Sonntag, 24. Mai 2015

1. anti-GEZ-Stand in Fürth

Haha, von wegen, @Philosoph: "in Fürth geht nix" - da lachen ja die Hühner! Und wie da was ging! Aber erst mal der Reihe nach:

Schon früh um 6 wurde ich langsam wach; der Wecker hatte noch gar nicht geklingelt. Ich stand auf, frühstückte, druckte eine letzte Liste aus, packte das ganze Zeug zusammen und verlud es unten im Hausgang auf meinen zum GEZ-Demo-Fahrzeug umgebauten Bollerwagen. Ich zog den Bollerwagen vor zur U-Bahnstation und in den Aufzug und u-bahnte damit nach Fürth.

In Fürth war um die Zeit noch komplett tote Hose. Nur ein Gemüseladen machte soeben auf. Ich zog den GEZ-Demo-Wagen aus der U-Bahn und die Schwabacher Straße entlang bis an die Ecke, die wir für unseren Stand gebucht hatten.

Langsam begann ich, mein Zeug draus auszupacken, den Schirm aufzuspannen, den Wagen zu dekorieren, mir einen Kaffee zu holen und meine Schildchen aufzustellen.

Schon in aller Früh unterschrieben Passanten die Petitions-Listen! Ich hatte schon wieder zwei Listen voll gekriegt, als wenig später Philosoph mit ihrem Nachbarn daher kam, die beide eine Menge Zeug anschleppten.

Philosoph und der Nachbar begannen, ihren Tapeziertisch auszuklappen, aufzubauen und zu dekorieren.

Ich staunte, als alles fertig war: Obwohl wir quadratmetermäßig weitaus weniger Platz belegten als in Nürnberg, sah der ganze "Stand" richtig fetzig groß nach was aus! Wow!

Die Fußgängerzone von Fürth ist bei weitem nicht so voll wie die in Nürnberg. Das war aber fast besser, denn man konnte sich mit den Leuten wirklich noch unterhalten. Am Vormittag gab es schon interessante Diskussionen und die Leute unterschrieben die Petitions-Listen wie am Fließband.

Die Fürther möchten's gemütlicher als die Nürnberger: Wir hatten in unserer Sondernutzungsgenehmigung die Auflage, die Passanten nicht aktiv ansprechen zu dürfen. Ursprünglich hatte ich mir das höchst schwierig vorgestellt. Wir mussten uns ja rein auf unsere Schilder verlassen. Ich konnte aber feststellen, dass das viel besser ist: Mit dem Schild in der Hand und Augenkontakt machte ich ein bisschen Kasperle, dann lachten die Leute, dann lachte ich, dann sprachen sie mich meistens an - dann durfte ich auch antworten und schon gings los. Das wirkte dann auch insofern viel besser, als dass sich die Leute nicht schräg angemacht fühlten, weil sie ja auch wirklich von sich aus auf uns zugekommen waren.

Mei, das war ein echter Run an dem Stand, wow!

Ein paar Leute waren dabei, die taten mir echt Leid. Da war zum Beispiel ein alter Mann (74) mit einem Fahrrad. Als er unseren Stand sah, radelte er direkt auf uns zu und fragte uns Löcher in den Bauch. Er hatte nämlich einen Brief vom Gerichtsvollzieher gekriegt und war völlig verzweifelt. Er weigerte sich zu zahlen, weil er so wenig Rente bekommt, dass er nach Abzug seiner Miete und Fixkosten grad mal 12 € über dem Hartz-IV-Satz liegt, außerdem hat er ja nur ein Radio... Mit der ganzen Situation fühlte er sich in mehrerer Hinsicht nur hoffnungslos überfordert. Dass es auch noch andere, ähnlich Betroffene gibt, wusste er bis dato gar nicht, bzw. das fiel ihm nicht ein. Allein deswegen war er schon froh und ein Stückchen erleichtert: einfach nur, weil es uns gibt! Das ist doch rührend, oder?

Nach ungefähr einer Stunde kam der alte Mann noch einmal daher geradelt. Er war schnell nach Hause geradelt, hatte seine GEZ-Unterlagen geholt und kam wieder hergeradelt. Ganz abgehetzt kam er an und sagte: "Wie schön, ihr seid noch da!" Dann legte er uns seine Unterlagen vor.

Nach bestem Wissen und Gewissen gaben wir dazu Erklärungen ab. Wirklich helfen konnten wir ihm allerdings nicht. Vielleicht hätte er die Möglichkeit, nach §766 ZPO die Formfehler zu kritisieren. Damit kommt man zwar - wie ich ja schon selber erfuhr - nicht durch, aber es gewährt immerhin (für nur 30 € Gerichtskosten) einen erheblichen Zeitaufschub, in dem man sich ja anderweitig informieren und helfen (lassen) kann.

