Sonntag, 27. Juli 2025

Aischgrunder Thing

Bevor nun im August die große Ossi-Tour III für mich startet und ich mir 3 Metal-Festivals hintereinander im Stück gebe, wollte ich ein bisschen Pause machen und mich vom Trash "aushungern". Ich hatte deswegen für dieses Wochenende gar nix geplant. Fortfahren wollte ich aber schon, vielleicht an einen See? ….oder auch in die Fränkische, Pottenstein, Teufelshöhle und tiefster Wald oder so? Aber was mach ich dann dort? Wandern, Museen anschaun? Zudem sind die Campingplätze schweineteuer. Jetzt in der Sommer-Saison zahlt man mit dem Womo auf einem regulären Campingplatz mindestens 20 € und mehr, nur für 1 Nacht rumstehen . Das sehe ich nicht ein! Da stell ich mich lieber auf den Parkplatz von einem Mittelalterfest, da kostet es gar nix .

Wo iss'n da grad ein Mittelalterfest? Ich stöberte im Mittelalterkalender.de und fand eins ganz in der Nähe, das ist doch ideal, wie heißt das? Aischgrunder Thing? Nie gehört. Ich fand auch sonst nix, die hatten keine Homepage und keine Infoseite, aber das klang doch gut, und da fahr ich hin .

Kaum bog ich von der B2 runter und wollte auf die A3 fahren, kamen mir ganz viele flüchtende Autos entgegen, und ich sah: Die Autobahn da unten war komplett dicht, die standen alle ! ...und ich Depp fuhr da jetzt genau rein, oh nein ! Wie kam ich nur schnell wieder weg? Oh, da war zum Glück noch die Ausfahrt anschließend an die Einfahrt, ich war ja noch nicht ganz drunten, gleich geblinkt, Spur gewechselt, nix wie wieder raus, ich fahr die Landstraße! Also fuhr ich durch Erlangen und dann über ein paar Käffer, da war wirklich tiefster Hinterwald. Ich kam nach Uehlfeld (ist das schon ein Kaff, oh weh oh weh), aber dann ging's noch weiter in ein noch kleineres Kaff, Peppenhöchstadt, wo es nicht mal mehr Straßennamen gab, nur noch Hausnummern. Da landete ich dann, musste erst ein pikiertes Huhn vor der Einfahrt zur Seite schubsen und stellte mich auf eine schöne Wiese.

Ich ging gleich mal rein, es kostete 6 € Eintritt, das war voll ok. Viele Leute waren ja nicht da , na kein Wunder, wenn man nirgendwo was davon liest und hört. Drin hatten sie einen Kreis aus Felsbrocken aufgestellt, das erinnerte an Stonehenge, und darin stand gerade der Phönix und die Runenhex und starteten ein Ritual, umringt von lauter Gewandeten. Ich stellte mich gleich dazu, wie schön! Der Schamane zelebrierte ein richtig nettes Eröffnungsblot, wow, das toucht mich jedesmal, so auch hier. Was spür ich denn? ….ja, wie die Geister aus der Erde hochsteigen und nach meinen Händen greifen, um über mich an dem Ritual teilzunehmen, das kribbelt in den Fingern und die Hände werden ganz schwer und voller Kraft - das Gefühl hielt an über die ganze Zeit des Rituals. Ja mei, auch wenn es nur Einbildung war und nur irgendein Film im Kopf, aber es tat gut und war schön .

Anschließend guckte ich gleich mal den Markt an. Hee, da gab es sogar Wolle! Aber wenn man jetzt da so Wolle kauft, was draus häkelt und dann reicht die Wolle nicht aus und man muss nachkaufen, dann wird's schwierig, also lass ich es. Außerdem hab ich grad schon genug Wolle. Ansonsten gab's noch einige Stände mit Fellen, Räucherzeug, Schmuck, Messern, Leder, Klamotten, einen kleinen Seifenstand und natürlich Imbisswagen, Futter und Tränke. Ein Bier kostete nur 3,50 €.

