Montag, 26. Januar 2026

richtig fetter Schnee

Schon gestern abends fing es an zu schneien. Gegen halbzehn abends ging ich dann runter und fing an zu schippen. Noch lag nicht viel, aber es sollte in der Nacht ordentlich Neuschnee geben, und so richtete ich schon alles her - Schippe, Streugut - damit ich morgen früh gleich loslegen konnte.

Als ich also heute morgen aus dem Fenster schaute, war alles tief verschneit. Ich zog mich an und machte mich gleich ans Werk: Schnee schippen. Es lagen mindestens 20 cm Neuschnee, ich wusste bald gar nicht mehr, wohin ich das alles schaufeln sollte. Das Auto da am Straßenrand kam ja sonst gar nicht mehr weg vor lauter Haufen. Kurzum: Es steht jetzt noch unberührt dort, weil der Fahrer gar nicht probiert hat, damit noch zu fahren .

Endlich hatte ich das Haus frei geschaufelt, da ging ich zum Auto. So zugeschneit war mein Auto wirklich noch nie.

Ich kehrte also mal alles von oben nach unten mit dem Tapezierbesen ab, den ich für den Zweck immer im Auto hab. Allein das dauerte schon. Endlich hatte ich das Röhrle halbwegs schneefrei, da fiel mir auf, dass ich nie und nimmer noch aus dieser Parklücke raus komm, denn es lag so viel Schnee außenrum, zuzüglich des Haufens, den ich eben abgekehrt hatte. Ich lief ins Haus zurück und holte die Schneeschippe. Damit schaufelte ich nun auch den Parkplatz um das Auto so weit frei, dass ich rausfahren konnte.

Es war bereits 8 Uhr, völlig zu spät, als ich dann endlich losfuhr.

Die nächsten zwei Straßen war die Fahrerei wirklich heikel, denn es war alles tief verschneit und wenn man die Spurrillen nicht erwischte, die andere Autos bereits eingefahren hatten, dann drehten die Räder durch und ich drohte, auf einer Schneebank aufzulaufen.

Auf der Rothenburger Straße (große Hauptstraße) war es zwar besser, aber auch hier lag dichter Schnee, Asphalt sah man keinen mehr.

An der Kreuzung Gustav-Adolf-Straße wurde es heikel, denn alle Fahrtrichtungen hatten ihre Fahrschneisen, die sich natürlich in der Mitte kreuzten. Es zog einem da ganz schön die Räder weg beim Drüberfahren, aber ich kam - nach der 5. Ampelphase - auf die andere Seite.

An der Eisenbahnstrecke am "Berg" - also es ist nur eine Brücke und damit eine kleine Steigung - hing ein LKW fest. Er kam nicht mehr drüber. Die PKW versuchten, vorzufahren. Ich hielt ordentlich Abstand zum Vordermann, damit ich in einem Zug am LKW vorbeifahren konnte und nur nicht bremsen musste, denn das Einzige, was mich noch über die Steigung brachte, war mein Schub, den ich grad drauf hatte. Würde ich bremsen, stand ich. Ich kam gut vor und fuhr weiter.

Dass man das "Berg" nennen wollte, ist ja echt ein Witz, ja mei, eine kleine Steigung an einer Brücke, aber auf der anderen Seite nach unten fing die Schlittenpartie an und ich war froh, dass keiner zu dicht vor mir stand und schlitterte "berg"ab.

Da endlich kam ich ins Parkhaus. Das war aber auch nicht so easy, denn sogar im Parkhaus war es glatt. Autos hatten Schnee drin verloren und die Steigung zur nächsten Etage schimmerte ganz glitschig. Ich kam hoch und war recht froh, als ich endlich da war, wo ich sein sollte.

Dann schlitterte ich vom Parkhaus aus noch zu Fuß rüber ins Büro. Ich war eine volle Stunde später dran als sonst. Die Stunde musste ich natürlich dann nachmittags wieder rein holen.

Zuerst meckerte ich ja, dass die Schulkinder heute einfach zuhause bleiben durften, während die Arbeitnehmer noch eine Stunde länger als sonst in der Arbeit bleiben müssen, aber jetzt war ich doch ganz froh: wären auch noch die ganzen Elterntaxis unterwegs gewesen, wär man wohl gar nicht mehr durch gekommen.

