Die beiden Fuchswelpen auf der Ranch waren mir nicht mehr geheuer. Vor einiger Zeit waren auf einem Video die Kätzchen an der Futterstelle zu sehen, auf dem nächsten Video dann nur 5 Minuten später die Fuchsmutter, die herzhaft gähnte und dabei ein Gebiss entblößte, von dem ich persönlich mir keine Berührungen wünsche, huch . Die Bedrohung für die Katzen war mir durchaus klar, nur wusste ich mir keinen Rat. Ich googelte, ob Füchse auch Leitern hochsteigen können (ja, können sie) und hoffte, sie hätten kein Interesse an der Luke im Giebel des Gartenhäuschens. Immerhin waren schon Marder hier, sogar ein Waschbär, und keiner war da rauf geklettert.
Manchmal bin ich richtig blöd, echt, weil es war die Zeit gekommen, wo nicht die Räuber raufklettern, sondern die Kätzchen runterklettern. Das hatte ich einfach nicht bedacht.
Aber da war noch ein Ding: Was konnte ich denn tun? Ich konnte das Lieschen und seine Kätzchen ja nicht fangen und mit heim nehmen? Ich kann nicht in den Dachboden dieser baufälligen Hütte steigen, weil der würde mich kaum aushalten, ich könnte durchbrechen. Stünde ich oben, was sollte ich dort schon machen: Wie könnte ich sie in dem ganzen Gerümpel alle 4* samt Mutter fangen? Sofort wären sie versteckt und davon gerannt.
*) 1 von den 5 war beim ersten Umzug des Lieschens offenbar gestorben, denn danach waren es nur noch 4.
Die Füchse müssen verschwinden! Sie untergraben mir meine Wellblechhütte, die bereits leicht eingesunken war, sodass die Tür nicht mehr auf ging, total verzogen. Zudem hatte ich auch schon wieder Reste von Hühnern gefunden, d.h. sie bedienten sich bereits wieder drüben jenseits der Straße beim Hühnerbauern. Von dort würden sie demnächst mit verstümmelten Füßen zurückkehren, so wie ihre Vorgänger vor 3 Jahren, die nach einigen Hühnermahlzeiten dann in Schlagfallen gelaufen waren .
Ich hatte das Fuchsloch unter der Wellblechhütte zugeschaufelt, aber am Tag drauf war es wieder offen. Da schob ich fette Äste hinein, allein damit war es eigentlich dicht. Ich fand noch einen halben Sack Gartenbeton, den ich hinterherkippte samt einer Gießkanne Wasser. Es ergab einen Betonpfropfen auf dem Fuchsloch.
Das nützte nichts. Tags drauf hatten sich die Füchse schon wieder durchgegraben. Das Loch war flacher, denn die Äste konnten sie wohl nicht zur Seite räumen, aber nach wie vor hatten sie wohl nicht vor, hier auszuziehen.
Dann gab es da vor einer Woche ein verschwommenes Video, auf dem das Lieschen einen der Fuchswelpen angriff und dieser flüchtete, aber der Angriff war wohl keine Verteidigung, sondern mehr aus Verzweiflung, weil die Füchse haben die Kätzchen erwischt . Seitdem waren die Kleinen nicht mehr im Dachboden-Video, nur noch das weiße Kätzchen war dort oben. Ich tröstete mich bislang immer mit der Ausrede, das Lieschen habe die andern vielleicht in ein getrenntes Nest versteckt. Trotzdem: Die Füchse müssen weg! Vor lauter Verzweiflung und Ratlosigkeit bestellte ich auf Amazon so ein Fuchsschreck-Mittel aus Polen. Die Polskis scheren sich ja ziemlich einen Dreck um EU-Richtlinien z.B. in Hinsicht auf erlaubte Inhaltsstoffe, also könnte das Mittel vielleicht dann auch echt wirken? Leider sollte es erst am 26.06.26 geliefert werden.
