Die A3 macht Fortschritte! Die Baustelle zieht sich zwar immer noch fast 60 km von Nürnberg nach Geiselwind hin, aber in Teilen ist nun die Fahrbahndecke schon fertig und man fährt wenigstens nicht mehr über Schlaglöcher.
Da fuhr ich gemütlich gegen Mittag los und war dann in Geiselwind auf dem Parkplatz auch die Allererste. Kurz vor 15 Uhr war ich da. Die LKW-Waschstraße war noch in Betrieb und ich ging gleich hin und guckte. 2 Männer mit langen Schläuchen standen drin und alles war nass
. Da fragte ich gleich, ob sie nur LKW waschen und nicht auch Wohnmobile? Ja, tun sie, aber heute nicht mehr, denn sie machten jetzt Feierabend. Das merk ich mir: Wenn ich das nächste Mal in Geiselwind auf ein Konzi fahr, komme ich eher - und lass das Naglfar waschen
. Eine Autowäsche kostet nur 25 €. Einmal im Jahr sollte man sich das schon leisten, find ich.
Da saß ich nun im Naglfar, hatte noch ne Menge Zeit, und drum hatte ich mein Häkelzeug mitgenommen. Ich will nämlich einen Sitzbezug häkeln. Das mach ich doch gleich an Ort und Stelle, dann hab ich die richtigen Maße: 20 Luftmaschen für die Breite der Lehne. Die Lehnenfläche hab ich zuhaus gehäkelt, aber stellenweise ist sie zu klein und andererstellenweise steht sie über die Lehne hinaus ... also da muss ich noch ne Linie reinbringen und ergänzungshäkeln.
Ich häkelte und häkelte, da kamen zwei Vans daher gefahren und stellten sich gleich neben mich. Es waren auch schon ein paar ältere Jungs, die da ausstiegen, aber sie fingen gleich an mit Vorglühen, damit sie heute auch ja besoffen sein würden. Bei mir ist das umgekehrt: Ich übe mich in ent-glühen und langsam-trinken, damit ich nicht zu sehr besoffen bin, weil ich vertrag ja nichts mehr
. So nuckelte ich an meinem Tee.
Langsam füllte sich der Parkplatz und es wurde auch zu finster zum Häkeln, sodass ich mich auch mal aufmachte, bissel Make Up ins Gesicht schmierte, meine Kutte anzog und meine Sendra-Cowboystiefel, echt 80er.
Das Konzert war ausverkauft und die Schlange an Leuten vor dem Eingang war echt beeindruckend lang. Es ging aber doch relativ flott, die haben da anscheinend gute Leute am Eingang sitzen. Ich stellte mich mal an. Hinter mir stand ein Grüppchen und die eine Frau sagte zu ihren Kumpels: "Guckt mal, Mantaletten! Solche hatte ich auch an vor 30 Jahren!" Ich find das klasse, das 80er-Outfit
. Ich bastel mir auch grad eine original 80er-Kutte mit Patches nur von Bands aus den 80ern. Da stand in der Menge auch ein Kerl, der hatte so ne original Streifenhose an, ganz wie vor 40 Jahren
.
Es ist eine richtige Zeitreise: Jetzt bin ich doch echt schon ordentlich alt und schon längst alles andere als sexi-hexi, aber die (alten) Kerle guckten mich immer noch an. Ich spürte ihre Blicke - wie früher - beim Vorbeigehen in meinem Rücken. Ich bin früher in irgendeine Location rein, ging durch die Tür - und alle Kerle haben geglotzt. Da lief ich dann erst mal rum und guckte mir das Angebot an und die männlichen Blicke verfolgten mich verstohlen. Nur wenige haben es gewagt, mich tatsächlich anzumachen und sich ihren Koffer zu holen, aber ich hätte alle haben können. Dieses erhabene Gefühl war früher mein Alltag.
Das verflog dann in den 90ern als ich die 30 überschritten hatte. Ich hab's am Anfang arg vermisst und durchlitt erst eine schwere Krise. Aber mittlerweile hatte ich es fast vergessen, so lang ist das schon her. Hier war das auf einmal wieder da! Natürlich nicht so krass wie früher, und mir ist auch klar, dass die Herren hier zu 99% verheiratet sind und ihre Weiber zuhause hocken haben, aber sie glotzten trotzdem. ...und ich genoss das und stolzierte genauso wieder rum wie damals im Quattro oder im Groovy
. So geil!