Von den Kollegen fehlte gut die Hälfte. Die waren alle zuhause geblieben und machten Home Office, aber ich hab ja zuhause keine Office-Station mehr, die hatte ich nach Corona wieder abgegeben.

Nach der Arbeit wollte ich auf die Ranch fahren und vorher zum Supermarkt, frische Innereien kaufen für das Miezenvolk. Der Parkplatz vom Supermarkt war fast leer, kaum jemand ging einkaufen. Sogar ganz vorn kriegte ich noch einen freien Parkplatz, aber als ich da rein fahren wollte, blieb ich im Schnee stecken . Mit zurück-vor-zurück-vor kam ich dann grad noch vom Fleck. Also ging ich mal einkaufen.

Eigentlich hätt ich es mir ja schon anhand der Schneemassen am Supermarkt denken können, aber der Ernst der Wetterlage war mir immer noch nicht bewusst und unbeirrt fuhr ich einfach weiter hinter in die Sackgasse zur Ranch. In der Wendeschleife türmten sich die Spurrillen und ich heizte quer durch. Es rumpelte am Unterboden, aber ich hatte genug Schub und blieb nicht stecken. Weiter fuhr ich auf die "verbotene Straß'", ein asphaltierter Feldweg, den nur Anlieger benutzen dürfen (deren bin ich einer), aber da kam ich dann ins Schleudern und schlitterte nur noch so rum. Ich sollte hier nicht bremsen oder gar stehen bleiben, weil sonst war's aus . An der Einmündung zum Feldweg Richtung Ranch fuhr ich lieber einfach mal weiter, denn noch niemand war in dem Feldweg gefahren, nicht einmal der Bauer mit seinem Trecker, keine Spur zeigte sich im Schnee, weder Mensch noch Maschine.

Hier lagen mittlerweile gut 30 cm frischer, unberührter Schnee, ich würde mit dem Auto nicht durchkommen. Ich konnte froh sein, wenn ich hier die "verbotene Straß'" schaffte . Ich gab Gas und rutschte und schlitterte grad noch so vor bis auf die Hauptstraße. Zum Glück kam grad keiner, dass ich ohne zu stoppen einfahren konnte. Dort griffen die Reifen wieder - zum Glück.

Ich fuhr also noch einmal um den Block bis ich wieder in die Sackgasse kam. Kurz vor der Wendeschleife parkte ich das Röhrle. Ich hatte mit dem Auto keine Chance, ich musste von dort aus zu Fuß zur Ranch.

Also packte ich alles in den Korb, was ich für die Miezis brauchte: die frischen Hühnerherzen, die Schälchen Sheba, das Trockenfutter, die Katzenmilch und die Akkus und SD-Karten für die Wildcams.

Das Gartentor kriegte ich vor lauter Schnee nur einen Spalt auf und stackste wie der Storch durch den hohen Schnee über den Parkplatz. Unter der großen Tanne, wo der Boden noch halbwegs schneefrei war, hockten die 3 schwarzen Katzen, Nora und ihre Kinder Noricus und Nörchen. Die versuchten nun aufgeregt, zur Futterstelle zu kommen. Das sah fast lustig aus, denn jede Katze versank komplett im Schnee, sprang in hohem Satz wieder raus und so immer eins weiter. Man sah also 3 schwarze Knäuel wie Hüpfbälle über den tief verschneiten Parkplatz hüpfen.

Die Futterstelle war auch komplett verschneit, das hatte gar keinen Sinn mehr. Nein, heute gab es das Futter dann ausnahmsweise mal im Schuppen.

Um zum Schuppen zu kommen, benutzte ich die Spuren der Hüpf-Katzen, damit ich nicht durch den totalen Schnee stacksen musste. Die Katzen wiederum kamen mir in meinen Spuren wieder entgegen gehüpft.

Eigentlich hatte ich vor, auf der Ranch eine Fotosession zu machen von der verschneiten Winterlandschaft. Allerdings sind die Fotos fast langweilig, weil man sieht nur Schnee, Schnee und wieder Schnee, alles Weiß in Weiß und kaum noch irgendwelche Orientierungspunkte. Selbst die massiven Baumstümpfe von den beiden gefällten Pappeln bildeten nur weiße Pfropfen in der Landschaft, Komposthaufen, Holzhaufen, alles nur noch weiß.

