Montag, 29. Dezember 2025

Motörblast + Ozzyfied im Hirsch

Der Torsten schrieb schon vor ein paar Tagen, dass er am Sonntag im Hirsch sei auf Motörblast und Ozzyfied, zwei Coverbands, die ich aber vor ner Weile schon mal gesehen hab. Sie waren ja nicht schlecht, aber Coverbands... hmpf. Ich schau mir dann lieber das Original an, aber das ist ja hier in beiden Fällen nicht mehr möglich... hmpf. Eigentlich wär ich lieber nach Cham gefahren zu Tankard, aber das war schon seit ner Weile ausverkauft .

Ganz kurzfristig entschloss ich mich dann doch noch für den Hirsch, weil ich war von den Weihnachtstagen sowas von angenervt, es grenzte schon wieder an Depression, eh, nichts kann man da machen, alles tot, sogar die Straße ist still, auf Facebook nur doofe Weihnachtwünsche und kaum ein gescheiter Beitrag, nur Spam, da hockst bloß da und öde öde öde, furchtbar, wirklich. Ich musste raus!

Das mit dem Bus hab ich noch nie hingekriegt. Jetzt hab ich schon den Fahrplan ausgedruckt und mir an die Wand gepinnt: Die U-Bahn fährt im 5-Minuten-Takt, aber ich komm immer dann an die Bushaltestelle, wenn der Bus grad weg ist . 16 Minuten musste ich noch warten, im weiten Umkreis stand kein voi, ein Taxi fuhr auch keins vorbei. Der Bus - da endlich!

Im Hirsch gings ziemlich zu, ich war erstaunt, wie voll es war. In der Bar traf ich dann gleich auf Torsten, Hai & Co. Kaum stand ich dort, lief die Summer-Breeze-Truppe vorbei. Unheimlich viel bekannte Leute waren da, der Volker, der Chester, der Mirko... das gibt richtig so ein Stück Nestwärme, ich bin zuhause .

Die Band spielte schon, aber wir standen immer noch an der Bar. "Wollen wir nicht mal reingehen?" fragte ich, aber wir waren ja vorwiegend zum Saufen und Feiern da, ein Weilchen blieben wir noch an der Tränke. Dann gingen wir in die Halle und wühlten uns vor. Hinten ist es immer am vollsten, und viele stellen sich auch so extra-dämlich hin, dass ja keiner mehr an ihnen vorbei kommt. Eine Aufgabe für die Konzertprofis : Wir wechselten uns in der Führung ab, die anderen immer hinterher durch die ganze Meute. Vorne wird es im Allgemeinen lockerer mit Leuten, da findet man meistens tatsächlich noch ein Plätzchen. 7 Leute zählte unser Grüppchen, das da doch noch hinpasste.

Der Motörblast-Lemmy war echt true, der Bart geschert ganz wie das Original, natürlich hatte er sich auch diese hässliche Warze an die Backe geklebt. Naja, die Tattoos hätt er sich noch hinmalen können, gibt's da keine Abziehbildchen ? Die haben wir uns doch als Kinder immer auf die Haut gepappt, ...womit ich jetzt nicht sagen will, dass Lemmy Scheißhaus-Tattoos hatte, aber ja mei . Die Haare waren aber nicht echt, die hatte er sich an den Hut geklebt.

Musikalisch waren sie sehr geil. Mir kam der Sound grad sehr entgegen, denn ich konnte richtig gut abmoshen und war gleich wieder besser drauf. Es gab sogar einen Moshpit, gleich hinter mir, wunderbar! Ich liebe dieses Wilde, Ungestüme, das Gerempel, die ganzen derben Gestalten, verschüttetes Bier, fliegende Haare . Der Gig kam sehr gut bei mir an.

In der Umbaupause ging ich mal raus an den Merch und guckte, was es denn da zu kaufen gäb. Da rief jemand meinen Namen, ei, sieh da: Es war die Jitka, die da als Verkäuferin dahinter hockte, ja servus ! Vor lauter Weibertratsch hatte ich dann ganz vergessen, mir die Auslage anzuschauen und vielleicht was zu kaufen.

Da ging's schon wieder rein, denn nun spielten Ozzyfied.

Dieser Mann hatte sich wahrscheinlich sämtliche Videos von Ozzys Auftritten reingezogen, denn der brachte das so original, die ganzen Bewegungen alleine, wie er sich mit der Hand durch die Haare fuhr und dann natürlich das Geklatsche und das auffordernde Winken zum Mitmachen, ganz wie Ozzy es immer tat. Dazu das dümmliche Grinsen, und wie er schon schaute - Ozzy original!