Ich guckte mir mal das Lager an und fand dort die Minimalisten! Mitsch kochte gerade das Abendessen. Sein Papa war auch dabei, aber der kannte mich anscheinend gar nicht mehr als ich ihn grüßte .
Interessante Erfahrung! Sonst ist das immer umgekehrt: Ich erkenne die mich grüßenden Leute nicht. Aber nun merkte ich mal, dass man das als Nichterkannter ganz deutlich merkt, wenn einen einer zwar freundlich zurück-grüßt, aber nicht (er)kennt. Ok, ich werde in Zukunft einfach direkt sagen, dass ich den anderen nicht kenne, anstatt das zu vertuschen versuchen. Nein, da war ich nun mal auf der anderen Seite der Nichterkenntnis und erkannte: Es fällt total auf, das merkt man sofort, das hat gar keinen Sinn!

Hier seht ihr ein original historisches Solarpanel aus dem 13. Jahrhundert . Kreuzritter hatten diese Art der Stromerzeugung aus dem heiligen Land mitgebracht und an Europas Burgen dann die Wärmepumpen damit betrieben . Jo jo . Oder?

Obwohl es auf der Fahrt aus Nürnberg raus ordentlich geregnet hatte, hielt sich jetzt das Wetter. Es war ja auch mit dem Ritual beschworen worden, dass es heute bitte nimmer regnete, gell. Da saß ich auf den Steinen und chillte. Das Fest war total schön gemacht, nur leider waren kaum Besucher da, schade. Man muss da einfach mehr Werbung dafür machen! Das weiß ja sonst keiner, was hier los ist.

Es stand neben dem Bierzelt sogar eine Bühne, eine Band sollte also auch noch spielen, ja wow. Da trat dann am Abend die Band Feuerwulf auf. Die verspielten sich zwar ein paar Mal und ein paar schiefe Töne waren vereinzelt schon drin, aber ich hab schon wesentlich schlechtere Bands für wesentlich mehr als 6 € gesehen, gell. Also rundum war das ein verhältnismäßig netter Auftritt.

In der Umbaupause unterhielt dann dieses Mittelalterquartett die paar anwesenden Besucher recht kurzweilig und lustig. Also ich fand die wirklich witzig und warf ihnen ein paar Euro in den Hut, Hutgeld, jubel.

Ja hui, nun wurde die kleine Bühne für Thanateros dekoriert. Den Namen hatte ich schon einige Male auf Festivals und Events gelesen, also das ist ja ne richtig namhafte Band .

Bei Einbruch der Dunkelheit fingen dann Thanateros das Spielen an. Mensch, das konnte man richtig gut hören! Ich war erstaunt: so eine gute Band für so ein kleines, unbekanntes Fest? Sie taten mir richtig Leid, weil es waren höchstens 100 Leute da, inklusive den Händlern und Lagerleuten, die sich jetzt alle vor der Bühne versammelt hatten.

Es ist jetzt nicht so, dass ich unbedingt extra auf ein Konzert ginge, um Thanateros zu hören, aber für dieses Event waren sie ein richtig geiler Gig. Ich war echt beeindruckt, was man hier für nur 6 € geboten kriegt, wow! Nie und nimmer kommt die Band da auf ihre Kosten, drum kaufte ich - auch weil sie sich echt nett anhörten - ihre neueste CD, die an einem Merch-Tisch angeboten wurde. Wieder eine CD mehr, aber was soll's.

Es hatte zwar nicht geregnet, aber die im Blot besänftigen Regengötter hatten ihre Pisse dann eben als Tau abgelassen und so war jetzt alles feucht. Auf die Bänke konnte man sich nicht mehr setzen, die waren nass. Zudem war es echt kalt geworden. Längst hatte ich mir vom Auto meinen Gugel geholt und eine zweite Bluse drüberzogen sowie eine Strumpfhose und Socken. Also das ist ja hier ein völlig schlimmer klimawandeliger Hitzesommer, heuer, entsetzliche Dürre .

Zudem war ich müde, da ging ich gegen halbelf ins Naglfar. Neben dem Naglfar parkte jetzt ein Morelo. Huch, wie komme ich zu der Ehre? Das Naglfar sieht dagegen richtig mini aus, ganz wie ein Kleinwagen.

Für den Samstag sah das Wetter noch trüber aus. Nur mittags blieb es noch trocken, also nix wie rüber auf den Markt. Jetzt hatten sie die Ziegen aus dem Gatter gelassen und die liefen auf der Wiese rum. Ich schlenderte ein bisschen durch die Buden, kaufte ein paar Räucherstäbchen und wollte weiter gucken, da meldete sich aus den Wolken Thor mit einem kräftigen Hammerschlag.

