Freitag, 22. Mai 2026

Leipzig, Völkerschlachtdenkmal

In der Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen, denn dass der Laptop nimmer lief, ärgerte mich ungemein. Ich kann doch nicht alles mit der Hand schreiben? Bis ich zuhause sein würde, hatte ich doch die Hälfte schon wieder vergessen. Was mach ich bloß? Der Laptop ist 4 Jahre alt, noch nicht alt, aber auch nicht der Neueste, und ich beschloss, mir einen neuen zu kaufen. In aller Früh googelte ich auf dem Handy nach dem nächsten Media Markt. Der war doch rund 10 km entfernt, fürs Fahrrad zu weit, mit den Öffis bräuchte ich 40 min, eher jedoch das Doppelte, weil wie ich mich kenn, steig ich wieder in die falsche Bahn und so... . Eigentlich wär ich schon gern noch in Halle geblieben, zudem wollte ich mir die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Bergmannstrost noch angucken, die hab ich doch jeden Tag auf dem Schreibtisch liegen - naja, deren Arztberichte, mein ich. Aber ich beschloss, abzureisen Richtung Media Markt.

Halle ist eine schöne Stadt, aber leider endlos verschmiert mit Graffiti. Hier steht's, was dahinter steckt: "mir egal" Sie achten nicht das Eigentum, nicht die Schönheit, nicht das Historische, nicht das Edle, selbst wenn sie es erkennen: alles egal. Wie siehts denn aus mit dem Gemeinwesen, der Gesellschaft, den anderen Leuten und dem Volk, für das solche Typen doch immer gern bei jeder Demo "auf die Straße gehen"? Auch egal? Fassen wir's zusammen: "Andere Menschen interessieren mich nicht, ihr seid mir egal, mir ist nur wichtig, irgendwo rumzuschmieren, weil das finde ich lustig."
Ich bin der Meinung, man sollte sie zur "Strafe" bis auf die Unterhose ausziehen, Spraydose nehmen und auf die Haut sprühen: "mir doch egal" Das fände ich lustig .

Die allgegenwärtigen Graffiti machen leider einen sehr heruntergekommenen Eindruck, hier siehts ja aus wie in Connewitz .

Ich dieselte davon und landete kurz darauf bei Media Markt. Ich guckte mir dort die Notebooks an und hatte mich schon für eins entschieden, holte den Verkäufer, erzählte ihm erst mal, dass mein Laptop tot ist, woraufhin dieser vorschlug, das sollte man doch erst mal prüfen und ob ich ihn dabei hätt. Ja freilich, im Auto, ich hol ihn mal schnell! Der Verkäufer steckte ihn an sein Ladekabel und siehe da: er lud . Also war bloß das Kabel hie, wie schön! Leider hatten die dort im Media Markt Halle keine Ladekabel mit Autostecker .

Also fuhr ich weiter nach Leipzig zum Media Markt. Der ist dort mitten in der City. Man kann mit dem Auto bis vor die Tür hinfahren, was für eine schöne Stadt! Wenn ich da an Nürnberg denk, wie autofeindlich die sind, man muss sich als Nürnberger echt schämen.
Naja, also man kann zwar zum Media Markt hinfahren, aber nur im Parkhaus parken, also nix für dicke Autos wie dem Naglfar. Ich fuhr also ein paar Straßen weiter und parkte dort. Da hätt ich zwar auch nicht reinfahren dürfen, aber die Nebra-Brücke hatte ja schon gezeigt: Ich wiege gar nicht viel, bestimmt nicht 3,5 Tonnen .

Ich holte das kleine Fahrrad aus dem Laderaum und radelte zu Media Markt.

Aber auch im Leipziger Media Markt hatten sie kein Ladekabel mit Auto-Stecker . Ich hatte die Schachtel mit dem 220-V-Stecker in der Hand und überlegte hin und her: wohin könnte ich den stecken? Ich müsste das Naglfar auf einen Campingplatz mit Stromsäule stellen, aber dann zahl ich mich ja dort wieder doof. Zudem kostete so ein Kabel 49,90 € . Dabei hab ich doch ein solches, nur leider liegt es daheim . Ich legte die Schachtel wieder zurück und lief vor zum Service: Ja, sie könnten mir ein solches Kabel bestellen, das käme aber dann erst nächste Woche an. Na, das kann ich nicht brauchen, da bin ich schon wieder daheim!

Wenn ich mir übers Handy ein solches Kabel auf Amazon bestell, krieg ich es spätestens morgen. Ich könnte es mir an eine Packstation schicken lassen. Nur leider krieg ich dann meinen Abholcode per Post zugeschickt, nach Hause, und könnte es also nicht abholen. Selbst wenn der Code per Mail kommt: Ich habe grad keinen Zugriff auf meine Mails, denn die Mailbox ist auf meinem Laptop und auch auf meinem Handy komm ich an die Mails nicht ran, weil die Passwortliste hab ich nur auf Excel, kann sie also auch nur am Laptop einlesen . Da beißt sich doch echt der Hund in den Schwanz! *ärgerärgerärger*

Ohne Kabel radelte ich zurück zum Naglfar. Ich steckte das alte Kabel wieder an und probierte es nochmal, und siehe da: er lud ! Vermutlich hat er einen Wackelkontakt, keine Ahnung, wie oft er noch mal lädt, aber immerhin wurde er jetzt voll . Die nächsten beiden Blogeinträge waren gerettet!