Dann ging er hinter zum Schlagzeug und kam wieder vor mit einer Gummifledermaus im Mund, die flatterte mit den Flügeln. Da lief er über die Bühne mit seiner Fledermaus - leider war die Performance nicht lange genug, bis ich mein Handy gezogen hatte, war's schon wieder vorbei.

Ozzyfied brachten dann auch ein paar alte Black-Sabbath-Songs, leider fehlte "Mister Crowley".

Also ich find ja Motörhead fetziger als Ozzy und die beiden Bands hätten die Reihenfolge tauschen sollen, Ozzy als Warmup und Lemmy dann als Abmosher. Es war allerdings insgesamt sehr schön, hat mir gut gefallen und auch gut getan, war allemal sein Geld wert .

Des Torstens letzter Bus war schon gefahren, er kam nimmer heim und wollte sich ein Taxi bestellen. In meine Richtung fuhr noch was. Mirko aus Röthenbach hatte den Busfahrplan im Kopf: 0:34 Uhr fuhr der Letzte. Also ging ich dann mit Mirko und dessen Kumpels endlich vor zur Bushaltestelle. Ich hatte Glück, denn als ich aus dem Bus in die U-Bahn runter kam, wurde da eben der letzte Zug angezeigt. 5 Minuten später hätte ich laufen müssen.

Ach, es war eine nette Veranstaltung. Ich bin froh, dass ich doch hingegangen bin .

Montag, 22. Dezember 2025

Doro im Löwensaal

Zufrieden kam ich mit dem Naglfar in Nürnberg an. Am Parkplatz tauschte ich die Autos und fuhr mit dem Röhrle weiter. Zuhause schleppte ich das ganze Gepretze aus dem Auto in die Wohnung rauf. Dann zog ich mich um. Doro-Shirt und Doro-Kutte hatte ich schon vor zwei Tagen hergerichtet, denn viel Zeit hatte ich nicht mehr. Eine kurze Verschnaufpause blieb nur, dann ging's gleich wieder los in die U-Bahn und ab zum Löwensaal.

Erstaunlich viele Leute standen da an, wer hätte das gedacht. Trotz des stolzen Eintrittspreises von über 60 € war das Konzert ausverkauft. Es war spürbar kälter geworden, die milde Wetterfront war abgezogen, und ich fror. Endlich war ich am Eingang, zeigte mein Ticket her und ließ von der Security-Frau meine Tasche durchleuchten. Drin habe ich u.a. die Bier-Lämpchen, immer so 10 Stück hab ich dabei in einer alten Filmdose, so ein kleines, schwarzes, rundes Plastikding, in dem man früher zu analogen Zeiten einen Film für den Fotoapparat aufbewahrte. "Aha" sagte die Securitine: "den Farbfilm haste also nicht vergessen ". Wow, die kannte sich echt aus !

Die ganze Schlange an Leuten von draußen stand nun drinnen an der Garderobe an. Also nein, ohne mich: Ich ging gleich in den Saal bis hinter an "mein" Eck neben der Theke. Diese ist aus leeren Bierkisten gebaut, in die man nämlich auch alles an Klamotten und Gepäck einfach reinstopfen kann. Ich hatte die Motörhead-Jacke an, so individuell bepatched, die wagte keiner zu klauen. Dazu noch dieses uralte Netz-Westchen (ich liebe es!), das hab ich in den 90ern irgendwann damals schon für billige 19,90 DM (!) gekauft gehabt, also das klaut auch keiner - rein in die Bierkisten!

Erst mal ging ich gleich wieder raus aus dem Gebäude, denn vor dem Eingang stand ein Pizza-Wagen. Ich hatte zuhause nicht mal Zeit gefunden, etwas Anständiges zu essen. Ich kaufte mir eine Schnitte Pizza und ging gleich wieder rein. Die Schnitte hatte vor Kurzem auch noch 3 € gekostet, jetzt 5, ja mei...

Da spielte nun schon der Opener: Holy Mother. Ich wusste gar nicht, dass Doro eine Vorband hatte, auf dem Ticket stand nichts davon. Mei, und da tönten nun Songs, die ich früher überall gehört hab und nie genau wusste, von wem das jetzt eigentlich ist. Jetzt - 40 Jahre später - hör ich sie wieder und denk mir: Ach, DIE waren das?!

Das gefiel mir gut. Eine CD würde ich mir nicht kaufen wollen, aber vielleicht einen Patch für meine 80er-Kutte, die ich soeben trug? Leider verkauften sie am Merch keine Patches von Holy Mother.