Der alte Mann war so erleichtert, dass er uns zum Essen einladen wollte. Er fragte mich dann, welchen Kuchen ich gerne esse, er würde mir schnell vom Bäcker da drüben einen Kuchen holen wollen. "Aber nein doch, ich mach doch Diät" lachte ich: "Sie brauchen uns doch nichts dafür geben!" Weil er sich unbedingt bedanken wollte, bot er uns wenigstens seine Mithilfe an. Also nahm er sich ein Schild, stellte sich vor den Stand und warb um Unterschriften. Nach einer halben Stunde konnte er nicht mehr. Ja, er war ja auch echt alt. Aber er hatte 4 Personen zum Unterschreiben bringen können und da war er ganz stolz und froh, dass er sich bei uns revanchieren konnte.

Eine alte Frau jammerte, sie habe nur Grundsicherung und hätte auch der GEZ geschrieben, dass sie doch befreit sein müsste, aber die haben ihr nur mit Mahnungen geantwortet und hätten ihr mit Gerichtsvollzieher gedroht. Sie hat nun solche Angst, dass sie lieber zahlt. "Sie brauchen nicht zahlen, wenn Sie Grundsicherung haben. Sie können Widerspruch einlegen, weil das ist nicht rechtens!" erklärte ich ihr (Achtung: dies ist keine Rechtsberatung! ). Aber sie meinte, sie hätte solche Angst, das traut sie sich einfach nicht. Sie unterschrieb schnell die Petitionsliste und ging auch gleich wieder davon, weil sie das alles so schlimm belastet.

Ich glaub, ich muss mich einfach mal wieder mit meiner alten Schulfreundin, der Gina, treffen. Die ist ja von Berufs wegen gesetzliche Betreuerin und die frag ich mal, was man da denn machen kann, ...weil die Geschichte ärgert mich nun langsam wirklich. *gleich mal bei Gina angerufen und Date zum Essen am Dienstag ausgemacht, hr hr hr*

Es wurde nun langsam Abend und in Fürth klappen sie ja in der Fußgängerzone bekanntlich schon um 18 Uhr die Gehsteige hoch. Also fingen wir an, langsam einzupacken, weil wir ja heute auch den super-Umsatz an Unterschriften gemacht hatten: Es war einfach toll gelaufen! Philosoph war happy: Es war ja ihr Stand, also der 1. Stand in Fürth - und der hatte gleich mit einem Rekord-Unterschriften-Ertrag von über 500 Unterschriften begonnen! Nur Anton Bürger war noch besser, hatte uns "Karlsruhe" erzählt: Dessen Rekord in irgendeiner großen Stadt lag bei 700 Unterschriften am Tag. Na, wenn wir so weiter machen, toppen wir das auch noch, haha!

Wir packten also ein und begannen, uns vom Acker zu machen. Robi schleppte Philosoph's Tapeziertisch, ich zog den Bollerwagen, Philosoph schleppte den Rest und so zogen wir davon, aber die Leute wollten uns nicht gehen lassen! Sie hielten uns unterwegs noch an und rissen sich drum, unsere Petition zu unterschreiben. Echt, der Wahnsinn...!

Der Heimweg zu Philosoph führte uns über die Fürther Freiheit, wo immer noch das New Orleans-Fest lief, aber wir kamen einfach nicht durch. Die Leute bedrängten uns, die Listen unterschreiben zu dürfen. Wir könnten ja auch echt einfach noch ne Weile hier bleiben und ein bisschen feiern, stellten wir fest.

Also liefen Philosoph und Robi zu Philosoph, um das Stand-Zeug heim zu schleppen und ich wartete derweil beim New-Orleans-Fest hinter den Buden auf die beiden, die wieder her kommen wollten. Also futterte ich da erst mal ein dickes Fischbrötchen mit viiielen Zwiebeln *lecker lecker*.

Das war ja alles ganz fein, aber es gab 1 großes Problem: Die Band, die da vorn grad spielte, war einfach nur zum Kotzen. Es war eine Gospel-Band und die sangen irgendwas von "love and peace", also da rollerten sich mir die Zehennägel auf! ...und zwar bald ganz arg schlimm! Das hältste ja nicht aus als anständiger Satanist! ...und meine Freunde ließen auf sich warten und ließen mich da stehen, nur um mich zu quälen! So eine fiese Schweinerei, hörst! Oh, das war richtig schrecklich.

Da zog ich mal ein Stück weiter vor, weil das hielt ich nicht aus. Da war zwar das Gejaule von der Band auch nicht wirklich leiser, aber dafür kamen ein Haufen Leute, die ihre Unterschrift abgeben wollten, so dass ich echt noch 2 ganze Listen voll kriegte bis Philosoph und Robi wieder kamen!