Am Freitag, als ich von der Ranch heimgekommen war und die Bilder von den Wildkameras durchsah, sah ich das Lieschen mit dem weißen Kätzchen an der Futterstelle spielen, die beiden alleine. Die anderen Kätzchen waren nicht mit dort. Da wurde mir so schlagartig klar, dass sie nicht mehr am Leben waren .
Ich heulte Rotz zu Wasser.
Dann packte ich meinen Krempel und fuhr in meiner Trauer wieder zurück auf die Ranch, weil ich wollte einfach dort sein beim Lieschen und seinem weißen Kätzchen.
Der Ralf war auf der Ranch, wollte dort mal wieder Feuerchen schüren und chillen. Das war mir sehr recht, denn so lange ein Mensch da ist, traut sich kein Fuchs her. Als ich zutiefst traurig und deprimiert auf die Ranch kam, setzte ich mich zum Ralf an den Tisch, machte mir ein alkoholfreies Bier auf und sinnierte zusammen mit ihm ins Feuer.
Ich holte schließlich den Spaten, schaufelte einige glühenden Scheite in den Kugelgrill und warf sie unter die Wellblechhütte ins Fuchsloch. Es möge der Rauch durch eure Gänge ziehen, dass ihr davonlauft! Zieht aus! Sicherheitshalber legte ich ein Stahlgitter drüber: Aus diesem Loch soll kein Fuchs mehr kommen! Ums Eck rum ist jedoch gleich das nächste Loch, der Sand außenrum voller Fuchsspuren .
Gegen halbelf fuhr ich heim. Ralf blieb draußen im Zelt, kokelte noch seine Feuerstelle, und die Füchse würden sich heute hoffentlich fern halten.
Ich konnte kaum schlafen vor Trauer und Angst um das letzte, weiße Kätzchen. Wie das dem Massaker entkommen war, weiß ich nicht, aber es war ja nur eine Frage der Zeit, wann die Füchse auch das noch erwischen. Das arme, arme Lieschen! Das letzte ihrer 5 putzigen Babys!
Ich stand am Samstag recht früh auf, konnte eh nicht schlafen, und zerbrach mir den Kopf. Wo krieg ich noch heute eine Wildtierfalle her, um das Kätzchen zu fangen? Sollte ich nach Boxdorf fahren zu diesem Jagd-Zubehör-Verkauf, aber die Teile waren dort ganz schön teuer. Auf Amazon bestellen? Aber dann kommen sie erst wieder frühestens am Montag und da hatte ich keine Zeit mehr, weil Dienstag haben wir Betriebsausflug, da bin ich weg, und ein paar Tage später geht's schon los auf das Rock Harz.
Da fiel mir die Christa ein und ich fragte gleich bei ihr nach, ob sie denn nicht so eine Falle hätte. Ja, hatte sie, und ich sollte sofort vorbei fahren und mir die Falle holen, denn später würde Christa auf die Kirchweih gehen. Als ich bei ihr auf dem Hof einfuhr, standen dort schon die geschmückten Kärwa-Wagen.
Christa ist ja katzentechnisch echt voll ausgerüstet und gab mir neben der Falle auch noch einen Käscher mit sowie fette, lederne Handschuhe mit Schaft bis zu den Ellenbogen, mit denen man wohl auch kleine Tiger fangen konnte.
Damit bestückt fuhr ich also auf die Ranch, wo der Ralf mit einem fetten (Alkohol-)Kater vor sich hindümpelte. Den wollte ich abholen und mitsamt seinem Krempel heim fahren - aber erst stellen wir die Falle auf!