Das Publikum war my generation und so manch einen erkannte ich wieder: "Mensch, das ist doch der, der mich damals im Groovy mal angemacht hat...?" Ja, wie gut, dass das damals nichts geworden war, sonst hätte ich jetzt das da an der Seite . Naja, ich will nicht lästern, geh ich doch davon aus, dass sich das so mancher ebenso von mir dachte .

Ich stand ganz rechts, von wo aus man auch die Tür zum Backstage sehen konnte. "Gleich kommt Doro da raus" erzählte mir einer neben mir und hielt gespannt sein Handy im Anschlag. Da trat die kleine Doro aus der Garderobe und die ganze Meute der rechten Seite rief: "Doro Doro Doro!" Der neben mir filmte und filmte.

Doro trat auf die Bühne und röhrte los. Wie lang macht die das jetzt schon: mehr als 40 Jahre? Da ist freilich nichts mehr improvisiert und alles komplett einstudiert. Mit strahlendem Lächeln stand sie dort oben und zog ihre Show ab.

Hinter der Absperrung an meiner rechten Seite stand der Veranstalter, den ich auch noch aus den 70ern kenn, und guckte ihr zu. "Ich überleg mir manchmal, ob er eine Perücke auf hat, weil so dichtes Haar in dem Alter kann doch gar nicht sein." bemerkte ich zu dem neben mir. "Das frage ich mich von der Doro auch", grinste der. Na, Extensions wird sie schon drin haben, schätzte ich auch.

Ja, weil die Ragnarök-Lümmel mir immer "Doro Doro" nachschreien: vielleicht sollte ich eine Doro-Coverband aufmachen? Aber..., ach nein, lieber nicht, weil dann müsste ich ja die Hälfte meines Auftritts nur "hey hey hey!" von da oben runterbrüllen .
Nein, also mal Butter bei die Fische: Das Hey-hey-hey war auch schon mal viel schlimmer, das hat sie mittlerweile doch recht gut in den Rahmen gekriegt.

Man kann über Doro meckern, was man will, aber ich finde, sie hat eine wirklich tolle Stimme. Und sie hatte eine wirklich schöne Setlist, in der Kombi hab ich sie noch gar nicht erlebt. Alte Klassiker sang sie, aber auch Songs, die ich noch gar nicht kannte und am Schluss natürlich auch "all we are". Der uralte Song, den ich schon x-mal live gehört hab und der der Doro selber wahrscheinlich komplett zum Hals raus hing, war aber sehr schön in eine Abschlussvorstellung verpackt, also es klang gar nicht mehr langweilig.

Ich stand am Ende schon an der Tür und lauschte verzückt. Glücklich verließ ich den Löwensaal. Davor warteten die ausgewählten Taxis: das Fenster runtergelassen, guter 80er-Sound dröhnte aus der Musikmaschine, ein langhaariger Fahrer saß drinnen (nicht mal schlecht ausgeschaut, hey!), den tätowierten linken Arm ließ er raus hängen, Johnny Cool, der Mann, der durch die Eichel atmet... ich fahr mal lieber mit der Straßenbahn . Ich lief den Berg runter, während die Taxis nach unten und wieder rauf pendelten.

Um halbzwölf nachts war ich dann zuhause und legte mich gleich ab, morgen musste ich arbeiten, die letzten zwei Tage dieses Jahr, ich kriegs noch rum! Es war ein recht schönes Konzert und vor allem ein sehr, sehr schönes Wochenende, ich war mal endlich rundum zufrieden. Augenblick, verweile doch, du bist so schön!

Sonntag, 21. Dezember 2025

Skaldenfest

Ich war jetzt wirklich müd. Die Kraxelei auf den Berg und meine ganze Wanderung hatte mich ganz schön erschöpft, und weil ich dazu jetzt noch den ganzen Rest vom Nudelsalat gegessen hatte, hatte ich so eine richtige Bettschwere. Ich saß erst mal noch im Naglfar und guckte meine Fotos an, schrieb meinen Bericht. Das Skaldenfest hatte bereits um 14 Uhr Einlass, die erste Band spielte schon um 15 Uhr! Aber wenn ich da jetzt schon hingeh, hab ich ja schon um achte keinen Bock mehr?! Also machte ich mich erst sowas gegen 18 Uhr auf zur Posthalle. An der Congresshalle stand ein voi, das nahm ich.

Schon am Eingang standen wieder diese Lümmel vom Ragnarök und einer sagte: "Guck an, die Doro ist auch da!" Nein, die Doro gibt es morgen, heute gibt es erst einmal das Skaldenfest. Es war tatsächlich ganz schön voll. Ich war schon in der Posthalle auf Konzis, die nicht mal die Hälfte an Fläche und Besucher hatten.

