(Gefühlt) mitten in der Nacht um 10:30 Uhr klopfte es kräftig an das Naglfar. Oh, ich schlief so gut! Ich schob die Rollos hoch und machte das Fenster auf. Draußen stand Torsten und seine Jungs: "Du hast keinen Platz für mich reserviert!" beschwerte er sich. Harry war der Erste, er hatte reserviert - leider nur 1 Platz und da stand ich natürlich drin. Wo sollte sich Torsten jetzt hinstellen?
Ein Blick in die Runde: Da lag mein Pavillon, oder besser das, was von ihm übrig geblieben war . Der Sturm hatte ganze Arbeit geleistet. Ralf entsorgte gleich die Reste, und auf den Platz könnte sich Torsten stellen, aber der stellte sich dann lieber drüben in die andere Reihe. Na, auch gut.
Ich kochte Kaffee, setzte mich hin zum Frühstück und fing an, Bilder zu sortieren und meinen Bericht zu schreiben. Da tauchte Carmen mit Mann auf. Sie hockten sich rein ins Naglfar und wir unterhielten uns, aber leider durfte ich von Carmens Mann kein Foto machen. Na, sooo hässlich war er doch auch wieder nicht ? Harry kam dazu und so laberten wir eins auf. Die erste Band fing schon an und ich war mit meinem Bericht noch nicht weiter gekommen. Da schmiss ich alle raus und tippte.
Eigentlich hätte ich Darkkirchensteuer sehen wollen, was für ein Name ! Die hörten sich auch hier oben recht gut an, aber ich tippte. Erst zu Boötes Void schaffte ich es runter aufs Infield.
Da stand Torsten - bereits ziemlich beömmelt. Kein Bier vor vier, drum hatte er sich bis jetzt seine berühmte "Mischung" einverleibt, bestehend aus 1 Teil O-Saft + 4 Teilen Wodka oder so. Aus einer Plastikdose mit ehemals Pfirsich-Eistee-Pulver hatte er vorhin eine undefinierbare Suppe getrunken. Ich befürchtete ja, er hatte in das Eistee-Granulat einfach den Wodka reingeschüttet und rumgerührt, damit die "Mischung" nicht so sehr von unalkoholischem Saft durchtränkt war - praktisch reiner Wodka mit einem Löffel Pfirsich-Pulver. "Trink, trink!" nötigte er mich, und zum 101. Mal sagte ich, dass ich das süße Zeug nicht mag und hielt 1 Armlänge Abstand.
Auf dem Infield füllte er nun an der Wolfszeit-Bar schon wieder alle Freunde mit Cocktails ab und erzählte seltsames Zeug, unter anderem "Metal ist ein geiler Scheiß!". Mann, es war erst vier Uhr nachmittags?!
Die Karin kam daher gelaufen, sieh an! Sie war mit der Fotografin hergefahren, diese stand nun schon vorn vor der Bühne im Graben und fotografierte, und Karins Zelt und Zeug lagen noch bei ihr im verschlossenem Auto. Da wuselte Karin gleich weiter, die Fotografin abfangen, um an ihr Zeug zu kommen. "Sieh zu, dass du dein Zelt aufbaust, noch vor dem Abend!" rief ich ihr hinterher, denn gestern war jeder verloren, der sich vor dem Unwetter nicht wenigstens ins Zelt flüchten konnte.
Oben auf dem Hügel vor dem Merch traf ich dann die Carmen wieder. Die war nur wegen Finntroll gekommen, auch wenn diese wieder mit dem "Ersatzsänger" auftraten. Sie war so in diesen Matthias (der erste Sänger) vernarrt, dass sie sich Finntroll sogar ohne den anschauen wollte, nur wegen dem .
Bevor jetzt Wolfchant kamen, lief ich noch schnell zurück auf den Campground und packte den Grill aus. Ich hatte mir am Mittwochabend im Kaufland eine große Packung Cevapcici gekauft, und die musste ich jetzt grillen, sonst waren sie verdorben, war es ja jetzt schon heikel. Wo waren eigentlich die Würstchen, die sich Ralf gekauft hatte? Hat er die roh gegessen? Ich fürchte, die können wir dann am Sonntag zuhause auf die Ranch schmeißen für die Aasfresser (Füchse) . Die Cevapcici schmeckten noch sehr gut, aber sie waren stark mit Knoblauch und Chili gewürzt, man schmeckte nicht raus, ob sie schon einen Stich hatten. Ich aß mal lieber nur 5 Stück, damit wurde mein Magen schon fertig. Damit war ich auch satt und machte mich runter aufs Infield.
