Drei Gründe gab es, warum ich das Heidenfest in Obertraubling buchte und nicht in Würzburg:
1. Ich war jetzt die letzten 3 oder 4x in Würzburg, ich wollt endlich mal wieder woanders hin.
2. Der WoMo-Stellplatz an der Friedensbrücke kostet jetzt auch im Winter schon 17 € pro Übernachtung; der Weg von dort zur Posthalle ist auch immer so weit.
und der 3. Grund: die schwarze Madonna
.
Ich hatte einfach mal "schwarze Madonna" in Google maps eingegeben und war erstaunt, es ergab Treffer, z.B. diesen da: Irgendwo im Wald hinter Donaustauf auf einem Berg soll es ein Bildnis einer schwarzen Madonna geben. Ich googelte weiter und guckte online Bilder von ihr an. Auf einer Wander-Seite schrieb auch einer, es sei ein schöner Wanderweg, aber die Madonna sei recht schlecht zu finden.
Ursprünglich plante ich, am Freitag nach der Arbeit gleich hinzufahren und eben diese Wanderroute zu wandern, um dann dort zu übernachten und am Samstag weiter nach Obertraubling auf das Heidenfest zu fahren, das von dort aus nur noch 25 km weg war. Aber dann entschied ich mich, lieber am Samstagvormittag von zuhause aus zu fahren, denn der Heizung konnte ich nicht trauen, und wenn die ausfiel, wäre die Tour alles andere als lustig. Also gab ich eine Adresse ein, wo ich parken wollte: eine Ortschaft mit einem Wirtshaus und noch 3 Häusern außenrum namens Demling. An der Ortschaft war eine Baustelle und dort stellte ich das Naglfar einfach rein.
Der Waldweg, den ich auf Google maps gesucht hatte, war nicht weit weg, und ich lief fröhlich ab in den Wald
. Da lag aber schon nach kurzer Strecke ein umgekippter Baum quer über meinem Weg
. Äh... war das auch wirklich der Weg, den ich auf Google maps ausgesucht hatte? Naja, musste er schon sein, weil recht viel andere Wege gab es ja in der Richtung nicht.
Ich kraxelte also an dem Baum vorbei und lief auf meinem Weg weiter. Nach dem Baum war anscheinend schon länger keiner mehr gelaufen, denn der Weg war dort immer dichter bewachsen. War das überhaupt noch ein Weg? Immer weniger konnte man den Weg erkennen.
Also wenn der Weg schon als solcher kaum mehr zu identifizieren war und auf ihm Sträucher und Bäume wuchsen fast wie im Wald, dann konnte ich doch auch gleich direkt durch den Wald gehen? Die Karte, die ich mir ausgedruckt hatte, zeigte an, dass ich höchstens noch 10 Meter Luftlinie vom Ziel entfernt war, allerdings ging es den Berg hoch durch dichtes Gestrüpp und Brombeerhecken. Der Berg hatte an dieser Stelle ca. 40% Gefälle, ich krabbelte streckenweise auf allen Vieren. Dichtes Laub lag dort und die Rutschgefahr war hoch. Wenn man da erst mal ins Rutschen käme, würde man leicht den ganzen Berg runterrutschen. Ich hielt mich an allem fest, was greifbar war.
Nach kurzer Strecke war ich ziemlich außer Atem und auch richtig verschwitzt. An jedem zweiten Baum machte ich Halt, hielt mich am Baum fest, stellte mich aufrecht auf die Füße und keuchte.
Auf dem Bild kommt es gar nicht so raus, aber diese Strecke war wirklich sehr steil.
Ein Zaun war durch den Wald gezogen, vermutlich ein Privatgrundstück, aber ich konnte nicht zurück. Der Aufstieg ging ja noch, aber hier käme ich nicht mehr heil runter, es sei denn auf dem Hintern runterrutschen. An dem Zaun waren aber auch so Stiegen, auf denen man drüber klettern konnte, also kletterte ich drüber. Weiter ging's den Berg hoch. Der Zaun war stellenweise auch umgekippt, so kam ich auch wieder durch und fand schließlich endlich oben auf einen breiteren Waldweg, ein richtig ordentlicher Weg, es musste direkt vor dem Ziel sein.
Auf der Karte gab es aber bloß "meinen" Weg, darin mündete kurz vor dem Ziel ein anderer, kleinerer Weg ein - und das war's. Ich stand jetzt allerdings an einer Kreuzung mit 5 Wegeinmündungen in Sichtweite. Sowas war auf meiner Karte überhaupt nicht eingezeichnet
. Nach dem Verlauf der leichten Kurven versuchte ich zu finden, wie dieser Weg mit einem auf der Karte übereinstimmte: Der hier machte eine weite Kurve nach links, dann ein Stück gerade aus weiter, der hier macht eine Ecke? Gefiel mir aber alles nicht recht, weil eindeutig konnte ich die Wege nicht zuordnen.
Allerdings war ich jetzt ziemlich weit oben auf dem Berg, weiter rauf ging es kaum, alle anderen Wege führten leicht nach unten. Also lief ich die 5 Wege eine Weile ab. An einer Gabelung fand ich einen Baum, an dem hing ein Schild "Marterl". Ja, das war es doch! Aber wo war das Marterl? Da war keins! Der Baum war mit Zahlen bemalt und auch ein Pfeil zeigte nach links.