Ui, das sah jetzt aber nach extrem hitzewelliger Klimadürre aus! Die Händler waren gleich emsig dabei, ihre Zelte fest zu machen und die Waren abzudecken. Der Wind wehte schon Sprühregen an.

Da flüchtete ich ins Naglfar und häkelte. Es schüttete ordentlich runter, aber dann hörte der Regen wieder auf, und es wurde ein bisschen heller.

Also lief ich wieder rüber auf den Markt und traf dort Gabi und Leo. Das war jetzt hier nur mal eine Regenpause, zeigte Gabi's Wetter-App, die nächste Gewitterfront war schon im Anmarsch.

Da kam sie auch schon daher, noch schlimmer als die vorige. Das kommt nur davon her, weil wir heute kein Regen-Blot zelebriert hatten, Mensch .

Ich saß unter einem großen Sonnenschirm und unterhielt mich mit Leo und Gabi, derweil fingen die Gebrüder Schlimm an zu spielen. Es duschte mittlerweile in Strömen. Erst noch waren ein paar Leute im Bierzelt und applaudierten von dort aus, aber sukzessive flüchteten sie alle nach Hause. Nur noch einzelne, hartgesottene Einheimische standen im Bierzelt. Ich unterhielt mich da mit einem Bauern, und der meinte, er wohne da oben neben der Scheune und wenn ich mit dem Auto morgen nicht von der Wiese käme, dann soll ich ihn holen, er zieht mich dann schon raus. Na, da war ich ja beruhigt.

Es war erst zehne und ich war noch gar nicht müde, als die Musik zu spielen aufhörte. Hatte ja auch keinen Sinn mehr, es waren ja kaum noch Leute da. Da machten sie auch den Markt und die Schänke dicht und ich verzog mich ins Naglfar. Schade um das schöne Mittelalterfest! Es war so schön gemacht, aber leider arg ins Wasser gefallen.

Ab Mittags soll es wieder regnen. Drum wollte ich am Sonntagfrüh abfahren, so lange es noch "trocken" war. Noch hatten sich auf der Wiese keine Pfützen gebildet, nur der Weg oben hatte arge, matschige Spurrillen. Eine fette Heutschrecke saß auf meinem Vorderrad.

Als ich aus dem Auto stieg, sah ich gar nicht weit weg Thomas und Heidi stehen - mit Vögelchen. Vögelchen hat im Auto unterm Bett seine Box und reist immer mit. Mit Vögelchen kann man sogar schmusen, und wenn Thomas dem Vögelchen einen Knutsch gibt, knabbert dieses liebevoll an seiner Nase rum. Das ist ja wirklich niedlich .

Nun machten sich alle mal fertig für den Start. Der Morelo neben mir war zuerst gefahren. Er nahm ganz vorne die leichte Steigung rauf zum Weg mit Anlauf, schlitterte an der Böschung zwar ordentlich, kam aber raus. Ebenso sein Kumpel im anderen Wohnmobil. Dann kamen Thomas und Heidi mit ihrem Van, die fuhren den Weg in der Mitte schräg an und kamen raus.

Dann kam ich. Ich versuchte es zuerst ebenso wie der Morelo, nahm Anlauf, kam aber nicht hoch bis zum Weg und glitschte weg. An der Steigung ließ ich mich nach hinten wieder wegrollen und nahm einen neuen Anlauf, diesmal wie Thomas und Heidi in der Mitte, aber auch da kam ich nicht hoch auf den Weg, steckte in der nassen Wiese und die Räder griffen nicht mehr. Also wieder zurückrollen lassen, dann versuchte ich es von ganz hinten, da war die kleine Steigung nicht so schräg. Tatsächlich kam ich da mit Ach und Krach hinauf auf den Weg und fuhr ein Stück mit den rechten Rädern so gut es ging noch auf der festen Wiese. Da aber parkte dann einer, ich musste um den rum fahren, bog also auch mit der rechten Spur auf den Weg, rutschte, das Heck brach aus, ich bremste, um den Parker nicht zu erwischen, und schon steckte ich im Schlamm. Nichts ging mehr . Sie hatten vorne schon eine Ladung Stroh angefahren gehabt, da holte ich ein Häufchen und stopfte es unter die Räder, aber auch so griffen die Reifen nicht und ich fuhr mich nur noch fester.