Da kamen nun Wolfchant. Die hatte ich schon öfter gesehen, ich glaube, auch erst auf dem Party San, aber noch nie waren sie mir so positiv aufgefallen. Zu Beginn kam ein sehr hübsches Mädel auf die Bühne und tanzte da mit Fackeln herum. Dann kamen die Musiker der Reihe nach rein und spielten los. Es gefiel mir recht gut, aber dann sagten sie einen Song an von "unserem neuen Album", und der Song war richtig gut. Ich lief rauf auf den Hügel zum Merch und kaufte dieses Album. Naja, wieder 1 CD mehr. Die hör ich dann im Röhrle, darin kann ich nur CDs abspielen lassen, und neue Musik ist da tatsächlich mal wieder fällig, ich kann meinen alten Kram bald nicht mehr hören.
Wie war das nur in meinen Teenie-Zeiten? Ich kaufte mir damals 1 Schallplatte und hörte die Monate lang, weil mein Taschengeld nicht für mehr reichte .
Vom Merch auf dem Hügel hatte ich einen guten Überblick. Da vorn im Publikum tanzte einer rum mit einem Wikingerhelm. Wollte der unserem Greimi Konkurrenz machen? Ich guckte genauer hin: Mensch, das war doch der Manfred aus Kassel?! Ich lief gleich runter, wühlte mich durch die Menge und begrüßte ihn. Der Helm war echt schick, fand ich, und er stand ihm richtig gut !
Die Sonne war am Sinken, und die Wikinger aus dem heidnischen Dorf marschierten nun ein. Schnell lief ich zum Naglfar, um mein Fell zu holen. Mensch, was für ein Zufall: Da lag in der Mittelalterkiste auch diese kleine Kindertrommel, die ich erst neulich zuhause mit Bienenwachs poliert hatte. Die nahm ich doch gleich auch mit - und natürlich mein Rufhorn.
Vor der Bühne hatten sich nun alle in einem weiten Kreis gesammelt, denn da war für das Blot aufgebaut. Greimi stand dort - Wikinger unter sich - und er schenkte mir eine selber ausgedruckte, kleine, schwarze Pommesgabel. Der Greimi und sein 3D-Drucker, jaja
.
Da ganz vorn in der ersten Reihe hockte der Harry! Ich lief gleich hin und setzte mich neben ihm auf den Boden, die Trommel auf den Beinen, das Horn daneben - ein Logenplatz.
Die Mittelalter-Leute fingen nun an, auf ihren Schamanentrommeln zu trommeln. Die Krieger klopften auf ihre Schilde. Ich trommelte einfach mit auf meiner kleinen Kindertrommel, aber die hatte ja einen richtig guten Klang. Anfangs trommelte ich noch recht zaghaft und lieber etwas leiser, wollte ich auf keinen Fall aus dem Takt fallen.
Voenix trat nun auf die kleine Bühne und sagte das Blot an und das acustic Set von Varg.
Torsten war zum Glück nicht da. Ich hatte ihm vorhin schon verklickert, dass ich dieses Mal bei dem Blot nicht gestört werden will. Es sei auch nicht damit getan, dass ich ihm eine pfeffere (wie letztes Jahr), weil das alles killt meine Stimmung, um die es hier ja gerade geht. Er braucht das auch gar nicht verstehen, einfach nur akzeptieren und mir beim Blot fern bleiben. Er könnte ja derweil auf Kacken gehen, da, Freund, trink noch eins!
Das Wolfszeit ist so ein herrlich markantes Event, in dem alles zusammen kommt: Metal, Mittelalter und Moderne. Ausgesprochen schön .
Da standen nun Varg auf der kleinen Bühne und sangen ihre wunderschönen Lieder bis die Sonne unter gegangen war und es dunkel genug geworden war.