Zudem hatte ich keinen Bock, mich durch diese ganzen Schneeverwehungen zu kämpfen. Es war genug Mühe, die SD-Karten aus den 3 Kameras zu holen. Damit ging ich dann wieder und lief zurück zum Röhrle.

Als ich zuhause ankam und mich in irgendeinen Parkplatz gerutscht hatte, aus dem ich hoffentlich morgen wieder raus komm, musste ich erst wieder vor dem Haus Schnee schippen, weil dort war alles voll. Die Schneeberge türmen sich nun schon so am Gehwegrand, dass ich gar nicht mehr weiß, wohin damit. Und weiter schneits und schneits, oh weh, das wird wohl morgen noch schlimmer .

Sonntag, 25. Januar 2026

Heidenfest, Obertraubling

Aus Demling fuhr ich über Landstraßen und Autobahn rüber nach Obertraubling zur Eventhalle Airport. Am Parkplatz war erst die Hälfte voll, man fand noch jede Menge Parkplätze. Ein Pickup mit Wohnaufbau aus Gera parkte dort, da parkte ich mich gleich daneben .

Jetzt schaltete ich die Standheizung an: Sie lief ! Na, wenigstens schon mal was . Trotzdem geht mir der Winter schon wieder sowas von auf den Senkel! Andauernd friert man irgendwo, alles ist vereist, dreckig, matschig. Draußen standen einige frierende Metaler, rauchten oder soffen sich schon mal warm. Wahrscheinlich würde ich jetzt wieder erst mal am Eingang anstehen müssen und mir einen abfrieren. Trotzdem ließ ich die Jacke im Auto.

Zum Glück kam ich am Eingang relativ schnell rein. Bereits über der Tür hing ein Heizlüfter, kaum die Schwelle übertreten, war es wunderbar warm. Ich lief gleich mal rauf in die Bar und mampfte ein Stück Pizza.

Die Tribüne war abgesperrt. Besonders toll besucht war das Heidenfest also nicht. Es war noch recht viel Luft zwischen den Leuten. Die Halle füllte sich auch nur zäh. Das hatte natürlich wieder den Vorteil, dass man nirgends lange anstehen musste, an der Tränke gleich ein Bier bekam, und sich auch recht weit vor an die Bühne stellen konnte.

Dort spielten jetzt Dust & Glory, die einzige der Bands heute, die ich noch nicht kannte. Offenbar war es eine Piratenband, sie versuchten aber sehr auf Folk zu machen, denn es sollte ja ein Folk-Metal-Konzert sein. Man muss ihnen lassen, dass sie bereits eine gute Stimmung verbreiteten und im Publikum schon gehüpft und getanzt wurde, die Leute stiegen ganz gut auf die Band ein.

Lang spielten sie nicht. Es waren 5 Bands für den Abend eingeplant, da hatte jede Band nicht allzu viel Zeit. Jetzt wurde auch gleich umgebaut und auf der Bühne wurde rosa Flamingo-Deko verteilt. Trollfest hatte ich vor langen Jahren - so in etwa 10 - schon mal in Geiselwind gesehen und war damals total begeistert von ihnen. Da war ich guter Stimmung und irgendwie passte das alles. Teresa und weitere Freunde waren damals dabei und wir hatten eiiine Gaudi! Im Anschluss hatte ich mir dann tatsächlich CDs von Trollfest bestellt und beim Fräulein Helluva lag sogar kostenlos ein Helluva-Patch dabei, den ich noch heute auf der Kutte habe. Ich betone noch einmal: kostenloser Patch, nur fürs Bestellen einer CD!

Die rosa Deko erinnerte mich mehr an J.B.O., und als Trollfest auf die Bühne traten, war ich ganz entsetzt. Also das war mir einfach zu viel: Sie trugen rosa Röckchen, darunter Strumpfhosen, jeder eine Flamingo-Mütze und ins Gesicht hatten sie sich Streifen geschminkt mit Neon-Farben, pink, grellgelb, orange - oder vielleicht hatten sie sich einfach nur nen Edding-Marker durch die Visage gezogen? Das war mir extrem zu kitschig, ich durfte gar nicht hinschaun, also bei allem, was Metal ist . Wenn ich aber die Augen zu machte (bzw. nicht hinschaute), dann fand ich die Mukke echt lustig.

Ich sprang sogar auch gleich mit in die Polonaise, die sich da bildete, und hüpfte mit den anderen da durch die Halle.