Also lief ich hoch zu der Scheune und holte den Bauern. Bäuerin und Sohn rückten dann an mit so einem kleinen Trekker und zogen mich aus dem Schlamm. Sogar der Trekker schlingerte dabei, oh weh. Ich denk, der hat mit mir heute bestimmt noch nicht den Letzten rausgezogen.

Donnerstag, 24. Juli 2025

Gedanken zu Ozzy

"Wenn einst der Ozzy stirbt oder der Keith Richards, dann werde ich weinen" hab ich schon oft gesagt. Ich war zwar jetzt nicht wirklich ein großer Fan von ihm, aber er war einer der wenigen, der sogar schon vor meiner Zeit unterwegs war und dessen Musik mich schon seit Teeniezeiten begleitete.

Vorgestern war ganz Facebook voll, man las kaum noch was anderes. Jeder wollte dringend mitteilen, dass Ozzy gestorben ist. Tolle Bilder aus der Blüte seines Lebens wurden geteilt, Ozzy zusammen mit Mötley Crüe, backstage in den 80ern. Wie schön er da ausgesehen hat! Super, klasse, tolle Stars, das blühende Leben! ...aber da fehlt doch eigentlich das Wichtigste: wie hat er denn die letzten paar Monate ausgeschaut ? Da ging er an Krücken, Sanitäter mussten ihn beim Gehen stützen, die Gesichtszüge entglitten ihm, weil er nicht mehr checkte, was ab ging, die Haare grau und wüst: Fotos zum Fürchten!
So wär's weiter gegangen und noch schlimmer geworden, hätt der Tod jetzt nicht die Reißleine gezogen.
Ich hab das schon bei der Beerdigung von meinem Onkel vorletztes Jahr gesagt: Der Tod ist nicht das Schlimme, sondern der Verfall und der Weg dort hin .
Der Ozzy hat das jetzt fertig.

Zurück zu Facebook: Bilder zeigen ihn auf dem Stairway to heaven... (au, falsch, das war ja wieder was ganz anderes ) hinaufgehen, und droben steht Lemmi, der voller Freude auf ihn wartet. Andere Bilder zeigen Lemmi und Ozzy mit Gläsern voller Jacky zwischen Wolken, wo sie lachen und feiern.

Da fallen mir gleich mehrere Einwände dazu ein:
Also in einem "Himmelreich" hockt mit Sicherheit weder der Lemmi noch der Ozzy. Da kommen doch bloß die Braven und Langweiligen hin, dachte ich.
Ich kann mich auch nicht dran erinnern, dass auch nur einer von den beiden da jemals hin wollte.
Ok, sagen wir mal, da treffen sie nun glücklich aufeinander, freuen sich, stoßen mit Jacky an und fangen an zu saufen. Sie saufen noch eins und noch eins ... und wenn sie nicht gestorben sind, dann saufen sie noch heute ... aber Moment mal, wie lang genau saufen sie weiter?! Sie sterben ja nimmer, weil sie schon tot sind . Ja, fallen sie dann wenigstens mal vom Hocker und sind platt?
Oder auch: sie saufen, ja schön, ...und ja was machen sie dann? Vielleicht "Hosianna" singen?

Ozzy ist gestorben.
EMP hat gleich die neueste Serie Sonderangebote für Black-Sabbath-Merch rausgehaun.

Zwei Tage ist das jetzt her, die Ozzy-Bilder auf Facebook wurden schon wieder deutlich weniger. Man beginnt bereits jetzt schon, ihn zu vergessen .

Obskures Facebook, Meldungen der Sorte: Ozzy ist gestorben *heul* ... Metallica trauern um Ozzy ... das da hab ich heute zu mittag gegessen ... hier guckt mal mein neues Auto ... noch vor 2 Wochen gab er das Abschiedskonzert, jetzt ist er tot ... meine Katze ist entlaufen ... das war Ozzys letzter Wunsch ... Krieg in Gaza ... kommt eine Blondine zum Frauenarzt und sagt...(hahaha) ... Ozzy wollte kein Pflegefall werden und sah mutig dem Tod entgegen ... Linksradikale randalierten auf Demo ... Nachruf auf Ozzy ...
Man hat heute überhaupt keine "Zeit" mehr, irgendwas ordentich zu fühlen. Eins jagt das Andere in einem wüsten Durcheinander.

