Dass ich auf Helles & Hellfire fahre, habe ich erst vor Kurzem entschieden. Auf dem Metal Franconia lief so ein Jüngling herum und bedrängte mich mit dem Flyer: "Den habe ich schon." "Aber du musst da auch hingehen!" Echt? Muss ich das? Na, wenn der das sagt?
Es war auch gar nicht übermäßig weit, nur 130 km - dazu 10 km von der tschechischen Grenze entfernt, da könnte ich ja im Ausland günstig tanken, wenn ich schon dort war ! Wenn das Diesel dort 1,70 € kostet und bei uns immer noch 2,10 €, dann sind das 40 ct pro Liter, die ich spare, und weil das Naglfar auch säuft wie ein Pferd - 80 Liter frisst der Tank - sind das 32 €. Würde ich das mit dem Tank noch hin schaffen? Ja, ich denk schon!
Also ab auf die A6, dann auf die A93, dann noch 2 km auf der Landstraße und schon war ich da. Die Location lag auf einem kleinen Hügel, also es war eine kleine Steigung und der Parkplatz war ein abgemähtes Kornfeld mit dicker Strohschicht. Darunter verbargen sich fette Spurrillen und beim Einparken hatte ich tatsächlich Mühe, aus den Rillen zu kommen, weil das Stroh wirkte wie eine Rutschbahn. Die Kupplung roch verbrannt als ich irgendwie dort stand, wo ich eigentlich gar nicht stehen wollte, ich wollte doch neben dem anderen da, 10 Meter weiter. Zudem wollte ich noch auf die Klötze fahren, denn ich stand völlig schief. Aber so blieb ich dann einfach, weil die Rangiererei hier war erstaunlich kriminell.
Das Programm war wieder nur für Einheimische gemacht, begann um 15:35 Uhr mit der ersten Band, berechnete nicht, dass Leute vielleicht auch arbeiten müssen, erst um 14 Uhr (und das ist ja echt noch bald!) Feierabend haben und dann erst noch hierher fahren müssen, nachdem sie noch kurz frisches Hühnergeschlachte einkaufen mussten und im Garten 4 fette Katzen füttern mussten und eine stillende Muttermiez mit 5 kleinen Miezchen. Ich ploppte mal erst gegen dreiviertelsechs am Einlass auf. Da saß ja schon wieder der Greimi und ließ sich feiern, der hat ein Leben! Einen Koffer voller ausgedruckter Greimi-Figuren hatte er in "seinem Merch" dabei, aber ich hab ja schon eine.
Ich schaffte es immerhin noch in die Halle zum Gig von Disbelief, die ich sehen wollte. Erste-Band-Effekt? Der Auftritt gefiel mir allemal sehr gut, und ich fing gleich an zu moshen. Wow, hier gefiel es mir! Auf dem Line Up standen doch eine Reihe namhafter Bands und das für gar nicht so teuer, 99 €, geht doch.
Es war leider nur die halbe Halle voll geworden, aber ich traf eine Menge bekannte Leute, sogar Elke und ihren Mann. Die haben sich einen Ponyhof in Oberbayern gekauft, drum kommen sie nur noch selten in die fränkischen Gefielde, erzählten sie. Nicht mal auf Metal Franconia waren sie gewesen, buuh.
Vor der Halle saß an einem Biertisch der Frohwald. Der rief gleich nach mir und erzählte mir - ich lach ja grad raus: Seine Heizung ist verreckt . Naja, lustig ist das ja nicht, denn es ging ihm ganz wie mir (hat er ja genau das gleiche Wohnmobil wie das Naglfar, den Ducato mit dem Bürstner-Aufbau), er ließ die Heizung tauschen, zahlte dafür rund 2.000 €, weil es ein paar Teile dafür nicht mehr gibt und die Werkstatt basteln musste mit dem Effekt, dass es eine Weile lief - und dann wieder nicht mehr. Ganz wie bei mir! Unser beider Heizung ist also momentan wieder down, aber zum Glück kommt ja jetzt erst mal der Sommer und aufregen tu ich mich darüber dann erst wieder im Herbst
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Ich lief in der Umbaupause zum Naglfar zum Abendessen. Brot, Frühstückswurst und aufgeschnittene Zwiebeln hatte ich mir mitgenommen. Natürlich fiel mir die Dose mit den Zwiebeln vom Küchentisch - weil ich aber auch so schief stand, hier - die Zwiebelstückchen verteilten sich überall, ich konnte gar nicht alle aufsammeln, und jetzt stinkt es im ganzen Naglfar nach Zwiebeln.
