Ganz spontan ließ ich mir ein Ticket raus für das Sticky Fingers. Ines vom Krach OA hatte auf Facebook angefragt, ob ich auch dort bin. Ich hatte an dem Wochenende noch nichts Bestimmtes vor und guckte mir die Veranstaltung mal an: Was, es kamen Tankard!? Und: Was, es kostet nur 43 €??! Das kann doch gar nicht sein, und ich guckte gleich mehrmals hin: Das ganze Festival kostete nur 43 € für alle zwei Tage! Das konnte ich kaum glauben, denn für Tankard alleine zahlte ich doch im Komm oder im Löwensaal oder sonst wo schon nen Fuffi?
Sehr geil! Wie weit war es denn weg (Marktredwitz)? Das war etwas blöd, denn sowohl A3 als auch A9 führten weit dran vorbei und damit machte es 165 km. Man konnte auch über die Landstraße fahren, da waren es nur 130 km. Ach sch*** drauf! "Kost' das Benzin auch 2 Mark 10..." Was: 2 Mark 10? Es kostet jetzt schon mehr als das Doppelte, 2 Euro 27 . Aber YOLO! Denn: Heute ist die gute alte Zeit von morgen!
Es war wieder mal die apokalyptischste Weltuntergangshöllenglutdürre gemeldet, und es hatte tatsächlich an die 40 Grad, aber ich hatte mich an die Hitze schon gut gewöhnt. Das ist die einzig sinnvolle Antwort auf all das Klimageschrei: Anpassung! Die Fahrt war trotzdem anstrengend, ich brauchte 1 Liter Iso-Limo auf 100 km. Allenfalls war ich froh, als ich da war.
Ich packte gleich das Fahrrad aus und radelte vor zum Infield, aber dort war noch nichts offen. Die Anwohner an der Straße verkauften schon Bier, Kaffee und Kuchen, voll toll, und einer hatte in seinem Garten einen richtigen Ausschank stehen, auf der Gartenmauer mit einem Brett einen Tresen gebastelt, eine Biertischgarnitur aufgestellt, und ein paar lustige Leute standen dort schon und feierten.
Da verbrachte ich den Rest des Abends auf dem Campingplatz, hatte mich mit den Nachbarn angefreundet - oder besser: die Nachbarn mit mir, weil ich und Kontakte knüpfen?... - und saß dann bei denen im Camp. Da gings dann irgendwann um "früher", "wie doch die Zeit vergeht" und wie alt sie alle waren. "Ich werde bald 50" jammerte einer, und ein Mädel sagte "ich bin 79 geboren, oh weh ". Dann war ich dran. "Ich bin schon alt", sagte ich zur Vorwarnung *Sozialphobie extended, schäm* "ich bin Baujahr 1961" - schlagartig fiel allen der Kiefer runter, für einen Moment war Ruhe im Camp. Dann fragte irgendeiner ungläubig "...echt?"
Jo, echt.
Wieder einmal war ich das große Vorbild von der Sorte "so möchte ich auch mal enden".
Was: enden? Ich fang doch erst an! Und nächstes Jahr geht's erst richtig los!
Am nächsten Mittag nach dem Frühstück packte ich meinen Campingstuhl und 2 Dosen Radler und zog über den Campingplatz. Da fand ich die Ines und ein paar alte Fürther zwischen zwei Wohnwägen. Ich setzte mich dazu, da fühlte ich mich dann doch wohler. Der eine Kerl war sogar noch älter als ich, er wurde im September schon 70. "Oh wow, wenn ich mal so alt bin wie du, möchte ich auch noch so drauf sein" ärgerte ich ihn .
Zur ersten Band löste sich das Gelage auf, und während ich mich erst noch umzog und mein Make Up auffrischte , liefen die Fürther schon zum Infield. Das sollte Luftlinie so 200 m entfernt sein, aber man musste um den ganzen Berg und Wald rumlaufen; das zog sich ganz schön. Ich radelte schließlich an ihnen vorbei, sie waren an dem Garten mit dem Bierausschank kleben geblieben
. Eine Menge Leute standen dort und die Anwohner machten ganz gut Umsatz. Ob das das Finanzamt weiß
? Auch das Radeln gestaltete sich schwierig, denn erst ging es steil den Berg runter, dann aber wieder hoch und ich musste ganz schön trampeln.
Es waren jetzt um 15 Uhr noch nicht allzu viele Leute da, und die wenigen standen alle rechts vor der Bühne, weil dort war Schatten. Die erste Band, Revanchist, forderte mehrmals auf, doch nach vorne zu kommen, aber sie blieben dann lieber im Schatten: "Hee, ihr links da! Kommt doch mal auch rüber nach dem anderen links!"
Jetzt geht die Rechtsphobie schon so weit, dass sie nicht mehr "rechts" sagen mögen, sondern "das andere Links" . Das merk ich mir! Nein, ich bin nicht rechts, ich bin nur das andere Links
.
Die Band spielte aber gut und es bildete sich sogar der erste Circle-Pit dieses Tages, nachmittags um drei bei 40 Grad im Schatten.
