Sonntag, 6. September 2026

Break Out am Samstag

In der Nacht war es nun schon ziemlich kühl geworden, also verhältnismäßig. Als ich gegen Mittag aus dem Bett kroch, zeigte das Thermometer im Naglfar grad mal 12 Grad . Da wollte ich doch gleich die Heizung ausprobieren. Wenn ich nun am Montag schon in der Werkstatt anrufe wegen des Scheibenwischers, dann kann ich die Heizung auch gleich wieder mit anmelden, vorausgesetzt natürlich, dass sie nicht funzt.

Diesmal war es seltsam, denn die LED blinkte grün ...und blinkte und blinkte. Es kam keine warme Luft, man hörte auch keinen Ventilator, aber das Lämpchen wurde auch nicht rot, wie sonst immer. Also auf jeden Fall: lefft net, wie erwartet.
Seltsamerweise war das grün blinkende Lämpchen nicht mehr zu stoppen. Auch nachdem ich alles ausgeschaltet hatte, blinkte es weiter. Naja, da sollen die in der Werkstatt dann mal nachschauen.

Noch wurde es ja relativ schnell warm, die Sonne hatte noch deutlich Kraft.

Onlinesüchtig wie ich bin nahm ich nach dem Kaffeetrinken mein Handy und stieg hinauf auf den Berg. Hinter den Gleisen vom Crispy fängt die Wildnis an, mit "Pären und Pästien" muss gerechnet werden .
Na, so schlimm war es nun auch wieder nicht, war ja der ganze Wald abgeholzt worden, aber etliche "Brom-Pären" wuchsen an dem steilen Hang. Dieses verfluchte Dornengestrüpp, wie ich es hasse! Ich stieg langsam und vorsichtig den Berg hoch. Auf der Hälfte setzte ich mich auf einen Baumstumpf und guckte auf's Handy, da hatte ich nun zwar 1 Balken Empfang, aber es lud sich nix. So stieg ich weiter, bis ich ganz oben war.

Nach einem Handy-Restart konnte ich dann Facebook laden, und schrieb zwei längere Kommis, die ich (sinngemäß) gestern schon geschrieben hatte, die aber anscheinend nicht versandt werden konnten. Während ich tippte, floss aber im Hintergrund endlich der Datenverkehr, und jetzt steht alles doppelt dort, naja, auch wurscht.

Das Notwendigste hatte ich nun gelesen und geschrieben, und so machte ich mich wieder an den Abstieg. Von oben fand ich einen bequemen Weg nach unten, festgefahren von einem großen Trekker. Ich kam unten bei der Garage vom Crispi raus. "Wo kommst du denn her?" fragten mich welche. "Vom Surfen " antwortete ich.

Ich besuchte mal das Harry-Camp. Bei denen gab es heute Kutte, rumgerührt mit Drumstick, guten Appetit !

Mein Abendprogramm sollte jetzt starten mit Imperium Dekadenz, also machte ich mich vor aufs Infield. Da standen aber ganz andere Buben auf der Bühne. Wer waren denn die?
Naja, Imperium Dekadenz waren ausgefallen, und da hatten sie nun diese da als Ersatz geholt: Irem. Die waren ja nicht schlecht, aber ich wollte jetzt echt Imperium Dekadenz sehen .

Ich ging wieder. Als ich durch die Pforte lief, saßen da wieder die Drei von der Crew. Ich fragte ganz unschuldig, dass gestern da vorn einer als Aufpasser gesessen war, und wo der denn heute sei, weil ich hätt mich mit ihm so gut unterhalten über politisches Zeug. Zum Glück war's keiner von den Dreien, weil das hätt ich peinlich gefunden , aber sie wussten gleich, wen ich meinte. Er hatte wohl schon mehrere Zuhörer mit den Geheimnissen um den Marshall-Plan beglückt, schien bekannt zu sein. Der Gesuchte hieß Heiko. Naja, vielleicht treff ich ihn ja mal wieder irgendwo?

