Bis 10 hatte ich geschlafen, dann stand ich mal auf, frühstückte und guckte Löcher in die Luft. Da kam mir die Idee, doch mal einen Rundgang über den Campground zu machen. Da stand beispielsweise - gar nicht weit von unserem Camp entfernt - diese Ratte. Ewig schad', dass diese liebevoll hergerichteten Fahrzeuge dann immer nimmer lang halten
.
Drei Plätze weiter stand dagegen dieses da: wow! Welch ein Kontrast!
Manch nettes Camp fand sich auch. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wieviel Mühe sich die Leute geben mit ihren Lagern. Das Ganze steht doch nur 3 Tage, dann wird es wieder abgebaut. Mir wär das viel zu viel Arbeit.
Der Waldbestand hier war schon letztes Jahr die Gruselnummer: Der Borkenkäfer ist drin und frisst sich durch.
Sie kommen anscheinend mit Fällen gar nicht mehr hinterher
.
Harry hatte in King Kittys Lager gefunden. Dort briet grade der fette Schweinebraten im Ofen. Der kochte wieder eins auf, unser Metzger!
Leider konnte ich nicht mitessen, weil ich musste noch meine Bratwürste grillen, die lagen seit vorgestern in Harrys Auto im Kühlschrank und gingen mir ja sonst kaputt.
Bis auf das Ding mit den verdorrten Wäldern war die Landschaft ja echt wunderschön. In der Ferne sah man sogar die Autobahn … nach Nürnberg; der einzige Lichtblick, wenn man hier wohnen muss
. Aber so für Urlaub, Entspannung und Festival war es doch die optimale Gegend.
Um 18:30 spielten Black Messiah. Die wollte ich unbedingt sehen. Dem Harry gefielen sie nicht, dem Torsten auch nicht, aber alle standen sie wieder vorn und feierten
. Black Messiah erzählten was von einem neuen Album, das sie planten. Na, das wird auch mal langsam Zeit, Jungs!
Danach kam so ein komisches Zweimannprojekt, das war irgendwie so Pagan oder Trancezeug, also das gefiel mir gar nicht. Harry meinte, nach denen kämen dann Varg, und dieses Duo hätten sie jetzt nur deswegen auf die Bühne gestellt, damit nachher Varg umso besser raus kämen
.
"Was machen wir denn, das kannste dir ja nicht anhören?" "Lass uns mal ins heidnische Dorf gehen!" schlug Harry vor.
Das heidnische Dorf lag gegenüber hinter der Straße. Wir verließen das Festival-Gelände, gingen über die Straße und wollten drüben wieder rein, durften wir aber nicht mit unserem Bier. "Das haben wir soeben drüben gekauft" beschwerten wir uns, und die Securities hatten uns doch noch gesehen, dass wir direkt von drüben mit dem Bier raus kamen. Ja, aber ging nicht, war halt so Vorschrift, das Bier musste erst ausgetrunken werden, dann durften wir rein. Hmpf.
Gleich am Eingang stand dieses Zelt, und darin konnte man sich tätowieren lassen. Sie stachen die Tattoos mit Stiften und Nadeln nach mittelalterlichen Methoden. Das reizte mich nun schon, weil ich will mir eh noch was stechen lassen, aber es sollte dann zu meinen bisherigen Tattoos passen. Zudem gabs dort auch nur so heidnische Pagan-Motive, die gefielen mir nicht. Na, das ließ ich mal und nahm es mir für den kommenden Winter vor, Merker: diesen Winter gibt es (mindestens) 1 neues Tattoo.
Wir liefen weiter und kamen an Vönix' Zelt vorbei. Da löste sich gleich mein spirituelles Problem von gestern! Freja, Odin, Loki … aber halt, stopp: Wer ist diese Gottheit dort in der 1. Reihe, der dritte von links?
Das wird mein Neuer!
Eine Weile setzten sich Harry und ich ans Lagerfeuer, das sie angeschürt hatten. Es war mittlerweile doch sehr kühl geworden und die Wärme des Feuers tat gut. Bald waren alle Plätze im Kreis besetzt. "Ich hab ein Flüssigkeitsproblem" sagte ich bald, "einerseits ein wenig Flüssigkeit zu viel, andererseits ordentlich zu wenig." Ich kippte mein Horn, nix kam mehr raus. Harry lachte: "Ich hab genau dasselbe Problem, gehen wir zum Auto!"
Wir nahmen den Weg über das Mittelalterlager. Dort trafen wir Torsten und Freunde. "Was machen die dann so auf so einem Mittelalterfest?" fragte Torsten. "Naja, die Musik ist scheiße, nur Flöten oder Dudelsäcke, aber es gibt meist einen schönen Markt mit lustigen Sachen zu kaufen, z.B. Met, und da trifft man dann die Freunde und säuft bis in die Nacht rein" antwortete ich. Torsten war gleich höchst interessiert
.
Nun kamen Varg mit ihrer 20jährigen Jubiläumsshow. Ich hatte Varg schon lang nimmer gesehen, fiel mir auf. Ich hatte auch schon lang nix mehr Neues von ihnen gehört. Da wär es auch mal Zeit für ein neues Album, war das letzte nicht "Zeichen", und wie lang ist das jetzt schon her?
Torsten meckerte schon wieder rum über die Stimme der Varg-Frau, sowas mag er nicht. Mecker mecker mecker, du unzufriedener Grantler!
Als Varg fertig waren, war es kalt geworden. Vorne brannte die Feuerschale, und vor der Bar hatten sie einen Heizpilz hingestellt. Das ist Wolfszeit, das letzte Sommerfestival im Jahr! Oft kommt genau dann der Wetterumbruch, Nebel steigt auf, es wird schlagartig 15 Grad kühler, nachts wird's schon richtig kalt, manchmal war es auch noch durchgehend heiß gewesen, dieses Jahr war es ein recht fließender Übergang. Tja, es wird jetzt dann Herbst … Zeit, um sich mal wieder um die naglfar'sche Standheizung zu kümmern
.
Ich hatte mal irgendwann gesagt, dass ich nie wieder fort fahre ohne meine Motörhead-Jacke. Ehrlich, als ich vor 3 Wochen zuhause gepackt habe, hatte ich noch dran gedacht, den Gedanken aber sofort wieder verworfen, denn das ist meine Winterjacke, und vor drei Wochen hatte es noch über 30 Grad! Hätt ich sie nur mal mitgenommen! Naja, da holte ich jetzt halt meinen Mittelaltermantel aus dem Auto. Mit dem fror's mich wenigstens nicht, aber geschwitzt hab ich nun auch nicht
.
Ich hielt tatsächlich bis zum Headliner durch und guckte mir Marduk an, allerdings nicht bis zum Ende. Aber immerhin hab ich den Headliner erreicht
.
Da in der Menge stand King Kitty mit seinem hell erleuchteten Zepter
.