Ich ging an die Tränke und holte mir erst mal ein Blink-Bier . Dann lief ich durch die Halle und guckte, wer denn alles da war. Huch, da war überhaupt keiner, den ich kannte .

Die Bands kannte ich auch nicht - bis auf den Headliner Insomnium. Ja, grad mal auch Sylvaine, die hatte ich schon mal wo gehört, am Dark Troll? Ich erinnerte mich kaum. Die ersten drei Bands hatte ich ja verpasst, weil ich erst jetzt gegen Abend hier aufgetaucht war. Meine erste Band war nun diese da: Disillusion. Die kannte ich nicht. Ich hörte sie mir eine Weile an, sie spielten sehr melodisches Zeug. Zum Moshen war es nix, fand ich. Also die rissen mich jetzt nicht weg, waren aber auch nicht unbedingt schlecht.

Nach ihnen kam Sylvaine. Vom Namen her kannte ich die und ich konnte mich noch dran erinnern, dass es ein Soloprojekt ist und eigentlich alles alleine von der Frontfrau gemacht wird. Diese Sylvaine ist sehr hübsch, hat tolle Haare und sie singt sehr interessant, nämlich mal Klargesang und dann wieder growlt sie. Das ist nicht ohne, aber "meins" ist es jetzt nicht so. Ich hörte mir's so an, holte mir noch ein Bier...

Dann kam eine Band, die hatte schon so einen seltsamen Namen: den Weg einer Freiheit. Davon hatte ich noch nie gehört. Die spielten nun auch so ein melodisches, sphärisches Zeug, zudem sprühten sie die ganze Bühne voller Nebel.

Ich setzte mich mal lieber drüben auf die Paletten-Bank, weil tanzen oder moshen konnte ich da nicht drauf. Da kam alsbald ne Frau und setzte sich auf den freien Platz neben mich. "Je älter man wird, desto lieber setzt man sich mal irgendwo dann doch", seufzte sie. Wir kamen ins Gespräch: Die Frau war aus Bochum und extra wegen dieser Band nach Würzburg gefahren, Kinder und Enkel hatte sie daheim gelassen. "Enkel?" fragte ich: "wie alt sind sie denn?" "25" sagte die Frau. Was?? Die Enkel? Schon 25? "Ja, wie alt bist du denn?" fragte ich erstaunt. Sie war 72 ! Mei, endlich mal jemand, der noch älter ist als ich! Das kommt ja echt selten vor .

Bisher war das Skaldenfest ja voll die Stoner-Metal-Vorstellung; ich mag's mehr thrashig, also da war ich offensichtlich falsch hier. Drum war auch keiner von meinen Kumpels und Bekannten da, jetzt war's mir klar.

Insomnium rissen dann die Stimmung wieder ein bisschen raus, das war wieder eher meins. Da konnte ich wenigstens ein bisschen moshen .

Gegen Mitternacht lief ich dann heim zur Friedensbrücke. Ich schlief sehr, sehr gut.

Gern hätt ich noch weitergeschlafen, aber es war schon Mittag und das 12-Uhr-Läuten dröhnte vom Dom her über den Fluss. Oh, ich sollte fahren! Abends bin ich nämlich noch im Löwensaal, also sooo viel Zeit habe ich gar nicht mehr.
Da räumte ich das Naglfar auf, schaltete die Heizung aus, lüftete durch, holte das Kabel ein, trug meinen Müllbeutel zum Container und dann wollte ich noch die Gülle-Box leeren. Als ich damit zur Gulli-Station kam, hatten sie diese geschlossen . Hee, das konnten die doch nicht machen, ich nehm doch jetzt meine Gülle nicht wieder mit?! Das hatten sich auch andere gedacht und man sah ganz deutlich die Reste von Klopapier und Kacke auf dem Gitter vom Grauwasser-Gulli. Naja, da schüttete ich meins drüber .

Das ist eine große Sauerei, allemal, aber die können doch nicht einfach die Entsorgungsstation dicht machen? Wie oft war ich hierher schon randvoll gefahren (diesmal war es nicht gar so dringend, bisschen Platz hätt ich noch gehabt, aber dennoch), weil ich weiß, dass ich hier Schwarzwasser ablassen kann - und dann geht das auf einmal nicht? Das ist doch im Preis mit drin, also dafür habe ich doch bezahlt?!

Jedenfalls ist jetzt wieder alles top am Naglfar, Gutalax-Box ist leer, Tank ist voll, Akkus sind auch voll, Heizung läuft.

Offizielles Aftermovie vom Skaldenfest: hier