Die nächste Band - Servant - sahen ganz ähnlich aus wie die Irem. Sie versuchten Stimmung zu machen und gestikulierten ein paar Mal was von wegen Circle Pit oder ähnliches, aber bei den Leuten im Publikum ging nichts ab.

Naja, also der Altersdurchschnitt war sehr hoch, die meisten Leute waren ordentlich alt - so wie ich. Sie standen meistens eh nur rum und wenn es hoch kam, dann moshten sie ein bisschen, aber richtig abgehaust wurde da nicht. Dafür waren auch einfach zu wenige Leute da, da kam ja auch keine große Stimmung auf. Im Bierzelt hatte ich mich mit einer Frau unterhalten und die meinte, es war heuer wohl das letzte Mal Break Out gewesen. Der Veranstalter machte hier ja nur Miese. Ja, das war klar ersichtlich. Warum das hier aber nicht lief, verstanden wir nicht. Ja, schade!

Danach kam dann eine richtig geile Band, auf die ich mich echt freute: Agathodaimon. Sie waren zwar auch "nur" der Ersatz, weil die ursprünglich geplante Band auch noch ausgefallen war, aber mir war das nur recht. Fast war es ja ein bisschen peinlich, dass so eine Band wie Agathodaimon, die ja auch schon auf richtig großen Bühnen gespielt hatten, vor diesem mickrigen Haufen Publikum stehen mussten. Die mussten sich doch richtig verarscht vorkommen? Aber sie ließen sich nichts anmerken und lieferten einen richtig geilen, professionellen Gig ab.

Zwischendrin riefen sie dann mal ins Publikum: "Wer kennt uns?" und nur ein Dutzend Leute hob die Hand. Das war ja nun echt traurig, versteh ich gar nicht: Agathodaimon! Die muss man doch kennen!
Ja mei.

Ich hörte mir wirklich den ganzen Auftritt an, weil das gefiel mir einfach . Danach lief ich hinter zum Merch und kaufte mir eine CD von Agathodaimon. Die neueste CD war allerdings auch schon von 2022. Seitdem hatten die nix mehr gemacht?

Mir war eingefallen, dass ich in der Tasche ja noch diese kleinen Lämpchen dabei hatte und hatte mir eins in den Becher geworfen. Blinkend lief ich über das Infield, da begegnete mir Berni und fragte begeistert: "Was hast du denn da?" Also gab ich dem auch ein Lämpchen. Mit unseren Blinkbieren kamen wir ins Zelt zu Harry, wo dann echt jeder an dem Tisch so ein Lämpchen haben wollte. Leider ist das Bild verwackelt, aber es spiegelt ganz gut wider: Die Lämpchen-Nummer war dann noch recht lustig .

Psychonaut 4 sollten nun kommen. Die hab ich doch neulich erst gesehen (auf dem Ragnarök war das, genau!), die gefallen mir nicht. Aber nein, falsch: Was mir da nicht gefallen hatte, waren Psychonaut, diese da aber waren Psychonaut 4. Wie, da werden die Psychonauten jetzt einfach nur noch durchnummeriert, oder was?
Ich war dann aber von Psychonaut 4 ganz angenehm überrascht, die konnte man doch recht gut hören, fand ich.

Es sollten danach noch Melechesh kommen, aber die schenkte ich mir und ging heim zum Naglfar. Es war ja immerhin schon fast Mitternacht. Dort saß ich und glotzte ein bisschen meine Bilder auf dem Handy an, als es dann schließlich klopfte: Der Harry stand vor der Tür. Er setzte sich rein, wir gaben uns noch ein Bier und laberten ein bisschen. Um was ging's? Ich weiß es nicht mehr . Harry wollte dann Melechesh sehen und machte sich wieder auf, zu gehen. Als wir da so im Freien vor dem Naglfar standen, fiel uns erst dieser wunderschön klare Nachthimmel auf. Hier sah man wirklich krass viele Sterne! Das sind wir Stadt-Wessis nicht gewohnt . Die Chancen standen also gut, dass es morgen nicht regnen würde, weil ich fahre dann heim und habe keinen Scheibenwischer!

