Sonntag, 30. Januar 2011

o2-Veteranen

Heut traf ich mich mit der Elke und den o2-EX-Kollegen beim Japaner zum Futtern.

Da gabs ein besonderes Buffett und zwar stellt man sich das rohe Zeug auf den Teller zusammen, liefert das dann beim Koch ab und der brät das. Mei, da muss man ja fast kochen können! Was weiß denn ich, was ich zusammenstellen muss, dass Chop Suey rauskommt? Wie soll ich denn am Rohzustand erkennen, ob das Fleisch hier von der Pute oder vom Schwein ist? Auf alle Fälle stellte ich mir seltsames Zeug zusammen, aber fein war's trotzdem.

Unser Thema? Na o2 Germany! Bei o2 schmeißen sie derzeit - auf die bereits hinlänglich bekannte Psycho-Tour - 63 Leute raus, also fast alle noch fest angestellten Agents. Dann ist die ganze Firma nur auf Zeitarbeitern aufgebaut und auf diese Weise unterläuft o2 herrlich alle Tarifverträge, weil mit den Temps können sie für 7,50 machen, was sie wollen. Ach, entschuldige: "Temps" darf man ja bei o2 nicht mehr sagen, weil das ist ja diskriminierend, hei tei tei! Aber die Leute auflaufen lassen, dass sie in der Psychiatrie landen oder sich sogar umbringen, wie der Kollege A.H., das darf man wohl, hä?

Die Krankenkassen regen sich zwar auf, weil viele Leute beim Abfindungsprozess derartig fertig gemacht werden, dass Unmengen an Kosten für Therapeuten drauf gehen und die Opfer oft dann auch nach der Trennung von o2 beruflich und leistungsmäßig nicht mehr auf die Beine kommen. Eine Ex-Kollegin mailte mir erst vor Kurzem, dass sie sich überhaupt nichts mehr zutraut, in jeder Arbeit gleich wieder die Paranoja schiebt, vor lauter Versagensangst natürlich dann auch versagt und so in den letzten beiden Jahren gleich einige Jobs verloren hat. Die ist jetzt HartzIV und die Gesellschaft muss die Wracks tragen, die o2 hinterlässt.

Warum machen die das? Was bringt denen das?

Auf alle Fälle bin ich sehr stolz, NICHT mehr bei o2 zu arbeiten!
(Danach wurde man nämlich bei o2 in der Reflect-Umfrage gefragt, ob man stolz ist, für o2 zu arbeiten, stellt euch das nur mal vor! Da fehlt ja nur noch die Frage: "Wollt ihr den totalen Krieg gegen e-plus?" oder so! Na, weil's doch auch wahr ist! *ärger*)

P.S.: Ja und das Allerschönste - kaum drück ich bei diesem Blog-Eintrag auf "einstellen", wird schon gleich eine Werbung von o2 eingeblendet. Nee, Leute, da habt ihr aber falsch gespidert!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wobei die o2-Beschäftigten in Nürnberg, I'm sorry, scheinbar artige Schäfchen sind, die sich ohne Muh und Mäh zur Schlachtbank führen lassen...

Siehe auch:
http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/wirtschaft/o2-baut-jede-vierte-stelle-ab-1.278114

Da stehen vier alte Männer vor einem o2-Shop. Und die Beschäftigten glauben artig weiter an ihre "Missions" und "Promisses" und wahrscheinlich an den Priesterkönig Johannes aus Abessinien, der demnächst mit den sieben frommen Bischöfen von der Insel der Seeligen zur Rettung wird erscheinen.

Das ist traurig.

RAFA hat gesagt…

Das Muh und Mäh bleibt ihnen im Hals stecken, weil ihr Selbstbewusstsein schon im Vorfeld derartig untergraben wird, dass sie vor lauter Angst keine Nerven für eine vernünftige Aktion mehr haben. Jeder hofft, es würde IHN nicht treffen, keiner darf den Kollegen sagen, dass es ihn getroffen hat, durch die andauernden Umstrukturierungen und internen Büroumzüge können auch keine näheren sozialen Bindungen zu Kollegen geknüpft werden, so dass man im Allgemeinen auch keine Vertrauenspersonen hat und was auch den Betriebsrat betrifft: Ich hab mich dann nachher auch gefragt, warum verdammt die mir nicht schon vorher reinen Wein eingeschenkt haben, damit ich gleich von Anfang an gewusst hätte, wie der Hase läuft. Die hatten doch so einen Fall wie meinen schon zum x.ten Mal und kennen doch die Strategien der Firmenleitung zur Genüge?!