Ja, und dann, heute, zack! Es ist gerade schon wieder der Nächste gestorben: Hulk Hogan! Puh, das Geburtsjahr derer, die zur Zeit sterben, rückt meinem immer näher .

Dienstag, 22. Juli 2025

Kreator im Airport, Obertraubling

Am Wochenende blieb ich zuhause in Nürnberg. Ich hatte für nichts ein Ticket, es wären allerdings einige Events gewesen, wo ich auch noch per Abendkasse hingehen hätt können, z.B. das Krach Open Air in Fürth, aber ich hatte keine rechte Lust. Dagegen hatte ich für den Montag ein Ticket (pah, am Wochenende kann ja jeder feiern, nä) und zwar für Kreator im Airport Obertraubling. Da freute ich mich wieder arg drauf, weil die Location gefällt mir recht gut, und da gings auch endlich mal wieder in die andere Himmelsrichtung, nicht immer bloß in den Osten.

Für den Dienstag hatte ich mal nen Tag Gleitzeit eingetragen, weil Urlaub hab ich dieses Jahr keinen mehr, alles schon verplant. Sollte ich am Morgen doch noch bald genug aufwachen, wollte ich allerdings gleich nach Nürnberg zurückfahren und dann noch in die Arbeit gehen, wenn sich das noch lohnte und dann eben abends einfach etwas länger machen. Das hatte ich vorab schon mit der TLin vereinbart, und das wurde einfach genehmigt, klasse .

In Nürnberg regnete es am Montagnachmittag als ich los fuhr, aber als ich dann in Regensburg ankam, war das Wetter wieder richtig schön geworden. Ich war gut 1 Stunde zu früh dran, und so saß ich auf dem Parkplatz vor dem Naglfar, futterte Chips, trank ein Bier und guckte so zu, wie immer mehr Autos angefahren kamen. Kaum eins aus dem fränkischen Raum war dabei, alle nur aus der Opf. Oh, das wird wieder so eine wowowow-Veranstaltung, wo ich keinen versteh .

Ich machte mich dann langsam mal auf und ging in die Halle. Es war ausverkauft, hieß es, aber sooo voll war es doch gar nicht. In unseren Hirsch stopfen sie da mindestens nochmal 30% mehr Leute auf den Quadratmeter. Beim WarmUp kam man noch richtig weit vor und musste auch an der Tränke nicht allzu lang anstehen, es war richtig schön gemütlich.

Als erste Band kamen Warbringer, und die gefielen mir echt gut. Die haben stellenweise so nen richtig fetzigen Takt drin, also nicht nur Getrashe und Gekrache, sondern auch schöne Breaks, auf die man richtig geil moshen kann *mosh mosh mosh*. Ich ging gleich raus zum Merch und kaufte mir - ja, doch wieder - eine CD. Das war aber bestimmt die letzte CD, aus jetzt mit CDs, es wird ab sofort nur noch gestreamt!

Während des Umbaus saß ich dann draußen und unterhielt mich mit einem Mädel, die anscheinend von ner Band war und die erzählte, dass so eine Band pro gestreamten Song nur 0,0009 ct kriegt (oder so) und meist für das Bereitstellen ihrer Musik eine so hohe Gebühr zahlen muss, dass es sich mit dem Erlös aus dem Stream nicht einmal aufrechnet. Wenn man also der Band was Gutes tun will, sind CDs schon besser.

Als zweite Band spielten Rotting Christ.

Was mir an der Halle wirklich überhaupt nicht passt ist, dass sie einen Sendestörer drin haben, man kann nicht online gehen. Man kann also gar keine live-Videos mitschneiden, so schade.

Neben mir stand der Nachbar vom Parkplatz. "Komm doch später zu uns rüber, wir saufen noch eins auf!" meinte er, aber es tat mir Leid, das ging nicht, weil ich musste ja morgen in die Arbeit . Wie kann man denn auch an einem Montag auf ein Konzert gehen, noch dazu eins, das auch noch so weit weg ist, was hab ich mir dabei bloß wieder gedacht?

Dann wurde es spannend, denn jetzt kamen Kreator. Die legten los mit Konfetti-Kanonen.