Ich musste dabei auf diesen Dachboden krabbeln. Ich war da schon als Kind immer oben vor über 50 Jahren, aber da war die Hütte noch stabiler und ich auch noch leichter . Ich krabbelte da jetzt nicht alleine rauf, weil wenn ich durchbrach, musste mich vielleicht einer aus dem Schutt schaufeln und die Sankas holen? Ralf stand also unten und passte auf, während ich mich auf allen Vieren auf den Dachboden vorarbeitete, immer erst die nächste Holzlatte prüfend, ob sie mich auch aushielt. 42° Grad zeigte die Temperaturanzeige der Wildkamera, die da oben stand. Ich bewegte mich langsam, hielt mich an den Dachbalken fest, um mich etwas abfangen zu können, sollte ich einbrechen, und hatte dabei etwas von einem Faultier
. Lieschen hatte sich natürlich sofort nach hinten geflüchtet, vom Kätzchen sah ich nichts.
Dann war da noch dieser Jahrzehnte alte Schrott da oben: Die Weinregale aus den 70er-Jahren, alte Ofenrohre, verrostete Wasserboiler, Fliesen und Gerüstteile. Als ich feststellte, dass der Boden noch ganz gut hielt, begann ich, den ganzen Schutt erst mal rauszuräumen. Ich brauchte freien Platz und wenn ich das Kätzchen, sofern es überhaupt noch hier war und noch lebte, mit dem Käscher fangen wollte, sollte es sich nicht hinter Gerüstteilen verstecken können. Ich reichte alles raus und unten stand der verkaterte Ralf in der prallen Sonne und nahm die teils recht schweren und sperrigen Schrottstücke entgegen.
Dann stellte ich Christas Falle auf und ihre Wildtierkamera, die Christa mir mitgegeben hatte. Eine ganz noble mit Antenne, sie war mit einer SIM ausgestattet und sendete der Christa aufs Handy Bilder, wenn auch etwas zeitverzögert. Die Christa sendete dann die Bilder gleich weiter per WhatsApp an mich. Ralf und ich waren noch unten beim Aufräumen, die rausgereichten Schrottgegenstände irgendwo hin stapeln, da hörten wir es von oben schon deutlich klappern. Mein Handy meldete eine WhatsApp, und das war das Bild: das Lieschen in der Falle! Das ging aber schnell! Lieber wär's mir gewesen, sie hätte das Kätzchen im Schlepptau gehabt, aber das war ihr leider nicht gefolgt.
Ob es überhaupt noch lebte? Ich wusste es nicht. Schrödingers Kätzchen: Wenn es tot war, so konnten wir jetzt das gefangene Lieschen ins Tierheim fahren zum Kastrieren. Wenn es aber noch lebte, dann war es jetzt noch gefährdeter, so ohne Mutter. Wir mussten es dann unbedingt erwischen!
Der Plan war: Lieschen ins Tierheim fahren, von dort aus den Ralf heim fahren, daheim die SD-Karte aus der Dachboden-Kamera auslesen und gucken, ob das Kätzchen die Nacht überlebt hatte, also ob es am Vormittag vor meiner Ankunft noch oben rumhüpfte. Als ich die Treppe hoch zur Wohnung ging, da lag ein Päckchen vor meiner Tür: das Fuchsschreck-Mittel aus Polen ! Es war doch heute schon geliefert worden, super!
Da hockte ich nun in der Wohnung und sah die Bilder durch. Datums- und Zeitanzeige hatten sich - wohl überhitzungsmäßig - auf Default zurückgestellt und die Bilder waren alle vom 01.01.24, 00 Uhr, zeitlich ganz schlecht einzuordnen: Kätzchen, Kätzchen, es dämmerte jetzt, also war das doch schon von heute morgen, oder ... immer noch Kätzchen, es war nun heller Tag, Kätzchen ... und da flüchtete das Kätzchen hinter die Gerüstteile, die Kamera wackelte nun und das nächste Bild war ich, wie ich in die Bude rumpelte. Es lebte also noch! Sofort wieder hin!