Trollfest spielten lauter Songs, die ich nicht kannte. Die guten alten Sachen wie Brumblebassen oder Fräulein Helluva waren wohl zu alt? Aber auch das "Neue" konnte man gut hören, man durfte die Kitsch-Flamingos bloß nicht angucken . Naja, das Quatsch-Outfit war mir jetzt halt wirklich ordentlich zu doof.

Nach den Trollfest kamen Heidevolk auf die Bühne. Ich hab auch von Heidevolk schon zwei, drei CDs, und der Auftritt gefiel mir echt gut.

Finntroll fand ich ganz klasse. Sie hatten sich alle Troll-Ohren aufgesteckt, die wippten im Takt mit. Etwas übertrieben, aber es sah nicht unbedingt schlecht aus, besonders bei dem Gitarristen mit dem Hut, sehr hübsch. Das Auge hört halt doch mit .

Das Publikum ging auch gut mit, die Stimmung war gut.

In der Umbaupause ging ich mal raus und guckte mir den Merch an, aber das war nun wieder die totale Kommerz-Nummer, das Shirt 35 €, ein kleiner Patch nen 10er. "Naja, sie sind ja immerhin golden bestickt" sagte RoFa-Hexchen Sabine, die sich tatsächlich so ein teueres Patch kaufte, und: "Man muss ja auch irgendwie die Bands unterstützen". Ja, das stimmt zwar, aber "man" hat halt einfach auch seine Schmerzgrenze, und die ist bei mir hier echt erreicht. Hee, wie schon gesagt: Vor 10 Jahren lagen die Patches noch kostenlos in der Sendung, wenn man sich nur eine CD bestellte. Ansonsten bekam man an solchen Ständen für 10 € 4 Patches.

Ich hatte mich nach der Waldwanderung vorhin im Naglfar noch umgezogen und extra mein Heidenfest-Shirt an, das war aus dem Jahr 2008. Es hatte damals 15 € gekostet. Ja, gut, das ist bereits 18 Jahre her (da kann's einen ja schaudern, wie die Zeit verfließt ), aber da werd ich mir garantiert kein Shirt kaufen, das jetzt mehr als das Doppelte so viel kostet.

Vor 10 Jahren war auch ungefähr die Zeit, wo Teresa und ich den Korpiklaani hinterhergefahren sind. Auf jedes Korpiklaani-Konzert im Umkreis gingen wir hin, es war immer so eine tolle Party. Irgendwann aber waren wir satt, hatten sie nun oft genug gesehen. Trotzdem war Korpiklaani noch immer eine gute Band, und bei so manchem Festival stand ich immer dort und hörte sie mir gern an. Was war dann passiert? Jonne wurde dann eine Weile richtig ...ja, fett, anders kann man es nicht nennen. Vielleicht hat er ja Medikamente nehmen müssen oder irgendwas, aber er kam daher wie ein aufgeblasener Luftballon. Dann allerdings nahm er auch wieder ab. Richtig schlank wie früher ist er immer noch nicht, aber anschaun kann man ihn doch wieder.

Aber trotzdem ist es nimmer das, was es mal war, ich weiß auch nicht. Irgendwas ging verloren.

Dieser Auftritt war besonders schlecht, muss man sagen. Die Songs haben einfach kein Feuer mehr, ich weiß auch nicht. Das fing irgendwie schon damals an, als nach "Bier Bier Bier" der Song "Vodka Vodka Vodka" erschien. Korpiklaani rissen die Leute vom Heidenfest jetzt einfach nicht mehr weg, viele gingen auch bereits nach Hause. Die Halle war während des Auftritts noch ein Stück leerer geworden.

Zudem hatten sie technische Probleme. Einmal knackte es in der Elektrik so laut, anscheinend war der Strom einen Moment lang weg, dass sie zu spielen aufhörten, zwar nach einer Schrecksekunde gleich wieder weiterspielten und so taten, als wär nichts passiert, aber ich sah deutlich die fragenden Blicke, die sie sich gegenseitig zuwarfen. Sie merkten, dass sie nicht gut waren. Ich muss leider sagen: Jede ihrer heutigen Vorbands war besser.