Ich lief also den Weg nach links und kam bald an eine Lichtung am Hang, dort stand ein Jägersteig. Ah, der Jägersteig "A16"! Die Zahlen am Baum waren also Wegweiser für Jägersteige. Ja, und wo war jetzt die schwarze Madonna? Ich lief zum Baum zurück und nahm von dort aus den nächsten Weg. Die Madonna konnte doch nicht weit von dem Baum weg sein, wenn dort schon ein Schild hing? Auch nach meiner Karte musste sie im Umkreis von 10 Metern stehen. Da stand aber nix
.
Ich lief jeden der Wege bis 100, 200 Meter ab, aber es fand sich weder das Marterl, noch die Holzbank, die dort auf Google maps-Bildern fotografiert war.
Langsam hatte ich keinen Bock mehr. Mir kam noch in den Sinn, mit dem Handy auf Google maps zu navigieren, aber ich mochte jetzt nicht mehr. Die Sonne stand auch schon merklich tiefer, es war drei Uhr durch. Vielleicht haben sie die schwarze Madonna mitsamt der Bank im Winter abgebaut und zum Schutz vor der Witterung eingemottet? Ich werde hier im Sommer nochmal herfahren!
Also machte ich mich an den Abstieg. Diesmal würde ich auf den Wegen bleiben! Ich lief den Weg, den ich zum Schluss gekommen war, wieder zurück. Er führte zwar leicht nach unten, aber er zog sich. Ich lief und lief. Bald war der Wald lichter und der Weg war verschneit worden. Im harschen Schnee hatten sich Reifenspuren eingedrückt. Hier war also sogar ein Auto gefahren, dem Reifenprofil zu entnehmen war das ein normales Straßenauto, kein Geländewagen. Wenn ich den Reifenspuren folgte, musste ich also irgendwann auf die Straße unten kommen.
Der Schnee war alt und gefroren. Er wirkte wie blankes Eis. Ich versuchte meine Schritte immer in den Fußstapfen von anderen zu setzen, die davor hier schon gelaufen waren. Es war trotzdem arschglatt. Einmal rutschte ich aus und fiel auf den Hintern. Passiert war nix, aber das könnte ich vielleicht grad noch brauchen: irgendwo im Winterwald mit verstauchtem Knöchel auf einem einsamen Waldweg zu liegen und nimmer laufen zu können?
Eine Menge Spuren waren im Schnee. Neben menschlichen Schuhen erkannte ich Pferdehufe. Auch Paarhufer waren hier gelaufen, teils recht große Abdrücke hatten sie hinterlassen. An den Seiten des Weges waren stellenweise in den Hang Kuhlen gebrochen. Ein Tier musste hier nach Futter gegraben haben. Hatten jetzt nicht die Wildschweine Brunftzeit?
Die Sonne senkte sich immer tiefer... Ich will aus diesem Wald raus, bevor es finster wird und die Wildschweine kommen! Schnell laufen konnte ich aber nicht, denn es war echt glatt.
Der Weg schlug nun eine Kurve, er war in weiten Serpentinen angelegt. Das Auto, dessen Reifenspuren ich folgte, war nicht um die Kurve gekommen, sondern offenbar bis zur nächsten Kurve rückwärts gefahren
. Die Reifenspuren hatten in der Kurve gestoppt und waren in die andere Richtung weitergefahren.
Ich lief und lief. Müd war ich von der anstrengenden Lauferei durch den glatten, gefrorenen Schnee, denn stets spannte ich ja alle Muskeln an, machte nur kleine Schritte und hütete mich vor dem Ausrutschen.
War ich denn vorhin hier mit dem Naglfar vorbei gekommen? Die Straße war sehr neu, hatte noch keinen Mittelstreifen: War ich hier auf der Herfahrt gefahren? ...äh, ich glaub nicht...? Die Ortschaft Demling musste links sein! Also lief ich nach links.
Da tauchten nun in der Ferne Häuser auf, ein Dorf! Aber schon von weitem konnte ich sehen: nein, "Demling" heißt das nicht auf dem Ortsschild, der Name dort war viel kürzer. Als ich in Leseweite gekommen war, erkannte ich "Bach a.d. Donau" auf dem Schild. Ja, "Bach" hatte ich auf Google maps auch gesehen, das war in der Nähe
. Also lief ich wieder zurück. Nach einer Weile kam ich in die nächste Ansiedlung, das war aber nur ein Bauernhof mit Pferdestall
. Ich lief weiter.
Endlich kam ich nach Demling! Ich lief durch und fand auch die Baustelle. Da stand das Naglfar! Mittlerweile stand noch ein PKW daneben, fröhliche Falschparkervermehrung
. Au, ich war sehr froh, als ich das Naglfar wieder gefunden hatte
.
...und wie gesagt: Im Sommer komme ich nochmal her, weil ich glaub, das ist wirklich ein sehr schöner Wanderweg und hier könnte das Laufen auch richtig Spaß machen, wenn das Wetter passt
.
Nachtrag: Nun hab ich mir die Mühe gemacht und mir die Karte noch einmal angeschaut - siehe da! Ich hab die Stelle gefunden mit den 5 einmündenden Wegen, wo ich war! Ich war viel zu hoch auf dem Berg, viel zu weit gelaufen! *ärgerärger*



1 Kommentar:
Wirklich spannend, du könntest auch ein Buch schreiben, hast das Zeug dazu!
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