Samstag, 18. April 2026

Metal Franconia am Freitag

Einmal im Jahr gibt's große Wäsche! Nach dem Winter beim ersten Geiselwind-Event fahr ich in die Autowäsche. Zu dem Zweck ging ich schon mittags aus der Arbeit, rauschte schnell heim, mein Zeug holen, weiter - über Ranch und Katzen-füttern - zum Naglfar und ab nach Geiselwind, damit ich früh genug da bin, denn das Truck-Wash ist nur bis 17 Uhr besetzt. Ich lief in die Tankstelle, kaufte eine Waschkarte mit Unterbodenwäsche (37 €) und fuhr rüber an die Waschmaschine, wo schon zwei dreckige LKW standen, davon einer mit 4 PKW drauf, die er mitwaschen lassen wollte. Ich stellte mich als Dritte an.

Schon kam ein aufgeregter LKW-Fahrer von hinten daher gelaufen, dass erst noch er käm, weil er schon ne Stunde hier ums Eck wartete und dann auch noch ein anderer, der auch schon wartete. Der hatte einen Bagger geladen, den er mitwaschen ließ. Eh, das nächste Mal, wenn ich hier her komm, nehm ich auch meinen ganzen Fuhrpark mit: Röhrle, Fahrräder … und lass alles mitwaschen . Na gut, ließ ich die beiden Brummis vor und so standen wir alle in der Reihe vor der Autowäsche.

Ich funkte mal den Torsten an, wo er denn stünde. Es war nämlich als Campingfläche die Wiese hinter der großen Halle gedacht, aber ich hatte keinen Bock, mich so weit hinter zu stellen. Ich vermutete, dass der Torsten gegenüber der kleinen MusicHall bei der e-Auto-Ladestation stand. Da bekam ich aber von ihm ein Bild geschickt von der ersten Band, die gerade auftrat: da stand der Torsten . Na, ich meinte, wo er mit dem Auto steht, damit ich mich dazu parken hätte können! Es war aber wohl besser, dass ich mal lieber woanders parkte, wollte ich in Ruhe stehen, denn der Torsten war also längst in der Location, hatte auch am Parkplatz schon vorgeglüht und hatte jetzt schon ordentlich einen Zacken in der Krone . Der würde sich heute noch voll abschießen, oh weh oh weh . Ich schrieb bereits jetzt schon lieber mal nix zurück.

Ich wartete weiter vor der Waschanlage und unterhielt mich mit dem LKW-Fahrer. "Wenn du heut nicht mehr dran kommst, kannst du ja bequem übernachten" meinte der mit Blick auf das Naglfar. In dem Moment kamen die Apokalyptischen Reiter mit ihren Köffern des Weges daher gelaufen, gingen wohl zum Hotel. "Dann verpass ich ja alles, und die da will ich doch sehen!" rief ich . Die Reiter guckten dumm.

Endlich kam ich dran, es war schon 17 Uhr durch . Na, da fahr ich jetzt gar nicht weiter hinter auf die Wiese durch den Staub, sondern ich stellte mich gleich neben die Waschanlage, nur die Treppe runter und schon war ich in der MusicHall - und ich war das sauberste Auto am ganzen Parkplatz .

Eine Dose Bier ins Gesicht geschüttet und dann aber rein! Es spielten gerade Terminal Camage, hörten sich ganz klasse an (1.-Band-Effekt), und ich ging gleich bis ganz vor, wo Torsten + Tochter und Kumpels standen und schon voll Party machten. Da feierte und moshte ich gleich mit.

Schnell ein Bier bestellt, das Zweite heute, weil ich vertrag ja nix und hab mit zwei Bier schon den nötigen Preller, bloß nicht nüchtern sein, weil der Torsten wär sonst nicht zum Aushalten .

Eine Band kam jetzt, die ich nicht kannte: Absorb.

Mensch, der Bassist … ist das nicht … ja, doch, freilich … das ist doch der Hahni! Es war tatsächlich der Hahni! Der machte sich ja ganz klasse, so als Bassist da oben . Grimmig moshend stand er dort oben und klampfte. Na, aus dem wird noch was auf seine alten Tage .

Ich ging dann mal an den Merch, denn da hätte ich mir nun schon ein Patch auf die Kutte nähen wollen, aber Absorb hatten keine Patches dabei, schade.

19:50 Uhr, Thormesis spielten jetzt, und es war an der Zeit, dem Torsten aus dem Weg zu gehen. Im fortgeschritten beömmelten Zustand fing er nun an zu nerven.