Kennt ihr das, wenn irgendwo auf einer ansonsten sauberen Fläche ein Fleck ist oder ein Fussel dran hängt ? Triggert mich das jetzt, sag ich es dem Typen oder lass ich den einfach so weiterrennen? Sagt mal, wie kann man denn das nicht merken? ...und wenn so ein Schnipsel in den Haaren hängt und man merkts nicht, dann versteh ich das ja noch . Wie hängt denn das dumme Ding da eigentlich auch dran ohne runterzufallen?

Kreator waren wirklich fein. Man hatte den Eindruck, ihr Gig machte ihnen Spaß, aber das lag wohl mehr an ihrer Professionalität. Die Stimmung war prima und alles passte.

Eine Crowdsurfing-Challenge riefen sie aus und erzählten was, dass sie schon in den 80ern die meisten Crowdsurfer gehabt hätten. Ach, Unsinn, Jungs! In den 80ern hat's überhaupt noch keine "Crowdsurfer" gegeben, auch wenn einzelne ordentlich beömmelte Stars vielleicht mal von der Bühne in die Leute gefallen sind und von den erschrockenen Fans aufgefangen wurden, damit sie sich nicht gar noch den Hals brachen, aber dass man sich als Zuschauer hochheben und über das Publikum reichen ließ? Seit wann gibt es das eigentlich? Wann ist mir denn der Erste mal in den Rücken gefallen? Mann, das waren noch Zeiten, weil anfangs waren das nur Kerle und frau konnte sie so richtig nach Herzenslust abgriffeln, in den A*sch zwicken, die E*** kitzeln, denn sie konnten sich ja nicht wehren, wollten sie nicht fallen gelassen werden . Nie hat sich einer dabei beschwert! ...erst seitdem auch Mädels mitmachen .
Heute nennt man das darum "s*xuelle Belästigung". Was für eine Spießergesellschaft, Mensch!

Kreator spielten dann sogar auch noch "Satan is real", na klar, ist ja in letzter Zeit ihr erfolgreichster Song gewesen.

In der Halle war es natürlich ziemlich stickig geworden und so drückte ich mich links am Eingang rum, da kam noch halbwegs frische Luft rein. So von der Seite konnte ich mich dann auch richtig vor an die Bühne arbeiten, dass ich auch noch was sah.

Wie lang spielten sie? Ich glaube, sowas 22:30 Uhr ... dann wurde noch die Kreator-Fahne geschwenkt und das war's dann.
Schön war's.
Ja, wirklich schön, es hätte nur Freitag sein sollen .

Ich krabbelte ins Naglfar und legte mich gleich ab, während die anderen alle wegfuhren.

Obwohl direkt hinter dem Parkplatz Gleise liegen und da alle Piep lang ein Zug durch fuhr, habe ich wunderbar geschlafen. Ja, das war mal wieder ein Konzi, das mir super gefallen hat und eine Gesamtstimmung, die einfach nur schön war und meine gewisse Glückseligkeit, die ich manchmal empfinde, wenn ich so im Naglfar liege und denke "es ist wirklich (gerade) alles gut" und dabei einschlafe.

Ich hatte meinen Wecker dabei und wurde um 06:30 Uhr wach. Die Sonne schien, es war ein wenig frisch und ein wunderschöner Morgen. Ich machte mir gar nicht erst einen Kaffee, sondern zog mich nur an, setzte mich ans Steuer und fuhr los.

Frühmorgens ist alles irgendwie anders als später am Tag. Es war eigentlich das erste Mal, dass ich so bald schon mit dem Naglfar unterwegs war. Je weiter ich allerdings nach Nürnberg kam, desto mieser wurde das Wetter und auch der Verkehr. Er staute sich schon auf der A3 ziemlich stark, aber hinter der Ausfahrt Heroldsberg ging der Stau weiter bis rein in die Stadt. Ich bieg ja dann gleich ab Richtung Flughafen, aber auch da war Stau. Sagt mal, was ist denn los? Ganz Nürnberg verstaut? Selbst als ich nach dem Autowechsel dann mit dem Röhrle auf dem Ring war, staute es sich und staute. Ich hätte so herrlich bald in der Arbeit sein können, aber so kam ich dann halt erst um halbzehn. Naja, da blieb ich dann abends entsprechend länger.