Ich glotzte auch - auf den mit Abstand schönsten Mann weit und breit, den Tetzel. Dem gehts wahrscheinlich wie mir damals: Die Blicke der alten Weiber wie meinereiner kotzen ihn wohl bloß noch an, aber er ließ es sich nicht anmerken, und so stand ich recht weit vorn im Publikum und himmelte ihn an.
Es gab hier wohl Leute, die All for Metal noch gar nicht kannten, und ein Mann neben mir sagte ganz beeindruckt zu seinem Kumpel: "Gegen den bin ich ja ein Hobbit..." "Hey, Hobbit, lass mich mal durch!" sagte ich
.
Da ich so schön weit vorn stand, riss mich der Gig auch gut mit und ich moshte und hüpfte.
Nach dem Auftritt stand dann der Tetzel vor seinem Merch und ließ sich mit den Fans fotografieren.
Ich guckte mal, was es so alles zu merchen gab, vielleicht doch ein T-Shirt mit dem Halbgott? Aber die T-Shirts - sogar die von den Vorbands - kosteten mittlerweile 35 € und das seh ich einfach nicht ein, tut mir Leid. Noch vor Corona hat man für 35 € ein Hoodie gekriegt oder ein Zipper und jetzt wollen die das schon für ein lumpiges T-Shirt. Ihr könnt mich mal! Da gehen wir schön zu den 80er-Sitten über und schreiben uns die Namen der favourite Bands halt einfach nur mit Edding selber auf die Kutte .
Crownshift kannte ich gar nicht. Musikalisch waren die nicht schlecht, aber das Auge isst halt mit und an den Tetzel kommt da einfach nix ran.
Dann kam endlich der kleine Udo. Der Dirkschneider rockte richtig gut weg und spielte fast alles vom neuen Album. Das neue Album besteht allerdings größtenteils aus lauter Remakes und so hörten wir Balls to the Wall und London Leather Boys. Aber die Stimmung war prima!
Ich stand oben auf der Tribüne und moshte und dancte, ja, tatsächlich. 3 Kerle standen vor mir und moshten auch ein bisschen. Als einer von ihnen sah, dass ich hinter ihnen stand und da voll abrockte, drehte er sich gleich um und moshte mich an. Wir moshten im Takt, wir schlangen die Arme umeinander und moshten zusammen, aber dann stoppte der Kerl plötzlich. Er hielt sich den Rücken, aua, grinste mich entschuldigend an, verzog dann schmerzlich sein Gesicht und schlich fast humpelnd davon. Sah nach Lumboischialogie aus
. Ich rief ihm noch nach: "Nix drauf geben! Einfach weiter moshen!" So geht es mir jedenfalls: wenn mir was weh tut und ich einfach weiter moshe, ist es gleich wieder weg und nach dem Mosh fühl ich mich wie neu geboren.
Das Konzi war ein richtig gutes Event, hat mir voll gefallen, und ich blieb sogar bis ganz zum Schluss, hörte mir auch die Zugabe noch an. Sonst werd ich ja immer müd - hier nicht . Aber nun war's zu Ende und ich lief heim zum Naglfar, nicht weit, gleich ums Eck. Die Van-Nachbarn lagen wohl schon flach, beim Van waren die Vorhänge zugezogen. Die waren wohl müd geworden? Leise zog ich am Naglfar die Tür zu und machte mich jetzt auch gleich ins Bett. Warm war's nicht grad, aber unbedingt heizen brauchte ich da jetzt auch nicht, dachte ich. In der Nacht war es dann aber doch recht kalt geworden, die Luft war langsam richtig eisig und es fror mich ein wenig an der Nase.
Gegen 10 Uhr krabbelte ich aus dem Bett. Das Thermometer zeigte 12 Grad im Auto, also man musste nicht frieren, aber gemütlich hinsetzen lief nicht. Sollte ich die Heizung anschmeißen und häkeln? Ach nein, ich entschied, dass ich heim fahre, es ist ja nicht weit.