Break Out am Freitag

Als Notizblock habe ich seit geraumer Zeit WhatsApp für mich entdeckt. Ich spreche mir an Ort und Stelle kurze Sprachnachrichten ein, schildere mir meine Eindrücke, Ideen und was grad passiert, schicke das an mich selbst und hör das am nächsten Tag beim Berichtschreiben ab.
Hoffentlich erwisch ich mal nicht aus Versehen einen anderen Kontakt ! Also wenn ihr mal von mir auf WhatsApp eine Sprachnachricht kriegt, wo irgendein kryptischer Quatsch drauf ist, dann löscht das einfach und denkt euch nix dabei .

Allemal tippte ich beim Frühstück nun meinen Bericht und wollte meine Sprachnachrichten an mich selbst abhören. Die waren aber noch nicht einmal versandt worden . Der Empfang in diesem schönen Tal ist … na was heißt "schlecht"? Nein! Sondern: Es ist einfach GAR KEIN Empfang. Null. Nur in der Nacht, wenn der Wind von links kommt, könnte es zu einem halben Balken Empfang kommen. So waren von meinen 6 Sprachnotizen nur 1 gesendet und auch empfangen worden. Die anderen 5 hingen mit roten Ausrufezeichen noch im System. Ich werde jetzt dann mal auf den Berg hochsteigen und mit dem Handy im Wind rumwinken, damit sie sich wenigstens versenden .

Online zu gehen und den Blogbericht zu posten, hab ich gar nicht erst versucht. Das mach ich dann alles am Sonntag, wenn ich wieder zuhause bin.

Ich lief mal erst rüber zum Harry, der sein Camp drüben unter den Tannen aufgeschlagen hatte.

Ich hab in der letzten Zeit dreimal Ellende live gehört und festgestellt, dass mir dabei die Füße einschlafen. Alle Leute finden Ellende so geil, aber ich weiß nicht, mir gefallen sie einfach nicht. Drum hab ich mein Ellende-Patch von der Kutte wieder abgetrennt. Harry wollte es haben, also brachte ich es ihm vorbei.

Aus dem Camp bei mir gegenüber klangen andauernd phrenetische Töne, so ein Geklingel, irgendwie. Dann war das Geklingel wieder melodischer, offensichtlich professionell aus einer Musikmaschine, hörte sich an wie tibetanische Meditationsmusik. Dann klingelte es wieder abgehackt, wirr und ziemlich aus dem Takt. Als ich genervt nachguckte, stellte ich fest: Die hatten da drüben zwei so Klangschalen und hauten drauf rum. Daran hatten sie offenbar ihre helle Freude, denn sie klimperten mit großer Ausdauer, weiß nicht, also gefühlt 2 Stunden lang. Ich tröstete mich: Na, besser noch dieses Geklingel als laute 70er-Jahre-Schlagermusik, oder womit wirklich böse Metalheads den ganzen Campingplatz sonst so nerven.

Es war bisher nicht wesentlich voller geworden. Es standen heute genauso wenig Camper da wie gestern. Schade, dass nicht mehr Leute gekommen sind, es waren ja grad mal nur die Hälfte vom letzten Jahr.

Eine Spinne war am Naglfar hochgekrabbelt und hatte am Außenspiegel ein Netz gespannt. Auch am Nachbar-WoMo war der Spiegel zugesponnen. Gefangen hatten die Netzbetreiber aber nur diese Krümel, die von den Bäumen fielen. Bis Sonntag solltet ihr abgebaut haben, weil da kommt dann der große Sturm, wenn ich fahre, aufgepasst!

Ich warf mal den Grill an und legte die Cevapcici drauf, die ich im Kaufland gekauft hatte. Vier Stück davon aß ich, den Rest packte ich in den Kühlschrank für morgen. Gebraten halten sie sich ja noch.

Die sanitären Anlagen im Ferienland sind immer wieder ein Abenteuer. Ich bewundere sie schon Jahre lang, seit ich das erste Mal hergekommen bin (2018). Es hat sich seitdem nicht viel geändert, außer mal ein neuer Seifenspender und ich denke, es wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Die Einrichtungen funzen und funzen und werden mich wohl überleben, im Jahr 2080 funzen sie bestimmt immer noch.

