Sonntag, 23. August 2026

Wolfszeit am Samstag

Es hatte die ganze Nacht geregnet. Gegen Mittag hörte es auf, und die Wolken verzogen sich dann auch weitgehend, die Sonne kämpfte sich wieder durch. Schob sich eine Wolke vor, wurde es wirklich kalt. Ich hatte ein Hoodie und einen Zipper drüber und war um das dicke Outfit recht froh. Kaum kam die Sonne, wurde es aber wieder sommerlich warm und man hielts in den Haufen Klamotten kaum aus.

Ich war schon um 14:30 Uhr runter gegangen, weil ich wollte XIV Dark Centuries sehen. Die Südharzer Perchten hupften bei denen auf der Bühne rum und dann später auch unter den Leuten im Publikum zum Posen und Fotografieren. Die Vorstellung gefiel mir recht gut, und ich ging nach dem Gig gleich rauf zum Merch und kaufte mir ihre neue CD, "aus uralter Zeit".

Dann gings gleich wieder runter an die Bühne, denn da kamen als Nächstes Sagenbringer. Ich guckte über die Leute und suchte den Torsten. Der war noch gar nicht da? "Was los, Mann?! Sagenbringer treten gleich auf, schläfst du noch?" whatsAppte ich, aber schließlich fand ich ihn dann links vor der Bühne mit seinen Leuten aus dem Camp.

Der Auftritt von Sagenbringer war richtig schön und episch. Die Jungs werden immer besser. Es standen auch echt viele Leute davor und wollten das sehen, obwohl es erst Nachmittag war.

Allein schon die Bühnendeko fand ich geil: Sie hatten eine Reihe so runde Kugellampen dort stehen, die waren bemalt mit dunklen Schlieren. Mit den bunten Glühbirnen, die drin waren, sah das toll aus, wenn es leuchtete. Dabei war das bestimmt gar nicht teuer! Die Lampen sahen aus wie so Gartenlampen aus dem Baumarkt, höchstens 20 € das Stück, und die Bemalung war bestimmt auch gar nicht schwierig. Das wär doch was zum Basteln für meine Ranch?

Da lief einer in der Menge rum, der war als Krieger gewandet. Ein Pfeil steckte in seinem Helm, direkt im Aug. Das sah unheimlich stylisch aus, und der Mann wurde andauernd fotografiert. Da drehte er sich immer her, und wahrscheinlich grinste er unter seine Maske - das macht man ja automatisch, wenn man fotografiert wird, nur kam in der Frontansicht der Pfeil gar nicht gut raus, weil den sah man dann kaum. Ich fotografierte den Recken drum heimlich von der Seite.

Es kamen nun Gernotshagen. Die gefallen mir nicht. Ich hatte sie letztes Jahr schon auf dem Break Out gesehen und war da recht enttäuscht gewesen. Ich schenkte mir den Gig und machte in der Zeit mal einen Spaziergang über den Campground. Der war ziemlich voll, diesmal waren ganz schön viele Wölfe gekommen - aber auch Ratten. Das war doch sogar ein Lupo? Eine kleine, grüne Lupo-Ratte?!

Ich fand überall Überreste von zusammengebrochenen Zelten und Pavillons.

Ich kam an Torstens Bus vorbei. Nebendran stand gestern noch ein Zelt mit zwei älteren Männern. Aus ihren Soundboxen spielten alte Hippie-Lieder, so Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Deep Purple und sowas. Als Torsten und seine Kids zu feiern anfingen, guckten die beiden Männer schon immer so komisch. Jetzt war das Zelt weg .

Ich lief bis zum Eingang ganz oben. Sogar hier standen noch Autos. Das Wolfszeit war also dieses Jahr recht gut besucht, kein Wunder, bei dem geilen LineUp. Oh, aber da war schon wieder ein Wetter im Anmarsch . Die Aussicht war ja klasse, diese dunkle, fette Wolke über der grünen Landschaft, also wirklich schön, eine Postkartenidylle. Allerdings wehte es bereits kleine Tröpfchen her, der Regen würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Da saß ich oben auf der Bank, wo schon 1930 der Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen verweilt war - stand zumindest auf einem Gedenkstein gemeißelt .

Ich machte mich lieber mal wieder runter zum Naglfar. Den ganzen Sommer über war ich eigentlich recht geizig auf den Festivals gewesen, nur hier auf dem Wolfszeit hatte ich bisher schon ganz schön Kohle verprasst. Ich musste mich aus dem Naglfar-Versteck bedienen, wo ich immer ein bisschen Geld gebunkert habe. Ja, sieh einer an: Hier ist ja auch meine Chili-Marmelade, die ich wegen Glasverbot darin versteckt hatte?! So gut versteckt, dass ich sie selber nicht mehr gefunden hatte .