Es war schon 17 Uhr, als ich wieder auf die Ranch kam. Bis Sonnenuntergang hatte ich nun erst mal Zeit, das Kätzchen zu fangen. Wenn ich es bis dort nicht hatte, müsste ich im Zelt übernachten, allein um die Füchse abzuschrecken, denn das Kätzchen hatte nun nicht einmal mehr eine schützende Mutter, die hatte ich ihm ja vorhin weg genommen. Ich fühlte mich echt mies, was für ein beschissenes Dilemma! Ich hatte das polnische Mittel dabei, leider war die Gebrauchsanweisung nur auf Polnisch, und ich verteilte die Substanz mal einfach rund um die Wellblechhütte. Boah, das stank!! Das war nicht nur ein Fuchsschreckmittel, sondern auch ein Menschenschreckmittel! Vielleicht hätte ich Gummihandschuhe anziehen sollen, denn das Mittel brannte deutlich an den Fingern, als ich ein paar Spritzer davon ab kriegte. Es bleibt zu hoffen, dass es wohl auch wirkt .
So eine Lebendfalle reagiert ja erst ab einem bestimmten Gewicht, ich hatte was gelesen von 2 kg. Das Fliegengewicht von einem Kätzchen hatte aber doch nicht mal ein Pfund, es war doch noch so klein! Drum band ich eine Schnur an den Mechanismus. Wenn ich das Kätzchen drin sähe und die Falle löste nicht aus, würde ich die Schnur ziehen.
Da saß ich nun mit meiner Schnur.
Ich saß und saß.
Die Sonne stand schon tief, da raschelte es oben und ein weißes Kätzchengesicht guckte aus dem Fenster. So schön, es lebendig zu sehen! Es hatte mich sofort entdeckt, aber ich saß relativ weit weg und so flüchtete es nicht und guckte nur skeptisch. Dann verschwand es wieder nach innen. Eine WhatsApp mit Bild kam von der Christa: "Hier, es schleicht schon um die Falle herum!" Komm, geh rein, Miezerle! Du Glückskätzchen, komm in die Falle, so lange es noch nicht Nacht ist, und rette damit dein Leben!
Nein, das Kätzchen schlich im Dachboden herum und inspizierte nun sein aufgeräumtes Gehege, von dem ja doch sehr viele Schlupfwinkel nun fehlten. Besonders die Mama fehlte ihm.
Dann war wieder Ruhe. Ich hörte nichts mehr rascheln, ich sah nichts und auch von Christa kamen keine neuen Bilder. Wahrscheinlich machte das Kätzchen nun erst mal ein kleines Nickerchen... Ich saß unten, den Finger am Abzug, äh an der Schnur. Hinten an der Wellblechhütte kamen nun bestimmt schon die Füchse aus dem Bau gekrochen. Sie würden sich nicht her trauen, so lang ich hier saß. Sollte ich das Zelt auf der Wiese stehen lassen, oder sollte ich es hier vor die Hütte schieben und direkt vor dem Fenster übernachten? Ich saß da und plante ... da klapperte es ! Die Falle hatte geschnappt! Ich hatte gar nicht die Schnur gezogen und auch gar nicht bemerkt, dass das Kätzchen drin war. Gleich stieg ich die Leiter hoch und guckte: Es fauchte mich an und randalierte, aber es saß drin! Wie wunderschön
! Ich war so froh!!
Das Tierheim hatte natürlich schon längst geschlossen, denn es ging nun schon auf zehne zu. Da lud ich die Falle gleich ins Auto und fuhr zu mir nach Hause. Dort stellte ich die Falle in die Badewanne, schloss sicherheitshalber trotzdem Fenster und Türe, nicht dass es vielleicht doch noch irgendwie aus der Falle entkam? Es hatte sich langsam beruhigt und zwinkerte mir sogar zu, wie lieb! Du putziges Mäusle, morgen in aller Früh fahr ich dich gleich ins Tierheim zu deiner Mama!

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