Es wurde dann tatsächlich keine Zugabe mehr verlangt, abgesehen von einzelnen Rufern, die dann aber gleich wieder verstummten. Da stellten sich Korpiklaani noch auf die Bühne in Formation und ließen ein Foto von sich mit dem Publikum im Hintergrund machen, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie es gar nicht veröffentlichen.

Gute Nacht, Freunde!

Guten Morgen, Parkplatz!

Ich gab meinen Becher ab, verließ die Halle und ging zum Naglfar. Die Heizung lief noch, es war kuschelig warm im Auto. Ich prüfte den Akku-Stand: oh, nur noch knapp ein Viertel in der Batterie! Ob das die Nacht noch durchhält? Wenn die Batterie alle wird, dann macht sie nur wieder einen "Spannungsabfall", die Heizung schmeißt drauf einen Error aus und schaltet sich ab und lässt sich dann nicht wieder einschalten, bevor der Error nicht behoben ist. Das Risiko mag ich lieber nicht eingehen. Also schaltete ich die Heizung aus. Es würde noch eine gute Weile warm sein im Naglfar. Bis die Kälte eingekrochen kam, würde ich längst schlafen.

Dem war dann auch so. In der Nacht fror es mich gar nicht so, auch nicht an der Nase. Vielleicht bin ich die Kälte ja mittlerweile gewöhnt? Als ich gegen halbzehn aus dem Bett krabbelte - der Geraner neben mir ließ den Motor an und fuhr ab - stand ich in T-Shirt, Slip und Socken dort und guckte aufs Thermometer: Es hatte knapp unter 0 Grad im Auto. Also 10 hätte ich jetzt schon noch geschätzt, meines "Frier-Modus'" entsprechend. Ich zog mich gleich an und fuhr los.

Ich muss zugeben: Ich bin jetzt froh, dass ich daheim bin. Bei allen Events, aber es ist einfach im Winter nicht wirklich lustig. Andauernd frierts einen, und was man auch Tolles plant und macht, nix macht wirklich Spaß. Ständig das Gekrebse: Springt das Auto an, gibt es Glatteis, Unfälle und Staus, geht die Heizung, was machen die Akkus, tiefenentleert? Was zieh ich an, Socken, Strumpfhose unter der Jeans, für außen zu kalt, für innen zu warm, Jacke hier, Mütze, Schal dort, Handschuhe vergessen, Finger abgefroren, ach, es nölt mich langsam an!

erfolglose Waldwanderung

Drei Gründe gab es, warum ich das Heidenfest in Obertraubling buchte und nicht in Würzburg:

1. Ich war jetzt die letzten 3 oder 4x in Würzburg, ich wollt endlich mal wieder woanders hin.
2. Der WoMo-Stellplatz an der Friedensbrücke kostet jetzt auch im Winter schon 17 € pro Übernachtung; der Weg von dort zur Posthalle ist auch immer so weit.

und der 3. Grund: die schwarze Madonna .

Ich hatte einfach mal "schwarze Madonna" in Google maps eingegeben und war erstaunt, es ergab Treffer, z.B. diesen da: Irgendwo im Wald hinter Donaustauf auf einem Berg soll es ein Bildnis einer schwarzen Madonna geben. Ich googelte weiter und guckte online Bilder von ihr an. Auf einer Wander-Seite schrieb auch einer, es sei ein schöner Wanderweg, aber die Madonna sei recht schlecht zu finden.

Ursprünglich plante ich, am Freitag nach der Arbeit gleich hinzufahren und eben diese Wanderroute zu wandern, um dann dort zu übernachten und am Samstag weiter nach Obertraubling auf das Heidenfest zu fahren, das von dort aus nur noch 25 km weg war. Aber dann entschied ich mich, lieber am Samstagvormittag von zuhause aus zu fahren, denn der Heizung konnte ich nicht trauen, und wenn die ausfiel, wäre die Tour alles andere als lustig. Also gab ich eine Adresse ein, wo ich parken wollte: eine Ortschaft mit einem Wirtshaus und noch 3 Häusern außenrum namens Demling. An der Ortschaft war eine Baustelle und dort stellte ich das Naglfar einfach rein.

Der Waldweg, den ich auf Google maps gesucht hatte, war nicht weit weg, und ich lief fröhlich ab in den Wald . Da lag aber schon nach kurzer Strecke ein umgekippter Baum quer über meinem Weg . Äh... war das auch wirklich der Weg, den ich auf Google maps ausgesucht hatte? Naja, musste er schon sein, weil recht viel andere Wege gab es ja in der Richtung nicht.

