Mittwoch, 23. Oktober 2013

Tut Anch Amun-Ausstellung

Weil wir heut mal nicht so viel Arbeit hatten, latschte ich gleich um halbzehn zum Chef und fragte, ob ich nicht ein paar Überstunden abbaun könnte und schon um 11 gehen könnte. Der sagte: "Na gut". Sein Glück, weil sonst hätte ich ihm damit gedroht, auf seinem Tisch zu strippen Smileys. Wie schön man doch mit ein und demselben Mittel zu höchst gegensätzlichen Ergebnissen kommen kann...?! Smileys

Ich ging also fröhlich um 11, radelte wie die Sau vor zur S-Bahn-Haltestelle und erwischte auch noch grad auf die Minute die S-Bahn, die um 11:06 fährt. Ich s-bahnte in die Stadt und ging erst mal in den City-Point zum Chinesen, was essen. Sonst nehm ich das Essen dort immer zum Mitnehmen, drum kannte ich das noch gar nicht: Man bekommt bei der Bestellung so ein Ding, kann sich derweil hinhocken und wenn das Essen später fertig ist und man es von der Theke holen soll, dann vibriert und blinkt das Ding. Schon blinkte mein Ding los und ich holte mein Essen.

Nach dem Essen kaufte ich mir ein Ticket für die Tut-Anch-Amun-Ausstellung, die derzeit in Nürnberg gastiert. Zwischen 13:00 und 13:30 konnte ich dort nun auftanzen und so u-bahnte ich halt gegen 13 Uhr raus zum Quelle-Gebäude.

Die Ausstellung begann mit 2 Kurzfilmen von der Entdeckung des Grabes und der Bergung der Schätze. Danach kommt man in ein Zimmer, wo die Gegenstände alle so hingeschmissen drin rum liegen, wie sie Howard Carter damals vorgefunden hat.

Leider darf man da nicht mit Blitz fotografieren und drum sind mindestens die Häfte meiner Fotos unscharf oder verwackelt geworden. Auch die andere, halbwegs brauchbare Hälfte ist fotografisch nun nicht so der Hit, geb ich ja zu.

Am Eingang kriegte jeder Besucher so ein Audiogerät, wo man die Nummer eingeben konnte, die jeweils an den Ausstellungsstücken angezeigt wurde, und dann bekam man die Geschichte dazu erzählt. Die Erzählungen waren sehr stimmungsvoll von zwei oder drei Männerstimmen gesprochen, so richtig wie man sich einen alten Forscher vom letzten Jahrhundert vorstellt. Oh, das hat mich alles recht angesprochen, ja doch.

In der Nebenkammer lagen auch ein paar schöne Teile rum, z.B. dieser Anubis.

Dann hat der Carter damals aber auch noch eine unberührte Felsplatte gefunden, hinter der sich die Grabkammer befand. Als sein Geldgeber, der Lord Carnarvon, angereist war, knackten sie zusammen die Platte und fanden dahinter den Sarkophag von Tut Anch Amun.

In der Grabkammer stand erst mal diese relativ riesige Truhe. Darin befand sich der Sarkophag, in dem ein weiterer Sarg lag und irgendwie unter 4 Schichten von Truhen und Särgen war dann erst die Mumie.

Es wurde mit dem Audiogerät recht anschaulich erklärt, dass für die Ägypter die Götter in der Welt allgegenwärtig waren. Sie trennten nicht wirklich in eine irdische Welt und eine Götterwelt, sondern die Götter dachten sie sich IN der irdischen Welt. Menschen und Götter lebten zusammen in dieser Welt.

Eine wunderschöne Vorstellung, wie ich finde. So hat mir das Satan-Ahriman nämlich auch verklickert, dass Götter + Menschen + das Leben/die Welt gemeinsam ineinander im Hier und Jetzt bestehen, aber bisher krieg ich es nicht hin, die Dinge so zu sehen. Ich bin zu konditioniert auf "das materielle Irdische (hier & jetzt)" + "das märchenhaft-fantastische Überirdische (im Jenseits)". Na vielleicht krieg ich das jetzt nach der Ausstellung besser hin?

Das ist die Büste von Tut Anch Amun. Erstaunt stellte ich fest, dass der Junge Ohrtunnels hatte!

Tut Anch Amun ist überhaupt eine sympathischer Figur, find ich. Er war ja nämlich der Sohn vom bösen Amenophis aka Echn-Aton, der den Monotheismus begründete.

Tut Anch Amun's Vater verbot die vielen ägyptischen Götter - wie konnte er denn das tun, wenn die Götter zur Welt gehörten und Teil des Lebens waren? Das ist doch schrecklich! Welcher furchtbare Wüstendämon hat denn DEN geritten?

Allenfalls: Echn-Aton setzte damit den Startschuss für den Jhwh-Kult durch "Niemandes Sohn".

"Sohn" heißt auf Altägyptisch "Moses" und man nannte sich z.B. "Tut-Moses", Sohn des Tut, oder "Ra-Moses (Ra m'ses)", Sohn des Ra, aber wenn jemand nur allein "Moses" hieß, dann war er ein Sohn, der keinen Vater hatte bzw. dessen Vater nicht bekannt war. Man könnte einen solchen Moses nun auch einfach "Hurensohn" nennen, aber nein, man coverte lieber die tolle Geschichte von König Sargon, der als Baby in einem Binsenkorb auf dem Wasser eines Brunnens schwimmend gefunden worden war.

Also stieg 2 Generationen später so ein daher gelaufener, äh auf der Wurstsuppe daher geschwommener Moses aus dem Pharaonenpalast und brachte die schlimme 1-Gott-Idee von Echn-Aton zu neuem Ruhm - bis heute Smiely.