Da meint er dann immer, er muss die Leute mit seinen pappsüßen Cocktails zwangsfüttern. Ich nippte bloß kurz und schloss dann einfach den Mund, das heißt, es lief der ganze gespritzte O-Saft einfach runter. Das sah Torsten ein und gab es bei mir auf. Wär ja nicht das erste Mal, dass ich ihm sagte, dass ich dieses süße Zeug nicht mag . Aber gut, er war halt besoffen und dabei hat er dann keinen Sinn mehr dafür, was andere Leute wollen. Wie gesagt, ich ging ihm besser mal aus dem Weg und beobachtete von oben, wie er da unten ein Opfer zum Abfüllen gefunden hatte.

Die Füße taten mir nun weh und ich ging mal zum Auto, die Schuhe wechseln. Da schnipselte ich mir auch gleich ein Mettbrötchen mit Zwiebeln, lecker.

Auf den Weg wieder nach unten traf ich den Heff und den Thomas, der von seinen kleinen Kindern einen Strauß Blümchen geschenkt bekommen hatte. Die beiden Kleinen und die Mama waren noch auf der Wiese.

Dann aber rein, denn jetzt kam der Robse, den ich sehen wollte. Irgendwie versteh ich nicht, warum Equilibrium ganze Hallen füllen und Robse nur ein paar Zuschauer vor die Bühne kriegt. Es waren gar nicht viele Leute da an diesem Freitag, würden die alle erst morgen kommen? Also ich fand Robse recht sehenswert.

Danach kam eine seltsame Band: Depressive Age. Sie spielten Stoner Metal und passten nicht ins Programm. Sie gefielen mir nicht, weil Stoner Zeug gefällt mir halt nicht, aber ansonsten fand ich die erstaunlich perfekt. Der Sänger hatte eine Jeans an, wow, wie aus den 70ern entsprungen. Dazu so läpperte Turnschuhe, eine Lederjacke, die Haare - genau so sind sie damals rumgelaufen. Dazu hüpfte er herum und tanzte so skurril: original der volle Hippie auf Acid, a Wahnsinn . Der Sound war hart, aber halt auch eher so hippiemäßig, Stoner, halt. In ihrem Genre waren die echt gut.

Dann sah ich ja endlich meine Apo-Reiter ! Eigentlich war ich schon müde und so hörte ich mir nur die ersten zwei Songs von ganz vorne an und verzog mich dann lieber gemütlich in die hinteren Reihen.

Der Torsten war nun ziemlich nervig geworden, naja, besoffen halt. Schon am Nachmittag sagte er, dass ihm die Reiter nicht gefielen. Mir aber schon. Das ist nun wieder was, wo er sehr, sehr männlich ist: Wenn ihm etwas gefällt, meint er, allen anderen gefällt das auch - bzw. weil es ihm nicht gefällt, gefällts auch sonst keinem. Falsch! Mir gefallen die Apo Reiter. Ich hatte sogar ein Reiter-Shirt an, worüber er sich Nase rümpfend wunderte.

Da stand ich so da hinten und lauschte selig, auf einmal stand der Torsten neben mir: "Ich lad dich auf eine Cola ein."
"Ich mag aber jetzt keine Cola."
"Was magst denn dann, komm, ich lad dich ein!"
"Nix, nein. Ich will mir die Reiter anhören."
Was ich denn hab? - Na, nix.
Was denn dann ist? - Ja, nix! Ich bin müd, hab keinen Durst mehr, geh jetzt dann bald und will mir jetzt bloß noch die Reiter anhören, alles gut. Ich weiß fei auch nicht...? Was soll denn das: Mir gings bis grad noch wunderbar, und jetzt kam der Torsten, nervte rum und fragte dann, was zum Teufel ich denn hab?

Das hatte keinen Sinn mit ihm, der war heute nimmer lustig, ich ließ ihn einfach stehen, flüchtete in die Menschenmasse und - schwupps - hatte er mich aus den Augen verloren. Ich flüchtete auf die Tribüne oben und da stand ich dann und guckte mir gemütlich die Reiter an. Den Torsten konnte ich von dort gar nimmer finden. Ich vermutete ihn in der Bar.

Ich war gescheit müd. Die Reiter gaben nun ihre erste Zugabe. Wenn die gut drauf waren, würden sie noch zwei, drei Zugaben spielen, die kenn ich doch . Dazu war ich nun aber zu müd. Nach "Reitermania" machte ich mich vom Acker. Als ich im Naglfar angekommen war, war's immerhin schon vierteleins. Ich hatte ja echt noch gut durchgehalten . Da draußen gleich nebenan bließ die ganze Zeit irgendso eine LKW-Pumpe, tschhh tschhh, das störte mich gar nicht mehr. Ich lag im Bett und schlief selig weg .

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