Verpflegungstechnisch kam ich günstig durch, denn seit zwei Wochen mache ich sowieso Diät - also mittags gibt's ein Proteinshake, das macht relativ satt und killt den Appetit, und genau in dieser Phase entscheide ich dann, was ich abends esse, also meistens nur ein Wurstbrot oder irgendwas Kleines, und daran halte ich mich auch, mehr gibt es nicht, basta. Das funzt recht erfolgreich, und das mach ich nun noch eine Weile bis ich 65 kg hab.
Endlich Sommer, endlich geht's mir wieder gut!
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Macbeth gefielen mir sehr gut.
Die Wege waren kurz, zum Naglfar war es gar nicht weit. Vorhin hatte ich mir in der Halle ein Bier gekauft, wenigstens 1, nä, ein bisschen Umsatz sollte man schon machen, nä. Aber das Bier schmeckte mir nicht. So ging ich lieber zum Naglfar und trank mein eigenes Bier. Oh, was für eine schöne Sommernacht! Die Sonne war unter gegangen, der Abendstern stand am Horizont und all die anderen funkelnden Sternchen , ...oder *über den Bildschirm wisch*? Äh, nein, das sind ja nur Staubkörner auf meinem Screen
. Aber der Abendstern *drauf spuck, rumwisch, nein, lässt sich nicht abwischen* ist echt
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Es hätte nun eigentlich Vreid kommen sollen, die hatte ich die letzten Wochen schon dreimal gesehen. Stattdessen stand nun aber eine andere Band auf der Running Order: Warmen. Hatte ich noch nie gehört. Na, wollte ich mir mal angucken.
...und die waren dann so schweinegeil wow, ich war begeistert. Sie rissen derartig die Halle weg, so klasse. Vor allem auch machte es auf mich den Eindruck, als interessierten sich weder Musiker noch Frontmann, ob sie ankamen oder ihnen überhaupt wer zuhörte, sie riefen weder "hey hey hey", noch baten sie um Applaus, sie forderten nicht zum Mitsingen auf, es waren keine Likehunter, sondern sie spielten einfach total geile Mukke. So etwas mag ich: Menschen, die sich selbst genug sind, von sich überzeugt sind, gut sind und das auch wissen, ihren Wert kennen und sich nicht einschmeicheln wollen.
Das findet man selten, wenn ich so nachdenk, fast nirgendwo mehr, nicht im persönlichen Bereich, nicht bei Bands, ja nicht mal mehr im Business oder bei Chefs, selbst denen trieft das Schmalz aus der Rede. Die Menschheit ist eine Gesellschaft aus Schleimern geworden, schrecklich.
Jetzt ging ich doch hinter in die Merch-Ecke, um eine CD zu kaufen, scheiß auf mein Spar-Gekniggere, diese Band will ich haben! Aber Warmen hatten keinen Merch, es gab keine CDs von ihnen .
Als sie von der Bühne gingen, war ich ordentlich müde. Ich hockte mich auf so einen Vorsprung an der Wand, stützte dann den Kopf auf die Hände, schloss die Augen - und pennte tatsächlich im Sitzen weg . Ich träumte sogar, nämlich von den 5 kleinen Kätzchen auf der Ranch, die in meinem Traum schon größer waren und sooo niedlich.
Ein lautes Riff riss mich hoch. Finntroll machten schon Soundcheck!
Krass, war ich müd! Ich wäre tatsächlich jetzt gegangen und hätte mich abgelegt, wenn ich nicht der Carmen versprochen hätte, ganz viele Fotos vom Finntrollsänger zu machen. Also suchte ich mir einen Platz ganz vorne links der Bühne und fing an zu fotografieren.
Ja, der Bub hat was, das stimmt. Der brachte richtig so einen Elfen-Troll rüber, wie aus der nordischen Mythologie entsprungen. Er war sehr hübsch, ein feines Wesen, schlank, grazil, hatte schönes, langes, fülliges Haar, ein nettes Make Up und seine Trollohren wippten bei jedem Schritt. Er war barfuß, trug nur Fetzen statt einer Hose und bewegte sich auch so richtig elfenartig, also der passte echt in jeden Fantasyfilm.
Da stand ich da und machte 1000 Fotos. Natürlich sind die meisten verwackelt, unscharf oder blöd belichtet, aber ich hatte jetzt genug Bilder vom Sänger. Die schick ich der Carmen, wenn ich wieder daheim bin.
Ich war müd. Ich war eigentlich vor Finntroll schon müd. Ich war ja bei Warmen schon müd, aber die waren sooo geil. Aber jetzt war ich echt müd. Drum hielt ich den Gig von Finntroll nicht bis zum Ende durch, sondern kackte ab und verzupfte mich heim in mein Naglfar.

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