Es gab einmal den Begriff "deutsche Wertarbeit". Heute gibt es dagegen den Begriff "Nachhaltigkeit". Drum haben wir seit der "deutschen Wertarbeit" unsere Einrichtungen schon zum 5. Mal renoviert, die alten weggeschmissen - halt nein, sondern natürlich: umweltgerecht recycelt, braaav - und neue hingebaut. Den ganzen Schrott, die Arbeit und die Energie, die man dabei verbraucht hat, obwohl das Alte noch gut funzte, das ist die moderne "Nachhaltigkeit". Je lauter wir nämlich bei der Verschwendung "Nachhaltigkeit!" schreien, desto besser funzt die Wirtschaft . Aber halt, nein, die funzt grad auch nicht mehr so wirklich. Ja, was machen wir denn falsch?

Zur Entschuldigung sei gesagt: Nein, also ich wollte mich zuhause auch nicht mehr in solchen Bädern waschen, das stimmt schon .

Was auch noch funzte, war die Crispy-Bahn. Sie war sogar voll besetzt, trotz der wenigen Leute, hier.

Der Secu an der Kreuzung zum Campgroud schwelgte mir vor: Die fuhr sogar schon in seiner Kindheit, was die damals in der DDR alles Tolles hatten, nichts hätten sie vermisst, es war sooo schön. Sie waren halt einfach nicht so materiell erzogen worden wie die im Westen, sondern legten viel mehr Wert auf Bildung und soziales Miteinander. Das mag schon sein, gestand ich ihm zu. Ja, vielleicht waren wir Wessis zu stark konsumorientiert aufgewachsen. Welcher Livestyle nun insgesamt besser ist, könnte man sicherlich ganz objektiv klären. Der Punkt ist nur: Ich möchte auch nicht vermissen, wonach ich ticke. Meine Ostausflüge finde ich immer wieder interessant, aber ich möchte hier nicht mit einem Trabbi herfahren müssen. Wir müssen wohl die Klärung dieses Konflikts der "Natur" überlassen und zusehen, wie sich Gesellschaft und Politik im Weiteren entwickelt. Da fing der jedoch an, es sei hier keine "natürliche Entwicklung", sondern da gäbe es einen "Marshall-Plan"... . Nee, also an dem Punkt stieg ich aus, das war mir dann doch zu strange, und ich verabschiedete mich, weil ich musste ja jetzt meinen Chemtrail-Flieger noch erwischen, nä, und tschüß .

Eigentlich wollte ich mir bis abends die Zeit vertreiben, um mit meinem Bock zu haushalten, damit ich bis zum Headliner durchhalten würde. Aber jetzt ging ich trotzdem mal kurz rein und guckte mir an, was da so spielte, denn es hörte sich von weitem erstaunlich gut an. Die Band hieß Second Death und heizte echt gut rein. Aber genau als ich ins Infield kam und dann endlich vor der Bühne stand, sagten die ihren letzten Song an. Den gab ich mir wenigstens, aber dann ging ich wieder raus auf den Campingplatz.

Hier seht ihr den DDR-Lauschangriff aus der Baumkrone . Unseren ganzen Plan gegen den Marshall-Plan haben die jetzt abgehört !
Ha, nein: Vermutlich hat mal einer ein Apfelbäumchen gepflanzt, um Deutschland darunter zu vereinen , und um sich den Pflanzstock zu sparen, band er den jungen Trieb am Lautsprechermasten fest. Mittlerweile hat nun der Baum den Masten assimiliert .

Zu Victim guckte ich erneut wieder aufs Infield, hörte mir zwei, drei Songs davon an.