Ich kraxelte also an dem Baum vorbei und lief auf meinem Weg weiter. Nach dem Baum war anscheinend schon länger keiner mehr gelaufen, denn der Weg war dort immer dichter bewachsen. War das überhaupt noch ein Weg? Immer weniger konnte man den Weg erkennen.


Also wenn der Weg schon als solcher kaum mehr zu identifizieren war und auf ihm Sträucher und Bäume wuchsen fast wie im Wald, dann konnte ich doch auch gleich direkt durch den Wald gehen? Die Karte, die ich mir ausgedruckt hatte, zeigte an, dass ich höchstens noch 10 Meter Luftlinie vom Ziel entfernt war, allerdings ging es den Berg hoch durch dichtes Gestrüpp und Brombeerhecken. Der Berg hatte an dieser Stelle ca. 40% Gefälle, ich krabbelte streckenweise auf allen Vieren. Dichtes Laub lag dort und die Rutschgefahr war hoch. Wenn man da erst mal ins Rutschen käme, würde man leicht den ganzen Berg runterrutschen. Ich hielt mich an allem fest, was greifbar war.

Nach kurzer Strecke war ich ziemlich außer Atem und auch richtig verschwitzt. An jedem zweiten Baum machte ich Halt, hielt mich am Baum fest, stellte mich aufrecht auf die Füße und keuchte.

Auf dem Bild kommt es gar nicht so raus, aber diese Strecke war wirklich sehr steil.

Ein Zaun war durch den Wald gezogen, vermutlich ein Privatgrundstück, aber ich konnte nicht zurück. Der Aufstieg ging ja noch, aber hier käme ich nicht mehr heil runter, es sei denn auf dem Hintern runterrutschen. An dem Zaun waren aber auch so Stiegen, auf denen man drüber klettern konnte, also kletterte ich drüber. Weiter ging's den Berg hoch. Der Zaun war stellenweise auch umgekippt, so kam ich auch wieder durch und fand schließlich endlich oben auf einen breiteren Waldweg, ein richtig ordentlicher Weg, es musste direkt vor dem Ziel sein.

Auf der Karte gab es aber bloß "meinen" Weg, darin mündete kurz vor dem Ziel ein anderer, kleinerer Weg ein - und das war's. Ich stand jetzt allerdings an einer Kreuzung mit 5 Wegeinmündungen in Sichtweite. Sowas war auf meiner Karte überhaupt nicht eingezeichnet . Nach dem Verlauf der leichten Kurven versuchte ich zu finden, wie dieser Weg mit einem auf der Karte übereinstimmte: Der hier machte eine weite Kurve nach links, dann ein Stück gerade aus weiter, der hier macht eine Ecke? Gefiel mir aber alles nicht recht, weil eindeutig konnte ich die Wege nicht zuordnen.

Allerdings war ich jetzt ziemlich weit oben auf dem Berg, weiter rauf ging es kaum, alle anderen Wege führten leicht nach unten. Also lief ich die 5 Wege eine Weile ab. An einer Gabelung fand ich einen Baum, an dem hing ein Schild "Marterl". Ja, das war es doch! Aber wo war das Marterl? Da war keins! Der Baum war mit Zahlen bemalt und auch ein Pfeil zeigte nach links.

Ich lief also den Weg nach links und kam bald an eine Lichtung am Hang, dort stand ein Jägersteig. Ah, der Jägersteig "A16"! Die Zahlen am Baum waren also Wegweiser für Jägersteige. Ja, und wo war jetzt die schwarze Madonna? Ich lief zum Baum zurück und nahm von dort aus den nächsten Weg. Die Madonna konnte doch nicht weit von dem Baum weg sein, wenn dort schon ein Schild hing? Auch nach meiner Karte musste sie im Umkreis von 10 Metern stehen. Da stand aber nix .

Ich lief jeden der Wege bis 100, 200 Meter ab, aber es fand sich weder das Marterl, noch die Holzbank, die dort auf Google maps-Bildern fotografiert war.

Langsam hatte ich keinen Bock mehr. Mir kam noch in den Sinn, mit dem Handy auf Google maps zu navigieren, aber ich mochte jetzt nicht mehr. Die Sonne stand auch schon merklich tiefer, es war drei Uhr durch. Vielleicht haben sie die schwarze Madonna mitsamt der Bank im Winter abgebaut und zum Schutz vor der Witterung eingemottet? Ich werde hier im Sommer nochmal herfahren!