Wir zogen angesichts der grauenhaften Band mal lieber vor zum Stadtpark, weil da sollte ein Electronic-Festival sein, hatte Philosoph gehört. Hier seht ihr den romantischen Fürther Stadtpark mit den chillenden Teilnehmern des Elektronic-Festivals und einer groooßen Fontäne. In assoziativem Anschluss an München gebe ich zu: Die ist noch nicht wirklich länger als die am Maximilianeum, nä, eher so ein Abtropf-Dingsda, nä, ...aber das wird schon noch, werdet's schon sehen, harr harr harr!

Am Elektronic-Festival wollten sie Eintritt und die Leute auf der Wiese davor waren zu chillig drauf um aufzustehen, also waren wir da wohl am falschen Platz, stellten wir fest. Wir machten uns zurück zum New-Orleans-Festival, da war's lustiger.

Zum Glück war die Gospel-Band nun fertig geworden, ihrem Gott die Ohren voll zu jaulen und aktuell war wieder ne richtig schön fetzige, rockige Band am Start. Das war doch gleich viel lustiger, die Leute waren auch gleich besser drauf und da standen wir noch dort und tanzten und feierten und sammelten Unterschriften.

Einer von den Unterschreibenden zeigte uns dann wütend das Ding, wofür er monatlich 17,50 € zahlen muss, hier ist es! Das ist alles, was der an Medien-Geräten irgendwie besitzt und für diesen Rotz muss er so viel zahlen! Mei, mei.

Wir ließen den Abend am Festival noch schön ausklingen. Philosoph begleitete mich schließlich mit dem Bollerwagen vor zur U-Bahn-Station. Völlig k.o. kam ich heim.

Heute hab ich dann erst mal die ganzen Listen eingescannt. Jetzt beantwort ich dann meine Mails und meinen ganzen Facebook-Krempel und dann wollt ich eigentlich ein chilliges Bad nehmen, weil ich bin ja auch immer noch erkältet und rotz und hust bloß rum, nä. Aber - Mist! - die Badewanne ist noch belegt. Da liegt das dreckige Zelt und der versüffte Schlafsack von München noch drin! Überhaupt schauts aus in meiner Bude: Das Geschirr steht rum, weil die Spülmaschine ist noch voll mit frischem Geschirr, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, es auszuräumen... und das war mein Urlaub, weil ab Dienstag muss ich wieder arbeiten!

Nachtrag I: Huch ! Was ist denn mit der Petititon passiert? Nachdem wir heute früh auf 5026 Unterschriften standen und ich sie dann um gut 350 Unterschriften auf 5400 gepusht habe, steht sie jetzt auf einmal auf sage und schreibe 5798, fast 5800! Da lädt wohl grad Philosoph ihre Listen up, ist ja echt gigantisch!

Nachtrag II: Ich find GEZ-Kampf einfach klasse: Nürnberger vertragen sich mit Fürthern, Franken identifizieren sich mit Bayern, Christen und Satanisten kämpfen in einer Reihe, Vegetarier und Metzger haben sich lieb, also das ist doch einfach absolut geil, oder?!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hallo,
ich finde ihr habt einein super job gemacht. ihr macht jedenfalls was. z. b. bei der ihk
haben permanente beschwerden die zwangsmitgliedschaft abgeschaft.
die masse auf der staße hinter sich zu haben ist sicher wichtig, für genauso wichtig halte ich es die verantwortlichen zu konfrontieren. sprecht sie direkt an, dass mögen die gutverdienenden vorstände und geschäftsführer nicht. die müssen an die öffentlichkeit gezerrt werden, dass hassen die. ähnlich wie die mafiabosse, die liebe im still im hintergrund agieren.
wie wär es für den anfang, den geschäftsführer des beitragssevices herrn Dr. Stefan Wolf über xing.de höflich mit den vielen guten argumenten zu konfrontieren. der feigling wird zwar niemals antworten, aber vielleicht vergeht ihm das unverschämte grinsen.

Anonym hat gesagt…

hallo nochmal,
als nächstes ziehl schlage ich den gesetzlichen vertreter der ard herrn Peter Boudgoust vor. der verdient millionen an unseren geldern. leider schwer zu finden, aber als alternative wären seine handlanger Sönke Vaihinger bei xing.de und Heidi Schmidt vielleicht bei facebook.

a. ehrlich

Anonym hat gesagt…

hallo,

demos verhallen im nichts. so eine demo ist sicherlich gut um eine masse zu bilden.
stellt die leute zur rede, die bei der eintreibung mit spielen. in fürth ist der reiner taege zuständig. er treibt im namen des bayerischen rundfunks ein
fragt mal den gesetzlichen vertreter des bayerischen rundfunks herrn hans helmreich. holt ihn aus seiner komfortzone raus. den habe ich schon über xing unbequem angeschrieben.
bedankt euch mal bei paul kirchhof kirchhofp@jurs.uni-heidelberg.de dem haben wir den mist zu verdanken.