Langsam füllte sich die Area. Ich stand mit dem einen Fürther vor dem Pizza-Stand. Ich hatte zwar noch am Naglfar eine halbe Honigmelone gegessen, und eigentlich war ich satt, aber aus dem Pizza-Wagen hörte ich eine leise Stimme flüstern, die schließlich sogar das Konzert übertönte: "Bestell dir doch eine Pizza!" Hmm, sah sehr lecker aus, und schon hörte ich mich sagen: "1 Pizza mit Champions, Peperoni und Zwiebeln
"
Wir warteten.
Da stand eine Dose an dem Pizzastand und ein Pfeil deutete drauf: scharfes Pulver. Na, Vorsicht ist die Mutter der Chilidose und so schleckte ich kurz den Finger an und tippte leicht auf die Dose. Nur eine Fingerspitze voll, und ich mag scharf … aber das war echt scharf, huch ! Nur von der Fingerspitze brannten mir schon die Lippen. Eigentlich war ich begeistert und fragte gleich, ob man von dem Pulver was kaufen konnte. Leider stellen die es selber her, also sie kaufen die trockenen Chili und mahlen sie dann, erklärten sie. Zu verkaufen war es leider nicht. Sehr, sehr schade, und ich sehe mich regelrecht genötigt, heute abends vielleicht die Dose einfach zu klauen?
Die Pizza war fertig! Der Fürther griff zur Dose. Ich sagte: "Pass auf, es ist echt scharf." Der Fürther (heute werde ich fragen, wie er heißt ) fing an zu schütten, aber die Löcher an der Dose waren extrem klein. "Da kommt ja gar nix raus", schimpfte er und schüttelte heftig über seiner Pizza herum. "Oh weh" dachte ich. Als er fertig war, nahm ich die Dose und schüttete davon nur leicht auf nur 1 Schnitte meiner Pizza, das rote Pulver sah man gar nicht - im Gegensatz zur Pizza des Fürthers. Ich glaubte, das reicht, da konnte ich nachher mit den anderen Schnitten den Brand notfalls wieder löschen. Wir setzten uns an einen Biertisch und futterten.
"Es ist ja höllisch scharf" gab er gleich zu, aß aber weiter. Schweißtröpfchen bildeten sich nun auf seiner Stirn. "Mir brennt der ganze Mund, es tut wirklich weh" sagte er dann unglücklich, aß aber tapfer weiter. Die Gesichtshaut färbte sich zu einem kräftigen Rot. "Wollen wir eine Schnitte tauschen?" bot ich ihm an, aber er lehnte ab und aß seine ganze Pizza auf. Tapfer, tapfer! Also das wird zweimal brennen! Genozide der Darmbakterien!
Ich ging wieder vor zur Bühne und guckte mir Vinz Clortho an. Die waren lustig und hatten so ein Michelinmännchen auf der Bühne rumhupfen. Es war eine Marshmellows-Frau erklärten sie. 40 Grad im Schatten, Gummianzug an und dann noch über die Bühne hupfen - so geht Klimaanpassung!
Averea verglich ich in etwa mit Nightwish. Sie waren sehr melodisch und eine Frau sang sehr schön dazu. Zum Tanzen und Moshen wars nix, außerdem wollte ich mich bei der Hitze eh nicht so wirklich bewegen - höchstens hin zur Tränke, noch ein Bier, bitte. Wenn es schon fast keinen Eintritt kostete, machte ich wenigstens ein bisschen Umsatz.
Tja, da stand ich nun mit meinem Bier. Sollte ich mich als "andere Linke" angesprochen fühlen? Sollte ich mich überhaupt als "anders links" definieren, weil was ist denn eigentlich für mich links oder rechts? Mein Standpunkt hat sich seit Jugend an kaum geändert. Früher galt ich als linksextrem. Heute gelte ich - mit wohl gemerkt demselben Standpunkt - als rechts und sogar schon als "Rassist", nur weil ich die Leute in Gruppen einteile: in Metaler, in Punks, in Popper, in Fürther, in Nürnberger, in Atheisten und ...in Christen und Moslems, die ich nicht mag, weil sie in meine Augen schlichtweg blöd, steinzeitlich und frauenfeindlich sind. Jawohl, und dann hau ich die gesamte Gruppe in die innere Tonne, weil die 3 Ausnahmen unter ihnen machen IMO das Kraut auch nicht fett. Ich will die Typen nicht in meiner Umgebung haben und drum möchte ich keinerlei Zuzug aus muslimischen Kulturen.
So wie "ihr" keinen Unterschied macht zwischen nationalsozial und nationalsozialistisch , mache ich keinen Unterschied zwischen islamisch und islamistisch - das ist ein und dasselbe Prinzip, nur in verschiedener Ausprägung, und ich finde: wehret den Anfängen! ...auch wenn ich dann als "Nazi" gelte
.
Aber das wusste ja hier keiner .