Auch die Ägypter mochten den Echn-Aton nicht so sonderlich und so setzten sie auch so schnell wie möglich seinen Sprößling auf den Thron, den Tut Anch Amun, obwohl der erst 8 Jahre alt war.

Der kleine König räumte dann recht schnell wieder auf mit dem Kult seines bösen Vaters und führte die Verehrung der alten Götter wieder ein. Leider lebte Tut Anch Amun nicht recht lang, denn schon mit 18 ist er gestorben. Aber seine Götter haben sein Grab 3000 Jahre lang bewahrt, so dass auch ER und seine Kultur heute ganz massiv präsent ist und sein Name bekannter ist als der von Echn Aton.

Das sind Tut Anch Amuns Flip Flops. Gab bestimmt ein übles Geklapper auf dem Marmorboden und so richtig bequem sehen sie nicht eben aus.

Unter seinen Grabbeigaben lag auch dieser edle Dolch. Seine Klinge ist aus Eisen. Das war damals in der Bronzezeit was ganz Tolles und Wertvolles. Auch ist der Knauf aus Glas. Das ist ja voll die High-Tech-Ausrüstung für die damalige Zeit!

Teilweise waren ihm recht hübsche Schmuckstücke mit ins Grab gegeben worden.

Ich war so herrlich vertieft in göttliche Sphären und die ganze Stimmung hier und es war so schön... aber da auf einmal, als ich mir den Streitwagen anguckte - der volle Kulturschock: Das ist doch der Bembers, der da steht?!

Tatsächlich!

Er kam auch gleich her und wir laberten ne Ecke. Mensch, so schnell kam ich gar nicht rüber von meiner göttlich-ägyptischen Wolke, in der ich grad schwebte. So geistig flexibel bin ich nimmer! Voll aus Re's Sonnenwagen abgestürzt, bumm!

Der Bembers zog weiter und ich widmete mich wieder den Göttern. Sie sind schon einfach geil!

Die sumerischen Götter stehen auch immer auf Tieren, am besten auf Löwen. Ob das die Sumerer von den Ägyptern abgeschaut haben? ...oder umgekehrt? Was ist die archetypische Bedeutung? Na, der Gedanke ist mir irgendwie fremd, da komm ich nicht drauf.

Das ist der Thron des Tut Anch Amun. Da stand er noch, wie sein Vater, unter dem Zeichen das Aton - die allsehende und allgegenwärtige Sonnenscheibe spendet ihm ihre Gaben.

Seine Füße ruhen dabei auf einem kleinen Podest.

Auf dem Podest sind die Feinde eingeschnitzt. Er tritt seine Feinde praktisch mit Füßen.

Das "Feinde-mit-Füßen-treten" find ich eine obergeile Idee! So hatte Tut Anch Amun z.B. auch Flip Flops, da waren seine Feinde drauf gemalt, Nubier, Perser und irgendwelche Typen, die er beim Laufen also andauernd mit Füßen trat.

Ich muss das unbedingt ausprobieren! Ich kauf mir jetzt Einlegesohlen, steck ein Foto rein von Leuten, die ich nicht mag, oder ne Seite aus der Bibel oder dem Koran und latsch dann ständig drauf rum. Ich glaub, das ist ein ganz wohliges und neues Geh-Gefühl! Ich glaub durchaus, dass einem das richtig gut tun kann! Smileys

So hatte Tut Anch Amun nicht nur außen Reliefs und Schnitzwerk an seinem Streitwagen, sondern auch vor allem innen. Die inneren Reliefs zeigen seine Feinde, wie sie gefesselt und gefangen vor ihm auf den Knien rumrutschen. Das gibt doch im Krieg gleich voll die Motivation, mei!

Eines allerdings gab es damals noch nicht: Schränke. Die Ägypter bewahrten ihre ganzen Klamotten in Truhen auf. Das Audiogerät erzählte mir, dass das doch recht schwierig war, weil Tut Anch Amun an die 100 Paar Schuhe besaß.

Aha.
Na und?
Ist das was Besonderes?

Also wenn man Flip Flops und Espandrillos auch dazu zählen darf, dann kam ich in meinen besten Zeiten bezüglich des Schuhbesitzes bestimmt auch auf ziemlich hohe Summen.

Was auch noch in seinem Grab gefunden wurden, sind diese schönen Behälter aus Alabaster, in denen Salben, Öle und gut riechendes Zeugs aufbewahrt wurden. Weil so ein Pharao ja als ein Gott verehrt wurde, durfte er natürlich nicht wie ein Mensch riechen und salbte und parfümierte sich andauernd ein.

Leider war ich bei den Parfümdosen dann schon am Ende der Ausstellung. Ich gab mein Audiogerät ab und kam in einen Raum, da waren auch lauter Figuren und Götter. Die standen dort zum Verkauf - wie schön! Da wollte ich doch gleich einen kaufen!

Der Gott meiner Wahl war aber leider nicht im Angebot Smiely.

Da kaufte ich so ein nettes Parfümdöschen mit einer Sphinx drauf. Ja gut, es ist nur aus Kunstharz und nicht aus Alabaster, aber ich stellte es zuhause auf mein Regal zu meiner Ahriman-Tasse, die ich vom Pazuzu aus dem interreligiösen Forum geschenkt gekriegt hab.

1 Kommentar:

Joerg Knapp hat gesagt…

Danke für die Führung! Eintritt g'spart ;-) Grüss's Bembersle, Rafale!