Mir fiel ein, dass ich doch nun echt noch wissen wollte, welchen Gegenplan es gegen den Marshall-Plan gäbe, bzw. wie sich der gebildete Ossi sich denn nun die Zukunft vorstellte, und was der konsumverwöhnte Wessi (ich) nun tun könnte, d.h. welche Aktien man kaufen sollte , um den größten Vorteil für sich aus dem ganzen Treiben zu ziehen? Als ich an die Kreuzung kam, wo der Posten gesessen hatte, war es dort leer. Er war fort . Vielleicht war er woanders hinbeordert worden, an den Eingang? Aber nun schlug wieder meine sozialphobische Blindheit zu: Ich merke mir einfach weder Gesichter noch Namen, sondern bestenfalls die Gesamterscheinung und das Outfit. Sobald also einer ein neues T-Shirt an hat, kenn ich den nicht mehr. Oder andersrum: Am Eingang saßen drei Männer, und sie hatten alle drei das gleiche T-Shirt an, drauf stand "Crew" . Das war dann für mich das Aus, denn "meinen" erkannte ich unter den Dreien nicht mehr.
Ich werde ganz einfach heute wieder an die Kreuzung gehen und gucken, ob der wieder dort sitzt. Dann werde ich aber drauf achten, um ihn in Zukunft zu erkennen: Hat er eine Brille auf oder nicht?
Ja, ich weiß: Die Wiedererkennung von Leuten sollte ich in diesem Leben einfach aufgeben .

Es war nun Abend und ich begann mein Programm mit Horresque.

Auch die gefielen mir insgesamt sehr gut, grad auch so die Masken mit den schwarzen Strahlen aus dem Mund und den weißen Kontaktlinsen.

Eine sonderbare Komposition von Patches fand ich auf einer Kutte vor mir. Wenn ich mir schon nur das Outfit merke: Den erkenne ich wieder! Wenn natürlich das nächste Mal sein Kumpel in der Kutte steckt, hab ich wieder verloren .


Das Bier schmeckte plörrig. Bernie fand es nun gar nicht so schlecht, aber ich wollte das nicht saufen, igitt. Mein Erstes hätte ich gestern schon beinahe weggeschüttet, igitt. Für jedes Bier lief ich also zum Naglfar, das war ja nicht weit. Die beiden Kerle aus dem WoWa gegenüber kamen daher und setzten sich mit ihren Campingstühlen zu mir. Wir hielten ein nettes Pläuschchen. Nun merke ich mir aber: Die Männer aus dem Wohnwagen mit dem amtlichen Kennzeichen BA-xx xxx heißen Thomas und Michi . Hoffentlich ist der Wohnwagen nicht geliehen, weil dann hab ich mit der Erkennung wieder verloren .

Frisch gestärkt mit feinem Bier lief ich wieder aufs Infield. Dort kamen nun Graceless. Oh, die gefielen mir ganz arg ! Zuerst war natürlich die Musik, die mir richtig gut ins Ohr ging. Dann waren da aber auch die Jungs: Ich fand sie alle drei recht hübsch - natürlich gemessen am Metal-Outfit. Es waren so richtig stylische Metal-Bubis, sie poserten geil, zogen Grimassen, fetzten richtig schön rein.

Ich moshte.
Ich hatte noch am Morgen so einen üblen Knubbel links der Halswirbelsäule. Ich hatte mich in der Nacht wohl blöd verlegt, und nun war da ein Muskel so richtig zu einem Knoten verkrampft. Es tat wirklich weh! Ein Schuss Prokain könnte helfen. Harry hatte mir schon eine Ibu angeboten, aber nein, ich probier's lieber erst unchemisch. Ich wälzte mich mit dem Nacken in den Stuhl, drückte anhaltend mit dem Finger auf den Knubbel, aber es linderte alles nur unwesentlich.
Ich moshte.
Und damit war alles weg ! Kein Knubbel mehr, Schmerzen weg, Bewegungseinschränkungen fort - gesund .

Nach dem Gig lief ich erst mal zum Naglfar. Ich gab mir ein Bier und holte Geld, denn ich hatte meine Tasche und alles dort gelassen. Mit dem Geld lief ich gleich wieder rein und kaufte am Merch die beiden neuesten CDs von Graceless.