Am Merch hatten sie nun schon Tankard-Sachen zu verkaufen, obwohl Tankard erst morgen spielen sollten. Ich guckte: was für eine hübsche Tankard-Hose! ...und nur 25 €! Also das ist ja echt nicht teuer, weil solche Hosen hatte ich auch schon für 40 € gesehen. Ich schlug zu und freute mich ganz arg über meine Hose. Ich war eigentlich nur oder hauptsächlich wegen Tankard da, aber angucken wollte ich mir auch...
...die Japanischen Kampfhörspiele. Wie lange gab es die nun schon? Das war schon lange, lange her, war es noch in den 80ern, als mir die Gina damals mal ganz entsetzt erzählte, versehentlich in ein Konzert von denen geraten zu sein, und man glaubt es nicht, also was für ein Krach, nur Geschrei, fürchterlich, oh weh … naja, eben die andere Musik . Gina hat mir das damals so eindrücklich geschildert, dass ich es heute noch weiß und es deswegen unbedingt sehen wollte.
Naja.
Naja, also da war ich ja heute noch ganz andere Sachen gewohnt, und ich fand das eigentlich sogar recht nett. Man konnte herrlich drauf pogen, und es bildete sich auch gleich ein Mosh Pit. Genüsslich sah ich zu, wie sich tatsächlich viele echt noch jugendliche Kerle dafür begeistern konnten. Ein Pit wie in alten Zeiten, wunderschön : geballte Manneskraft, sooo schön, ein paar echt dicke Knotzen drin, dagegen wieder so Lauchs und Hänflinge, die regelrecht an ihnen abprallten wie so Springbälle, bumm, einen hat es hingedonnert, aber sie hoben in sofort wieder auf, und weiter ging's, jeder gegen jeden.
Am Naglfar zog ich mir ne lange Hose an, denn es war ein wenig "kälter" geworden, und unter 35 Grad frierts mich jetzt .
Die Radlerei nervte mich. Man musste da ganz außen rum radeln und dann den Berg wieder hoch keuchen, dabei sollte es auch einen direkten Waldweg geben, hatte ich gehört. Ich ließ das Fahrrad im Camp und machte mich zu Fuß auf, diesen Waldweg zu finden. Ich lief nebenan die PKW-Parkwiese hoch, die sich ganz schön hinzog. Oben fand ich dann hinter einer Absperrung einen Trampelpfad durch ein Gebüsch auf eine andere Wiese. Dort kamen mir ein paar Leute vom Festival entgegen, die den Parkplatz suchten: "Ja, hier gleich, durch die Absperrung." Ich kam auf eine asphaltierte Straße, wo es dann runter zum Festival ging; dieser Weg war nun wirklich auch nicht kürzer .
Ich war wieder da und hörte mir Booze & Glory an, anscheinend eine Ska-Band, konnte man gut hören. Es war nun auch tatsächlich recht voll geworden und überall standen ein Haufen Zuschauer. Booze & Glory waren anscheinend in dieser Szene ne echte Nummer.
Ich wartete eigentlich auf Betontod. Die hatte ich am Rock Harz verpasst und hatte hier also nochmal die Gelegenheit. Die Reihen der Zuschauer hatten sich merklich gelichtet, viele waren nach Booze & Glory schon gegangen, und es war ganz lüftig geworden, sodass ich noch vor kam bis in die erste Reihe. Da stand ich am Gatter ganz vorne und guckte mir den Gig an.
Es begeisterte mich jetzt nicht sooo, mein Bierdurst war auch längst gestillt, und so beschloss ich bald, heim zu gehen. Der Weg, den ich gekommen war, war ein Umweg gewesen, eindeutig! Es musste noch einen kürzeren Weg geben, über den Zeltplatz. Also lief ich den steilen Waldweg hoch, der vom Infield zum Zeltplatz führte. Oben angekommen stellte ich fest, dass der Zeltplatz umzäunt war und es eine bewachte Pforte gab. Hier wurden Bändchen kontrolliert. Ich hatte aber keins, also jedenfalls nicht für den Zeltplatz. Damit sie mich nicht wieder nach unten weg schickten und mich dabei im Visir behielten, fragte ich auch gar nicht erst, sondern ging links an dem Zaun vom Zeltplatz entlang durch das Gebüsch. Ich musste ja auf diese Weise mal irgendwann an der anderen Seite rauskommen. Zuerst war der Zaunrand hier noch halbwegs begehbar, aber bald wurde das Gebüsch doch recht dicht. Dann lag sogar ein großer, umgestürzter Baum dort und ich kämpfte mich durch das Geäst, immer eng an den Zaun gequetscht. Dieser Weg war definitiv ein Fehler.
Irgendwann kam ich dann doch am Ende des Zaunes auf der anderen Seite raus. Dort fand ich auch wieder einen Trampelpfad durch den Carport eines Gehöfts, der dann auf eine Wiese am Waldrand führte, und hier sah ich dann die Absperrung zum WoMo-Platz. Die hatte schon jemand einen Spalt geöffnet, und ich schlupfte durch. Zuhause! Morgen würde ich wieder mit dem Fahrrad fahren .