Hans-Hugo Maulwurf hat gesagt…

Naja, aber mensch weiß doch, das es so etwas wie Gewerkschaften gibt, die zwar keine Wunder vollbringen (das machen eben nur die sieben frommen Bischöfe von der Insel der Seligen, aber auf die lässt sichs trefflich warten ;) ) können, aber die einem gerade bei so üblen Geschichten doch beistehen können.

Und schließlich hast Du das ja auch irgendwie geschafft und hast dem Kasperltheater da ein bisschen auf die Mütze gehauen.

Es ist einfach ein bisschen schade, dass dieser ganze Servicesektor und gerade die "jüngeren Semester" scheinbar einfach oft ein bisschen doof, hasenhaft und zu sehr in dieser, wie Du sagst, "Hoffentlich trifft es nicht mich! Ich bin jetzt besser still, damit man mich nicht bemerkt"-Haltung verwickelt sind.

Weggucken und hoffen, dass dieser Elch an einem möge vorübergehen ist aber sinnlos.

Ach, wem sage ich das eigentlich?

Einfach mal Hut ab an Dich, dass Du das so gut über die Bühne gebracht hast und Hut ab vor allen Leuten, die in ähnlichen Situationen einfach mal gegen ungerechte Chefs und hyänenhafte Dienstleistungskonzerne zurückgeschossen haben.

RAFA hat gesagt…

Ja gut, aber was hab ich denn schon erreicht? Den Jobverlust konnte ich nicht aufhalten und ein paar Tausend € Abfindung hin oder her, das interessiert doch DIE nicht. :-(

Anonym hat gesagt…

solche Konzerne zermalmen einen, bevor man "Hallo, hier" schreien kann. Für die ist man nur ein kleines Staubpartikelchen; selbst zu unbedeutend, als dass DIE sich darüber amüsieren würden, wenn sie einen gerade platt machen. Gegen solche Unternehmen hat man so gut wie keine Chancen, und kann nur sehen, dass man einigermaßen mit heiler Haut davon kommt.

Anonym hat gesagt…

Ach, Unfug. Es kommt eben immer darauf an, wie man zermahlen werden oder Sieg definiert. Man sollte vielleicht nicht erwarten, dass man den Konzern zum Zusammenbruch bewegen kann. Den eigenen Arbeitsplatz dort kann man vielleicht auch nicht retten. Man kann aber einfach Geld rausschlagen, dass ja in der heutigen Zeit manchmal ganz nützlich sein soll. Und man sich an der Reaktionen recht erfrischen, die folgt, wenn solche Affen plötzlich eine Kündigungsschutzklage an der Backe kleben haben. Damit rechnen die nicht.

Aber halt, nein, natürlich, es ist alles furchtbar, grässlich, wir werden alle eines schrecklichen, unnatürlichen Todes in der Knochenmühle des Herrn sterben, lasset uns Bier trinken und daran verzweifeln, denn was bleibt uns denn sonst zu tun? XD

RAFA hat gesagt…

Geld interessiert mich in dem Zusammenhang halt einfach nur überhaupt nicht. Für mich ist das dreckiges Geld, weil man es mir aufzwang und dafür das nahm, was mir wirklich wichtig war (den Arbeitsplatz). Ich hab das Geld auf irgendein Konto und da liegt's, weil ich es bis heut noch gar nicht anfassen wollt.
Kündigungsklage läuft auch nicht, weil es war ja keine Kündigung, sondern ein mit Psychofolter erzwungener Auflösungsvertrag, d.h. rein rechtlich habe ja sogar ICH gekündigt. Für mich war das in gewissem Sinn eine Vergewaltigung und das Geld ist der Hurenlohn für den Fick, gegen den ich mich bis zuletzt mit allen Mitteln - vergeblich - wehrte. Wenn ich diese Vergewaltigung mal verkraftet hab, dann zahl ich von dem Geld irgendwelche Steuern oder so, weil ich möchte keine Freude daran haben.