Glücklich fuhr ich zum Völkerschlachtdenkmal, während sich hinten der Laptop auflud. Mei, da kann man wunderbar parken! Es war auch noch massig frei. Um die Ecke standen LKW und Hänger, auch ein Van und da stellte ich mich dazu.

Ich zog meinen Gothic-Mantel an und lief los zum Denkmal.

Vor diesem standen zwei Gruppen Soldaten. Mei, so viele Soldaten auf einem Haufen hatte ich schon lang nimmer gesehen. Tut langsam mit Krieg, ich bin erst nächsten April in (Vor-)Rente, ich kann noch nicht weg, erst nächstes Jahr kann ich davonlaufen!

Aus ist mit Barbarossa, jetzt geht's um den Napoleon. Mit dem machen sie ein ebensolches Geschäft, naja, sie wollen halt auch von was leben, mei. Sollte ich auf den Turm hoch steigen? Ich hatte noch immer elenden Muskelkater in den Oberschenkeln, krabbelte auf den Treppen rum wie ein Behinderter .

Ich krabbelte nur außen bis auf den Sockel, aber die Stadt ist sehr groß und lag so weit weg, so besonders toll fand ich die Aussicht hier jetzt nicht.

Unten war ein Museum und natürlich auch ein Shop, wo man viel nutzloses Zeug kaufen konnte. Wenn man denn mit dem Brieföffner auch seine eMails öffnen könnte?

Na, vielleicht kraxel ich morgen auf das Denkmal, wenn mein Muskelkater vielleicht besser geworden war. Ich beschloss, ich fahr mal besser in die Stadt, ein bisschen shoppen.

Also lief ich an die Straßenbahnhaltestelle und kaufte mir dort eine Streifenkarte, 4 Fahrten für 14,40 € , noch nen Euro gesalzener als in Nürnberg. Von wegen "arme-Leute-Verkehrsmittel"?! Ich glaub, wenn ich die Strecke mit dem fetten Naglfar fahr, das ja echt insgesamt recht teuer ist, dann kostet das keine 3,60 € . Nö, ich find, da stimmt was nicht . Und - ihr Bonzen und Politik-Halsabschneider - ich meine dabei jetzt nicht, dass das Benzin noch teurer werden sollte, sondern das Leben wieder bezahlbar(er)!

Die Leipziger Straßenbahn hat voll die lachhaften Haltestellen-Ansagen: Eine honigsüße Stimme (das Schmalz trieft aus dem Lautsprecher) nennt die nächste Haltestelle, stets verbunden mit einer kurzen Werbeansage von Läden und Locations, die man da jetzt aufsuchen soll. Die Witzigste auf der Strecke, den Namen der Haltestelle weiß ich leider nimmer, aber danach kam: "Haltestelle so&so... - Ihr Lieblingszahnarzt, Kinderpraxis Wackelzahn" Ich stand mit dem Handy unter dem Lautsprecher und lachte grad raus!

Am Markt stieg ich aus.

Erste Anlaufstelle ist natürlich der Doc-Martens-Shop, gleich mal rein. Aber alles, was mir dort gefiel, hatte ich schon, zumindest so ähnliches. Also wieder raus und weiter. Ich wollte ein neues Shake, in Halle hatte ich schon erfolglos geguckt: Es gibt da eins mit Vanille und Kokos, das hatte ich mal in Würzburg gekauft, aber weder in Halle noch hier in Leipzig fand ich es. Ich kaufte ein bisschen Wolle und brauchte dazu noch Stricknadeln, aber die kosteten hier 6,50 €, Auch im Billigladen kosteten sie noch 6 €. Nein, kauf ich nicht, weil daheim habe ich das voll tolle Luxus-Stricknadelset, aber man kann selbst im Naglfar nicht alles dabei haben. F*ckt euch, ein paar Grillspieße tun's auch!

Jede Drogerie, jedes Cafe, jeder Schuhladen (sogar der Deichmann), jede Boutique und sogar jeder Supermarkt - alle waren sie hier auf Gothic ausgerichtet, spielten Gothic-Musik und hatten möglichst schwarze Sachen in der Auslage. Die Verkäuferinnen waren tätowiert und natürlich schwarz angezogen, möglichst Gothic gestylt, so gut es ging.

Durch die City kurvte das Lastenfahrrad von Amazon . Seht ihr, ihr Stadtväter (Stadtväter*Innen, Stadtmütter, Stadtelternpersonen 1 und 2, und Stadtdiversen ) von Nürnberg: Man muss nicht die Autos bashen, alle Parkplätze vernichten, hässliche Blumenkübel und Bänke aufstellen, die Zufahrten stilllegen und die City ausbluten lassen, es geht auch anders, man kann anspruchsvolle Verkehrssituationen auch einfach angemessen und sinnvoll lösen, sodass alle zufrieden sind, nehmt euch ein Beispiel an Leipzig!

Na, jedenfalls shoppte ich eine Weile, ohne wirklich viel gekauft zu haben (bin geizig geworden) und fuhr dann mit der Straßenbahn wieder heim zum Völkerschlachtdenkmal, wo das Naglfar stand. Nebenan war der Friedhof, es war ein ruhiges Plätzchen, bloß in der Nacht kamen dann lauthals labernd irgendwelche Assis daher, ließen sich auf der Bank dort nieder, feierten da anscheinend, und bald drauf fuhren hier mit quietschenden Reifen aufgemotzte Testosteronschleudern um die Kurve, hatten laute Musik (zum Glück keine orientalische, sondern nur so Disco-Popperzeug). Hee Leute, da fühl ich mich ja wie zuhause in St. Leonhard, und ich wollte doch eigentlich Urlaub machen!

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