Danach entzündete einer das Wolfszeit-Zeichen. Es wurde mächtig heiß! Die Leute - auch die Darsteller und der Voenix - rückten ein paar Meter weg, und auch ich da vorn in der ersten Reihe kriegte noch ordentlich was von der Hitze ab, hui. Als das Feuer etwas kleiner wurde, stellten sich die Schamanen wieder hoch und fingen an mit dem Ritual. Sie dankten den Ahnen und den Geistern dieses Landes die hier sonst weilten, wenn die Menschen nicht da waren. Sie gedachten der Götter, dem Allvater Odin, thematisierten die Vergänglichkeit und dass man mit dem Tod nicht fort sei, sondern nur überging in eine andere Welt. Die Verstorbenen seien nicht tot, so lange ihrer noch jemand in seinem Herzen gedachte.
Na, wenn dabei noch Bewusstsein bei ihnen bestünde, wäre ich schon zufrieden. Bestünde jedoch Bewusstsein bei jemanden, nur weil man ihn im Herzen trägt, dann bestünde ja kein Bewusstsein bei denen, die nicht geliebt werden, oder doppeltes Bewusstsein bei den Geliebten? Das ist doch Unsinn! ...Aber die Logik killte die Stimmung, sofort kick und weg damit!
Dann fingen wieder die Trommeln an zu schlagen und ich schlug mit. Voenix sang und die Trommeln schlugen, bumbum booommm, bumbum booommm… ich konnte mich gut drauf einlassen und fühlte tatsächlich diesen Trancezustand, als gehörten alle Akteure zusammen inklusive der Geister. Ich wurde ganz glücklich bei dem Gedanken, wie in aller Welt ich nur drauf gekommen war, diese kleine Trommel mit ins Naglfar zu nehmen? ...und sie auch jetzt vor dem Blot noch schnell zu holen? ...und dass ich sie mit rein aufs Infield nehme durfte und hier mittrommeln konnte, obwohl ich ja gar keiner der Darsteller war: Es war toll! Es fielen einige Groschen in meiner Seele und ich trommelte und trommelte .
Ich war so ergriffen, dass ich ab hier gar keine Fotos mehr schoss, schade, denn nun wurden die Opfer-Hölzchen verteilt, und jeder ging ans Feuer, warf sein Opfer rein, auch ich. Meins flog diesmal mitten rein ins Feuer und dort blieb es auch, ich ging weiter und trommelte wieder. Ralf kam aus der Menge, ebenso ergriffen. Er war eins mit dem André, dem Wolf, der seit 3 Jahren nicht mehr unter uns weilte ... oder doch? Vielleicht! Wenn nicht, dann denken wir es uns, denn die Gedanken sind so wunderbar warm.
Das Blot fand ich wirklich wunderschön. Es ist für mich das Highlight vom Wolfszeit, allein nur deswegen würde ich schon herfahren.
Sie hatten auf der Bühne nun schon für Finntroll umgebaut, und nun räumte noch ein Radlader die Feuerschale und die kleine Bühne aus dem Gelände. Ich lief schnell raus zum Naglfar und brachte Trommel, Rufhorn und Fell zurück. Dann ging ich gleich wieder vor zu Finntroll, die jetzt spielten. Carmen war ganz enttäuscht: wieder nur der Ersatzsänger! Und auch Karin motzte: "Das sind nicht mehr die Finntroll, die ich kenne." Ich hatte mich nie so intensiv um Finntroll gekümmert, der Sängerwechsel war mir nie aufgefallen, und ich fand auch diesen Auftritt recht gut. Die Songs sind einfach lustig, find ich.
Nach Finntroll war für mich aber die Luft draußen. Es war ja erst knapp elf durch, aber ich war jetzt an dem Punkt, wo es mir reichte: Ich mochte kein Bier mehr, würde vor lauter Langweile bloß noch was essen, unnötige Kalorien in mich rein stopfen, muss auch nicht sein, und so lief ich verloren durch die Leute. Viel zu gucken gab's aber nicht mehr, weil es war ja längst finstere Nacht. Den King Kitty mit seinem beleuchteten Dildo sah ich noch durch die Menge schreiten. Carmen + Mann hatten sich verabschiedet, sie fuhren in ihr Hotel. Karin war nicht mehr zu finden. Im heidnischen Dorf sah ich am Feuer von weitem noch Torsten sitzen, der aber grad ne Frau vollquatschte, da wollte ich nicht stören.
Ich wartete Eisregen noch ab und hörte mir die ersten beiden Songs noch an. Naja, dann war's doch schon Mitternacht und ich machte mich heim ins Naglfar.


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