Zum Frühstück kochte ich mir einen Kaffee, hockte mich vor's Naglfar, häkelte und beobachtete so den Campground, wie er sich füllte - mit dubiosen Autos voller Insassen mit seltsamen Backpatches .
Ein Mädel kam daher, das für das Torgauer Tagblatt (oder irgendso eine Zeitung) einen Bericht schreiben sollte und mich dafür interviewte. Wie lange ich schon herkomme - noch vor Corona, ich glaub seit 2018 - was mir hier am besten gefällt - das Preis-Leistungs-Verhältnis, super! … was ich alles für Zeug erzählte?! Wenn ich immer so spontan irgendwas sagen soll, fällt mir gar nix ein .
Sie war - wie jedes Jahr - mit dem Fahrrad hergefahren, alle Achtung. Dran hatte sie einen selber renovierten Fahrradanhänger mit ihrem Zeug drin, aber das schien alles gut geklappt zu haben. Mit auf der Fahrt: der kleine Abbath!
Da stand nun zwischen den Autos einer, der war aus München sogar mit dem Moped hergefahren. Na, das möchte ich auch nicht machen, hui.
Jetzt war der richtige Zeitpunkt: Mein Häkelteil war fertig, das Garn am Ende und von der Bühne hörte man schon die ersten Takte der ersten Band, also los nach vorn!
Sie hießen Abjured und gefielen mir sehr gut. Das mag natürlich auch dem erste-Band-Effekt geschuldet sein, weil ich hatte ja jetzt schon so lange (4 lange Tage!) keine Live-Musik mehr gehört und wartete gespannt.
Bei ihnen sang der Schlagzeuger! Ich brauchte eine Weile: Drei Kerle mit Klampfen, aber keiner sang? Waren die Vocals eingespielt? Aber nein, da hinter'm Schlagzeug saß einer und gab alles .
Ich guckte mich auch gleich mal um, was es so gab: ein Kaffeewägelchen. Groß und grün leuchtete darüber ... Matcha , feines, grünes Matcha. Ich hatte mittlerweile gegoogelt: es ist ein japanischer Tee mit einer stimulierenden Wirkung. So so? ...ein japanischer Tee ist das, hm hm hm.
Schmeckt mir trotzdem nicht besonders.
Ja, und als ich da zum Naglfar zurück kam und reinklettern wollte, da kippte die Bierkiste um, die ich als Trittbrett davor stehen hab, und ich schrammte mit dem Schienbein direkt an der Kante entlang, auuua. Als der Schmerz langsam nachließ, guckte ich mir die Wunde an. Man kann nicht mal ein Pflaster drauf pappen, so lang ist sie . Mein Octenisept lag zuhause, hier hatte ich nur so ein Desinfektionszeug für Hände dabei, aber das brennt gescheit, und das schüttete ich mir jetzt nicht da drauf
. Ich überließ alles einfach mal der Natur, aber in den sumpfigen Teich springen würde ich wohl nicht mehr. Dafür hatte ich mir extra Badeklamotten gekauft und einen Schwimmreifen. Na, mal sehen.
Leicht schlurchend begab ich mich erst mal wieder vor zur Bühne, da spielten jetzt Mauled.
Der Tod guckte schon interessiert hinter dem Zaun hervor und poserte herum, aber ich ließ mich nicht beirren.
Eine japanische Band trat nun auf, Sigh. Den Samurai-Dress vom Gitarristen fand ich sehr stylisch, aber musikmäßig holte mich die Band jetzt nicht so ab.
Ich verzupfte mich mal zum Campingplatz und nervte dort Harry & Crew.
Naja, die Hellbutcher gab es bestimmt auch schon länger und als es noch junge Buben waren, wirkte der ganze Overdress aus Leder und Nieten sicherlich noch sehr cool. Man darf sich die Typen nur einfach nicht mehr nackig vorstellen .
Schon um 22 Uhr war Ende mit der Vorstellung, bestimmt wegen der Anwohner, denen unsere schöne Musik wohl nicht so gefiel .
Karin, Maria + Lover und ich liefen ins Camp auf einen Absacker.
Also da sah ich dann was, das glaubte ich ja kaum, obwohl ich es sah: Da haben ernsthaft ein paar Menschen in einem großen Zelt eine Leinwand gehisst und guckten dort Fernsehen! Das kann doch nicht sein, Freunde?! Dazu noch guckten sie Fußball! Boah, wie tief kann einer in meiner Achtung sinken!
Aber bestimmt gibt's auch Leute, die von mir sagen: "Da hockt eine bei schönstem Wetter in ihrem Auto an einem Laptop und tippt!"
In unserem Camp wurde allerdings gefeiert. Hier saßen Leute aus Aschaffenburg, welche aus Ansbach und sie nannten es "fränkische Ecke". Irgendwann trat ich dann den Heimweg an, weit war es ja nicht.


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