ebene kam, fiel das Laufen schwerer und ich verfiel in (nur noch) schnellen Gang, das musste reichen. Doch..., jetzt merkte ich, ich war außer Atem. Vor mir liefen ein paar Wanderer, die hatten wenigstens Regencapes, bereits drüber gezogen, und liefen auch, was sie konnten.

Da schimmerte irgendwas durch die Bäume und Büsche, es sah aus wie Autos, ja, es war der Parkplatz, juhuu ! Es nieselte schon ordentlich, aber ich schaffte es noch trockenen Fußes ins Naglfar, Tür zu, gerettet!

Trockenen Fußes!
...aber völlig durchgeschwitzt, patschnass, das T-Shirt zum Auswringen !

Da saß ich im Naglfar, zog mir erst mal was Trockenes an und chillte den Rest des Abends noch so vor mich hin.

10.611 Schritte! Top-Ziel erreicht, Weltmeister!