Also machte ich mich an den Abstieg. Diesmal würde ich auf den Wegen bleiben! Ich lief den Weg, den ich zum Schluss gekommen war, wieder zurück. Er führte zwar leicht nach unten, aber er zog sich. Ich lief und lief. Bald war der Wald lichter und der Weg war verschneit worden. Im harschen Schnee hatten sich Reifenspuren eingedrückt. Hier war also sogar ein Auto gefahren, dem Reifenprofil zu entnehmen war das ein normales Straßenauto, kein Geländewagen. Wenn ich den Reifenspuren folgte, musste ich also irgendwann auf die Straße unten kommen.

Der Schnee war alt und gefroren. Er wirkte wie blankes Eis. Ich versuchte meine Schritte immer in den Fußstapfen von anderen zu setzen, die davor hier schon gelaufen waren. Es war trotzdem arschglatt. Einmal rutschte ich aus und fiel auf den Hintern. Passiert war nix, aber das könnte ich vielleicht grad noch brauchen: irgendwo im Winterwald mit verstauchtem Knöchel auf einem einsamen Waldweg zu liegen und nimmer laufen zu können?

Eine Menge Spuren waren im Schnee. Neben menschlichen Schuhen erkannte ich Pferdehufe. Auch Paarhufer waren hier gelaufen, teils recht große Abdrücke hatten sie hinterlassen. An den Seiten des Weges waren stellenweise in den Hang Kuhlen gebrochen. Ein Tier musste hier nach Futter gegraben haben. Hatten jetzt nicht die Wildschweine Brunftzeit? Die Sonne senkte sich immer tiefer... Ich will aus diesem Wald raus, bevor es finster wird und die Wildschweine kommen! Schnell laufen konnte ich aber nicht, denn es war echt glatt.

Der Weg schlug nun eine Kurve, er war in weiten Serpentinen angelegt. Das Auto, dessen Reifenspuren ich folgte, war nicht um die Kurve gekommen, sondern offenbar bis zur nächsten Kurve rückwärts gefahren . Die Reifenspuren hatten in der Kurve gestoppt und waren in die andere Richtung weitergefahren.

Ich lief und lief. Müd war ich von der anstrengenden Lauferei durch den glatten, gefrorenen Schnee, denn stets spannte ich ja alle Muskeln an, machte nur kleine Schritte und hütete mich vor dem Ausrutschen.

Da endlich! Die Straße!

War ich denn vorhin hier mit dem Naglfar vorbei gekommen? Die Straße war sehr neu, hatte noch keinen Mittelstreifen: War ich hier auf der Herfahrt gefahren? ...äh, ich glaub nicht...? Die Ortschaft Demling musste links sein! Also lief ich nach links.

Da tauchten nun in der Ferne Häuser auf, ein Dorf! Aber schon von weitem konnte ich sehen: nein, "Demling" heißt das nicht auf dem Ortsschild, der Name dort war viel kürzer. Als ich in Leseweite gekommen war, erkannte ich "Bach a.d. Donau" auf dem Schild. Ja, "Bach" hatte ich auf Google maps auch gesehen, das war in der Nähe . Also lief ich wieder zurück. Nach einer Weile kam ich in die nächste Ansiedlung, das war aber nur ein Bauernhof mit Pferdestall . Ich lief weiter.

Endlich kam ich nach Demling! Ich lief durch und fand auch die Baustelle. Da stand das Naglfar! Mittlerweile stand noch ein PKW daneben, fröhliche Falschparkervermehrung . Au, ich war sehr froh, als ich das Naglfar wieder gefunden hatte .

...und wie gesagt: Im Sommer komme ich nochmal her, weil ich glaub, das ist wirklich ein sehr schöner Wanderweg und hier könnte das Laufen auch richtig Spaß machen, wenn das Wetter passt .

Nachtrag: Nun hab ich mir die Mühe gemacht und mir die Karte noch einmal angeschaut - siehe da! Ich hab die Stelle gefunden mit den 5 einmündenden Wegen, wo ich war! Ich war viel zu hoch auf dem Berg, viel zu weit gelaufen! *ärgerärger*