Ich setzte mich ins Bierzelt und wartete auf die nächste Band, da passierte etwas Außergewöhnliches: Ein Kerl kam an den Nachbartisch und unterhielt sich dort mit irgendwelchen Leuten - und ich erkannte ihn! Das war der Sänger von Graceless! Er hatte sich jetzt die Haare zusammengebunden, ein anderes Shirt an, keine Kutte mehr an, aber ich war mir sicher: Das war der Sänger! Mei, woran hab ich den jetzt erkannt? Vielleicht an den markanten Glubsch-Augen?

Hier sind allerdings Bernie und Pappa Dieter. Die erkenne ich auch .

Die nächste Band waren Bodyfarm. Ich hatte nun in Erinnerung, dass die doch eher so Hip Hop oder Crunch spielten? Aber da hab ich sie wohl mit Bodycount verwechselt. Bodyfarm spielten voll den geilen Metal und ich moshte weiter. 20 € hatte ich noch in der Hosentasche, also lief ich auch gleich wieder zurück an den Merch und kaufte noch eine CD von Bodyfarm.

Nach einigen Songs brachte ich dann die CDs ins Naglfar und tankte dort noch ein Bier. Der Campground war verlassen, fast alle Leute waren jetzt im Infield. Da inspizierte ich doch mal das Camp vom Purzel (oder wie nennt er sich?) Oh je, jetzt werden die Metaler aber alt und spießig . Nicht nur, dass sie mit luxuriösem Fuhrpark aufkreuzen und fast jeder ein WoMo oder WoWa hat, nein, da wurde auch Großmutters Lampe aufgehängt und in einem klassischen Bilderrahmen hing die Running Order an der Wand . Das Verpixelte auf dem Tisch sind die Plastikflaschen mit fettem Fusel .

Ich lief wieder aufs Infield und setzte mich ins Bierzelt. Eine Windboe fing sich gegenüber in den hohen Bäumen und wedelte sie übel umeinander. Hee, kam da ein Wetter? Ja, da: Als die Scheinwerfer von der Bühne fort strahlten, konnte man so Pünktchen im Lichtschein sehen. Regnete es etwa? Als ich die Hand aus dem Zelt streckte, merkte ich nichts, aber wenn man ins Licht schaute, wurden die Tropfen immer sichtbarer. Irgendeines Menschen WetterApp hatte doch gemeldet, dass es heute nicht mehr regnen sollte? Ich lief lieber schnell nochmal ans Naglfar, holte meinen Regenmantel und meinen Schirm. Jetzt aber vor zu Borknagar!

Tatsächlich regnete es fett in Strömen als Borknagar anfingen. Vor die Bühne stellten sich nur 10 gut verpackte Leute und ich, alle anderen guckten lieber aus dem Bierzelt vor. Anscheinend hatte keiner mit Regen gerechnet, denn auch die beiden Fotografinnen vorn im Graben duckten sich unter irgendwelchen Vorsprüngen. Naja, mit meinem stabilen Regenmantel brauchte ich ja nicht extra auch noch einen Schirm und so lieh ich den der Fotografin (ihre Bilder kommen dann irgendwann auf ihre Homepage hier: Bloody's Fotografie). Die lief dann mit meinem Schirm rum und hielt ihn über die andere Fotografin und die machte dann die Bilder von Borknagar. Es regnete jetzt sogar auf und in die Bühne rein. Einige Leitungen lagen schon in Pfützen, allerdings waren die Stecker ja ordentlich mit Plastikhüllen abgeklebt. Einen Kurzen gab es nicht.

Der Regen wurde dann so heftig, dass ich trotz Regenmantel mal lieber auch ins Zelt ging. Da stand ich dann und hörte mir die Borkenkäfer an. Fast den ganzen Gig hielt ich noch durch. Erst zum letzten Song ging ich dann ins Naglfar. Ich war in eine Schlammpfütze getreten und hatte nasse Füße und auch am Rand vom Regenmantel war das Wasser an den Beinen in die Jeans gelaufen. Ich hatte immerhin bis vierteleins durchgehalten *ganz stolz*.