Ich ging mal wieder rein aufs Infield, holte mir ein Bier und hockte mich rauf auf den Hügel in den Biergarten. Es war grad Umbau und sie spielten soeben Mr. Hurley mit dem Lied von ihrem Haifisch, im Refrain "f*ck die AfD". Am Nachbartisch saß ein Mädel, die das wohl triggerte, denn sie erzählte soeben ihrem Begleiter folgenden Alptraum, den sie hatte: Sie kam nach Hause und die Tür zu ihrer Wohnung stand offen. Sie musste feststellen, dass eingebrochen worden war und alles ausgeraubt worden war. Verzeifelt lief sie in ihrer Wohnung rum, da klopfte es an der noch offenen Tür. Ein Mann von der AfD stand draußen, mit blauem AfD-Pulli, und bot ihr seine Hilfe an.
Ja, was ist da jetzt "Traum", denn das ist leider einfach die Realität: Wir werden ausgepresst, geschröpft und ausgeraubt, und die AfD bietet dagegen Hilfe an. Wie lange willst du noch träumen, Mädel? Müssen dir die Räuber erst noch die Hütte anzünden?

Nun kamen Mittelalta. Die kannte ich nicht. Keiner von den Freunden kannte die, der Harry nicht, die Carmen nicht, Ralf nicht, Uwe nicht ... allerdings hatte mir irgendein Youngster erzählt, Mittelalta seien super, er sei bloß wegen denen hergekommen. Na, da wollte ich sie mir mal angucken. Nach Mittelalter sahen sie ja nun nicht aus . Sie hatte drei Sänger, und nun legten die los. Das hörte sich ja voll wie Rap an? Nee, also das war ja nun gar nicht meins. Da war ich ja noch im Nachhinein fast stolz, dass ich die nicht gekannt hatte.

Ich lief zurück ins Camp. Dort saßen schon die anderen, und so lästerten wir uns eins ab über Mittelalta.

Zu Obscurity waren wir dann wieder unten. Leider hatten Obscurity schon nach dem 2. Song technische Probleme, so dass der Gig unterbrochen werden musste. Der Sänger überbrückte die Zeit mit Ansagen und Sprüchen, aber das zog halt die Luft doch arg aus der Show.

Ich stieg hoch auf den Hügel und fotografierte von dort den legendären Wolfszeit-Sundowner.

King Kitty war jetzt endlich auch aufs Infield gekommen. Da stand er mit seiner königlichen Robe aus einem alten Hello-Kitty-Bettbezug, samt Dildo-Zepter und Beleuchtung in der Dämmerung.

Harry hatte gemeint, es gäbe um diese Zeit jetzt keine Kontrolle mehr und man könne sein Bier mit reinbringen. Doch, kontrolliert wurde schon noch, aber mein verstecktes Bier in der Kapuze vom Mittelaltermantel wurde nicht gefunden . Da saß ich in der Finsternis, eingekuschelt in meinen Mantel und wartete auf Belphegor.

Die gefielen mir dann wieder richtig gut. Die Show machte mich echt an, und ich stand verzückt da und träumte mir einen ab . Es war auch gut, dass Belphegor schon jetzt, um 21:40 spielten, und nicht als Headliner, weil da war ich wenigstens noch halbwegs munter.

Ich fand den Gig sehr schön, nur der Schluss war recht seltsam: Der (letzte) Song wurde leiser, war aber irgendwie noch nicht ganz zu Ende, denn es tönte noch ein immer leiser werdender Sound, die Musiker gingen einfach so von der Bühne - und dann war's aus . Ein Techniker kam und schaltete die Soundmaschine aus, Licht ging an, fertig. Es wurde also nicht mal richtig Applaus gegeben. Ich rief "Zugabe" und ein weiterer hinter mir ebenso, aber da ging nix mehr, die Show war zu Ende. Na, das war aber nun wirklich komisch . Ja, mei.

Als Headliner standen Ellende auf der Running Order, aber die gefallen mir nicht. Weiß nicht, ich kann einfach nichts anfangen mit denen, weder drauf moshen, noch drauf träumen, das ist nicht meins. Ich werde mal meinen Ellende-Patch von der Kutte entfernen und was anderes drauf nähen. So ging ich zum Naglfar. Harry kam mir auf dem Weg entgegen, hatte mich aber in der Finsternis nicht gesehen. Die Sterne standen am Himmel und funkelten, ich erkannte den großen Wagen. Voll romantisch!

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